Jeder Japan-Tourist kennt das: Man steht vor einem mehr oder weniger großen - oder auch mal sehr kleinen - Bereich religiöser Gebäude und fragt sich, ob das ein Shinto-Schrein oder ein Buddhistischer Tempel ist. Zunächst mal die beruhigende Antwort: Im Grunde spielt es keine Rolle.
Und es ist auch alles andere als ungewöhnlich, dass auf dem Gelände eines buddhistischen Tempels ein Gebäude ein Shinto-Schrein ist, oder umgekehrt. Japaner gehen da sehr locker mit um und die meisten folgen irgendwie beiden Religionen.
Schreine und Tempel haben immer Tore. Generell ist ein Tori ein Hinweis darauf, dass es sich um einen Schrein handelt, aber zwingend ist das nicht, auch buddihistische Tempel haben schonmal Toris. Nicht alle Toris sind rot, aber sind sie rot und treten sie in Massen auf, handelt es sich um einen Inari-Schrein. Meistens gibts dann auch noch Fuchs-Statuen und -Abbildungen, das ist also recht leicht zu erkennen.
Buddhistische Tempel haben Sanmons. Das sind Torgebäude mit einem oder mehreren Toren im Zentrum, die auch gerne mal mehrere Stockwerke hoch sind und immer pagodenartige Dächer haben. Links und rechts vom Durchgang sind Wächterfiguren im Gebäude, meist mit menschlichen Zügen, oft waffentragend. Und manchmal gibt es auch noch eine große rote Laterne im Durchgang, oder eine Glocke oben im Torgebäude.
Ein Sanmon ist natürlich auch kein Beweis, dass es sich um einen Tempel handelt.
Wenn man durch egal welches Tor geht, macht man das nicht in der Mitte. Man bleibt stehen, verbeugt sich, und geht dann rechts oder links am Rand hindurch. Durch die Mitte könnte überraschend ein Drache fliegen wollen und der würde einen dann umreißen.
Auch tritt man nie auf die Schwelle eines Sanmons. Toris haben keine Schwelle, das macht es einfacher.
Tempel und Schreine haben beide Wächterfiguren in der Form von Tieren vor dem jeweiligen Tor. Sehr beliebt sind Löwenhunde, aber es gib auch Drachen, Einhörner und natürlich die Inari-Füchse. Meistens hat ein Wächer ein offenes Maul, das symbolisiert den Anfang, und einer ein geschlossenes, das symboliert das Ende. Manchmal haben auch beide das Maul offen, dass symbolisiert dann die Verbreitung der buddhistischen Lehre.
Es gibt auch Wächterpaare, die von einem weiblichen und einem männlichen Tier gebildet werden. Das weibliche erkennt man daran, dass ein Junges dabei hat.
Und oft haben die Wächter auch andere Gegenstände dabei, so wie z.B. Wassersphären (langes Leben, Schutz vor Krankheit, leichte Geburt) oder Schriftrollen (Erfolg und Weisheit).
Beide haben auch einen Bereich zur rituellen Reinigung mit Wasser. Es gibt immer einen Brunnen oder zumindest eine Leitung mit fließendem Wasser, und dazu gibt es Kelllen, die man mit dem Wasser füllt. Erst lässt man das Wasser über die linke Hand laufen, dann über die rechte, dann gibt man Wasser in die linke Hand, spült damit den Mund um und spuckt es aus, und lässt dann wieder Wasser über die linke Hand laufen. Außer in Kyoto, da nimmt man das Wasser nicht in den Mund. Und am Ende lässt man den Rest des Wassers über den Griff der Kelle laufen, um ihn zu säubern, bevor man sie fein säuberlich wieder an ihren Platz legt.
Es hieß, dass man sich danach die Hände nicht abtrocknet, sondern das Wasser nur abschüttelt, aber ich habe eine Menge Leute gesehen, die ein Handtuch hervorgezogen und sich die Hände abgetrocknet haben. In Japan haben die meisten Leute ständig ein kleines Handtuch dabei.
Sieht man jetzt auf dem Weg zur Haupthalle etwas, was sehr viel Qualm absondert, ist das ein Hinweis darauf, dass es sich um einen Tempel handelt, denn in buddhistischen Tempeln kann man Weihrauchstäbchen kaufen, anzünden und dann in eben diesen Behälter stecken, um den Rauch über sich zu fächeln. Einerseits ist das ein Opfer für den Tempel, andererseits ist es eine Art des Segens und hilft gegen Krankheiten, wenn man den Rauch auf die betroffene Körperstelle fächelt. Es ist auch okay, selbst keinen Weihrauch anzuzünden und sich nur den Rauch zuzufächeln, der ohnehin schon da ist.
Beide, Tempel und Schreine, verkaufen Orakel, Glücksbringer und schreiben oft auch Goshuin. In beiden kann man Votivtafeln, sogenannte Ema, erwerben, meist aus Holz, manchmal aus Papier, auf die man seinen Wunsch schreiben und sie dann an ein entsprechendes Gestell hängen kann. Anscheinend kann man sie aber auch mit nach Hause nehmen... für den Hausschrein?
Schreine verkaufen zusätzlich gerne kleine Tierfiguren, oft die Tierkreiszeichen (auch wenn das buddhistisch ist) oder ein Tier, das irgendwie mit dem Schrein zu tun hat.
Sieht man irgendwo ein Strohseil hängen, an dem weiße Papierstreifen in Zick-Zack-Form hängen, dann ist das ein Hinweis auf einen Schrein. Die Seile markieren Orte, an denen Kami wohnen, die also heilig sind.
Der einzige Moment, in dem es wirklich eine Rolle spielt, ob es ein Schrein oder ein Tempel ist, ist der, in dem man betet. Es gibt zwei wichtige Unterschiede.
1. Ist es ein Schrein, wirf 5 Yen in die entsprechende Box. Ist es ein Tempel, wirf 100 Yen hinein.
2. Ist es ein Schrein, klatsche in die Hände, um die Gottheit auf dich aufmerksam zu machen. Ist es ein Tempel, tu das nicht und verbeug dich nur.
Gibt es eine Glocke an der Box für das Geld, kannst du sie läuten, um die Gottheit auf dich aufmerksam zu machen. Das gilt auch für Tempel.
Viele Schreine und Tempel, die oft von Touristen besucht werden, haben bebilderte Anweisungen, was man tun sollte, an der Box für das Geld liegen. Das ist also quasi der Moment, in dem sich klärt, ob man vor einem Tempelgebäude steht oder vor einem Schreingebäude. Oder man verbringt ein bisschen Zeit auf dem Gelände und beobachtet die Gläubigen, was sie tun, und macht es dann einfach nach.
Es scheint übrigens nicht klar geregelt zu sein, in welcher Reihenfolge man klatscht und sich verbeugt oder wie oft man sich wann verbeugt oder klatscht... Konsens scheint nur darin zu herrschen, dass man zuerst das Geld in die Box wirft, bevor man etwas anderes tut.
Und das Allerheiligste fotographieren tut man in keinem von beidem.
Zusatz: Wenn es auf dem Gelände ein Nebengebäude gibt, in dem etwas steht, das aussieht wie eine geschmückte Sänfte, ist es ein Schrein. Das ist dafür da, den Gott des Schreins in einer Prozession durch seinen Zuständigkeitsbereich zu tragen, damit er weiß, um was er sich kümmern soll. Oder damit ihm nicht langweilig wird.
Und es ist auch alles andere als ungewöhnlich, dass auf dem Gelände eines buddhistischen Tempels ein Gebäude ein Shinto-Schrein ist, oder umgekehrt. Japaner gehen da sehr locker mit um und die meisten folgen irgendwie beiden Religionen.
Schreine und Tempel haben immer Tore. Generell ist ein Tori ein Hinweis darauf, dass es sich um einen Schrein handelt, aber zwingend ist das nicht, auch buddihistische Tempel haben schonmal Toris. Nicht alle Toris sind rot, aber sind sie rot und treten sie in Massen auf, handelt es sich um einen Inari-Schrein. Meistens gibts dann auch noch Fuchs-Statuen und -Abbildungen, das ist also recht leicht zu erkennen.
Buddhistische Tempel haben Sanmons. Das sind Torgebäude mit einem oder mehreren Toren im Zentrum, die auch gerne mal mehrere Stockwerke hoch sind und immer pagodenartige Dächer haben. Links und rechts vom Durchgang sind Wächterfiguren im Gebäude, meist mit menschlichen Zügen, oft waffentragend. Und manchmal gibt es auch noch eine große rote Laterne im Durchgang, oder eine Glocke oben im Torgebäude.
Ein Sanmon ist natürlich auch kein Beweis, dass es sich um einen Tempel handelt.
Wenn man durch egal welches Tor geht, macht man das nicht in der Mitte. Man bleibt stehen, verbeugt sich, und geht dann rechts oder links am Rand hindurch. Durch die Mitte könnte überraschend ein Drache fliegen wollen und der würde einen dann umreißen.
Auch tritt man nie auf die Schwelle eines Sanmons. Toris haben keine Schwelle, das macht es einfacher.
Tempel und Schreine haben beide Wächterfiguren in der Form von Tieren vor dem jeweiligen Tor. Sehr beliebt sind Löwenhunde, aber es gib auch Drachen, Einhörner und natürlich die Inari-Füchse. Meistens hat ein Wächer ein offenes Maul, das symbolisiert den Anfang, und einer ein geschlossenes, das symboliert das Ende. Manchmal haben auch beide das Maul offen, dass symbolisiert dann die Verbreitung der buddhistischen Lehre.
Es gibt auch Wächterpaare, die von einem weiblichen und einem männlichen Tier gebildet werden. Das weibliche erkennt man daran, dass ein Junges dabei hat.
Und oft haben die Wächter auch andere Gegenstände dabei, so wie z.B. Wassersphären (langes Leben, Schutz vor Krankheit, leichte Geburt) oder Schriftrollen (Erfolg und Weisheit).
Beide haben auch einen Bereich zur rituellen Reinigung mit Wasser. Es gibt immer einen Brunnen oder zumindest eine Leitung mit fließendem Wasser, und dazu gibt es Kelllen, die man mit dem Wasser füllt. Erst lässt man das Wasser über die linke Hand laufen, dann über die rechte, dann gibt man Wasser in die linke Hand, spült damit den Mund um und spuckt es aus, und lässt dann wieder Wasser über die linke Hand laufen. Außer in Kyoto, da nimmt man das Wasser nicht in den Mund. Und am Ende lässt man den Rest des Wassers über den Griff der Kelle laufen, um ihn zu säubern, bevor man sie fein säuberlich wieder an ihren Platz legt.
Es hieß, dass man sich danach die Hände nicht abtrocknet, sondern das Wasser nur abschüttelt, aber ich habe eine Menge Leute gesehen, die ein Handtuch hervorgezogen und sich die Hände abgetrocknet haben. In Japan haben die meisten Leute ständig ein kleines Handtuch dabei.
Sieht man jetzt auf dem Weg zur Haupthalle etwas, was sehr viel Qualm absondert, ist das ein Hinweis darauf, dass es sich um einen Tempel handelt, denn in buddhistischen Tempeln kann man Weihrauchstäbchen kaufen, anzünden und dann in eben diesen Behälter stecken, um den Rauch über sich zu fächeln. Einerseits ist das ein Opfer für den Tempel, andererseits ist es eine Art des Segens und hilft gegen Krankheiten, wenn man den Rauch auf die betroffene Körperstelle fächelt. Es ist auch okay, selbst keinen Weihrauch anzuzünden und sich nur den Rauch zuzufächeln, der ohnehin schon da ist.
Beide, Tempel und Schreine, verkaufen Orakel, Glücksbringer und schreiben oft auch Goshuin. In beiden kann man Votivtafeln, sogenannte Ema, erwerben, meist aus Holz, manchmal aus Papier, auf die man seinen Wunsch schreiben und sie dann an ein entsprechendes Gestell hängen kann. Anscheinend kann man sie aber auch mit nach Hause nehmen... für den Hausschrein?
Schreine verkaufen zusätzlich gerne kleine Tierfiguren, oft die Tierkreiszeichen (auch wenn das buddhistisch ist) oder ein Tier, das irgendwie mit dem Schrein zu tun hat.
Sieht man irgendwo ein Strohseil hängen, an dem weiße Papierstreifen in Zick-Zack-Form hängen, dann ist das ein Hinweis auf einen Schrein. Die Seile markieren Orte, an denen Kami wohnen, die also heilig sind.
Der einzige Moment, in dem es wirklich eine Rolle spielt, ob es ein Schrein oder ein Tempel ist, ist der, in dem man betet. Es gibt zwei wichtige Unterschiede.
1. Ist es ein Schrein, wirf 5 Yen in die entsprechende Box. Ist es ein Tempel, wirf 100 Yen hinein.
2. Ist es ein Schrein, klatsche in die Hände, um die Gottheit auf dich aufmerksam zu machen. Ist es ein Tempel, tu das nicht und verbeug dich nur.
Gibt es eine Glocke an der Box für das Geld, kannst du sie läuten, um die Gottheit auf dich aufmerksam zu machen. Das gilt auch für Tempel.
Viele Schreine und Tempel, die oft von Touristen besucht werden, haben bebilderte Anweisungen, was man tun sollte, an der Box für das Geld liegen. Das ist also quasi der Moment, in dem sich klärt, ob man vor einem Tempelgebäude steht oder vor einem Schreingebäude. Oder man verbringt ein bisschen Zeit auf dem Gelände und beobachtet die Gläubigen, was sie tun, und macht es dann einfach nach.
Es scheint übrigens nicht klar geregelt zu sein, in welcher Reihenfolge man klatscht und sich verbeugt oder wie oft man sich wann verbeugt oder klatscht... Konsens scheint nur darin zu herrschen, dass man zuerst das Geld in die Box wirft, bevor man etwas anderes tut.
Und das Allerheiligste fotographieren tut man in keinem von beidem.
Zusatz: Wenn es auf dem Gelände ein Nebengebäude gibt, in dem etwas steht, das aussieht wie eine geschmückte Sänfte, ist es ein Schrein. Das ist dafür da, den Gott des Schreins in einer Prozession durch seinen Zuständigkeitsbereich zu tragen, damit er weiß, um was er sich kümmern soll. Oder damit ihm nicht langweilig wird.