Eine Stadt und eine Unterkunft: Takayama
Oct. 23rd, 2026 07:59 pmTakayama, oder Hida-no-Takayama (Hida ist die Region, in der es liegt, die bekannt ist für Hida-Rinder und ihr Fleisch), liegt in den Japanischen Alpen und am Miyagawa, über den die bekannte rote Nakabashi-Brücke führt, die man als Tourist in der Stadt unbedingt fotographieren muss. Irgendwas in der Nähe dieser Brücke macht nachmittags um kurz vor fünf Musik, aber wir haben keine Ahnung, was oder warum.
Takayama ist die flächemäßig größte Gemeinde Japans und hat gut 85 000 Einwohner. Sein Baum ist die Japanische Eibe und seine Blume die Netzadrige Azalee, und es hat Städtepartnerschaften mit Matsumoto, Hiratsuka, Echizen, Kaminoyama (alle Japan), Denver (USA), Lijang und Kumming (China), Sibiu (Rumänien) und Urubama (Peru). Gerne wird die Stadt auch als "Klein-Kyoto" bezeichnet, denn sie hat mehrere gut erhaltene Altstadt-Straßen (und in praktischer Laufweite einen großen Parkplatz für die Reisebusse der ganzen Touristen, die die ansehen wollen). Wirtschaftlich macht Takayama neben Tourismus natürlich in Holz, vor allem die Holzschnitzer aus Takayama sind schon seit Jahrhunderten für ihre Kunstfertigkeit berühmt.
Ebenfalls berühmt ist der Glücksbringer "Sarubobo" (Affenbaby), eine kleine Stofffigur, traditionell in rot, die früher von Großmüttern und Müttern für ihre Töchter und Enkelinnen angefertigt wurde, für eine glückliche Ehe, ein harmonisches Heim und leichte Geburten. Heute gibt es Sarubobos in verschiedenen Farben, die die für verschiedene Dinge Glück bringen (z.B. grün für Gesundheit) und in nahezu jeder Größe und jedem Material. Nicht verwunderlich, dass jedes Souvenirgeschäft der Stadt (und wahrscheinlich auch jeder Supermarkt) welche verkauft. Auch der Touristenbus (Takayama hat drei, die verschiedene Routen fahren) der Route über das Freilichtmuseum heißt Sarubobo.
Besagtes Freilichtmuseum - Hida-no-Sato - ist sehr lohnend. Wie jedes Freilichtmuseum besteht es aus authentischen Häusern, die hierher translokalisiert wurden, um sie zu retten und um verschiedene Baustile (in diesem Fall der Region Hida) zu zeigen. Es ist die übliche schöne Mischung aus Wohn-, Lager- und Arbeitsgebäuden, dazu kommen ein Schrein und ein buddhistischer Glockenturm (ja, man darf die Glocke läuten), ein See mit Koi, für die es Futter zu kaufen gibt, und interessante Informationen über Hochzeitsbräuche, Seidenraupenzucht, Reisanbau oder wer an welcher Stelle des Feuers im Haus sitzt. All diese Feuer brennen oder schwelen auch, denn das Holz der Häuser muss trocken gehalten und imprägniert werden, um es zu schützen. Und natürlich muss man vor dem Betreten jedes Hauses die Schuhe ausziehen.
Am bekanntesten aber ist die Altstadt von Takamaya, mit vielen schönen alten Straßen mit Häusern aus dunklem Holz, an denen ich besonders mochte, dass vor den Häusern kleine Wasserläufe sind. Auch der Teil der Innenstadt, der nicht zur Altstadt gehört, hat vor allem zwei- oder dreistöckige Häuser, und die Straßen sind wenig befahren, macht also einen ruhigen und vergleichsweise stressfreien Eindruck. Es gibt weitere Museums-Anwesen in der Stadt, einen Tempel mit Pagode und 1000jährigem Gingko, und einen sehr schönen Weg, den Higashiyama Walking Course, der entlang einer ganzen Reihe von Tempeln und Schreinen führt, durch einen wunderbaren Waldfriedhof und schließlich wieder hinunter zum Fluß, vorbei am Sakurayamahachimangu Schrein und dem Takayama Matsuri Yatai Kaikan Museum, wo Modelle und Originale von Festwagen des Takayama Festes ausgestellt werden. Die sehen so ähnlich aus, wie die, die wir in Matsumoto beim Schreinfest gesehen haben, nur größer und noch kunstvoller.
Auch Takayama ist von Bergen umgeben, und der zentrale Teil der Stadt ist flach, aber hinter der Altsadt, zu dem Bezirk mit den Tempeln und Schreinen hin, steigt sie an, was ihr zu einer für uns für Japan ungewohnten Silhouette verhilft. Eben nicht nur flach im Tal gebaut.
Doch, Takayama ist eine sehr schöne Stadt und es gibt viele interessante Dinge zu sehen. Und wenn die ganzen Touristenhorden abends wieder weg aus der Altstadt sind, ist es auch schön ruhig.
Unser Hotel hatte diesmal wirklich allerbeste Lage, denn es stand direkt neben der Nakabashi Brücke. Mehr noch, wir hatten Blick auf den Fluss und auf die Brücke und sogar einen kleinen Balkon. Mit extra Balkon-Slippern natürlich, denn auch Honjin Hiranoya Kofukan ist ein Ryokan, wenn auch ein modernes. Sprich, man muss seine Schuhe nicht schon am Eingang ausziehen, sondern tut das erst in einem speziellen Schuhbereich im Eingangsbereich des Zimmers. Es gibt Hausschuhe für den Gebrauch im Hotel (nicht im Zimmer, da liegen Tatami, also nur auf Socken oder barfuss), Toilettenschuhe und eben Balkonschuhe. Da muss man sich schon sehr konzentrieren, damit man immer die richtigen anhat. Außerdem gibt es beim Einchecken einen Korb, um darin Yukata für den Tag, Samue für die Nacht, Obi und Tabi-Socken unter zu bringen, und was man sonst noch so braucht von den Dingen, die man nicht dabei haben könnte (Zahnbürste, Kamm, Duschhaube...). Die Tabi-Socken sind ein Geschenk, das man behalten darf, das fand ich eine nette Idee.
Auch das Zimmer an sich war stilvoll, aber weniger traditionell, denn es gab neben dem klassischen niedrigen Tisch noch einen weiteren, westlichen, mit zwei Stühlen. Abends wurde der Futon ausgerollt, auch hier war der erstaunlich bequem. Ich mochte die Hotel-Broschüre, die in einem fröhlichen, lustigen Tonfall essentielle Dinge erklärte, wie das korrekte Anlegen eines Yukata, das Benutzen des Onsens, dass man seinen Zimmerschlüssel beim Verlassen des Hotels an der Rezeption abgeben muss (und sie haben uns beim Wiederkommen tatsächlich erkannt und uns ohne Angabe unsererseits den richtigen Schlüssel wieder ausgehändigt - echte Ryokan Magie in Aktion), und, tut uns leid, es sind keine Ninjas im Schrank. Sehr spaßig.
Natürlich wurde Yukata zum Abendessen getragen, Frühstück erlaubte normale Kleidung, und es wurde nicht auf dem Zimmer serviert, wie das traditionell üblich ist, sondern in einem Speiseraum, der in viele kleine Separées unterteilt war, mit hübschen Holz-Schiebetüren, und an westlichen Tischen. Auch hier das klassische japanische Menü, wenn auch deutlich weniger exotisch als in Hakone, und wirklich toll präsentiert. Änderte natürlich nichts daran, dass wir noch immer Banausen sind... Am zweiten Tag haben wir sie gefragt, ob wir abends ein vegetarisches Essen haben können, was sie in eine lange Diskussion mit der Küche gestürzt hat, aber sie waren sehr bemüht, und sie haben es hinbekommen. Toller Service, nochmals ganz großes Lob!
Es ist ein ideales Hotel für jeden, der ein Ryokan möchte, aber vor dem wirklich vollen traditionellen Erlebnis zurückschreckt. Sie haben das Flair, sie haben die entsprechenden Regeln und Traditionen, aber sie sind modern genug, dass man nicht ständig fürchtet, etwas falsch zu machen und für ungehobelt gehalten zu werden. Selbst wenn sies vielleicht gedacht haben - wer will vegetarisches Essen, wenn er Hida-Steak haben könnte? - sie waren immer sehr freundlich, und haben uns immer das Gefühl gegeben, willkommen zu sein. Jeder einzelne, egal ob an der Rezeption oder beim Essen.
Takayama wäre sicher noch einen Tag länger wert gewesen.
Takayama ist die flächemäßig größte Gemeinde Japans und hat gut 85 000 Einwohner. Sein Baum ist die Japanische Eibe und seine Blume die Netzadrige Azalee, und es hat Städtepartnerschaften mit Matsumoto, Hiratsuka, Echizen, Kaminoyama (alle Japan), Denver (USA), Lijang und Kumming (China), Sibiu (Rumänien) und Urubama (Peru). Gerne wird die Stadt auch als "Klein-Kyoto" bezeichnet, denn sie hat mehrere gut erhaltene Altstadt-Straßen (und in praktischer Laufweite einen großen Parkplatz für die Reisebusse der ganzen Touristen, die die ansehen wollen). Wirtschaftlich macht Takayama neben Tourismus natürlich in Holz, vor allem die Holzschnitzer aus Takayama sind schon seit Jahrhunderten für ihre Kunstfertigkeit berühmt.
Ebenfalls berühmt ist der Glücksbringer "Sarubobo" (Affenbaby), eine kleine Stofffigur, traditionell in rot, die früher von Großmüttern und Müttern für ihre Töchter und Enkelinnen angefertigt wurde, für eine glückliche Ehe, ein harmonisches Heim und leichte Geburten. Heute gibt es Sarubobos in verschiedenen Farben, die die für verschiedene Dinge Glück bringen (z.B. grün für Gesundheit) und in nahezu jeder Größe und jedem Material. Nicht verwunderlich, dass jedes Souvenirgeschäft der Stadt (und wahrscheinlich auch jeder Supermarkt) welche verkauft. Auch der Touristenbus (Takayama hat drei, die verschiedene Routen fahren) der Route über das Freilichtmuseum heißt Sarubobo.
Besagtes Freilichtmuseum - Hida-no-Sato - ist sehr lohnend. Wie jedes Freilichtmuseum besteht es aus authentischen Häusern, die hierher translokalisiert wurden, um sie zu retten und um verschiedene Baustile (in diesem Fall der Region Hida) zu zeigen. Es ist die übliche schöne Mischung aus Wohn-, Lager- und Arbeitsgebäuden, dazu kommen ein Schrein und ein buddhistischer Glockenturm (ja, man darf die Glocke läuten), ein See mit Koi, für die es Futter zu kaufen gibt, und interessante Informationen über Hochzeitsbräuche, Seidenraupenzucht, Reisanbau oder wer an welcher Stelle des Feuers im Haus sitzt. All diese Feuer brennen oder schwelen auch, denn das Holz der Häuser muss trocken gehalten und imprägniert werden, um es zu schützen. Und natürlich muss man vor dem Betreten jedes Hauses die Schuhe ausziehen.
Am bekanntesten aber ist die Altstadt von Takamaya, mit vielen schönen alten Straßen mit Häusern aus dunklem Holz, an denen ich besonders mochte, dass vor den Häusern kleine Wasserläufe sind. Auch der Teil der Innenstadt, der nicht zur Altstadt gehört, hat vor allem zwei- oder dreistöckige Häuser, und die Straßen sind wenig befahren, macht also einen ruhigen und vergleichsweise stressfreien Eindruck. Es gibt weitere Museums-Anwesen in der Stadt, einen Tempel mit Pagode und 1000jährigem Gingko, und einen sehr schönen Weg, den Higashiyama Walking Course, der entlang einer ganzen Reihe von Tempeln und Schreinen führt, durch einen wunderbaren Waldfriedhof und schließlich wieder hinunter zum Fluß, vorbei am Sakurayamahachimangu Schrein und dem Takayama Matsuri Yatai Kaikan Museum, wo Modelle und Originale von Festwagen des Takayama Festes ausgestellt werden. Die sehen so ähnlich aus, wie die, die wir in Matsumoto beim Schreinfest gesehen haben, nur größer und noch kunstvoller.
Auch Takayama ist von Bergen umgeben, und der zentrale Teil der Stadt ist flach, aber hinter der Altsadt, zu dem Bezirk mit den Tempeln und Schreinen hin, steigt sie an, was ihr zu einer für uns für Japan ungewohnten Silhouette verhilft. Eben nicht nur flach im Tal gebaut.
Doch, Takayama ist eine sehr schöne Stadt und es gibt viele interessante Dinge zu sehen. Und wenn die ganzen Touristenhorden abends wieder weg aus der Altstadt sind, ist es auch schön ruhig.
Unser Hotel hatte diesmal wirklich allerbeste Lage, denn es stand direkt neben der Nakabashi Brücke. Mehr noch, wir hatten Blick auf den Fluss und auf die Brücke und sogar einen kleinen Balkon. Mit extra Balkon-Slippern natürlich, denn auch Honjin Hiranoya Kofukan ist ein Ryokan, wenn auch ein modernes. Sprich, man muss seine Schuhe nicht schon am Eingang ausziehen, sondern tut das erst in einem speziellen Schuhbereich im Eingangsbereich des Zimmers. Es gibt Hausschuhe für den Gebrauch im Hotel (nicht im Zimmer, da liegen Tatami, also nur auf Socken oder barfuss), Toilettenschuhe und eben Balkonschuhe. Da muss man sich schon sehr konzentrieren, damit man immer die richtigen anhat. Außerdem gibt es beim Einchecken einen Korb, um darin Yukata für den Tag, Samue für die Nacht, Obi und Tabi-Socken unter zu bringen, und was man sonst noch so braucht von den Dingen, die man nicht dabei haben könnte (Zahnbürste, Kamm, Duschhaube...). Die Tabi-Socken sind ein Geschenk, das man behalten darf, das fand ich eine nette Idee.
Auch das Zimmer an sich war stilvoll, aber weniger traditionell, denn es gab neben dem klassischen niedrigen Tisch noch einen weiteren, westlichen, mit zwei Stühlen. Abends wurde der Futon ausgerollt, auch hier war der erstaunlich bequem. Ich mochte die Hotel-Broschüre, die in einem fröhlichen, lustigen Tonfall essentielle Dinge erklärte, wie das korrekte Anlegen eines Yukata, das Benutzen des Onsens, dass man seinen Zimmerschlüssel beim Verlassen des Hotels an der Rezeption abgeben muss (und sie haben uns beim Wiederkommen tatsächlich erkannt und uns ohne Angabe unsererseits den richtigen Schlüssel wieder ausgehändigt - echte Ryokan Magie in Aktion), und, tut uns leid, es sind keine Ninjas im Schrank. Sehr spaßig.
Natürlich wurde Yukata zum Abendessen getragen, Frühstück erlaubte normale Kleidung, und es wurde nicht auf dem Zimmer serviert, wie das traditionell üblich ist, sondern in einem Speiseraum, der in viele kleine Separées unterteilt war, mit hübschen Holz-Schiebetüren, und an westlichen Tischen. Auch hier das klassische japanische Menü, wenn auch deutlich weniger exotisch als in Hakone, und wirklich toll präsentiert. Änderte natürlich nichts daran, dass wir noch immer Banausen sind... Am zweiten Tag haben wir sie gefragt, ob wir abends ein vegetarisches Essen haben können, was sie in eine lange Diskussion mit der Küche gestürzt hat, aber sie waren sehr bemüht, und sie haben es hinbekommen. Toller Service, nochmals ganz großes Lob!
Es ist ein ideales Hotel für jeden, der ein Ryokan möchte, aber vor dem wirklich vollen traditionellen Erlebnis zurückschreckt. Sie haben das Flair, sie haben die entsprechenden Regeln und Traditionen, aber sie sind modern genug, dass man nicht ständig fürchtet, etwas falsch zu machen und für ungehobelt gehalten zu werden. Selbst wenn sies vielleicht gedacht haben - wer will vegetarisches Essen, wenn er Hida-Steak haben könnte? - sie waren immer sehr freundlich, und haben uns immer das Gefühl gegeben, willkommen zu sein. Jeder einzelne, egal ob an der Rezeption oder beim Essen.
Takayama wäre sicher noch einen Tag länger wert gewesen.