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1. Es gibt vier Himmlische Tiere, die für den Schutz der vier Himmelsrichtungen zuständig sind.

Seiryū, der Blaue Drache des Ostens. Er steht für Holz, Frühling, die Morgendämmerung, den Planeten Jupiter, Macht, Herrschaft, Güte, Kreativität, und er herrscht über den Regen.

Suzaku, der Rote Phönix des Südens. Er steht für Feuer, Sommer, den Mittag, den Planeten Mars, Reinheit, Wiedergeburt, Anstand und herrscht über Hitze und Flamme.

Byakku, der Weiße Tiger des Westens. Er steht für Metall, Herbst, die Abenddämmerung, den Planeten Venus und Rechtschaffenheit, und er herrscht über den Wind.

Genbu, die Schwarze Schildkröte des Nordens. Sie steht für Wasser, Winter, Mitternacht, den Planeten Merkur, Langlebigkeit, Weisheit und sie kontrolliert die Kälte.

Angeblich hat jede alte japanische Stadt Viertel, die den einzelnen Tieren zugeordnet sind, und dort auch Schreine für sie. Kyōto hat in jedem Fall einen Seiryū-Schrein im Kiyomizu-dera Tempel, und einen Genbu-Schrein unter eben diesem Namen nördlich des Kaiserpalastes. Suzaku scheint eher in den Südtoren der Städte (Suzakumon) repräsentiert zu werden, das von Kyoto steht nicht mehr, lag aber wohl an der wichtigen Nord-Süd-Achse vom Kaiserpalast zur Stadtmauer, die heute Senbon Avenue heißt. Für Byakku scheint Kyōto nichts zu bieten zu haben, aber es gibt Darstellungen in alten Gräbern in Nara.

2. Japanische Gärten folgen dem Prinzip des wabi-sabi

"Das schwer zu übersetzende Wabi-Sabi (侘寂) bezeichnet eine Ästhetik des Unperfekten, das sich durch Asymmetrie, Rauheit, Unregelmäßigkeit, Einfachheit und Sparsamkeit auszeichnet. Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit beweisen Achtung vor der Eigenheit der Dinge. (...) Ursprünglich bedeutet Wabi sich elend, einsam und verloren zu fühlen. Dies wandelte sich zur Freude an der Herbheit des Einsam-Stillen. Aber erst in der Verbindung mit Sabi, alt sein, Patina zeigen, über Reife verfügen, entstand die eigentlich nicht übersetzbare Begriffseinheit, die den Maßstab der japanischen Kunstbewertung bildet." (Quelle: Wikipedia)

Unser Guide Sebastiano in Kyōto hat erklärt, dass wabi dafür steht, Dinge so zu belassen, wie sie sind, sich genau daran zu freuen und sich mit dem zu bescheiden, was man hat, und sabi für die Schönheit im Altern und Verwittern.

3. Nichts ist für immer. Nichts ist jemals fertig. Nichts ist vollkommen.
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Kyōto (Bedeutung: "Hauptstadt") ist die Hauptattraktion jeder Japanreise (okay, außer der spannenden Frage "Gelingt es mir, den Fuji-san zu sehen?"). Kyōto, die alte Kaiserstadt. Kyōto, mit der schönsten Altstadt Japans. Kyōto, Stadt der 1000 Tempel. Kyōto, Sprungbrett nach Nara. Kyōto, mit einem Fluss, dessen Wasser so klar ist, dass man von der Brücke aus jeden Stein genau erkennen kann. Und so flach, dass wir einen gründelnden Kormoran von der Brücke aus für einen sehr großen Fisch gehalten haben.

Kyōto hat knapp 1 500 000 Einwohner. Seine Bäume sind Ahorn, Babylonische Trauerweide und Kuchenbaum, seine Blumen sind Kamelie, Azalee und eine Kirschart. Natürlich hat es hochrangige Städtepartnerschaften, mit Paris (Frankreich), Boston (USA), Köln (Deutschland), Florenz (Italien), Kiew (Ukraine), Xi'an und Quingdao (China), Guadalajara (Mexiko), Zagreb (Kroatien), Prag (Tschechien), Jinju (Südkorea), Konya und Istambul (Türkei), Hué (Vietnam) und Vientiane (Laos).

Dass die Stadt vor allem vom Tourismus lebt, ist kein Wunder. Das geht sogar so weit, dass man als Tourist angehalten wird, sich respektvoll zu verhalten und Verständnis dafür zu zeigen, dass die Einwohner Kyōto von den Touristenmassen, die ihre Straßen, religiösen Orte, Parks und Busse verstopfen, auch einfach mal genervt sind. Passend zum Image der Stadt gibt es viele kleine Betriebe, die sich dem traditionellen Handwerk verschrieben haben, aber auch Global Player wie Nintendo oder Omron haben ihre Hauptquartiere in Kyōto. Überhaupt ist das etwas, was in Kyōto sehr wichtig zu sein scheint: das Neben- und Miteinader von alt und neu. Einige der beliebtesten Photospots der Stadt sind die, wo man die Große Pagode und den Kyōto Tower gleichzeitig aufs Bild bekommt.

Kyōto hat etwa 30 Universitäten und Hochschulen, und es ist gleichzeitig das Zentrum der Tee-Zeremonie und des Ikebana. Auch hier wieder Tradition und Moderne miteinander. Kyōto ist neben Kanazawa die einzige Stadt in Japan, in der noch Geishas leben und arbeiten.

Und natürlich ist Kyōto auch der Namensgeber eines Abkommens, in dem sich 1997 die Industrienationen verpflichtet haben, ihre Treibhausgas-Emissionen zu senken, was aber eher weniger gut geklappt hat.

Auch wir hatten unseren längsten Aufenthalt in Kyōto. Fünf Nächte, davon ein Tag für einen Ausflug nach Nara zu den dortigen Tempeln und Hirschen, und für den Rest der Zeit muss man halt sehen, was man sich aus dem überreichen Angebot von Sehenwürdigkeiten herauspickt. Es sind vielleicht nicht wirklich tausend Tempel (oder vielleicht doch, oder sogar noch mehr, wenn man all die kleinen lokalen Tempel und Schreine mitzählt, die immer wieder im Stadtbild auftauchen), aber es sind mehr, als man in einem ganzen Monat besichtigen könnte. Ohne dass man mit den Burgen und Museen überhaupt anfängt.

Die Hauptattraktion unter den Tempeln ist der Kiyomizu-dera an seinem Berghang mit der berühmten Terrasse auf Holzpfeilern und dem besten Blick über die Stadt. Weltberühmt auch der Ryōan-ji mit seinem Zen-Garten (haben wir nicht gesehen), wo man nie alle Steine gleichzeitig sehen kann. Goldener und Silberner Pavillion, Kodaji-Tempel und Gion-Schrein, Moostempel Saihoji und Bambustempel Jizōin und natürlich Fushimi Inari-Taisha. Das ist der mit den Massen von roten Toris, die sich überall über den zugehörigen Berg - Mt. Inari - ziehen. Ich glaube, egal, wo wir waren, nie war es so voll wie da, und dabei waren wir schon abends hingefahren. Als es dunkel wurde, wurde es ein bisschen leerer... es gibt halt keine Chance, dass die Massen sich da verteilen können, denn jeder will natürlich durch die Tori laufen, und die schränken den Weg doch ein bisschen ein. Aber es lohnt sich. Trotz allem.

Was wir gar nicht auf dem Schirm hatten, waren die zahlreichen Burgen, und was wir total aus den Augen verloren hatten, nachdem klar war, dass es keine Eintrittskarten mehr gab, war der Kaiserpalast. Darum haben wir auf dem Weg zum Moostempel die Burg, die an einer Bushaltestelle angezeigt wurde, für den Kaiserpalast gehalten, und sind da auf dem Rückweg ausgestiegen. Es war aber die die Burg Nijō, der Sitz des Shoguns, oder besser, der Palast Nijō, den Unterschied haben wir ja in Kanazawa gelernt. Sehr beeindruckende Anlage.

Natürlich hat Kyōto trotzdem den alten Kaiserpalast, der in einem riesigen umgebenden frei zugänglichen Garten liegt und selbst nochmal ein großes Gartenglände innerhalb seiner Mauern hat, das auch ohne Eintrittskarte zugänglich ist. Auch das lohnt sich sehr.

Unser Hotel war das OMO3 Kyōto Sanjo, also die gleiche Kette wie in Tokyo. Auch hier also das Regal mit Dingen, die man nicht dabei haben könnte, zusätzlich gab es Bonbons und Teebeutel, heißes Wasser war zu jeder Tages- und Nachzeit in der Lobby, die auch den Frühstücksraum darstellte, zu haben. Es gab vier verschiedene Frühstücke, ein japanisches und drei westliche, wieder mit den dicken Toastscheiben, aber abwechslungsreicher und besser als in Tokyo. Und ab 20 Uhr hätte es auch nochmals kostenlos japanische Süssigkeiten gegeben, aber irgendwie haben es wir nie geschafft, so spät am Abend nochmal das Zimmer zu verlassen. Auch hat das Hotel under bed storage, sprich, die Koffer sind aus dem Weg. Auch wenn das Zimmer jetzt nicht so klein war, dass das ein Problem dargestellt hätte.

Das Hotel liegt direkt an der Kawaramachi-Straße. Es fahren viele Busse direkt vor der Hoteltür oder gleich um die Ecke ab, mit denen man problemlos in alle Ecken von Kyōto kommt. Auch die Bahnstation für Fushimi Inari ist kaum 10 Minuten zu Fuß weg. Und wer shoppen will, braucht nur rauszugehen. Kawaramachi ist ein Shopping- und Unterhaltungsviertel, in dem es immer voller wird, je später es wird. Morgens ist gar nichts los, da die meisten Läden erst um 10 Uhr öffnen, dafür sind die Straßen abends komplett überfüllt. Die Kreuzung in der Nähe haben wir spontan "Shibuya von Kyōto" getauft, weil die bei grün genauso aussieht.
Da wir über das Wochenende in Kyōto waren, war es Freitag- und Samstagnacht wie erwartet etwas länger laut und etwas lauter, auch mit Sirenen von Rettungswagen und Polzei. Aber eher so als Hintergrundgeräusch, die Fenster des Hotels waren gut schallisoliert. Und dafür ist mal halt mittendrin.
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Das Bild heißt "Die große Welle von Kanagawa", nicht "Die Große Welle von Kanazawa". Kanazawa ist im Norden von Honshu, man kann von da den Fuji-san nicht sehen, weil jede Menge anderer Berge dazwischen sind. Nein, auch nicht, wenn da vorher Godzilla vorbeigetrampelt ist.

Kanazawa hat in etwa 450 000 Einwohner und fühlte sich vom ersten Moment an wie eine Großstadt, im Gegensatz zu Matsumoto und Takayama. Dazu hat sicher auch beigetragen, dass der erste Eindruck von Kanazawa laut war. Die Eingangstüren des Bahnhofs piepen. Die Unterführung spielte sehr laut Musik. Es gab viel Verkehr. Und eine Menge Leute stand vor dem Bahnhof, um das große Tori davor zu fotographieren - ich schätze, weil es gerade begann, dunkel zu werden, und das dann beleuchtet ist?
Auch hat Kanazawa in der Innenstadt Hochhäuser. Auch in der Umgebung unseres Hotels.

Die wichtigsten Wirtschaftszweige der Stadt sind Maschinenbau und Textilindustrie, berühmt ist sie aber vor allem für ihre Lackarbeiten und Blattgold, auch gerne in Kombination. Blattgold kann man auch auf quasi allem anderen haben, bis hin zu Softeis. Lack nicht, ich schätze, das kann man nicht essen. Oder es schmeckt zu Eis nicht besonders gut.
Auch der Name der Stadt hat mit Gold zu tun, Kanazawa bedeutet "Goldsumpf" und geht auf die Legende von Imohori Togoro (Imohori der Kartroffelgräber) zurück, der nach Kartoffeln grub, als Goldflocken auftauchten. Natürlich hat die Stadt einen Schrein, in dem er verehrt wird.

Städtepartnerschaften existieren mit Buffalo (USA), Porto Alegre (Brasilien), Irkutsk (Russland), Gent (Belgien), Nancy (Frankreich), Suzhou (China) und Jeonju (Südkorea)

Kanazawa hat auch einen Baum, die Ume oder auch Japanische Pflaume, was zu einer stilisierten Pflaumenblüte auf diversen Logos, Wappen und Stempeln führt, und zu einem Pflaumenhain im bekannten Kenrokuen-Garten.

Der Kenrokuen gilt als einer der drei schönsten Gärten Japans, wenn nicht gar als der schönste. Japanische Gärten folgen ganz anderen Regeln als Englische oder Französische Gärten, wirken natürlich und verwunschen, mit vielen Bäumen, Wasserläufen und immer wieder Steinlaternen oder Steingruppen, und, ganz wichtig, mit viel Moos. Nie das Moos zerstören!
Kenrokuen hat wie gesagt auch noch Pflaumenbäume, natürlich Kirschbäume und Pinien und Zypressen, deren Zweige im Winter mit einem ausgeklügelten Seilsystem gestützt werden, damit sie unter dem Gewicht des Schnees nicht zusammenbrechen.

Direkt neben dem Garten liegt auf der einen Seite das 21st Century Museum of Modern Art, auf einer anderen Seite der Kanazawa Schrein, in dem ein Drache verehrt wird, mit einem zweiten Drachen im Teich daneben, und auf der dritten die Burg Kanazawa. Die hat keinen Tenshu (Hauptturm) mehr, aber sie haben Verteidigungsmauern, Lagerhäuser und eine Flanke rekonstruiert und vermitteln ein sehr anschauliches Bild davon, wie die Burg einst ausgesehen hat und was sie gerne wieder hinstellen würden. Denn so ein Tenhsu ist nicht der eigentliche Palast, nur (eben wie ein Bergfried) die letzte Verteidigungsmöglichkeit, und das drumrum ist flächenmäßig viel gigantischer. Sehr interessant, das hat uns bei einigen weiteren Besichtigungen viel genützt, um Anlagen und Gebäude zu verstehen.

Und rund um die Innenstadt verstreut hat Kanazawa auch noch zwei alte Geisha- und ein Samurai-Viertel, und das ist, wo sich die Touristen vor allem aufhalten. Hinter dem einen Geisha-Viertel gibt es einen Tempel/Schrein-Berg ähnlich wie in Takayama, und nicht zu vergessen direkt an der Burg noch den Oyama-Schrein mit hübschem Wassergarten und riesigen Toren, sowohl Sanmon also auch Tori. Er hat auch eine Menge Gebäude und trägt den Spitznamen "Ninja-Schrein", weil diese Gebäude verwinkelt, voller Gänge und Abzweigungen sind, um im Verteidigungsfall einen besseren Schutz zu bieten.

Ganz besonders erwähnen möchte ich noch die Kanazawa Shinise Memorial Hall, ein Museum im Samurai-Viertel. Es handelt sich nicht um ein Samurai-Haus, darum geht keine Reisegruppe dahin, und das ist ein Riesenfehler. Das Haus ist mindestens genauso toll wie die Samurai-Häuser, sogar größer, und man kann die Bauweise und ihre Struktur daran mindestens genauso gut nachvollziehen. Es hat ebenfalls einen Garten und es hat zusätzlich noch eine Ausstellung zu traditionellen Handwerken und Kunst, und es hat eine historische Apotheke, mit viel Liebe zum Detail eingerichtet und mit Erklärungen zur chinesischen Medizin, die leider nur zum Teil auf Englisch verfügbar sind, aber trotzdem spannend. (Gecko hilft gegen Tuberkulose.)
Das Einzige, was es nicht hat, ist eine Mauer. Samurai-Häuser sind von Mauern umgeben, die das Anwesen schützen, aber vielleicht durften Händler das nicht... Jedenfalls sehr zu empfehlen! Tolles Museum, sie brauchen mehr Besucher.
Und sie waren die Einzigen, die uns auf den Kanazawa Museumspass aufmerksam gemacht haben, mit dem man alle historischen Häuser in allen historischen Distrikten ansehen kann. Leider hatten wir zu dem Zeitpunkt nur noch ein paar Stunden Zeit, so dass sich das für uns nicht mehr gelohnt hat.

Ansonsten ist Kanazawa auch sehr ergiebig, wenn man Stempel oder Goshuins sammelt. Da gab es quasi überall was. Und zu den Goshuins meistens noch ein Blatt mit einer kurzen Erklärung zum Schrein/Tempel.

Unser Hotel war das Hotel Intergate Kanazawa, wie immer günstig gelegen, etwa 10 Minuten Laufweite zum Kenrokuen, zur Burg, und zum Samurai-Viertel. Die beiden Geisha-Viertel sind auf der anderen Seite der Innenstadt, aber auch zu Fuß erreichbar, dauert dann halt 20 Minuten.
Als wir ankamen, stand gerade eine größere Reisegruppe in der Lobby und versuchte einzuchecken, weshalb die Angestellten dort verständlicherweise ein bisschen gestresst waren und uns an die Eincheck-Computer verwiesen haben. Mit denen hatten wir dann leider ein paar Probleme, so dass dann noch noch jemand kommen musste, um uns zu helfen. Auch am nächsten Morgen beim Frühstück war die Reisegruppe wieder da und versursachte Chaos... ist bei vielen Menschen eben so.

Ansonsten war es aber ein sehr sympatisches Hotel. Es ist modern, es hat einen Onsen, und es hat einen Frühstücksraum, der den ganzen Tag über zur Verfügung steht und je nach Tageszeit kostenlos verschiedene Getränke und Snacks anbietet. Besonders mochten wir daran, dass es abends zwischen 20 Uhr und 22 Uhr Reis gibt. Wir essen ja gerne früh zu Abend, und wenn man dann später nochmal Hunger hat, geht man halt kurz runter und isst noch was. Sehr praktisch.
Das Frühstück gab es als Büffet, das bot ein beites Spektrum von westlich und japanisch an, war abwechslungsreich und lecker. Wahrscheinlich das beste Frühstücksangebot der gesamten Reise.

Und wie die meisten japanischen Hotels hat auch das Intergate Waschmaschinen für den Gebrauch den Gäste (muss natürlich bezahlt werden, hielt sich aber in Grenzen). Mir war die Tube Handwaschmittel im Koffer ausgelaufen, da konnte ich das Malheur schnell wieder beheben. Nur das Trocknen war ein bisschen schwierig... Fenster in japanischen modernen Hotels lassen sich nicht öffnen, denn jedes hat ja Klimaanlage. Und die Trockenfunktion der Maschinen war (wie immer überall gesagt wird), nicht besonders gut.

Der klassische Kanazawa-Besuch ist ankommen, abends ein historisches Viertel, übernachten, Kenrokuen und vielleicht noch 21 Century Museum, und dann wieder abfahren. Wir hatten zwei Übernachtungen, darum deutlich mehr Zeit, und das fand ich persönlich auch gut so, weil es den Besuch entzerrt und entspannter gemacht hat. Man hätte auch sicher noch mehr im Garten der Burg oder auf dem Tempelberg ansehen können... trotzdem fand ich persönlich Takayama die schönere Stadt. Auch wenn die Altstadt kleiner ist als in Kanazawa.
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Takayama, oder Hida-no-Takayama (Hida ist die Region, in der es liegt, die bekannt ist für Hida-Rinder und ihr Fleisch), liegt in den Japanischen Alpen und am Miyagawa, über den die bekannte rote Nakabashi-Brücke führt, die man als Tourist in der Stadt unbedingt fotographieren muss. Irgendwas in der Nähe dieser Brücke macht nachmittags um kurz vor fünf Musik, aber wir haben keine Ahnung, was oder warum.

Takayama ist die flächemäßig größte Gemeinde Japans und hat gut 85 000 Einwohner. Sein Baum ist die Japanische Eibe und seine Blume die Netzadrige Azalee, und es hat Städtepartnerschaften mit Matsumoto, Hiratsuka, Echizen, Kaminoyama (alle Japan), Denver (USA), Lijang und Kumming (China), Sibiu (Rumänien) und Urubama (Peru). Gerne wird die Stadt auch als "Klein-Kyoto" bezeichnet, denn sie hat mehrere gut erhaltene Altstadt-Straßen (und in praktischer Laufweite einen großen Parkplatz für die Reisebusse der ganzen Touristen, die die ansehen wollen). Wirtschaftlich macht Takayama neben Tourismus natürlich in Holz, vor allem die Holzschnitzer aus Takayama sind schon seit Jahrhunderten für ihre Kunstfertigkeit berühmt.

Ebenfalls berühmt ist der Glücksbringer "Sarubobo" (Affenbaby), eine kleine Stofffigur, traditionell in rot, die früher von Großmüttern und Müttern für ihre Töchter und Enkelinnen angefertigt wurde, für eine glückliche Ehe, ein harmonisches Heim und leichte Geburten. Heute gibt es Sarubobos in verschiedenen Farben, die die für verschiedene Dinge Glück bringen (z.B. grün für Gesundheit) und in nahezu jeder Größe und jedem Material. Nicht verwunderlich, dass jedes Souvenirgeschäft der Stadt (und wahrscheinlich auch jeder Supermarkt) welche verkauft. Auch der Touristenbus (Takayama hat drei, die verschiedene Routen fahren) der Route über das Freilichtmuseum heißt Sarubobo.

Besagtes Freilichtmuseum - Hida-no-Sato - ist sehr lohnend. Wie jedes Freilichtmuseum besteht es aus authentischen Häusern, die hierher translokalisiert wurden, um sie zu retten und um verschiedene Baustile (in diesem Fall der Region Hida) zu zeigen. Es ist die übliche schöne Mischung aus Wohn-, Lager- und Arbeitsgebäuden, dazu kommen ein Schrein und ein buddhistischer Glockenturm (ja, man darf die Glocke läuten), ein See mit Koi, für die es Futter zu kaufen gibt, und interessante Informationen über Hochzeitsbräuche, Seidenraupenzucht, Reisanbau oder wer an welcher Stelle des Feuers im Haus sitzt. All diese Feuer brennen oder schwelen auch, denn das Holz der Häuser muss trocken gehalten und imprägniert werden, um es zu schützen. Und natürlich muss man vor dem Betreten jedes Hauses die Schuhe ausziehen.

Am bekanntesten aber ist die Altstadt von Takamaya, mit vielen schönen alten Straßen mit Häusern aus dunklem Holz, an denen ich besonders mochte, dass vor den Häusern kleine Wasserläufe sind. Auch der Teil der Innenstadt, der nicht zur Altstadt gehört, hat vor allem zwei- oder dreistöckige Häuser, und die Straßen sind wenig befahren, macht also einen ruhigen und vergleichsweise stressfreien Eindruck. Es gibt weitere Museums-Anwesen in der Stadt, einen Tempel mit Pagode und 1000jährigem Gingko, und einen sehr schönen Weg, den Higashiyama Walking Course, der entlang einer ganzen Reihe von Tempeln und Schreinen führt, durch einen wunderbaren Waldfriedhof und schließlich wieder hinunter zum Fluß, vorbei am Sakurayamahachimangu Schrein und dem Takayama Matsuri Yatai Kaikan Museum, wo Modelle und Originale von Festwagen des Takayama Festes ausgestellt werden. Die sehen so ähnlich aus, wie die, die wir in Matsumoto beim Schreinfest gesehen haben, nur größer und noch kunstvoller.

Auch Takayama ist von Bergen umgeben, und der zentrale Teil der Stadt ist flach, aber hinter der Altsadt, zu dem Bezirk mit den Tempeln und Schreinen hin, steigt sie an, was ihr zu einer für uns für Japan ungewohnten Silhouette verhilft. Eben nicht nur flach im Tal gebaut.
Doch, Takayama ist eine sehr schöne Stadt und es gibt viele interessante Dinge zu sehen. Und wenn die ganzen Touristenhorden abends wieder weg aus der Altstadt sind, ist es auch schön ruhig.

Unser Hotel hatte diesmal wirklich allerbeste Lage, denn es stand direkt neben der Nakabashi Brücke. Mehr noch, wir hatten Blick auf den Fluss und auf die Brücke und sogar einen kleinen Balkon. Mit extra Balkon-Slippern natürlich, denn auch Honjin Hiranoya Kofukan ist ein Ryokan, wenn auch ein modernes. Sprich, man muss seine Schuhe nicht schon am Eingang ausziehen, sondern tut das erst in einem speziellen Schuhbereich im Eingangsbereich des Zimmers. Es gibt Hausschuhe für den Gebrauch im Hotel (nicht im Zimmer, da liegen Tatami, also nur auf Socken oder barfuss), Toilettenschuhe und eben Balkonschuhe. Da muss man sich schon sehr konzentrieren, damit man immer die richtigen anhat. Außerdem gibt es beim Einchecken einen Korb, um darin Yukata für den Tag, Samue für die Nacht, Obi und Tabi-Socken unter zu bringen, und was man sonst noch so braucht von den Dingen, die man nicht dabei haben könnte (Zahnbürste, Kamm, Duschhaube...). Die Tabi-Socken sind ein Geschenk, das man behalten darf, das fand ich eine nette Idee.

Auch das Zimmer an sich war stilvoll, aber weniger traditionell, denn es gab neben dem klassischen niedrigen Tisch noch einen weiteren, westlichen, mit zwei Stühlen. Abends wurde der Futon ausgerollt, auch hier war der erstaunlich bequem. Ich mochte die Hotel-Broschüre, die in einem fröhlichen, lustigen Tonfall essentielle Dinge erklärte, wie das korrekte Anlegen eines Yukata, das Benutzen des Onsens, dass man seinen Zimmerschlüssel beim Verlassen des Hotels an der Rezeption abgeben muss (und sie haben uns beim Wiederkommen tatsächlich erkannt und uns ohne Angabe unsererseits den richtigen Schlüssel wieder ausgehändigt - echte Ryokan Magie in Aktion), und, tut uns leid, es sind keine Ninjas im Schrank. Sehr spaßig.

Natürlich wurde Yukata zum Abendessen getragen, Frühstück erlaubte normale Kleidung, und es wurde nicht auf dem Zimmer serviert, wie das traditionell üblich ist, sondern in einem Speiseraum, der in viele kleine Separées unterteilt war, mit hübschen Holz-Schiebetüren, und an westlichen Tischen. Auch hier das klassische japanische Menü, wenn auch deutlich weniger exotisch als in Hakone, und wirklich toll präsentiert. Änderte natürlich nichts daran, dass wir noch immer Banausen sind... Am zweiten Tag haben wir sie gefragt, ob wir abends ein vegetarisches Essen haben können, was sie in eine lange Diskussion mit der Küche gestürzt hat, aber sie waren sehr bemüht, und sie haben es hinbekommen. Toller Service, nochmals ganz großes Lob!

Es ist ein ideales Hotel für jeden, der ein Ryokan möchte, aber vor dem wirklich vollen traditionellen Erlebnis zurückschreckt. Sie haben das Flair, sie haben die entsprechenden Regeln und Traditionen, aber sie sind modern genug, dass man nicht ständig fürchtet, etwas falsch zu machen und für ungehobelt gehalten zu werden. Selbst wenn sies vielleicht gedacht haben - wer will vegetarisches Essen, wenn er Hida-Steak haben könnte? - sie waren immer sehr freundlich, und haben uns immer das Gefühl gegeben, willkommen zu sein. Jeder einzelne, egal ob an der Rezeption oder beim Essen.

Takayama wäre sicher noch einen Tag länger wert gewesen.
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Wenn uns wer fragt, welcher Ort uns am besten gefallen hat, dann ist der erste Gedanke immer Matsumoto. Auch Takayama war toll, aber das kommt irgendwie erst als zweiter Gedanke, auch wenn es objektiv gesehen sicher die schönere und spannendere Stadt ist. Aber Matsumoto hatte sich für uns echt Mühe gemacht, und das honorieren wir gerne.

Zunächst mal schien die Sonne, als wir mit dem Limited Express da ankamen, und es war endlich mal nicht drückend und schwül. Im Gegenteil, die Luft war frisch und klar, und es war geschätzt so um die 24 Grad, also auch deutlich kühler als in Tokyo und Hakone. Das liegt vor allem daran, dass Matsumoto in den Bergen liegt, in einem Talkessel zwischen den Nördlichen Japanischen Alpen und den Utsukushigahara Highlands. Die kann man als tolles Bergpanorama auch ringsum sehen. Matsumoto selbst ist flach, aber außerhalb der Stadt gibt es in jede Richtung Berge zu sehen, und mit ihnen auch die entsprechenden tollen Himmel mit Wolken, Nebel, Sonne... Alles schonmal sehr sympathisch.

Dann machten wir uns auf den Weg zu unserem Hotel und kamen dabei am Yohashira-Schrein vorbei, der nicht nur eine sehr schöne Anlage in einem sehr hübschen Wäldchen direkt am Fluss ist, sondern auch noch Tempelfest hatte. Laute Trommeln und ähnliches Gerät, und zweistöckige, schön geschnitze Holzwagen, in denen Kinder besagte Instrumente spielten, und die von Teams durch die Straßen gezogen wurden. Das ist gar nicht mal so einfach, erfordert eine Menge Kraft und auch einiges an Geschick, um die schwerfälligen Wagen um die Kurven zu bekommen, ohne dass sie dabei umfallen oder sich in den Stromkabeln verwickeln. Zumindest wirkten alle Beteiligten auf uns - ganz entgegen des allgemeinen Vorurteils zu solchen Gelegenheiten - nüchtern.
Zusätzlich hatte das Schreinfest auch eine Masse von Streetfood-Buden, war abends bunt beleuchtet und es war ein echtes Erlebnis, da drüberzugehen und sich das alles anzusehen. Von vielen Essens-Dingen haben wir nicht verstanden, was sie waren, aber Squid on a Stick war ein grosser Renner. Wir haben gebratene Nudeln gegessen, auf einem Stein an einer Quelle sitzend, zwischen den Einheimischen.

Generell hat Matsumto sehr viel Quellen überall in der Stadt, die auch alle trinkbar sind. Man kann sich durchprobieren, und es soll Leute geben, die eine Lieblingsquelle haben und sich da Wasser holen gehen - ich fand, dass die alle gleich schmeckten, aber schön war es natürlich trotzdem, mit all den verschiedenen Brunneneinfassungen.
Es gibt auch sehr viele kleine Schreine und Tempel, die immer mal wieder überraschend im Stadtbild auftauchen, und sehr viele nette Orte mit Grün und Bänken, wo man sich einfach mal hinsetzen kann und dem Leben auf der Straße zusehen.

Und es gibt Burg Matsumoto, wegen ihrer Farbe auch "Krähenburg" genannt, die das Herz der Stadt darstellt und wegen der die meisten Touristen kommen (wir auch). Die nächste Fraktion kommt wegen der Berge, zum Wandern oder andere Outdoor-Dinge tun.
Matsumoto hat auch noch einen Altstadt-Straßenzug, in dem es viele kleine Läden und sehr viel glücksbringende Frösche gibt, ist aber ansonsten eine sehr moderne Stadt mit breiten Straßen, offen und hell. Sie hat etwa 240 000 Einwohner, und ihre Wirtschaftsgeschichte basiert vor allem auf der Holzindustrie. Heute ist Fujigen, der größte japanische Gitarrenhersteller, in der Stadt ansässig.

Die Stadt hat Partnerschaften mit Salt Lake City (USA), Kathmandu (Nepal), Langfang (China), Grindelwald (Schweiz) und Salzburg (Österreich). Also für eine "Was wollt ihr denn da?"-Stadt erstaunlich prominente Partnerstädte.

Matsumotos Baum ist die Japanische Rotkiefer, seine Blume die Japanische Azalee und sein Motto "Die nach Kultur duftende Burgstadt der Alpen". Es ist bekannt für Temari-Bälle und Soba-Nudeln und hat ein sehr schönes Stadtmuseum, das sogar zwei Modelle der Kernstadt besitzt und einem interessante Einblicke in diverse Details vermittelt, die man sonst ganz sicher übersehen hätte. So hat zum Beispiel die Hauptstraße eine sehr markante S-Kurve, die heute noch den Winkel im äußeren Tor des Burgkomplexes nachvollzieht.
Eine weitere Sehenwürdigkeit ist die Kaichi-Schule, eine der ersten modernen Schulen Japans, deren Ausstellung leider fast komplett auf japanisch ist, mit nur wenigen englischen Erklärungen. Aber das Gebäude ist sehr schön und man bekommt trotzdem einige interessante Einblicke in die Ziele und Methoden der damaligen Pädagogik.
Die bekannteste Tochter der Stadt ist Yayoi Kusama, und das Kunstmuseum besitzt die größte Sammlung ihrer Werke (da sind wir aber nicht gewesen, da ich grade im April in Köln in einer Ausstellung von ihr war und nicht gleich noch eine brauchte).

Es gibt also auch über die Burg hinaus noch eine Menge zu sehen. (Und eine gigantische Aeon-Shopping Mall, die erste, die wir gesehen haben.)

Perfekt gemacht hat das Ganze dann aber unser Hotel. Nunoya Ryokan ist genau die Sorte Unterkunft, die wir uns gewählt hätten, hätten wir uns was aussuchen können. Ja, okay, das Bad war nicht en suite und wir mussten von unserem Zimmer im ersten Stock dafür runter ins Erdgeschoss, aber es war ein private bath nur für uns, also machte das nichts. Das Zimmer selbst war wieder zwei Zimmer, eins mit Betten und eins mit dem typischen niedrigen Tisch, alles mit Tatami-Matten ausgelegt, Holz- und Papierwände, wirklich schön. Ryokan-Flair, aber bodenständig.
Das Haus hat nur acht Zimmer, ist also von der Größe her eher ein größeres Bed & Breakfast, und so fühlte es sich auch an. Die Angestellten waren fröhlich, hilfsbereit und herzlich, wir wurden begeistert empfangen und durchs Haus geführt. Auch hier zieht man am Eingang natürlich die Schuhe aus, aber man stellt sie in ein Regal und kann sie auch selbst wieder rausnehmen, wenn man sie braucht. Der Boden ist dunkles, warm poliertes Holz und es gibt einen sehr kleinen japanischen Garten.

Frühstück kann dazugebucht werden und wird morgens beim Bestellen bezahlt. Auch hier gibt es eine bebilderte Auswahl plus einer Tafel für Tagesangebote, und alles wird in der ans Frühstückszimmer angrenzenden Küche frisch zubereitet. Die Auswahl reichte von Granola-Müsli über Miso-Bananenbrot bis hin zu Onigiri mit 5 side dishes, die je nach Tag wechselten. Sehr lecker und auch gemütlich.

Nunoya Ryokan liegt auf der Nakamachi Straße, in einem sehr schönen älteren Viertel, in dem heute viele kleine Läden und Restaurants ansässig sind. Von da aus ist man in wenigen Minuten an der Burg, und auch der Rest der Sehenswürdigkeiten kann problem zu Fuß erreicht werden. Wie bei allen Hotels, die wir hatten, war die Lage super.

Aber es war eben das sympathischste. Sympathisch, sogar sowas wie familiär, sehr hübsch, ohne großes Drumrum... wirklich tolles Quartier. Genau unser Ding. Würden wir sofort wieder buchen, jederzeit.
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Jeder Japan-Tourist kennt das: Man steht vor einem mehr oder weniger großen - oder auch mal sehr kleinen - Bereich religiöser Gebäude und fragt sich, ob das ein Shinto-Schrein oder ein Buddhistischer Tempel ist. Zunächst mal die beruhigende Antwort: Im Grunde spielt es keine Rolle.
Und es ist auch alles andere als ungewöhnlich, dass auf dem Gelände eines buddhistischen Tempels ein Gebäude ein Shinto-Schrein ist, oder umgekehrt. Japaner gehen da sehr locker mit um und die meisten folgen irgendwie beiden Religionen.

Schreine und Tempel haben immer Tore. Generell ist ein Tori ein Hinweis darauf, dass es sich um einen Schrein handelt, aber zwingend ist das nicht, auch buddihistische Tempel haben schonmal Toris. Nicht alle Toris sind rot, aber sind sie rot und treten sie in Massen auf, handelt es sich um einen Inari-Schrein. Meistens gibts dann auch noch Fuchs-Statuen und -Abbildungen, das ist also recht leicht zu erkennen.
Buddhistische Tempel haben Sanmons. Das sind Torgebäude mit einem oder mehreren Toren im Zentrum, die auch gerne mal mehrere Stockwerke hoch sind und immer pagodenartige Dächer haben. Links und rechts vom Durchgang sind Wächterfiguren im Gebäude, meist mit menschlichen Zügen, oft waffentragend. Und manchmal gibt es auch noch eine große rote Laterne im Durchgang, oder eine Glocke oben im Torgebäude.

Ein Sanmon ist natürlich auch kein Beweis, dass es sich um einen Tempel handelt.

Wenn man durch egal welches Tor geht, macht man das nicht in der Mitte. Man bleibt stehen, verbeugt sich, und geht dann rechts oder links am Rand hindurch. Durch die Mitte könnte überraschend ein Drache fliegen wollen und der würde einen dann umreißen.
Auch tritt man nie auf die Schwelle eines Sanmons. Toris haben keine Schwelle, das macht es einfacher.

Tempel und Schreine haben beide Wächterfiguren in der Form von Tieren vor dem jeweiligen Tor. Sehr beliebt sind Löwenhunde, aber es gib auch Drachen, Einhörner und natürlich die Inari-Füchse. Meistens hat ein Wächer ein offenes Maul, das symbolisiert den Anfang, und einer ein geschlossenes, das symboliert das Ende. Manchmal haben auch beide das Maul offen, das symbolisiert dann die Verbreitung der buddhistischen Lehre.
Es gibt auch Wächterpaare, die von einem weiblichen und einem männlichen Tier gebildet werden. Das weibliche erkennt man daran, dass es ein Junges dabei hat.
Und oft haben die Wächter auch andere Gegenstände dabei, so wie z.B. Wassersphären (langes Leben, Schutz vor Krankheit, leichte Geburt) oder Schriftrollen (Erfolg und Weisheit).

Beide haben auch einen Bereich zur rituellen Reinigung mit Wasser. Es gibt immer einen Brunnen oder zumindest eine Leitung mit fließendem Wasser, und dazu gibt es Kelllen, die man mit dem Wasser füllt. Erst lässt man das Wasser über die linke Hand laufen, dann über die rechte, dann gibt man Wasser in die linke Hand, spült damit den Mund um und spuckt es aus, und lässt dann wieder Wasser über die linke Hand laufen. Außer in Kyoto, da nimmt man das Wasser nicht in den Mund. Und am Ende lässt man den Rest des Wassers über den Griff der Kelle laufen, um ihn zu säubern, bevor man sie fein säuberlich wieder an ihren Platz legt.
Es hieß, dass man sich danach die Hände nicht abtrocknet, sondern das Wasser nur abschüttelt, aber ich habe eine Menge Leute gesehen, die ein Handtuch hervorgezogen und sich die Hände abgetrocknet haben. In Japan haben die meisten Leute ständig ein kleines Handtuch dabei.

Sieht man jetzt auf dem Weg zur Haupthalle etwas, was sehr viel Qualm absondert, ist das ein Hinweis darauf, dass es sich um einen Tempel handelt, denn in buddhistischen Tempeln kann man Weihrauchstäbchen kaufen, anzünden und dann in eben diesen Behälter stecken, um den Rauch über sich zu fächeln. Einerseits ist das ein Opfer für den Tempel, andererseits ist es eine Art des Segens und hilft gegen Krankheiten, wenn man den Rauch auf die betroffene Körperstelle fächelt. Es ist auch okay, selbst keinen Weihrauch anzuzünden und sich nur den Rauch zuzufächeln, der ohnehin schon da ist.

Beide, Tempel und Schreine, verkaufen Orakel, Glücksbringer und schreiben oft auch Goshuin. In beiden kann man Votivtafeln, sogenannte Ema, erwerben, meist aus Holz, manchmal aus Papier, auf die man seinen Wunsch schreiben und sie dann an ein entsprechendes Gestell hängen kann. Anscheinend kann man sie aber auch mit nach Hause nehmen... für den Hausschrein?
Schreine verkaufen zusätzlich gerne kleine Tierfiguren, oft die Tierkreiszeichen (auch wenn das buddhistisch ist) oder ein Tier, das irgendwie mit dem Schrein zu tun hat.

Sieht man irgendwo ein Strohseil hängen, an dem weiße Papierstreifen in Zick-Zack-Form hängen, dann ist das ein Hinweis auf einen Schrein. Die Seile markieren Orte, an denen Kami wohnen, die also heilig sind.

Der einzige Moment, in dem es wirklich eine Rolle spielt, ob es ein Schrein oder ein Tempel ist, ist der, in dem man betet. Es gibt zwei wichtige Unterschiede.
1. Ist es ein Schrein, wirf 5 Yen in die entsprechende Box. Ist es ein Tempel, wirf 100 Yen hinein.
2. Ist es ein Schrein, klatsche in die Hände, um die Gottheit auf dich aufmerksam zu machen. Ist es ein Tempel, tu das nicht und verbeug dich nur.

Gibt es eine Glocke an der Box für das Geld, kannst du sie läuten, um die Gottheit auf dich aufmerksam zu machen. Das gilt auch für Tempel.

Viele Schreine und Tempel, die oft von Touristen besucht werden, haben bebilderte Anweisungen, was man tun sollte, an der Box für das Geld liegen. Das ist also quasi der Moment, in dem sich klärt, ob man vor einem Tempelgebäude steht oder vor einem Schreingebäude. Oder man verbringt ein bisschen Zeit auf dem Gelände und beobachtet die Gläubigen, was sie tun, und macht es dann einfach nach.
Es scheint übrigens nicht klar geregelt zu sein, in welcher Reihenfolge man klatscht und sich verbeugt oder wie oft man sich wann verbeugt oder klatscht... Konsens scheint nur darin zu herrschen, dass man zuerst das Geld in die Box wirft, bevor man etwas anderes tut.

Und das Allerheiligste fotographieren tut man in keinem von beidem.

Zusatz: Wenn es auf dem Gelände ein Nebengebäude gibt, in dem etwas steht, das aussieht wie eine geschmückte Sänfte, ist es ein Schrein. Das ist dafür da, den Gott des Schreins in einer Prozession durch seinen Zuständigkeitsbereich zu tragen, damit er weiß, um was er sich kümmern soll. Oder damit ihm nicht langweilig wird.
blauerfalke: (reisen)
Hakone (Hakone-machi) ist eine Kleinstadt von etwa 10 000 Einwohnern. Der Zug aus Tokyo hielt in Hakone-Yumoto, was aber der Name des Bahnhofs zu sein scheint und nicht der eines Ortes. Von da aus stiegen wir in die Hakone Tozan Line nach Gora um, die mit der Rätischen Bahn in der Schweiz verschwestert ist und wie diese auf ihrem Weg den Berg hoch in mehreren Spitzkehren die Richtung wechselt. Auch Gora scheint zu Hakone zu gehören, wie so ziemlich jeder Ort an den steilen Hängen. Ich bin mir also nicht ganz so sicher, ob Hakone überhaupt so etwas wie einen Zentralort hat, oder einfach der Name für den Zusammenschluss all dieser kleinen Orte ist. Das ist ja auch in Deutschland nicht ungewöhnlich.

In jedem Fall ist Hakone das, wo jeder hinfährt. Entweder, um dem Fuiji-san zu sehen, oder um in einer der heißen Quellen zu baden, von denen es im umgebenden Vulkangebirge Massen gibt. Vorab wurde auch immer wieder betont, dass es sich um vulkanische Quellen handelt und dass sie stark schwefelhaltig sind - ich habe nichts gerochen. Ich habe nicht mal oben an Owakudani, wo der Boden qualmt und Schwefel abgebaut wird (wurde?), Schwefel gerochen. Vielleicht bin ich durch Aachen und Island Schlimmeres gewöhnt, vielleicht stand einfach nur der Wind anders.

Hakone hat Städtepartnerschaften mit Tōyako (Japan), Jasper/Alberta (Canada), Taupō (Neuseeland) und St. Moritz (Schweiz). Hakones Pflanze ist der Japanische Kirschbaum, seine Blume die Hakone-Rose, und sein Vogel der Specht.
Seine Sehenswürdigkeiten bestehen aus Bergen, Wäldern, Seen, dem Blick auf den Fuji-san und eben den Onsen, die von den heißen Quellen gespeist werden. Gora hat zudem noch einen recht bekannten Park und das Hakone Open Air Museum mit 120 zeitgenössischen und modernen Skulpturen.

Um ehrlich zu sein, wir haben nichts von Hakone gesehen. Gerade mal die Bahnsteige diverser Umsteige-Stationen, den Bereich um Owakudani mit Schwefelfeldern, großem Souvenirshop, sehr vielen Menschen und ja, auch den Fuji-san, und den Weg von unserem Bahnhof, Kowakidani, zum Hotel. Der war sehr nett, durch einen Wald, über eine Brücke unter der Eisenbahnbrücke durch... sehr hübsch, aber auch sehr steil.

Eigentlich wollten wir noch zum Hakone Schrein, aber das haben wir ausgelassen, und das aus zwei Gründen.
1. Hakone hat ein sehr feuchtes, subtropisches Klima. Schlimmer als in Toyko, sehr anstrengend.
2. Wir waren uns nicht sicher, ob das zeitlich vor dem Abendessen zu schaffen ist, und das Hotelpersonal verstand unsere Frage nicht.

Darum sind wir auf Nummer sicher gegangen und haben uns einen ruhigen Restnachmittag gemacht. War auch viel weniger anstrengend - und wir hatten mehr von unserem schicken Hotelzimmer.

Gewohnt haben wir im Musashino Bekkan, einem klassischen Ryokan. Deutlich höherklassig als wir sonst so buchen, und sehr traditionell. Die Angestellten tragen Kimono und knien sich hin, wenn sie mit einem reden. Man gibt seine Schuhe am Hoteleingang ab, sie werden in einem Nebenraum verwahrt, und wenn man sie braucht, werden sie einem gebracht. Es gibt einen Tages-Yukata, von dem erwartet wird, dass man ihn im Hotel trägt, und einen Nacht-Yukata, in dem man schlafen kann, und natürlich gibt es auch Tabi-Socken dazu. Unser Zimmer hatte einen Vorraum, dessen Boden mit Kies bestreut war, in dem Trittsteine lagen, um die eigentliche Zimmertür zu erreichen. Es hatte auch noch zwei weitere Räume, einem zum Essen und Schlafen und einen weiteren Aufenthaltsraum, alles natürlich mit Tatami-Matten ausgelegt. Es war in einem oberen Stockwerk, lag damit hoch über dem Tal und hatte eine phänomenale Aussicht auf die umgebenden Berge. Außerdem war der Fluss unten im Tal deutlich zu hören und alle zwanzig Minuten fuhr direkt unterhalb des Hotels die Hakone Tozan Line vorbei. Sehr atmosphärisch. Das hatte schon was vom Badehaus der Götter in "Chihiro". Architektur-Stil des Hotels, und dann eben das Wasser und der Zug... super.

Das Hotel hat zwei eigene Quellen auf dem Gelände und diverse eigene Onsen, in denen man sich Zeiten reservieren lassen kann. Wir haben uns für den Outdoor-Onsen entschieden, der in einer strohlgedeckten Hütte steht und die Form einers sehr großen Holzfasses hat. Man muss durch den Garten über einen Steinweg hingehen, ohne dabei mit den Holz-Gartenschuhen zu fallen, und weil es zu dem Zeitpunkt schon dunkel war, haben wir eine Taschenlampe dazu bekommen. Die Hütte selbst ist beleuchtet, nach zwei Seiten offen, von Wald umgeben, und fürs Ambiente haben sie auch noch ein Handvoll Waldgötter/Waldgeister-Statuen drumrum verteilt. Auch das sehr stimmungsvoll.

Das Quartier an sich hätte also nicht besser sein können - abgesehen davon, dass es in Hakone wie gesagt sehr warm und feucht ist, und dass man darum immer das Gefühl hat, dass nichts jemals wirklich trocknet, aber dafür kann das Hotel ja nichts - aber dann haben wir gelernt, dass wir einfach nicht zum Gourmet-Touristen taugen. Aber wir wollten das Abenteuer, also werden wir uns nicht beschweren, dass wirs bekommen haben.

Wie gesagt, die Verständigung war etwas schwierig. Die für uns zuständige Hotellangestellte sprach nur sehr limitiert Englisch, was schon beim Einchecken einige Missverständnisse mit sich gebracht hat. Und sie hatte offenbar nicht genug Erfahrung mit westlichen Touristen, um die vor lebenden Zutaten zu warnen.

Ryokans servieren traditionelle japanische Küche. Viele kleine Schalen mit genau aufeiander abgestimmten Zutaten, und viele Gänge genau vorgeschriebener Zubereitungsarten in genau vorgeschriebener Reihenfolge. Auch scheint es wichtig zu sein, dass immer mindestens eine Sache am Tisch zubereitet wird. Dazu gibt es Tongefäße, in denen ein Feuer gemacht wird, auf denen dann eine Platte oder Schale liegt, auf/in denen man grillen oder kochen kann.
Die Spezialität unseres Hotels ist Abalone, was uns als Muschel, ähnlich einer Auster, erklärt wurde, die aber im Gegensatz zur Auster nicht roh gegessen wird. Also haben wir uns gedacht, probieren wirs mal. Wenn schon, denn schon. Es gab erst diverse andere Gänge, mit sehr viel Fisch und weil Herbst ist, auch mit viel Wurzelgemüse und Pilzen, und dann wurden die Abalone gebracht und auf die Platten gesetzt, unter denen Feuer war - und sie waren noch lebendig und haben sich bewegt. Wenigstens haben sie kein Geräusch gemacht beim gebraten werden... Wir haben sie dann auch todesmutig zumindest probiert. Schmeckt wie eine Mischung aus Pilz und Fisch und hat auch eine ähnliche Konsistenz wie ein fester Pilz. Und "It's moving!" wird sich als Running Gag sicher noch lange halten.

Das war also eher nicht so unseres - generell ist die klassische, hochwertige japanische Küche, wie sie die Ryokans zelebrieren, nicht unseres. Das wird mit Sicherheit mit viel Mühe und viel Fachwissen zusammengestellt (das Ryokan in Takayama hatte sogar den Namen des Kochs auf der Speisekarte stehen), aber uns fehlt die Begeisterung für solche Feinheiten von Essen und von Geschmaksnoten. Und roher Fisch ist auch nicht wirklich unseres.
War aber in jedem Falle spannend, es mal gemacht zu haben. Hinterher ist es immer ein Abenteuer. Und Abalone stehen für ein langes, gesundes Leben.

Nach dem Abendessen wurden die Futons ausgerollt. Auf Matten auf dem Boden schlafen - das war erstaunlich bequem und erstaunlich wenig hart. Und japanische Decken sind sowieso immer fluffig.
blauerfalke: (reisen)
Tokyo, Bedeutung "östliche Hauptstadt", ehemals Edo, ist die Hauptstadt Japans, ohne dabei eine Stadt im eigentlichen Sinne zu sein. Vielmehr handelt es sich um ein Konglomerat aus 23 Bezirken, in denen immerhin gute 9 Millionen Einwohner wohnen. Die Metropolregion Tokyo hat sogar knapp 39 Millionen Einwohner, denn der gehören auch weitere große Städte wie zum Beispiel Yokohama, Japans zweitgrößte Stadt, an.

Wie die meisten Städte Japans (zumindest die paar, die wir gesehen haben), ist Tokyo sehr flach, mit nur wenigen kleineren Erhebungen im Stadtbild. Es hat zwei Flughäfen, Narita und Haneda, ein riesiges Metronetz und ein ebenso riesiges Netz aus Bahnhöfen und -verbinungen. Es gibt sogar eine Bahnlinie, die Tokyo nicht einmal verlässt, die Yamanoto Line führt einfach als großer Ring um das Zentrum der Stadt. Es dauert etwa eine Stunde, die komplette Runde zu fahren, und zu Stoßzeiten rollt etwa alle zwei Minuten ein Zug durch die einzelnen Stationen.

Toyko hat subtropisches Klima, im Sommer gibt es viel Regen und auch immer mal wieder Taifune. Wir hatten Glück, dass wir nur die Ausläufer eines Taifuns mitbekommen haben, als der Wind und der Großteil der Wassermassen schon durch war. Trotzdem hat es fast ununterbrochen geregnet, war sehr schwül und auch sehr warm. Sehr anstrengend, gerade nach einem Langstreckenflug. Vom ersten Tag kann ich mich eben vor allem daran erinnern, dass es warm und stickig war, und dass es sehr anstrengend war, durch das Regierungsviertel zum Kaiserpalast zu laufen. Im Regierungsviertel war nichts los, denn es war Wochenende (abgesehen von ziemlich viel Polizei, die überall herumstand), und die Straßen waren sehr breit, darum ist es erstaunlich, dass ich Tokyo vor allem als vertikal in Erinnerung habe. Sehr hohe Häuser und sehr schmale Häuserschluchten. In Tokyo haben wir auch zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, dass japanische Städte nicht nur nach oben wachsen, sondern auch nach unten. Unter den Straßen gibt es ganze Shoppingmalls und Restaurantmeilen. Und dass es überall Grillen gibt. Die in Tokio sind sehr laut und ihre Geräusche sind in einer eher tiefen Tonlage.

Natürlich hat eine solche Stadt auch eine Menge Sehenswürdigkeiten, alte wie den Meiji- oder den Sensoji-Schrein, oder moderne wie den Sky Tree, die Rainbow-Bridge (die ist weiß, nachts wird sie in den Farben des Regenbogens angestrahlt) oder die Shibuya-Kreuzung. Letztere ist nicht mehr so geschäftig wie früher, da die Unterführungen jetzt gut ausgebaut sind, aber noch immer muss jeder Tourist da einfach drüberlaufen (und mindestens die Hälfte muss sich dabei filmen), also ist noch immer ordentlich etwas los. Dort ist auch das Denkmal des treuen Hundes Hachikō, früher ein beliebter Treffpunkt, heute ein must have-Selfie-Spot, der so beliebt ist, dass die Schlange eigene Ordner hat, damit nicht alles in Chaos ausartet.

Direkt neben der Kreuzung steht Shibuya Sky, ein Hochhaus mit einer Aussichtsplattform auf dem Dach, von dem man auf die Kreuzung hinunter und mit Glück in der Ferne den Fuji-san sehen kann. Als wir oben waren, war die Plattform wegen schlechtem Wetter gesperrt und nur der darunterliegende Rundgang hinter Glas offen, aber nach ein paar Minuten haben sie die Terrasse doch noch aufgemacht, wir waren also in der kurzen Regenpause doch noch oben. 46ter Stock. Erst Aufzug, dann Rolltreppe.

Am merkwürdigsten fand ich, dass der Rundgang diverse digitale Kunstwerke hat - gibt es irgendwen, der da hochfährt, um sich die anzusehen? Oder haben sie Angst, dass die Aussicht zu langweilig ist und meinen, sie müssten noch etwas dazu bieten? Bei Nebel vielleicht? Obwohl sie dann sicher unten über die schlechte Sicht informieren und bereit sind, die vorab gekauften Karten zurückzunehmen. Das waren sie an dem Tag schon, eben weil die Plattform zu war.

Tokyo hat 12 Partnerschaften mit Städten und Ländern: New York City (USA), Sao Paulo State (Brasilen), Peking (China), Kairo (Ägypten), Paris (Frankreich), Moskau (Russland), New South Wales (Australien), Berlin (Deutschland), Rom (Italien), Seoul (Südkorea), London (UK) und Jakarta (Indonesien). Ferner hat es Freundschaften mit Tomsk Oblast (Russland), Brüssel (Belgien) und Los Angeles County (USA).

Unser Hotel, das OMO3 Tokyo Akasaka war in Akasaka, nicht zu verwechseln mit Asakusa. Asakusa ist die Heimat des Restes der Altstadt, die Tokyo noch besitzt, und wichtiger alter Sehenswürdigkeiten wie dem gleichnamigen Schrein. Akasaka schließt an das Regierungsviertel an, besteht vor allem aus Büros und Geschäftshäusern und ist ein beliebtes Ausgehviertel mit vielen Restaurants und Karaoke-Bars. Und auch mal einem zwischen den Häusern versteckten Schrein, Tempel oder kleinem Park. Es gab alle paar Meter einen Konbini, was sehr praktisch war, weil wir zu dem Zeitpunkt mit Essenengehen doch noch etwas überfordert waren.

Das Hotel hat keine nennenswerte Lobby, auch die Angestellten haben kaum mehr als zwei kleinen Stehtische, um daran die Gäste ein- oder auszuchecken. Dafür gibt es ein größeres Regal mit Souvenirs und ein weiteres mit Dingen, die der deutsche Tourist normalerweise im Gepäck hat, der japanische aber nicht: Zahnbürsten, Zahnpasta, Haargummies, Q-Tips... was man halt so braucht. Des weiteren gab es im Erdgeschoss auch noch eine Art Bistro, wo es morgens das Frühstück gab. Dazu gab es pro Person und Tag einen Frühstücksgutschein, den man dann gegen das Frühstück seiner Wahl eintauschen konnte. Die Auswahl wurde auf Fotos präsentiert, was immer sehr praktisch ist, und enthielt als Zentrum eigentlich immer eine Scheibe Toast, die viermal so dick war, wie eine Scheibe Toast hier in Deutschland. Dazu gab es dann diverse andere Dinge wie Eier und Speck, oder ein gekochtes Ei, gegrilltes Gemüse... Ich kann mich nicht erinnern, ob sie auch ein japanisches Frühstück angeboten haben. Nur, dass man sich die Messer immer extra erfragen musste, einfach so gab es nur eine Gabel dazu.

Das Zimmer selbst war zweckmäßig und nicht besonders groß, aber auch nicht winzig. Es gab ein Bad mit Wanne und daneben Platz zum Duschen mit Hocker, das Waschbecken war im Zimmer, und die Toilette einzeln (was eigentlich alles in jedem Hotel so war, das scheint die Japan übliche Aufteilung zu sein). Es war unsere erste Erfahrung mit einer japanischen Toilette und sie war auch zugleich die am meisten automatisierte. Sie öffnete den Deckel selbständig, spülte selbständig und hatte natürlich auch alle anderen Funktionen wie angewärmte Klobrille und diverse Waschoptionen. Nur Musik/Naturgeräusche für Privatsphäre hatte sie nicht.

Abgesehen davon, dass es unser erstes Hotel in Japan war, es also auch das war, mit dem wir uns langsam eingewöhnt haben, habe ich vor allem in Erinnerung, dass sie uns ständig frische Handtücher aufgedrängt haben. Selbst wenn wir das "bitte nicht stören"-Schild draussen hatten, um deutlich zu machen, dass wir keinen Zimmerservice wollen, haben sie uns noch eine Tüte mit frischen Handtüchern an die Klinke gehängt. Wo kämen wir denn dahin, wenn man Handtücher zweimal benutzen müsste?

Oh, und einen Schlafanzug, den gabs natürlich auch. Das gehört sich in besseren Hotels so.
blauerfalke: (reisen)
Vorab: Wir waren nur in Großstädten und/oder Touristengegenden unterwegs, haben uns keinen Meter vom "beaten track" entfernt und waren schon gar nicht in irgendwelchen ländlichen japanischen Gegenden in den Bergen oder sowas. Darum war so gut wie immer und überall eine Beschriftung in Englisch vorhanden.
Und trotzdem möchte ich sagen - es war gut, dass wir keinen Mietwagen hatten. Ich hätte weder fahren noch navigieren wollen. Wenn es hart auf hart geht, kann eine nicht zu lesende Warnanzeige auf einer Stadtautobahn extrem gefährlich werden, und auch sonst wäre das eher anstrenend geworden.

( Es wird lang )
blauerfalke: (geschichten)
Keine Autorenangabe

Ich habe noch nie einen Jerry Cotton gelesen, in unseren öffentlichen Bücherschrank hat jemand einen Stapel reingetan, also habe ich mir wahllos einen davon mitgenommen, um diese Bildungslücke zu schließen. Und schon habe ich eine Menge gelernt:
1. Es gibt diverse Jerry Cotton-Serien. Der Band bewirbt hinten "G-Man" (zu dem dieser Band gehört), "Jerry Cotton Classic" und die Reihe "Jerry Cotton 2.Auflage"
2. Das Titelbild hat nichts mit dem Roman zu tun. Steht auf Seite 4 auch nochmal in einem Infokästchen, zusammen mit dem Quellennachweis des Titelbildes (in diesem Fall ist es der Film "Der Stein des Todes")
3. Der Titel des Romans hat auch nichts mit seinem Inhalt zu tun. Glaube ich jedenfalls.
4. Es handelt sich um Band 3015. Wow.
5. Jerry Cotton ist kein Privatdetektiv, er arbeitet fürs FBI.

Kurz zum Inhalt:
In Philadelphia sterben Menschen an Drogen, die sie gekauft haben. Aber nicht, weil das Kokain mit irgendwas versetzt ist oder weil sie überdosieren, sondern weil es sich nicht um Kokain, sondern um Heroin handelt. Heroin ist aber dreimal so teuer wie Kokain, also würde kein Dealer mit Verstand so einen Fehler machen. Außerdem tritt es zu selten auf, als dass da eine ganze Lieferung vertauscht worden sein könnte. Es sieht mehr nach gezielten Morden aus - darum muss der miesepetrige Inspektor LaRea jetzt mit Jerry Cotton zusammenarbeiten, der extra für den Fall aus New York einfliegt.
Aber, wie Jerry Cotton direkt so nett sagt, nur weil der Mann chronisch schlechter Laune ist, muss er kein schlechter Polizist sein.

War okay. Kann man gut zur Entspannung lesen, es ist angenehm wenig brutal und beschäftigt sich auch nicht mit dem Privatleben egal welchen Ermittlers. Ich fand es angenehm altmodisch in dem Sinne, dass das Tempo nicht zu schnell ist und auch nicht ständig mit ablaufender Zeit künstlich Dramatik erzeugt wird. Die Ermittlungen verlaufen gradlinig, es hat zwischendurch auch mal Humor, und Inspektor LaRea als muffeliger Sidekick hatte auch was. Keine große Literatur, aber durchaus gut lesbar. Würde ich als Zeitvertreib für zwischendurch auch nochmal was von lesen.
blauerfalke: (geschichten)
Season 3 der "series formerly known as IWTV", Folge 5 und 6

( Spoiler )
blauerfalke: (geschichten)
Season 03 der "series formerly known as IWTV", Folge 3 und 4

( Spoiler )
blauerfalke: (geschichten)
Serie von HBO - "The series formlery known as 'Interview with the Vampire'"

Ja, sie sagen das am Beginn der ersten Folge tatsächlich. Für den Fall, dass jemand vergessen hat, dass das Season 3 ist, oder von den ersten beiden noch nie was gehört hat, und sich die dann erstmal ansehen kann. Und das ist auch nötig.

( Spoiler )
blauerfalke: (reisen)
Liste der Welterbestätten in Deutschland

( Read more... )
blauerfalke: (reisen)
1. Kassel Wilhelmshöhe ist kein guter Bahnhof, um da zu warten. Es gibt keine Bahnhofshalle, kaum Sitzmöglichkeiten außerhalb der Bahnsteige, und die Obdachlosenzeitungs-Verkäufer sind genauso aufdringlich wie die in Berlin HBF.

2. Heisenbeck (Gemeinde Wesertal) hat einen Ortsslogan: "Wo die Welt noch in Ordnung ist"

3. Corvey gehört gemeinsam den Fürsten von Ratibor und Corvey, der Stadt Höxter und der Katholischen Kirche. Die Fürstenfamilie wohnt auch selbst im Schloss (Erdgeschoss, Nordflügel).

4. Die Garderobe für im Kaisersaal stattfindende Veranstaltungen ist im Kamin der ehemaligen Küche angebracht. Man hängt seinen Mantel also quasi übers (nicht mehr existente) Feuer.

5. Es gibt Springladenorgeln und Schleifladenorgeln (Es gibt auch noch eine ganze Menge anderer Ladenformen, sagt Wikipedia). Springladenorgel-Systeme sind älter, komplizierter und teurer als Schleifladenorgeln, darum gibt es davon nur noch sieben Stück weltweit. Corvey hat eine davon.

6. Hoffmann von Fallersleben wurde in Fallersleben geboren und war nicht adelig. Er hat sich den "von"-Zusatz selbst gegeben, um sich damit über das adelige "von" lustig zu machen. Und außerdem heißt ja jeder Zweite Hoffmann, da muss man sich schon ein bisschen absetzen.

7. Er hat mit 51 seine 18jährige Nichte Ida geheiratet. Das Paar hatte vier Kinder, nur ein Sohn erreichte das Erwachsenenalter und wurde Landschaftsmaler.

8. Wenn man zu viel liest, bekommt man keine Kinder. Ob das nur für Romane und Reiseliteratur gilt, oder auch für "hochwertige Literatur", ist unklar, aber anzunehmen.

9. Der heutige Tierpark Saba-Burg basiert auf dem Jagdpark von Landgraf Wilhelm IV. von 1570. 1590 hat er ihn mit einer 5 km langen Mauer umgeben, die ursprünglich bis zu 4 m hoch war. Heute ist sie im Schnitt noch 2,5 m hoch.

10. Wanderwege in der Umgebung sind gerne geschottert. Mit grobem Schotter. Und zwar so, dass die Mitte des Weges deutlich höher liegt als die Seitenränder, so dass man gefühlt immer am Hang langläuft. Zum Wandern schon anstrengend, für Radfahrer sicher noch mehr.

11. Bei der Heubergrunde stimmte die Wanderkarte nicht mit der Wegmarkierung überein. Oder wir haben's einfach nicht verstanden. Aber so problematisch ist es nicht, auf einem ringförmigen Weg um einen Hügel zu laufen, ging also schon.

12. Bänke sind im Weserbergland auf Wanderwegen eher Mangelware. Ebenso Mülleimer auf Wanderparkplätzen.

13. Der Hauptachsen-Weg des Tierparks Saba-Burg ist erstaunlich stark befahren. Und er staubt.

14. 822 (Gründungsjahr der Abteil Corvey, prüfungsrelevant)
blauerfalke: (reisen)
1. Remter - Name für den Speisesaal eines Klosters, Refectorium

2. Huxarium - abgeleitet von Villa Huxaria, alter Name für Höxter, Name des ehemaligen LAGA-Geländes

3. Corvey - kommt von Corbie (Frankreich, an der Somme), dem Mutterkloster von Corvey. Corbie ist heute Partnerstadt von Höxter.

4. Saba-Burg - aktueller Name für eine Burg in Hessen, die früher Zappenburg und Zapfenburg hieß. Der Legende nach benannt nach ihrer Erbauerin Saba, einer Riesin christlichen Glaubens.

5. Bomben-Bert - Christoph Bernhard von Galen. Abt von Corvey 1661 bis 1678. Hat im Jahre 1672 erfolglos die Stadt Groningen belagert, zog dann ab, um etwas anderes zu belagern, was die Stadt heute noch jährlich mit einem großen Fest feiert.

6. Westwerk - Bauwerk, das im Westen vor einem anderen Bau steht. Im Falle von Corvey vor der Klosterkirche.

7. Steinhaufen - Hügel in Hessen (391 m)

8. Drecktor - Name eines Wanderparkplatzes im Urwald Sababurg (Reinhardswald)

9. Heinrich - Name des Uhus im Tierpark Sababurg. Er ist ihr Senior und blind. Sie haben auch noch Paul, der ist jünger und lebt in der Falknerei, weil er in der Flugshow auftritt, aber den haben wir nicht gesehen.

10. Uslar - Kleinstadt und Mittelzentrum am Rande des Solligs in Niedersachsen. Setzt sich zusammen aus "Üssel" (lokaler Name für den Italsbach, Bedeutung "kaltes Wasser") und der Endung -ar, die möglicherweise für Wasser steht. Der Name existiert durch die Geschichte in diversen Varianten und Schreibweisen wie Husleri, Huslere, Uslere, Usseler, Usler, Uslir, Üsler und Uslaria. Und zwischenzeitlich hieß Uslar für kurze Zeit Freudenthal.
blauerfalke: (erzählen)
Burg Wilhelmstein ist die Ruine einer Burg über der Wurm in Würselen-Bardenberg. Sie stammt aus dem 13.Jahrhundert und hat ihren Namen nach Wilhelm IV. Graf zu Jülich. (Nein, dass ist nicht der Bruder von Anna von Kleve, dafür war das zu früh.) Sie hat noch ein Torhaus, Teile von Befestigungsmauern und einen großen Turm, zu dessen Füßen sich ein Zuschauerraum im Amphitheater-Form befindet. Er hat ein Zeltdach, das den Großteil überdeckt, mit ungeschützten Flanken, Stehplätzen und einer ebenfalls unbedachten Metall-Tribühne dahinter. Die Reihen steigen steil an, so dass gute Sicht gegeben ist, der Boden ist gepflastert und es gibt enorm viel Beinfreiheit in den Reihen. Vielleicht ist das der Tatsache geschuldet, dass so viele Konzerte hier stattfinden, da gewünscht ist, dass die Leute aufstehen, und dass es gut ist, wenn sie dafür Platz haben?
Der beste Block ist Block B, denn das ist der in der Mitte, also am besten überdacht.

Darüber hinaus hat die Frelichtbühne gerade genug Platz, um hinter den Zuschauerreihen ein paar Buden aufzustellen, wo man Merchandising kaufen kann. Und natürlich Getränke und etwas zu essen, denn es ist verboten, Speisen und Getränke von außen ins Theater mitzubringen. Sie machen Taschenkontrolle, um das zu gewährleisten.
Mit dem Gedanken daran fand ich es ein bisschen spät, die Tore ca 45 Minuten vor Auftritt der Vorgruppe aufzumachen, auch wenn die Buden Pommes, Würstchen und dergleichen in einer beeindruckenden Geschwindigkeit servieren können. Aber vielleicht macht das auch nichts, denn wer kommt schon wegen der Vorgruppe, und bei einem Konzert kann man ja den ganzen Abend durch die Gegend laufen und sich noch was zu trinken kaufen.
Ich gehe einfach zu selten auf Konzerte, um mich da auszukennen. Im Theater geht sowas ja eher nicht.

Insgesamt sehr schöne Location. Hübsch, gut windgeschützt... Sitzkissen mitbringen kann aber nicht schaden. Freilichtbühne halt.

Besagte Vorgruppe war aus Erkelenz. Das hat man immer sehr gut verstanden, den Bandnamen dafür nicht, weil der immer so schnell gesagt wurde, und ich konnte aus Reihe 11 den Aufdruck auf der Großen Trommel leider nicht entziffern. Aber zum Glück hatten auch sie einen Merchandising-Stand, also konnte ich beim Rausgehen herausfinden, dass sie Hot Rod Devils heißen. Sie spielen Rockabilly in der klassischen Besetzung aus Gitarre, Drums und Kontrabass (dessen Abnahme war per Funk, so dass Bassist Andreas damit durch den Zuschauerraum klettern konnte), und das machen sie mit viel Begeisterung und Tempo. Und ohne dass sich jemand in stundenlage Soli verzettelt oder es in alberne Späße abrdriftet. Eine Mischung aus Klassikern, eigenem Material und bekannten Songs im Rock'n'Roll-Style, das kam gut an, passte thematisch perfekt und hat Spaß gemacht. Etwa eine Stunde haben sie gespielt und danach war die Stimmung super. Was sich aber locker nochmal steigern ließ, als der Hauptact die Bühne betrat.

Dick Brave ist ein kanadischer Rock'n'Roll-Musiker und Sänger aus Vancouver, der seinen Militärdienst damals in Soest geleistet hat. Dabei hat er Popsänger Sasha kennengelernt, der ihm zu einer Tour durch Deutschland verholfen hat. Jetzt, 12 Jahre später, hat Sasha ihn zurück nach Deutschland geholt, passend zur neuen Platte "Back for good". Hallenkonzerte waren innerhalb eine Tages ausverkauft, auch die Open Air-Tour war schnell weg, und Würselen hat sogar noch ein zweites Konzert eingeschoben, weil die Nachfrage so hoch war. So war dann auch dieser Abend bis auf ein paar Stehplätze ausverkauft - und das verdient. Es war ein tolles Konzert, super Musik, tolle Stimmung. Eine Riesenparty.
Ich persönlich fand die aktuelle Platte schwächer als die letzte, aber das spielte einerseits keine Rolle, weil das Programm Stücke von allen drei Platten enthielt, und auf der anderen Seite ist Live nochmal eine ganze andere Hausnummer, als nur eine Platte anzuhören. Natürlich wegen der Atmosphäre, aber Dick Brave ist nicht nur ein guter Sänger, sondern auch ein großartiger Entertainer, und das lässt noch mehr Energie und Enthusiasmus rüberkommen. Gesessen wurde das ganze Konzert über von kaum jemanden, dafür wurde getanzt, geklatscht und mitgesungen. Wie direkt am Anfang gesagt, das ist ein Mitmachkonzert. (Auch wenn ich nicht finde, dass "Take good care of my Baby" sich zum Schunkeln eignet, sorry - lustig wars trotzdem.)

Auch hier gab es Rock'n'Roll-Klassiker und andere Songs im Rock'n'Roll-Gewand, von "Let me be your Teddybear" bis "Take on Me", fast alles war schnell und hatte Drive, ich glaube, es gab den ganzen Abend nur zwei Balladen, und sie haben fast zwei Stunden lang gespielt. Auch hier energiegeladen, rein davon wars schon beeindruckend. Das muss man auch körperlich erstmal leisten.

Dick Brave war natürlich auch nicht alleine da. Er hatte einen Gitarristen dabei, einen Bassisten - der mir fast schon ein bisschen leid getan hat, weil sein Bass ein Kabel hatte, das er immer hinter sich herziehen musste - einen Schlagzeuger, und (zu meiner großen persönlichen Freude) einen richtig guten Pianisten. Der auch richtig gut zu hören war, immer wieder ins Rampenlicht gerückt wurde, und als erster der Musiker die Bühne minutenlang alleine bespielen durfte. Das fand ich auch eine schöne Idee, dass jeder der Musiker mal die Bühne für sich bekam, um zeigen zu können, was er so draufhat. Mehr als nur Staffage für den Star, das war auch noch sympatisch.
Oh, und zur Zugabe hat Dick Brave auch noch eine Mundharmonika ausgepackt. Das war überraschend. Positiv überraschend.

Toller Abend. Hat sich sehr gelohnt. Angeblich wird die Tour nächstes Jahr fortgesetzt, sollte ich mal im Auge behalten...
blauerfalke: (erzählen)
Legenden, Weissagungen, Visionen

von Manfred Jehle (2010)

Es ist ein großer, schwerer Bildband mit einem Bild von Stonehenge auf dem Cover, in gold und orange ausgeleuchtet. Außerdem steht kein Autor drauf und man muss nach dem Impressum suchen, um den Namen herauszufinden. Es sieht also aus wie die Sorte Buch, wo man immer fürchtet, dass es esoterisch und schlecht recherchiert ist, weil irgendjemand darin nur seine persönlichen Ansichten verbreitet. Aber wie heißt es so schön: "Never judge a book by its cover."

Es teilt sich in die Bereiche "Mythen", "Magie, Zauberei und Hexerei" und "Mystik" - König Artus, Nibelungenlied, Karl der Große, Roland und Willeham, aber auch Friedrich I. und II. und Priesterkönig Johannes. Ketzer, Hexenverfolgung, das Hexenbild und seine Rezeption in Kirche und Gesellschaft durch die Jahrhunderte, Alchemie, Astronomie und Astrologie. Und der Begriff der Mystik, zusammen mit prominenten Vertreter*innen wie Hildegard von Bingen, Brigitta von Schweden und Meister Eckhard. Die Texte sind sachlich, gut aufgebaut und verständlich. Es ist vor allem ein Überblick, aber es gibt auch erstaunlich viele Details, und zusätzlich Kästen, um einzelne Dinge nochmal zu vertiefen oder genauer darzulegen. Es für Laien geschrieben, die zum ersten Mal mit den Themen in Berührung kommen, aber auch für Leute, die sich auskennen, gibt es mit Sicherheit noch etwas zu lernen.
Kurz, es ist sehr viel besser als das Cover vermutetn lässt, und wirklich lohnend zu lesen.

Einziges Manko: keine Quellenangaben. Weder bei den Texten noch bei den reichlich vorhandenen Abbildungen.
blauerfalke: (reisen)
1. Die einzigen Bewohner des Buckingham Palace sind einige hochrangige Angestellte des Haushaltes. King Charles III. lebt in Clarence House. Zum Teil ist das der aktuellen Renovierung der Royal Appartements geschuldet, aber es klang so, als würde er das auch ansonsten vorziehen.

2. Queen Victoria hat den East Wing bauen lassen. Um dafür Geld zu beschaffen, hat sie den Royal Pavillion in Brighton an die Stadt Brighton verkauft. Dann hatte sie Angst, dass Brighton jetzt die gesamte Inneneinrichtung verscherbelt oder wegwirft, also hat sie einen Teil davon verwendet, um den neuen East Wing einzurichten. Das hat zur Folge, dass das Dekorationsthema da jetzt auch "chinoise" ist, wenn auch deutlich weniger überladen als im Royal Pavillion (dessen Inneneinrichtung weder verscherbelt noch weggeworfen worden und darum noch immer extrem beeindruckend ist).

3. Unter den Dingen, die aus dem Royal Pavillion entfernt wurden, war eine Tapete. Man hat sie aufgerollt und dann in Kensington Palace eingelagert. Später hat Queen Mary - Frau von George V. (?) - in Buckingham Palace anbringen lassen. Wo sie sie dann wieder von der Wand holen mussten, als sie den Bereich vor ein paar Jahren modernisiert haben. Und natürlich dann auch wieder aufhängen. Erstaunlich, was eine Tapete alles so aushalten kann. Sie ist aus Leinen und nicht aus Papier, aber trotzdem.

4. Die Preise im Garden Café des Buckingham Palace sind erstaunlich fair. 2 Pfund fürs Wasser, 5 Pfund für die Erdbeeren und 50 Pfund für die Afternoon Tea Box mit Heißgetränken für 2 Personen (und die Metallbox darf man behalten), das hatte ich mir schlimmer vorgestellt.

5. In der King's Gallery wäre es besser, wenn sie ein Einbahnstraßensystem anlegen würden. Es war auch der einzige Ort, wo ich an der Sicherheitskontrolle aus meiner Wasserflasche trinken musste, um zu beweisen, dass ihr Inhalt tatsächlich trinkbar ist.

6. Das einzige Kommerzielle, was jemals wirklich on location in Buckingham Palace gefilmt wurde, ist die Szene mit James Bond und der Queen für die Olympischen Spiele in London. Die Szene mit Paddington wurde in Windsor gefilmt und dann der Ausblick auf die Mall hineinmontiert.

7. Vom berühmten Balkon aus kann man nicht sehen, was auf der Mall passiert, weil das Queen Victoria Monument im Weg ist.

8. Die heilige Dreieinigkeit der National Rail:
* See it. Say it. Sorted.
* Stop, look, listen.
* Stay alert. Stay alive. Stay off the tracks.

9. Wenn der Brunnen an Leicester Square voll aufdreht, riecht es im gesamten Umkreis deutlich nach Chlor.

10. Viele Restaurants haben auf QR-Codes umgestellt, um die Speisekarte zu lesen. Und zu bestellen. Und zu bezahlen. Das ist kompliziert und nervig und auf einem Handy auch alles schlecht zu lesen. Da lernt man die Bestellkioske der Fast Food Ketten noch richtig schätzen, da kann man wenigstens alles gut erkennen.

11. Es gibt eine Ermäßigung für Busse und Trams am Wochenende, um Leute dazu zu ermutigen, die mehr zu benutzen. Ich wusste nicht, dass London eine Tram hat. Da die von Wimbledon nach Croyton zu fahren scheint, ist das nicht verwunderlich, denn da bin ich eher selten.

12. Die Homepage von National Rail sieht die gesamte Tube als einen Zug an. Darum behauptet sie, man könne ohne Umsteigen von King's Cross nach Waterloo fahren. Erst wenn man sich die Strecke im Detail ansieht, sagt sie einem, dass man dazu entweder in Euston oder in Warren Street die Bahn wechseln muss.

13. Hampton Court verkauft Pflanzen aus dem eigenen Park, so wie man das von einem guten britischen Palast erwartet. Buckingham Palace nicht. Am nächsten dran ist Honig aus den Bienenstöcken im Palastpark.

14. "Cats" und "Deathnote" waren das totale Kontrastprogramm. Eine Tanzshow mit wenig Handlung, eine Handlungsshow mit unterstützenden Choreographien, ein Klassiker, eine moderne, gehypte Show, eins im Herzen von Westminster, eins in der City, eins draußen, eins drinnen, ein eher überschaubarer Zuschauerraum, ein riesiges Auditorium, eine europäische und eine asiatische Show, und eine bei fast 30 Grad und eine, deren Klimaanlage einen dazu bringt, in der Pause eine Strickjacke anzuziehen.

15. Über Wetherspoon's sind wir hinaus. Die nächste Stufe heißt Bill's und O'Neils.
blauerfalke: (erzählen)
Heute: "Deathnote" und Memes

Auf meinem Social Media taucht immer mal wieder ein Meme auf, meistens in Form einer Umfrage, bei dem "Could X solve the Kira Muders?" gefragt wird. X ist dabei eine beliebige Person, nicht zwangsweise jemand, der sich generell mit dem Aufklären von Kriminalfällen beschäftigt.

Okay. Kira murders. Kira murders?

In "Deathnote" wird getötet, indem man den Namen einer Person in das besagte Buch schreibt, während man sie visualisiert. Das ist wichtig, damit man, falls mehrere Personen denselben Namen haben, man nicht die falsche erwischt. Diese beiden Informationen sind das Einzige, was es braucht, es ist vollkommen egal, wo sich der Mörder und das Opfer aufhalten. Und da Deathnote-Bücher nicht gerade Allerwelts-Gegenstände sind und auch nicht jeder über Shinigami Bescheid weiß oder an ihre Existenz glaubt, ist es schon eine Herausforderung, die Morde aufzuklären.

Das Meme stammt aus dem Columbo-Fandom - zumindest scheint der allgemeine Konsens zu sein, dass "Could Columbo solve the Kira Murders?" über einem Foto des Detektivs das erste dieser Memes ist. Ebenso scheint der allgemeine Konsens zu sein, dass die Antwort auf diese Frage "Ja" ist.

Kira übrigens, weil das die japanische Transliteration des Wortes "Killer" ist. R und L sind für japanische Ohren bekanntermaßen schwierig auseianderzuhalten, und wenn man das dann wieder zurück in unser Schriftsystem translitteriert, erhält man eben Kira.

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