Die fantastische Welt von Oz
Mar. 22nd, 2013 01:03 pmEs gibt einen sehr berühmten Film von 1939, der da heißt "Der Zauberer von Oz". In Amerika ist der sozusagen Allgemeingut und läuft jedes Jahr im Fernsehn. Man kann ihn quasi auswendig. Uramerikanisch - und welche Firma wäre am besten geeignet, sich des Themas erneut anzunehmen? Richtig. Der amerikanischste aller Film-Konzerne. Disney. Also haben sie das dann auch getan.
Vorab: Der Originaltitel des Film ist "Oz the Great and Powerful". Es gibt kein Buch von Mr.Baum, das so heißt. Es ist also keine Buchverfilmung, sondern ein Film nach Motiven der Bücher - "Der Zauberer von Oz" ist Band 1. Alle weiteren Bücher spielen, soweit ich das im Moment überblicke, denn ich habe sie noch nicht alle gelesen, danach. Also macht Disney ein Prequel. Das scheint am einfachsten zu sein (und hat ja auch bei "Wicked" schon funktioniert). Nur geht Disney noch weiter. "Wicked" erklärt uns nur, wie Elphalba die Wicked Witch of the West wurde. "Die fantastische Welt von Oz" erklärt uns nicht nur, wie Theodora die Wicked Witch of the West wurde, sondern auch, wie der Zauberer von Oz der Zauberer von Oz wurde. (Mr.Baum selbst hat der Wicked Witch of the West angeblich nie einen Namen gegeben.)
Natürlich bleiben sie da dem treu, was jeder weiß: der gute Mann kommt mit einem Heissluftballon und ist ein Jahrmarktszauberer. Er ist kein Thronräuber, und er wird aufgrund einer Prophezeihung zum Herrscher von Oz. Ja, die hängt damit zusammen, dass man ihn Oz nennt. Er heißt übrigens tatsächlich Oscar Zoroaster Phadrig Isaac Norman Henkle Emmannuel Ambroise Digg, und er stellt sich Theodora damit in voller Länge vor. Erster Plusplunkt.
Außerdem ist ein ein furchtbarer Egomane, der dann natürlich über den Film hinweg geläutert und zu einem guten und gütigen Menschen wird.
Kurze Handlungszusammenfassung (Vorsicht, Spoiler):
Der Zauberer kommt nach Oz und wird von der Hexe Theodora die Gute für den Zauberer aus der Prophezeihung gehalten. Sie machen sich auf zur Smaragdstadt. Unterwegs rettet der Zauberer einen kleinen geflügelten Affen vor einem Löwen, in dem er den Löwen eher versehendlich mit einer roten Rauchwolke erschreckt. Der Affe trägt eine Pagenuniform und schwört dem Zauberer ewige Treue. In der Smaragdstadt hält Theodoras Schwester Evanora die Stellung beim verwaisten Thron. Sie sagt dem Zauberer, dass er erst Herrscher über Oz wird, wenn er die böse Hexe besiegt hat. Dazu muß er deren Zauberstab zerbrechen. Der Zauberer macht sich also mit seinem Affen auf. Unterwegs kommen sie durch eine zerstörte Porzellanstadt, der Zauberer klebt die Beine eines Porzellanmädchens, und sie ertrotzt sich, dass er sie ebenfalls mitnimmt. Im Nebel an einem Friedhof stoßen sie auf die böse Hexe, die sich dann als Glinda die gute Hexe des Südens (zweiter Pluspunkt) entpuppt. Sie ist die Tochter des ermordeten Königs von Oz, der auch ein Zauberer war, und zwar einer von der Sorte, der Wünsche erfüllt. Wir erfahren, dass Evanora, die böse Hexe ist.
Die macht mittlerweile Theodora weiß, dass der Zauberer sie mit ihr betrogen hat und jetzt etwas mit Glinda anfängt. Theodora verzweifelt und ihre sie liebende Schwester gibt ihr einen grünen Apfel, der das Herz verkümmern läßt, damit sie nicht mehr unter dem Verrat des Zauberes leiden muß. Theodora verwandelt sich in die Wicked Witch of the West. Ja, sie wird auch grün. Ja, sie kriegt eine krumme Nase und ein spitzes Kinn. Ja, sie kichert bösartig. Nein, sie will nicht durch einen Zauberspruch schön werden. (Pluspunkt)
Glinda hat Zauberer, Affe und Porzellanmädchen mit in ihr Reich genommen. Per Seifenblase (in the way that other people bicyle, Glinda bubbles - Pluspunkt). Evanora und Theodora erklären Glinda und ihren Leuten den Krieg.
Am Ende kommt es zum Showdown in der Smaragdstadt. Der Zauberer vertreibt Theodora, Glinda besiegt Evanora, Happy End. Zwischendurch erleben wir noch eine Armee von Vogelscheuchen, singende und tanzende Munchkins und eine Gruppe Tinker, die ganz sicher auch in der Lage sein werden, einen Zinnmann zu bauen, wenn sie mal auf die Idee kommen. Ach ja, und Evanoras fliegende Paviane, die vom Schlafmohnfeld besiegt werden. Evanora ist übrigens wohl die Wicked Witch of the East, auf die später mal das Haus fallen wird. Irgendwo muss die Schwester ja herkommen. Von Schuhen war allerdings nicht die Rede, und ich kann mich auch nicht erinnern, was für Schuhe Evanora anhatte. Da sie schwarz und grün trug, hätten sie eigentlich auffallen müssen, wären sie rot gewesen... Naja, zur DVD dann.)
Der Film strotzt nur so vor Stereotypen. Glinda ist gut und süß und naiv und immer freundlich. Die Wicked Witch of the West hält sich krumm, hat einen Besen (ja, sie erklären, warum) und kichert bösartig. Geflügelter Affe und Porzellanmädchen sind niedlich. Der Zauberer ist unfähig, selbstüberschätzt und grinst nervig, was er wohl für charmant hält. Die Quadlings und Munchkins sind noch naiver als Glinda. Die geflügelten Paviane dienen vor allem als Schockmoment.
Zudem gibt es Plotholes - was macht Glinda mitten im Dunkelwald nachts auf dem Friedhof? Kann sie das Grab ihres Vaters nicht tagsüber besuchen? Und wieso liegt der so weit weg von der Smaragdstadt, wenn da alle um ihn trauern? Evanora hat Glinda des Mordes angeklagt und verbannt, nicht die Leiche ihres Vaters! - und drei Viertel aller Beteiligten verhalten sich unglaublich dumm. Von den Wächtern der Smaragdstadt bis hin zu den Hexen selber. Keiner kann ordentlich denken.
In jedem anderen Film würde das nerven, aber das hier ist Oz. Bei Oz gehört es dazu, dass alle Bewohner leicht ahnungslos sind, naiv, und zu den passenden Momenten entweder total feige oder total mutig, je nachdem, was die Handlung gerade braucht. Jede noch so abstruse Wendung trägt zum Charme von Oz bei. Theodora, die Glindas Verteidigungsseifenblase sprengt, nur um mal vorbeizukommen und zu sagen, dass sie und ihre Schwester sie vernichten werden. Denn dann geht sie einfach wieder. Evanora, die ihre gesamten Paviane zum Angriff auf eine Armee schickt, die gerade das Schlafmohnfeld durchquert, das direkt von der Smaragdstadt liegt, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass das keine Armee könnte, und was es mit den Affen machen wird... Das ist Oz. Oz ist so. Selbst die Sache mit dem großen Goldschatz voller Münzen ist spaßig, denn ich weiß, dass es in Oz kein Geld gibt. So wie die Filmemacher wahrscheinlich auch. Die haben nämlich sicher die ganze Buchreihe nach Dingen durchforstet, die sie für den Film ausschlachten können. Und das funktioniert. Auch die Auftritte von Ozianern, die genauso aussehen wie ihre Pendants in Kansas, sind schön. Gehört zur Tradition.
Dazu kommt noch etwas: ihre Optik. Die Smaragdstadt sieht ganz genauso aus wie die Smaragdstadt aus "Der Zauberer von Oz", nur upgedated. Nein, nichtmal das, denn das würde "modernisiert" bedeuten. Sagen wir, sie ist jetzt nicht mehr verschwommen. Damals haben wir sie durch ein ungeputztes Fenster gesehen und jetzt ist das Fenster sauber. Genau das Gefühl ist es. Es ist genau so, wie es sein muss. Und ja, sie ist grün. Keine Brillen.
Glindas Land sieht aus wie Glindas Land aussehen muss. Es passt ebenfalls nahtlos zum alten Film. Auch der Dunkelwald mit seinen Pflanzen mit Augen. Auch die gelbe Backsteinstrasse, die durch die Felder führt. Das ist Oz, eindeutig. Man erkennt es sofort wieder.
Darüber hinaus haben sie massenweise neue Sets. Beeindruckend, gewaltig, bunt, poetisch, verzaubert und einfach traumhaft schön. Alleine die Anfangssequenz in Oz, in der der Zauberer den Fluss entlangdriftet, mit den musizierenden Pflanzen am Ufer - ich hab mir gewünscht, sie würden die Hintergrundmusik weglassen, damit man den natürlichen Klang in diesem Moment hören kann. Eben das, was der Zauberer in diesem Moment auch hört. Das wäre noch viel toller gewesen, weil echter. Oder auch später, wenn sie mit den Seifenblasen durch die Kristalle fliegen... wäre der Film in 2D gewesen, es wäre noch viel toller gewesen, denn dann wäre es weniger verschwommen gewesen.
3D ist damit ein Kritikpunkt. Auch die Love Story zwischen Glinda und dem Zauberer ist für mich ein Kritikpunkt - mußte das jetzt auch noch sein? Auch war Glinda von den drei Hexen die, zu der das Kostümdepartment am wenigsten nett war. Dieses Diadem war erstens furchtbar und zweitens wohl festgewachsen... ehrlich, wer diese Idee hatte... im Vergleich zu den beiden anderen wirkt Glindas Design platt und lieblos. Sehr schade. Dabei noch Evanora wiederholt "Niemand widersteht Glindas Charme." sagen zu hören, war schon beinahe wie Hohn.
James Franco als Zauberer ist zweifelsohne charmant, hat für mich aber nicht den Reiz, den er für alle anderen zu haben scheint. Er spielt gut und hat noch immer den Vorteil, dass ich den Zauberer der Bücher mag (auch wenn der gefühlte 40 Jahre älter ist), und dass seine Rolle dafür in jedem Fall auf der richtigen Linie liegt. Mila Kunis als Theodora hat riesige Rehaugen, die sie einzusetzen weiß, und ist durchaus schön. Das Make up, dass sie als Wicked Witch trägt, wirkt ein bißchen verunglückt, ohne dass ich genau sagen kann, woran es liegt. Es sieht nicht aus als wäre es ihre Nase... irgendwie sowas. Rachel Weisz als Evanora ist der eigentliche Star der Hexen, bekommt von allem (Kostüm, Szenen, Make up, Text....) das Beste und wird entsprechend in Szene gesetzt. Folgerichtig ist sie die präsenteste von ihnen. Michelle Williams als Glinda spielt ihre Rolle bis zur Vollendung naiv und gütig, wurde aber wie erwähnt optisch total im Stich gelassen und muß am Ende ein Happy End haben. Dabei hatte ich mich schon gefreut, dass sie dem Zauberer vor dem Feldzug nur den obligatorischen Schutz-Kuss auf die Stirn gibt... war wohl zu früh.
Ein wenig sollte es wohl auch bedenklich stimmen, dass Zach Braff seine eigentliche Bravourleistung als Finley, der gefügelte Affe, erbringt, und mit einer CGI-Figur das halbe Ensemble an die Wand spielt... aber das ist man ja nach "Der Hobbit" schon beinahe gewöhnt. Ich gebe es jetzt also mal als Lob an die Leute, die da am Motion Capture arbeiten. Das ist wirklich vom Feinsten.
Im Detail gesehen hat es Schwächen. Ingesamt gesehen ist es genau das, was es sein soll. Es ist Oz. Die Handlungen von Oz-Geschichten sind für Menschen konzipiert, die sich nicht von Logik oder Continuity einengen lassen, und bereit sind, sich darauf einzulassen, ein Land zu betreten wie einen Traum. Träume scheren sich auch nicht um Dinge, die möglich sind. Oder, um es mit dem Film zu sagen: "Solange man glaubt, ist alles möglich."
Willkommen zurück in Oz!
Vorab: Der Originaltitel des Film ist "Oz the Great and Powerful". Es gibt kein Buch von Mr.Baum, das so heißt. Es ist also keine Buchverfilmung, sondern ein Film nach Motiven der Bücher - "Der Zauberer von Oz" ist Band 1. Alle weiteren Bücher spielen, soweit ich das im Moment überblicke, denn ich habe sie noch nicht alle gelesen, danach. Also macht Disney ein Prequel. Das scheint am einfachsten zu sein (und hat ja auch bei "Wicked" schon funktioniert). Nur geht Disney noch weiter. "Wicked" erklärt uns nur, wie Elphalba die Wicked Witch of the West wurde. "Die fantastische Welt von Oz" erklärt uns nicht nur, wie Theodora die Wicked Witch of the West wurde, sondern auch, wie der Zauberer von Oz der Zauberer von Oz wurde. (Mr.Baum selbst hat der Wicked Witch of the West angeblich nie einen Namen gegeben.)
Natürlich bleiben sie da dem treu, was jeder weiß: der gute Mann kommt mit einem Heissluftballon und ist ein Jahrmarktszauberer. Er ist kein Thronräuber, und er wird aufgrund einer Prophezeihung zum Herrscher von Oz. Ja, die hängt damit zusammen, dass man ihn Oz nennt. Er heißt übrigens tatsächlich Oscar Zoroaster Phadrig Isaac Norman Henkle Emmannuel Ambroise Digg, und er stellt sich Theodora damit in voller Länge vor. Erster Plusplunkt.
Außerdem ist ein ein furchtbarer Egomane, der dann natürlich über den Film hinweg geläutert und zu einem guten und gütigen Menschen wird.
Kurze Handlungszusammenfassung (Vorsicht, Spoiler):
Der Zauberer kommt nach Oz und wird von der Hexe Theodora die Gute für den Zauberer aus der Prophezeihung gehalten. Sie machen sich auf zur Smaragdstadt. Unterwegs rettet der Zauberer einen kleinen geflügelten Affen vor einem Löwen, in dem er den Löwen eher versehendlich mit einer roten Rauchwolke erschreckt. Der Affe trägt eine Pagenuniform und schwört dem Zauberer ewige Treue. In der Smaragdstadt hält Theodoras Schwester Evanora die Stellung beim verwaisten Thron. Sie sagt dem Zauberer, dass er erst Herrscher über Oz wird, wenn er die böse Hexe besiegt hat. Dazu muß er deren Zauberstab zerbrechen. Der Zauberer macht sich also mit seinem Affen auf. Unterwegs kommen sie durch eine zerstörte Porzellanstadt, der Zauberer klebt die Beine eines Porzellanmädchens, und sie ertrotzt sich, dass er sie ebenfalls mitnimmt. Im Nebel an einem Friedhof stoßen sie auf die böse Hexe, die sich dann als Glinda die gute Hexe des Südens (zweiter Pluspunkt) entpuppt. Sie ist die Tochter des ermordeten Königs von Oz, der auch ein Zauberer war, und zwar einer von der Sorte, der Wünsche erfüllt. Wir erfahren, dass Evanora, die böse Hexe ist.
Die macht mittlerweile Theodora weiß, dass der Zauberer sie mit ihr betrogen hat und jetzt etwas mit Glinda anfängt. Theodora verzweifelt und ihre sie liebende Schwester gibt ihr einen grünen Apfel, der das Herz verkümmern läßt, damit sie nicht mehr unter dem Verrat des Zauberes leiden muß. Theodora verwandelt sich in die Wicked Witch of the West. Ja, sie wird auch grün. Ja, sie kriegt eine krumme Nase und ein spitzes Kinn. Ja, sie kichert bösartig. Nein, sie will nicht durch einen Zauberspruch schön werden. (Pluspunkt)
Glinda hat Zauberer, Affe und Porzellanmädchen mit in ihr Reich genommen. Per Seifenblase (in the way that other people bicyle, Glinda bubbles - Pluspunkt). Evanora und Theodora erklären Glinda und ihren Leuten den Krieg.
Am Ende kommt es zum Showdown in der Smaragdstadt. Der Zauberer vertreibt Theodora, Glinda besiegt Evanora, Happy End. Zwischendurch erleben wir noch eine Armee von Vogelscheuchen, singende und tanzende Munchkins und eine Gruppe Tinker, die ganz sicher auch in der Lage sein werden, einen Zinnmann zu bauen, wenn sie mal auf die Idee kommen. Ach ja, und Evanoras fliegende Paviane, die vom Schlafmohnfeld besiegt werden. Evanora ist übrigens wohl die Wicked Witch of the East, auf die später mal das Haus fallen wird. Irgendwo muss die Schwester ja herkommen. Von Schuhen war allerdings nicht die Rede, und ich kann mich auch nicht erinnern, was für Schuhe Evanora anhatte. Da sie schwarz und grün trug, hätten sie eigentlich auffallen müssen, wären sie rot gewesen... Naja, zur DVD dann.)
Der Film strotzt nur so vor Stereotypen. Glinda ist gut und süß und naiv und immer freundlich. Die Wicked Witch of the West hält sich krumm, hat einen Besen (ja, sie erklären, warum) und kichert bösartig. Geflügelter Affe und Porzellanmädchen sind niedlich. Der Zauberer ist unfähig, selbstüberschätzt und grinst nervig, was er wohl für charmant hält. Die Quadlings und Munchkins sind noch naiver als Glinda. Die geflügelten Paviane dienen vor allem als Schockmoment.
Zudem gibt es Plotholes - was macht Glinda mitten im Dunkelwald nachts auf dem Friedhof? Kann sie das Grab ihres Vaters nicht tagsüber besuchen? Und wieso liegt der so weit weg von der Smaragdstadt, wenn da alle um ihn trauern? Evanora hat Glinda des Mordes angeklagt und verbannt, nicht die Leiche ihres Vaters! - und drei Viertel aller Beteiligten verhalten sich unglaublich dumm. Von den Wächtern der Smaragdstadt bis hin zu den Hexen selber. Keiner kann ordentlich denken.
In jedem anderen Film würde das nerven, aber das hier ist Oz. Bei Oz gehört es dazu, dass alle Bewohner leicht ahnungslos sind, naiv, und zu den passenden Momenten entweder total feige oder total mutig, je nachdem, was die Handlung gerade braucht. Jede noch so abstruse Wendung trägt zum Charme von Oz bei. Theodora, die Glindas Verteidigungsseifenblase sprengt, nur um mal vorbeizukommen und zu sagen, dass sie und ihre Schwester sie vernichten werden. Denn dann geht sie einfach wieder. Evanora, die ihre gesamten Paviane zum Angriff auf eine Armee schickt, die gerade das Schlafmohnfeld durchquert, das direkt von der Smaragdstadt liegt, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass das keine Armee könnte, und was es mit den Affen machen wird... Das ist Oz. Oz ist so. Selbst die Sache mit dem großen Goldschatz voller Münzen ist spaßig, denn ich weiß, dass es in Oz kein Geld gibt. So wie die Filmemacher wahrscheinlich auch. Die haben nämlich sicher die ganze Buchreihe nach Dingen durchforstet, die sie für den Film ausschlachten können. Und das funktioniert. Auch die Auftritte von Ozianern, die genauso aussehen wie ihre Pendants in Kansas, sind schön. Gehört zur Tradition.
Dazu kommt noch etwas: ihre Optik. Die Smaragdstadt sieht ganz genauso aus wie die Smaragdstadt aus "Der Zauberer von Oz", nur upgedated. Nein, nichtmal das, denn das würde "modernisiert" bedeuten. Sagen wir, sie ist jetzt nicht mehr verschwommen. Damals haben wir sie durch ein ungeputztes Fenster gesehen und jetzt ist das Fenster sauber. Genau das Gefühl ist es. Es ist genau so, wie es sein muss. Und ja, sie ist grün. Keine Brillen.
Glindas Land sieht aus wie Glindas Land aussehen muss. Es passt ebenfalls nahtlos zum alten Film. Auch der Dunkelwald mit seinen Pflanzen mit Augen. Auch die gelbe Backsteinstrasse, die durch die Felder führt. Das ist Oz, eindeutig. Man erkennt es sofort wieder.
Darüber hinaus haben sie massenweise neue Sets. Beeindruckend, gewaltig, bunt, poetisch, verzaubert und einfach traumhaft schön. Alleine die Anfangssequenz in Oz, in der der Zauberer den Fluss entlangdriftet, mit den musizierenden Pflanzen am Ufer - ich hab mir gewünscht, sie würden die Hintergrundmusik weglassen, damit man den natürlichen Klang in diesem Moment hören kann. Eben das, was der Zauberer in diesem Moment auch hört. Das wäre noch viel toller gewesen, weil echter. Oder auch später, wenn sie mit den Seifenblasen durch die Kristalle fliegen... wäre der Film in 2D gewesen, es wäre noch viel toller gewesen, denn dann wäre es weniger verschwommen gewesen.
3D ist damit ein Kritikpunkt. Auch die Love Story zwischen Glinda und dem Zauberer ist für mich ein Kritikpunkt - mußte das jetzt auch noch sein? Auch war Glinda von den drei Hexen die, zu der das Kostümdepartment am wenigsten nett war. Dieses Diadem war erstens furchtbar und zweitens wohl festgewachsen... ehrlich, wer diese Idee hatte... im Vergleich zu den beiden anderen wirkt Glindas Design platt und lieblos. Sehr schade. Dabei noch Evanora wiederholt "Niemand widersteht Glindas Charme." sagen zu hören, war schon beinahe wie Hohn.
James Franco als Zauberer ist zweifelsohne charmant, hat für mich aber nicht den Reiz, den er für alle anderen zu haben scheint. Er spielt gut und hat noch immer den Vorteil, dass ich den Zauberer der Bücher mag (auch wenn der gefühlte 40 Jahre älter ist), und dass seine Rolle dafür in jedem Fall auf der richtigen Linie liegt. Mila Kunis als Theodora hat riesige Rehaugen, die sie einzusetzen weiß, und ist durchaus schön. Das Make up, dass sie als Wicked Witch trägt, wirkt ein bißchen verunglückt, ohne dass ich genau sagen kann, woran es liegt. Es sieht nicht aus als wäre es ihre Nase... irgendwie sowas. Rachel Weisz als Evanora ist der eigentliche Star der Hexen, bekommt von allem (Kostüm, Szenen, Make up, Text....) das Beste und wird entsprechend in Szene gesetzt. Folgerichtig ist sie die präsenteste von ihnen. Michelle Williams als Glinda spielt ihre Rolle bis zur Vollendung naiv und gütig, wurde aber wie erwähnt optisch total im Stich gelassen und muß am Ende ein Happy End haben. Dabei hatte ich mich schon gefreut, dass sie dem Zauberer vor dem Feldzug nur den obligatorischen Schutz-Kuss auf die Stirn gibt... war wohl zu früh.
Ein wenig sollte es wohl auch bedenklich stimmen, dass Zach Braff seine eigentliche Bravourleistung als Finley, der gefügelte Affe, erbringt, und mit einer CGI-Figur das halbe Ensemble an die Wand spielt... aber das ist man ja nach "Der Hobbit" schon beinahe gewöhnt. Ich gebe es jetzt also mal als Lob an die Leute, die da am Motion Capture arbeiten. Das ist wirklich vom Feinsten.
Im Detail gesehen hat es Schwächen. Ingesamt gesehen ist es genau das, was es sein soll. Es ist Oz. Die Handlungen von Oz-Geschichten sind für Menschen konzipiert, die sich nicht von Logik oder Continuity einengen lassen, und bereit sind, sich darauf einzulassen, ein Land zu betreten wie einen Traum. Träume scheren sich auch nicht um Dinge, die möglich sind. Oder, um es mit dem Film zu sagen: "Solange man glaubt, ist alles möglich."
Willkommen zurück in Oz!