blauerfalke: (reisen)
Paris ist die Hauptstadt Frankreichs und liegt bekanntermaßen an der Seine. Es hat mehr als 2 Millionen Einwohner auf einer erstaunlich kleinen Fläche, und es hat bekannte Sehenswürdigkeiten wie den Eiffelturm, Notre Dame, Sacré-Cœur und Versailles. Es hat viele Bahnhöfe aus der Zeit, als Bahnhöfe noch Paläste waren, weshalb die meisten davon sehr schön sind. Auch sind sie Kopfbahnhöfe, was bedeutet, dass man in Paris immer in die Metro steigen muss, wenn man an einem anderen Ende wieder rausfahren will als man reingefahren ist. Diese besteht aus 16 Linien und ist die Viertälteste der Welt. Bahnen fahren in der Innenstadt im beeindruckenden Takt von 2 bis 3 Minuten, und bei einigen Linien sogar autonom. Und zum 1.November dieses Jahres hat Paris es auch endlich geschafft, eine aufladbare Plastikkarte einzuführen, so dass das ständige Kaufen von Papierfahrkarten entfällt. Ich fand, dass Metrofahren dieses Mal deutlich einfacher und stressfreier war die letzten Male.

Read more... )
blauerfalke: (reisen)
Chinon ist eine Gemeinde in Frankreich, im Département Indre-et-Loire, was zur Région Centre-Val de Loire gehört. Es liegt aber nicht an der Loire, sondern an der Vienne, und zwar auf beiden Seiten des Flusses. Es hat Städtepartnerschaften mit Hofheim am Taunus, Deutschland, und Tiverton, England, nach denen jeweils ein Platz im Ort benannt ist. Außerdem ist es der Geburtsort von François Rabelais, Autor von "Gargantua und Pantagruel".

Chinon hat gut 8000 Einwohner, einen Bahnhof und ziemlich viele Parkplätze, denn auch wenn hier niemand den Ort kennt, ist er offenbar sehr beliebt bei Touristen. Und das hat mehrere Gründe.

Read more... )
blauerfalke: (reisen)
Brühl ist eine Stadt in der Nähe von Köln, die ca 45 000 Einwohner hat. Bekannt ist sie, weil sie mit den Brühler Schlössern - Augustusburg und Falkenlust - samt zugehörigem Park eine Welterbestätte ist, und die Heimat des Phantasialandes, eines bekannten Freizeitparks. Die Schlösser liegen direkt am Bahnhof, zum Phantasialand fährt vom Bahnhof aus ein Shuttlebus (sie haben aber natürlich auch große Parkplätze).
Darüber hinaus hat Brühl eine Innenstadt, von der ich immer nur sehr kleine Ecken sehe, die aber immer sehr charmant aussehen, so dass es sich vielleicht mal lohnen würde, da hinzufahren, um mal in Ruhe durchzuschlendern. Sie ist sicher nicht besonders groß, denn Brühl ist es ja auch nicht, aber sie hat viel grün, viele Bäume, nette Gassen und sie ist verkehrsberuhigt.
Und im Rosa Caffe haben wir sehr gut und lecker gegessen.

Brühl hat auch mehrere Kirchen, darunter eine, die mal zu einem Franziskaner-Kloster gehörte, und die Kurfürst Clemens August zu seiner Schlosskirche hat umbauen lassen. Warum in dem riesigen Augustusburg keine Schlosskirche ist, oder ob das nur temporär während der Bauphase so angedacht war... keine Ahnung. Auf jeden Fall hat besagte Kirche jetzt eine beeindruckende barocke Ausstattung von Balthasar Neumann, mit einer Verkündigungsgruppe auf dem Hochaltar und einer Gruppe singender und musizierender Engel auf der Orgel, die von einem Harfe spielenden König David gekrönt wird. Ein bisschen sieht es so aus, als gäbe der König als Bandleader grade ein Konzert, aber das spricht ja vor allem dafür, wie lebensecht diese Figuren sind.

Brühl liegt im Rhein-Erft-Kreis, dessen Autokennzeichen BM ist (früher mal Kreis Bergheim), und hat zwei Partnerstädte: Sceaux (Frankreich) und Leamington (UK).
Ferner hat es vier Freundesstädte: Weißwasser (Deutschland), Kunice (Polen), Chalikda (Griechenland) und Kaş (Türkei).

Das Stadtwappen zeigt den Hl. Petrus mit seinen Schlüsseln (wahrscheinlich ist der dann auch der Stadtpatron), zusammen mit dem Kölner Stiftskreuz. Umgeben ist das Ganze von sieben Schöffenköpfen, die auf das 1249 gegründete Hochgericht Brühl verweisen, in dem ein siebenköpfiges Gremium unter dem Vorsitz eines vom Landesherrn bestimmten Schultheiß für Recht und Ordnung sorgte.

Außerdem ist Brühl der Geburtsort von August Macke Max Ernst und hat darum ein Museum, das seinem Werk gewidmet ist. Es ist gleich neben Bahnhof und Schlössern und damit sehr gut erreichbar.

August Macke Max Ernst war ein Vertreter des Surrealismus und Dadaismus und scheint in jedem Medium gearbeitet zu haben, das ihm in die Finger kam. Bekannt ist er für seine Metall-Skulpturen und für die Erfindung der Techniken Frottage (man trägt die Oberflächenstruktur durch Reiben auf das Medium auf), Grattage (man trägt erst viele Farbschichten auf und kratzt dann wieder welche weg, um darunter liegende sichtbar zu machen) und Drip Painting (man tropft oder spritzt die Farbe auf). Er war viermal verheiratet, seine dritte Ehefrau war die berühmte Kunstsammlerin Peggy Guggenheim, die ihre letzten Lebensjahre in Venedig verbrachte und dort mitsamt ihren Hunden auch im Garten ihrer Villa beerdigt ist.

Immerhin habe ich jetzt ein Bild aus dem Medium Öl auf Schmirgelpapier gesehen. Ich glaube, das war mein erstes Bild auf Schmirgelpapier. Es heißt übrigens "Vogel im Käfig" und ich finde, es sind zwei Vögel drauf... Auch finde ich, dass sehr viele Vögel im Werk von Max Ernst vorkommen, aber vielleicht ist das nur persönliches Gefühl, oder der Wahl der gezeigten Werke geschuldet, denn das Max Ernst-Museum hat ja sicher nur eine Auswahl in der Ausstellung. Jedes Museum hat ja immer mehr Werke, als es zeigen kann.
Im Ganzen fand ich die Skulpturen interessanter als die Bilder, auch wenn einige von denen durchaus hübsch waren, so rein farblich. Abstrakte Malerei ist ja immer vor allem Farbeindruck für mich.

Das Museum hat auch Sonderausstellungen, die aktuelle heißt "Hyper Creatures" und beschäftigt sich mit moderner Mythologie. Dabei scheinen die meisten Künstler auf Video-Installationen zu setzen, was ich persönlich eher schwierig finde. Gut gemacht war sie in jedem Fall. Die Raumaufteilung war verwinkelt, aber nicht unübersichtlich, die Tonspuren, die zu den Installationen gehören, werden auf Kopfhöhrer gespielt, die man bei Interesse aufsetzen kann, so dass nicht der gesamte Raum aus allen Ecken zugeschallt wird und es angenehm ruhig ist.
Eine Installation existiert sogar nur als Virtual Reality, in die man mit Hilfe einer VR-Brille eintauchen kann. Das erwies sich als anfangs ein bisschen verwirrend und schwierig, aber nach einer Weile klappte es dann doch ganz gut und hatte tatsächlich so etwas wie Poesie - man bewegt sich in der Käferperspektive auf dem Boden eines Waldes mit hohen Bäumen und vielen Tieren fort und muss dabei Stern-Konstellationen suchen, während eine sanfte Stimme einem philosophische Texte auf englisch vorträgt. Das war ein bisschen viel Eindruck auf einmal, aber vielleicht war das gerade gewollt. In jedem Fall fand ichs interessant und auch berührend.
Am besten gefallen aber hat mit das Bestiarium des Anthropozäns, in dem sie in der Tradition der alten Bestiarien - Sammlungen von Tieren und Pflanzen - menschengemachte Kreaturen zeigen. Saugroboter, Lautsprecher, die aussehen wie Steine, Roboter, Kunstrasen, Stracheldraht, Roboter, die auf vier Beinen herumlaufen, radioaktive Pilze... Fordite fand ich besonders spannend. Das sind "Edelsteine", die aus Autolack bestehen. In den Lackierereien werden auf den Stationen die Lacke immer einfach weitergesprüht, bis die Schichten so dick werden, dass sie stören. Dann werden sie abgeschlagen und je nach Schichten hat man dann etwas mehr oder weniger Buntes, das man schleifen und zurechtschneiden kann wie einen Stein, z.B. für Schmuck. (Vielleicht ist das dann auch eine Grattage-Technik und passt darum zu Max Ernst?)

Von Max Ernsts eigenen Kunstwerken mochte ich "Zwei Gehilfen" am liebsten, eine Bronzeskulptur aus zwei kleinen Wesen, die zu lächeln scheinen. Die waren niedlich.
blauerfalke: (reisen)
Halle ist eine Stadt in der Nähe von Bielefeld (falls man daran glauben möchte, dass das existiert) im Kreis Gütersloh. Daher ist das Autokennzeichen GT, Halle hat kein eigenes. Im Gegensatz zu Halle an der Saale scheint Halle in Westfalen auch nur ein Adjektiv zu haben, nämlich "haller". Der hübsche Fachwerk-Stadtkern heißt "Haller Herz".

Halle hat etwas unter 22 000 Einwohner und ist damit sehr viel kleiner, als ich mir das vorgestellt hatte. Auch ist es sehr viel grüner, als ich mir das vorgestellt hatte, und hat recht wenig von der Industriestadt, die ich erwartet hatte. Der Stadtkern besteht wie gesagt aus Fachwerk und ist sehr hübsch, wenn auch klein, und drumrum gibt es vor allem Wohngebiete. Es gibt eine Alte Lederfabrik, die von Industrievergangenheit zeugt, in der heute Künstlerateliers ihre Heimat haben.
Auch ist es umstritten, ob der Name Halle etwas mit Salz zu tun hat, wie das bei quasi allen Städten mit "hal" irgendwo im Namen der Fall sein soll. In Halle wurde zwar gefördert, aber vor allem Kohle und Erz. Das ist heute natürlich lange vorbei, dafür ist die Stadt die Heimat von Storck (das sind die mit den Werthers Echten), Gerry Weber (die machen Mode) und der Kisker-Brennerei (wie der Name vermuten lässt, stellen die Hochprozentiges her).

Halle liegt an der A33 und hat einen Bahnhof. Dort hält die Regionalbahn, "Haller Willem" genannt. So heißt auch das Haller Stadtmagazin und beide beziehen sich auf eine Figur, die im Haller Herz ein Denkmal hat, einen Fuhrmann, der zweimal täglich zwischen Halle und Bielefeld pendelte und dabei Personen und Güter transportierte - eben bis die Eisenbahn kam und er damit überflüssig wurde. Er steht für Tugenden wie Zuverlässigkeit, ehrliche Arbeit und gute Laune.

Halles Beiname ist "die Lindenstadt", und das Stadtmotto ist "zum Wohlfühlen". Und es hat Städtepartnerschaften mit Ronchin (Frankreich) und Valmiera (Lettland).

Generell hat Halle sehr viel Kunst, in diversen Galerien, Ateliers, Parks und auch Museen. Eins davon ist das Museum für Kindheits- und Jugendwerke bedeutender Künstler.
Es befindet sich mitten im Haller Herz, in einem Fachwerkhaus, das alleine schon eine Attraktion darstellt. Es ist von 1246 und gilt als das älteste Gebäude der Stadt - es war mal ein Getreidespeicher und hat darum Schießscharten, weil man den verteidigen können musste. Außerdem hat es zwei Kelleretagen - weil das Bodenniveau mal niedriger war - und diverse obere Etagen, Treppen, Galerien, verwickelte Ecken... sehr spannend. Haus und Museum sind in privater Hand und das Lebenswerk von Ursula Blaschke, einer sehr enthusiastischen, leidenschaftlichen und starken Frau, die beides vor fast 40 Jahren zu ins Leben gerufen hat. Das Haus restauriert und die Sammlung aufgebaut. Hut ab vor so viel Energie.
Auch heute ist noch sehr aktiv und führt ein Team von Ehrenamtlern an, die die Sammlung im Rahmen von sehr interessanten Führungen zugänglich machen.

Wie der Name schon sagt, zeigt das Museum Kindheits- und Jugendwerke berühmter Künstler, und ist damit das einzige weltweit. Und die Liste kann sich sehen lassen, denn sie reicht u.A. von Paul Klee über August Macke, Friedensreich Hunterwasser, Paula Modersohn-Becker und Otto Dix bis hin zu Pablo Picasso. Von einigen gibt es auch Erwachsenen-Werke, die neben den Frühwerken hängen, und bei einigen ist es auch amüsant zu sehen, wenn sich dabei Motive wiederholen. Das kann natürlich Zufall sein, aber bei einigen ist es wohl auch Programm, wenn sich das Bild eines Fuchses damit durch das gesamte Werk zieht.
Dazu gibt es einige Bereiche, die lokalen Künstler/innen vorbehalten sind, unter anderem den Nachlass von Irene Müller auf dem Dachboden, die aus Gütersloh stammt und mit dem Museum in ihren letzten Lebensjahren eine enge Beziehung unterhielt.

Passend zum Haus ist die Sammlung nicht ordentlich-steril ausgestellt, sondern in einer charmanten, zufällig und ein wenig chaotisch wirkenden Präsentation, die sich nicht um Chronologie oder Stile kümmert. Die Namen der Künstler stehen auf kleinen Zetteln neben oder an den Bildern, an einigen Türrahmen hängen Fotos oder Zitate der Künstler, Kunst steht in den Ecken, auf Treppenstufen, an andere Kunst gelehnt... Es wirkt lebendig, und irgendwie passt es dazu, dass das Thema des Hauses Kunst ist, die von Minderjährigen geschaffen wurde. Es hat etwas Spielerisches, Junges.
Und natürlich ist es auch bei einigen Bildern beeindruckend zu sehen, zu was einzelne Künstler da teilweise in wirklich sehr jungen Jahren schon in der Lage waren. (Auf der anderen Seite gibt es aber auch Bilder, die sich durch nichts von denen anderer Kinder unterscheiden - was auf gewisse Weise auch schön zu sehen ist.)

Halle und das Museum passen gut zusammen. Lebendig, freundlich, ein bisschen ungewöhnlich. Und begeistert.
blauerfalke: (reisen)
Bad Ems ist eine Stadt in Rheinland-Pfalz, mit ca. 10 000 Einwohnern. Sie gehört zum Rhein-Lahn-Kreis, und sie liegt auch an der Lahn. Bad Ems ist vor allem bekannt für Emser Pastillen, Emser Salz und andere Produkte, die aus den Mineralquellen der Stadt hergestellt werden. Darüber hinaus ist Bad Ems Sitz des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz und der Verwaltungen der Verbandgemeinde Bad Ems-Nassau und des Rhein-Lahn-Kreises. Es hat drei Autokennzeichen, EMS, DIZ und GOH.

Bad Ems ist Welterbe und das gleich zweimal. Dort, wo heute die Bahnhofsbrücke über die Lahn führt, führte einst der Limes über die Lahn, der Welterbe ist. Im Stadtbereich von Bad Ems haben sich Reste von zwei römischen Lagern gefunden. Des weiteren war Bad Ems Teil der Sammelbewerbung "Große Kurstädte Europas", mit der die Tradition der Europäischen Kurbäder gewürdigt werden sollte. Im Jahr 2021 wurde diese Bewerbung erfolgreich abgeschlossen, die Städte des Verbundes sind damit Welterbe. Neben Bad Ems handelt es sich dabei um Baden-Baden, Bad Kissingen (beide Deutschland), Franzensbad, Marienbad, Karlsbad (alle drei Tschechien), Spa (Belgien), Vichy (Frankreich), Bath (Vereinigtes Königreich) und Montecatini Terme (Italien).

Darüber hinaus hat Bad Ems natürlich auch Partnerstädte, Droitwich Spa (Vereinigtes Königreich), Cosne-Cours-sur-Loire (Frankreich) und Blankenfelde-Mahlow (Deutschland). Wikipedia listet auch noch Lubin (Polen), aber die steht nicht an der Partnerstädte-Laterne mit dran, könnte also durch die Existenz der Verbandgemeinde Bad Ems-Nassau, zu der Bad Ems gehört, dazugekommen sein.

Das eigentliche Dorf Ems liegt heute im Westteil der Stadt, dort, wo das Lahntal etwas breiter wird, und Platz für mehr als eine Reihe Häuser ist. Östlich davon schließt sich das Kurviertel an, mit seinen Villen, dem Kursaalgebäude mit Marmorsaal, Kurtheater und Spielbank und den ehemaligen Kurgebäuden. Es gibt heute keinen echten Kurbetrieb mehr in Bad Ems, zumindest nicht so, wie die Stadt das historisch definiert. Dafür gibt es mehrere Reha- und auch alternativmedizinische Kliniken.

Der Stadtpatron ist St. Martin, der auch der Patron der Kirche am Kurpark und auf dem Stadtwappen zu sehen ist. St. Martin hat den Chor im Westen und den Eingang im Osten, damit die Kirche die schöne Seite dem Kurpark zuwenden und somit als Abschluss des Kurviertels dienen kann.
Weitere Kirchen im Ort sind eine Orthodoxe Kirche und eine evangelische im romanischen Stil aus dem 19.Jahrhundert. Leider wurde diese beim Bau des Malbergtunnels, der die Stadt von Autoverkehr entlasten soll, beschädigt, und darf nicht mehr betreten werden. Auch die Zahnradbad auf den Malberg - Deutschlands älteste und steilste Zahnradbad - ist nicht mehr in Betrieb (auch wenn es einen Verein gibt, dessen Ziel es ist, das wieder zu ändern). Auf der rechten Lahnseite fährt dafür die Kurwaldbahn, eine moderne Standseilbahn, vollautomatisch auf die Lahnhöhe.

Da im 19.Jahrhundert Bad Ems eins der wichtigsten Bäder Europas war, traf sich hier die Prominez und der Adel. König und später Kaiser Wilhelm I. schrieb hier die bekannte Emser Depesche, die den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 auslöste, nachdem Bismark sie in Berlin leicht umformuliert hatte. Weniger bekannt sind die Emser Punktation, die die Unabhängigkeit der bischöflichen gegenüber der päpstlichen Macht betont, und der Emser Erlass, mit dem Zar Alexander II. das Verwenden des Ukranischen im Russischen Zarenreich verbot.

Bad Ems hat also eine reiche Geschichte, und darum hat es natürlich auch einen Verein für Geschichte, Denkmal- und Landschaftspflege, der ein eigenes Museum betreibt (genaugenommen hat Bad Ems auch noch zwei weitere Museum, das Bergbaumuseum und das Beatles-Museum), in dem er die Stadtgeschichte vorstellt. Die medizinische Geschichte, die mit warmen Bädern und Inhalation begann, und von einer Sammlung alter Inhalationsapparate profitiert, sowie einen sehr schönen Schaukasten mit Verpackungen der Emser Pastillen über die Jahrzehnte. Natürlich gibt es viele Fotos, Zeitungen, Programmanschläge und Gegenstände aus der großen Kurvergangenheit, aber auch einen sehr nett präsentierten Bereich über das römische Leben am Limes. Und einen Raum über den Bergbau in Bad Ems. Denn neben dem berühmten Mineralwasser wurde hier auch Silber und Blei abgebaut.Ein liebevoll eingerichtetes, sehr hübsches kleines Museum, das mit vielen Anekdoten punkten kann.
Wie immer liebe ich besonders die alten Werbeplakate und Anzeigen. Alleine für Worte wie "Festlichkeitsprogramm" (heute nennt man das Veanstaltungskalender).
blauerfalke: (reisen)
Zülpich - Stadtslogan: "Die Römerstadt" - ist eine Stadt in der gleichnamigen Börde, in der Voreifel im Rheinland. Es hat ca 21 000 Einwohner und seit ein paar Jahren auch wieder einen Anschluss ans Gleisnetz, der von der Rurtalbahn bedient wird. Die sogenannte Bördebahn fährt täglich einmal pro Stunde zwischen Düren und Euskirchen (und in Gegenrichtung), und überbrückt die Strecke deutlich schneller, als man das mit dem Auto schaffen würde. Vom Zülpicher Bahnhof muss man dann allerdings etwa 1 km in die Innenstadt laufen (oder Bus fahren).

Wie alle Orte in der Gegend, deren Namen auf -ich enden, hat auch der Name Zülpich seine Wurzeln im keltischen Sprachraum. Seit der Römerzeit, belegt im 1.Jahrhundert, ist Zülpich unter dem Namen Tolbiacum besiedelt und vor allem dafür bekannt, dass hier im 5.Jahrhundert die Schlacht von Zülpich stattgefunden haben soll (Chlodwig I. gegen die Alemannen, er gewann, schrieb seinen Sieg dem christlichen Gott zu und ließ sich umgehend taufen). Gesichert ist dagegen, dass Tolbiacum Teil des Verwaltungsbezirkes Colonia Claudia Ara Argippinensum (Köln) war, weshalb die Tolbiacer das Recht hatten, sich Agrippinenser zu nennen.

Read more... )
blauerfalke: (erzählen)
Es war einmal ein Land, das entschied, dass es eine Eisenbahnstrecke zwischen dem Ruhrgebiet und Lothrigen bauen wollte. Für diesen Zweck sprengte es sehr viele Tunnelröhren in Berge. Dann kam ein Weltkrieg, und das Projekt wurde gestoppt. Jahre nach dem Krieg entschied ein anderes Land, dass es eine gute Idee sei, diese Eisenbahnstrecke zu Ende zu bauen. Aber dann kam eine Rezession und statt Gleisen und Zügen gab es eine erfolgreiche Champignonzucht in den Tunneln, als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Bevölkerung. Und dann gab es wieder einen Krieg und es sollten LKW in den Tunneln umgerüstet werden, um V2s abzufeuern. Und am Ende dienten Teile der Bevölkerung als Luftschutzkeller.

Später dann, in einer noch jungen Republik, machte das THW dort eine Schule auf, um Schutträumen und das Bergen Verletzer zu üben. Und als besagte Republik 1955 der NATO beitrat, brauchte sie einen Bunker, damit die Entscheidungsträger im Krisen- und Kriegsfall etwas hatten, um sich dorthin zurückzuziehen. Bunker sind teuer, und hier gab es passenderweise eine Menge ungenutzter, halbwegs funktionsfähiger Tunnel. In zwei davon baute die Bundesregierung also ihren "Ausweichsitzes der Verfassungsorgane in Krisen- und Kriegszeiten". Unter großer Geheimhaltung natürlich (klappt nie) und ohne sich dabei um NATO-Vorschriften (an keiner Stelle hatte der Bunker die geforderte Mindestbedeckung, weil die Berge einfach nicht hoch genug sind) oder gesunden Menschenverstand (wir bauen eine Schleuse mit zwei 30-Tonnen-Stahlbeton-Toren, aber weil wir die nicht ständig bewegen wollen, bauen wir gleich eine Umgehung dazu, die nur mit Stahltüren gesichert ist) zu kümmern.

Die gesamte Ausdehnung der Anlage betrug fast 18 km, in 5 autarken Abschnitten in zwei Tunneln, mit einem tieferliegenden Verbindungstunnel. Heute ist alles zurückgebaut, nur etwa 200 m in Bauabschnitt 1 sind als Museum wiederhergerichtet. Mit Räumen in der Einrichtung von damals, aber nicht in der gleichen Anordnung. Um eben eine Idee zu geben, wie es aussah, und um daran zu erinnern, wie die Welt damals aussah. Mitten im Kalten Krieg, immer kurz vor dem großen Atomschlag.

Zum Glück hat der Bunker nie Echtbetrieb gesehen. Nur alle zwei Jahre ein NATO-Manöver, das genau dieses Szenario dargestellt hat, und das nie gut geendet hat (wie überraschend...). Das letzte dieser Manöver war überraschend kurz, offiziell weiß niemand, warum, aber es geht das Gerücht, dass sich der Kommandant geweigert hat, dem atomaren Erstschlag zuzustimmen.

Der Bunker ist nur mit Führung zugänglich, und das ist auch gut so. So wird vieles erklärt, was man sonst nicht verstehen oder auch nur sehen würde, es gibt Umstände und Anekdoten, und macht es lebendiger und zum Zeitzeugen stat zum sterilen Festungsbauwerk. Die Einrichtung selbst ist eine wahre Zeitreise (und sie war damals schon mit Absicht wenig modern, denn je mechanischer etwas ist, umso einfacher ist es zu reparieren), von Fernschreibern über Magnettafeln bis hin zu an den Wänden montierten Aschenbechern.
Führungen finden je nach Besucheraufkommen statt, wir waren in der ersten Führung des Tages, und an deren Ende sind wir drei anderen entgegen gekommen. Ich würde also mal schätzen, etwa alle 20 Minuten ein Start einer Führung, aber es war Pfingstsamstag, da ist sicher viel los.

Am Ende zeigen sie den nackten, zurückgebauten Betonröhrentunnel, der noch fast 2 km weiter tief in den Berg führt. Sie hoffen, da auch bald Führungen anbieten zu können, mit Taschenlampen, bis zum Ausgang auf der anderen Seite, und das wird sicher sehr beeindruckend. Nur Dunkelheit und Echos...nichts für schwache Nerven.

Die Römervilla Ahrweiler liegt ca 500 m vom Regierungsbunker entfernt (und etwa 100 m tiefer), man kann also bequem an einem parken und zum anderen hinlaufen. Es gibt auch ein Kombiticket, dass an beiden Kassen erhältlich ist.

Es handelt sich um beim Bau einer Umgehungsstraße entdeckte Fundamente einer Villa Rustica, die teilweise bis über einen Meter hoch sind, mit Hypokausten und den unteren Ansätzen von Wandbemalungen. Darüber hat die Stadt eine nette Holzkonstruktion gebaut, um sie vor Wind und Wetter zu schützen, und sie hat sie mit einer Kunstaustellung ergänzt, die vom Bezug zur römischen Antike inspiriert ist.

Sie haben eine Aussichtsplattform und auf der ein Modell, damit man sich das Aussehen des Gebäudes besser vorstellen kann. Mir persönlich fällt sowas ja immer sehr schwer... aber da ich grade in der letzten Zeit recht viel über Villae Rusticae erfahren habe, ging es doch ganz gut. Es ist nett gemacht, schön präsentiert (auch wenn mir ein Nachweis für die Fotos der Reliefs gefehlt hat - ein paar davon habe ich erkannt, die sind in Trier im Landesmuseum...) wenn auch für mich nichts Neues. Schön, es gesehen zu haben, aber da war der Bunker doch auf jeder Ebene schon ein ganz anderes Kaliber.

Der ist aber sehr zu empfehlen. Interessant, gut präsentiert, lebendige Geschichte, die noch gar nicht so lange her ist. Auch wenn es einem schon ein bisschen Angst macht, denn schließlich ist die Gefahr, die wir alle überwunden glaubten, wieder nähergerückt...
blauerfalke: (Default)
Aachen hat fünf städtische Museen. Gemeinsam bieten sie einen Museumspass an, der "six for six" heißt - er gilt für sechs Monate und man hat damit jeweils einmal freien Eintritt in die fünf Museen plus das Rathaus mit seinen historischen Räumen.
Die fünf Museen habe ich geschafft, das Rathaus nicht (da habe ich aus meiner Kindheit noch vage Erinnerungen dran, während ich ziemlich sicher bin, in keinem der Museen je gewesen zu sein). Es macht aber nichts, wenn man nicht alle fünf schafft, denn schon mit dreien hat man den Pass wieder raus - jedes Museum kostet 6 Euro Eintritt, und der Pass nur 14 Euro.

Die Liste )
blauerfalke: (reisen)
Florenz - italienisch: Firenze - ist die Hauptstadt der Toskana und hat beinahe 400 000 Einwohner. Sie liegt direkt am Apennin-Gebirge, darum führt die Schnellzugverbindung von Bologna nach Florenz fast ausschließlich durch Tunnel. Außerdem liegt Florenz am Arno, der südlich der Altstadt mitten durch die Stadt fließt, und auch hin und wieder mal durch die ganze Stadt. Die letzte dieser großen Überflutungen war im Jahr 1966, wo die gesamte Altstadt mehrere Meter unter Wasser stand. Früher war der Arno mal schiffbar, heute fährt allenfalls mal ein Ausflugsboot darauf herum.
Read more... )
blauerfalke: (erzählen)
Wolgast ist eine Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern. Sie hat ca 12 000 Einwohner und beeindruckende sieben Autokennzeichen (VG, ANK, GW, PW, SBG, UEM, WLG). Wie Stralsund direkt vor Rügen liegt, liegt Wolgast direkt vor Usedom. Ein kleiner Teil der Stadt liegt sogar auf Usedom, aber der Großteil lieg auf dem Festland. Daher wird Wolgast auch als "Das Tor zu Usedom" bezeichnet. Als weiteren Beinamen führt die Stadt das Wort "Herzogstadt", aber ob das "Stadt mit Tradition und Moderne" auch ein Stadtslogan ist, bin ich mir nicht sicher.

Mit Usedom verbunden ist Wolgast über eine Brücke mit einem beeindruckenden blauen Hubwerk, die auch mehrfach am Tag geöffnet wird. Ferner fährt die UBB - Wolgast hat drei Bahnhöfe - und eine Straße gibt es natürlich auch. Und bestimmt auch Busse, aber da habe ich nicht nachgeforscht.

Wolgast wurde 1123 erstmals urkundlich erwähnt, als Zoll- und Handelspunkt, es gibt verschiedene Theorien der Herleitung des Namens, die bei so unterschiedlichen Ergebnissen wie "jemand, der einen großen Freund hat" und "großer Hain" ankommen. Immerhin scheinen sie sich bei dem Wort "groß" einig zu sein.
Das Stadtwappen zeigt einen Turm, flankiert von zwei Greifen. Die Greifen verweisen auf die Herzöge von Pommern und der Turm auf eine befestigte Stadt.

Read more... )
blauerfalke: (erzählen)
Dresden liegt in Sachsen. Genauer gesagt ist es die Haupstadt des Freistaates Sachsens und Deutschlands östlichste Großstadt. Es ist mit ca 555 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Sachsens (nach Leipzig) und hat ein eigenes Autokennzeichen, nämlich DD.
Die meisten Leute kennen Dresden, weil dort am 13. Februar 1945 einer der bekanntesten Fliegerangriffe des Zweiten Weltkrieges stattgefunden und die Altstadt zerstört hat. Bekanntestes Opfer dieses Bombenangriffs ist die Frauenkirche, die sehr lange als Ruine als Mahnmal gedient hat, und die Dank einer großen Spendenaktion jetzt wieder aufgebaut ist (und weiterhin als Mahnmal dient).
Ferner hat Dresden eine sehr bekannte Barockstadt, die aus dem Schloss samt Hofkirche, dem Zwinger und der Semperoper besteht, sowie der Brühl'schen Terasse am Elbufer. Des weiteren gibt es unter der Brühl'schen Terasse noch die alten Wehranlagen, die Kasematten. Die kann man auf dem berühmten Gemälde von Canaletto natürlich nicht sehen, denn die sind wie gesagt unterirdisch.

Read more... )
blauerfalke: (reisen)
Venedig ist eine der berühmtesten Städte der Welt. Sie wird jedes Jahr von Millionen Touristen aus aller Herren Länder besucht, und in regelmäßigen Abständen werden Sorgen darüber laut, dass sie aus diversen Gründen zur Museumsstadt verkommt, es bald keine Einheimischen mehr geben wird, sie aus diversen Gründen im Wasser versinken wird, im Dreck erstickt, austrocknet... Kurz, der Tenor ist immer: Besuchen Sie Venedig, so lange es noch geht!

Read more... )
blauerfalke: (foto)
Halle an der Saale ist, wie der Name schon sagt, eine Stadt an der Saale. Sie liegt in Sachsen-Anhalt und ist eine kreisfreie Stadt. Halle hat ca. 250 000 Einwohner und ist damit die größte Stadt in Sachsen-Anhalt. Das hat mich überrascht, denn ich dachte, Magdeburg wäre die größte Stadt im Bundesland... Aber es ist kleiner, wenn auch nur wenig. Halle fühlt sich einfach weniger nach einer großen Großstadt an, und damit haben wir auch schon Halles größtes Problem: Es liegt direkt neben Leipzig. Und auch wenn Leipzig in einem anderen Bundesland liegt - nämlich Sachsen - so bilden die beiden Städte doch einen gemeinsamen Kultur-, Wirtschafts- und Ballungsraum, und da schneidet Halle in der Wahrnehmung der Bevölkerung eher schlecht ab. Leipzig kennt jeder, aber wer war schonmal in Halle?

Read more... )
blauerfalke: (foto)
Wernigerode liegt in Sachsen-Anhalt, im Norden des Harz. Es gehört zum Harz-Kreis, Autokennzeichen HZ, hat aber ein eigenes Unterkennzeichen, WR. Es hat ca 33 000 Einwohner und eine Dependance der Harzer Hochschule für angewandte Wissenschaften. Da Wernigerode außerdem - neben einem normalen Bahnhof - auch einen Bahnhof der Harzer Schmalspurbahn (HSB) hat, von dem die Harzquerbahn und die Brockenbahn fahren, hat diese Hochschule als einzige Hochschule Deutschlands eine eigene Bahnhaltestelle, an der regelmäßig Dampfzüge halten.

Read more... )
blauerfalke: (erzählen)
Sonderausstellung des LWL Archäologischen Landesmuseum in (wie zu erwarten) Herne

Die Ausstellung wird vollmundig angepriesen mit "Sie erleben die Ausmaße des imposanten Steinkreises hautnah anhand detailgetreuer 1:1-Repliken und bewegen sich durch analoge und virtuell rekonstruierte Landschaften (...)" und "Dazu kommen 25 Medienstationen (Projektionen, Filme, VR-Anwendungen, Audiostation etc.) und 5 Landschaftsmodelle bzw. Rekonstruktionen."(Zitate Museumshomepage). Im Vorfeld wurde suggeriert, dass sie einen Sonnenauf- bzw. -untergang in ihrem Stonehenge-Teilmodell simulieren, aber das Zitat kann ich leider nicht mehr auftreiben. Was gut ist, denn es stimmt nicht.

Read more... )
blauerfalke: (foto)
Herne liegt im östlichen Ruhrgebiet, ziemlich genau nördlich von Bochum. Es hat etwa 161 000 Einwohner und ist die zweitkleinste Großstadt Deutschlands. Seine Größe verdankt Herne vor allem zahlreichen Gebietsreformen und den damit verbundenen Eingemeindungen. So hat Herne zum Beispiel die Stadt Wanne-Eickel geschluckt, darum heißt es heute Herne-Eickel und Herne-Wanne, was einen immer wieder stutzen lässt, wenn man Sätze aus den alten Programmen diverser Ruhegebiets-Comedians noch im Ohr hat - "Da hatte ich einen Hals bis Wanne-Eickel." geht halt heute nicht mehr.

Wie jede Ruhrgebietsstadt hat Herne auch mal Schwerindustrie gehabt, in diesem Fall waren das Steinkohlezechen. Die gibt es nicht mehr, dafür hat Herne gleich zwei Autokennzeichen, HER und WAN. Damit kann man schöne Wörter wie Herz oder Wand bilden. Oder auch wahlweise die entsprechenden Stadtnamen, denn das ist ja auch immer nett.

Ansonsten habe ich von Herne nichts gesehen außer die knapp anderthalb Kilometer von der Autobahn-Ausfahrt bis zum Museum, das Parkhaus und den Museumsvorplatz samt kurzem Blick in die Fußgängerzone. All dass sieht überschaubar aus und erstaunlich offen für eine so dicht besiedelte Gegend. Es gab sogar unbebaute Freiflächen.

Read more... )
blauerfalke: (foto)
Das Rautenstrauch Joest Museum in Köln ist ein Völkerkundemuseum. Ich war auch 2017 schonmal da.

Diesmal waren wir in der Sonderausstellung "geschenkt! Die Gabe der Diplomatie". Das Museum zeigt hier Gegenstände aus seinem Magazin, die noch nie in der Sammlung zu sehen waren (mit einer Ausnahme) und die sich dadurch auszeichnen, dass sie in Ende der 1970er/Anfang der 1980er von außereuropäischen Staatsoberhäuptern den Bundespräsidenten Walter Scheel und Karl Carstens geschenkt wurden (ein Exponat wurde auch Frau Scheel geschenkt).

Zunächst mal hatte das Museum die interessante Idee, keine eigenen Räumlichkeiten für diese Sonderausstellung zur Verfügung zu stellen, sondern sie in die Dauerausstellung zu integrieren, und zwar thematisch. Das Miniatur-Gamelan-Orchester steht direkt neben dem originalen, das das Museum ausstellt, so dass man es vergleichen kann. Die Ritualmasken hängen zwischen den anderen, so dass Designs und Machart verglichen werden können, und im Bereich Kleidung gibt es eine Fotostrecke, auf der die offiziellen Bilder diverser Staatsbesuche zu sehen sind, mit den Bundespräsidenten, den Gastgebern und den jeweiligen Ehefrauen, so dass man deutlich erkennen kann, dass nichts dem Zufall überlassen wird. Selbst die Garderobe der Damen muss abgesprochen werden, damit alles Harmonie suggeriert und nichts aus dem Rahmen fällt.

Es ist ein bisschen ungewohnt, die Exponate inmitten der Dauerausstellung suchen zu müssen, aber im Grunde ist die Idee wirklich gut. Man kann die Vergleiche eben direkt ziehen, das setzt die Geschenke in einen Kontext und macht viele Dinge klarer. Zum besseren Erkennen hat das Museum die Exponate mit großen rosa Schleifen gekennzeichnet, und einen Flyer mit den genauen Ortsangaben gibt es auch.

Wir hatten eine Führung, darum stellten sich uns solche Probleme erst gar nicht. Natürlich können in einer Stunde nicht alle Exponate hinreichen erklärt werden, aber den Großteil haben sie reinbekommen. Man erfährt auch weniger über die Geschichte der einzelnen Exponate, aber dafür viel über die Absichten der Schenkenden und über die Arbeit eines Museums. So wird zum Beispiel im Bereich über Vorurteile ein Löwenfell ausgestellt, das genau dem Klischee des "wilden Afrika" entspricht. Bestien, Großwildjagd, Kolonialherrschaft... und daneben steht das, was die Bundesrepublik damals als Gegengabe mitgebracht hat: ein Grundig-Fernseher. Keine Ahnung, ob es damals in dem Land (leider habe ich vergessen, welches es war) überhaupt ein Fernsehprogramm gab, das man hätte empfangen können... Aber die BRD wollte halt betonen, wie fortschrittlich und technisiert sie war.
Interessant fand ich auch, dass ein wichtiger Grund dafür, dass genau diese Gegenstände normalerweise nicht gezeigt werden, ist, dass sie nicht gebraucht sind. Sie wurden als Geschenke angefertigt, für den Anlass und mit genau dieser Absicht, darum sind sie nicht authentisch. Sehr schön zu sehen an einer der beiden Masken, die nicht nur viel zu klein ist, sondern auch auf einem Holzbrett montiert. Nicht zum Anlegen gedacht.

Darum hat die sich Führung auf jeden Fall gelohnt, wenn auch ein bisschen auf eine andere Art und Weise, als ich es erwartet hatte. Ich weiß nicht, ob sie einen Audioguide zu der Ausstellung haben, aber falls nicht, entgehen einem ohne Führung doch viele interessante und besondere Details und Hintergrundinformationen.

Das Exponat, was früher schonmal gezeigt wurde, ist übrigens eine kunstvoll geschnitzte Sitzgruppe aus dem Togo, vier Stühle und ein Tisch. Die standen früher, vor dem Umzug des Museums, im Foyer, so dass die Besucher sie verwenden und sich setzen konnten. Nach dem Umzug hat man die Sitzgruppe ins Magazin geräumt, aus konservatorischen Gründen.
Die Gegengabe in diesem Fall: eine Grundig-Stereoanlage. Scheint, dass Grundig damals der Inbegriff deutlicher Ingenieurskunst war.
blauerfalke: (reisen)
Osnabrück liegt in Niedersachsen. Es ist eine kreisfreie Stadt von ca. 160 000 Einwohnern und Sitz des Landkreises Osnabrücks. Die Stadt hat einen Dom, eine Uni (deren Studenten etwa 14 % der Bewohner ausmachen) und eine fast komplett verkehrsberuhigte Innenstadt. Darum hat es rund um diese Innenstadt auch sehr viele Parkhäuser. Auch der Bahnhof hat ein Parkhaus, und die erste halbe Stunde darin parken ist kostenlos. Finde ich toll. Sehr praktisch, wenn man nur jemanden zur Bahn bringen oder abholen will.
Noch toller am Osnabrücker Bahnhof ist aber, dass sie Gleise auf zwei Etagen haben, und dass diese Gleise im rechten Winkel zueinander verlaufen. Das ist schon ein überraschender Anblick, wenn man unten aus dem Zug steigt, die Treppe hochgeht und dann quer vor noch einem Zug steht. Das habe ich bewusst noch nie irgendwo anders gesehen.

Besagte Innenstadt teilt sich in moderne Ecken und eine hübsche, gut erhaltene Altstadt. Es gibt sogar noch Wehrtürme. Außerdem liegt Osnabrück an der Hase und das Autokennzeichen ist OS

Read more... )
blauerfalke: (reisen)
Merseburg ist eine Stadt im Saalekreis, dessen Verwaltungssitz sie auch ist (Autokennzeichen SK). Sie hat in etwa 35 000 Einwohner, eine Hochschule und ein Dom-Schloss-Ensemble mit einer riesigen Orgel von Ladegast im Dom. Auch wenn das Langschiff des Doms mittlerweile gotisch ist, ist der Dom eine Station der Straße der Romanik. Merseburg liegt direkt an der Saale, und Dom und Schloss liegen in etwa auf der einzigen höheren Erhebung des Umkreises.

Read more... )
blauerfalke: (reisen)
Erfurt ist die Landeshauptstadt des Bundeslandes Thüringen. Es hat ca 200 000 Einwohner und liegt an der Gera, die sich im Stadtgebiet in Massen von Haupt- und Nebenarme, Mühlenbäche und Flutgräben unterteilt. Es hat über 200 Brücken und trägt darum (wie viele andere Städte auch), den Beinamen "Venedig des Nordens", hat massenweise Kirchen, heißt darum auch "Rom des Nordens" und hat eine traditionsreiche Uni mit langer Geschichte in allen vier damals klassischen Fächern, und heißt darum auch "Bologna des Nordens". Außerdem ist es die Mutter der Reformation, denn hier hat Luther studiert, hier trat er ins Kloster ein und hier hat er seine formativen Jahre verbracht, bevor nach Wittenberg berufen wurde, wo er dann bekanntlich seine Thesen schrieb.
Nicht zu vergessen liegt Erfurt an der Kreuzung zweier wichtiger mittelalterlicher Handelswege, machte in Waid und war darum vor der Einführung des Indigo unglaublich reich. Das schlägt sich heute im Vorhandensein vieler schöner Kaufmannshäuser nieder und natürlich im Mariendom. Der ist eine Gründung des Heiligen Bonifatius und steht auf einem der zwei Hügel, die die sonst flache Stadt besitzt. Auf dem anderen ist eine Renaissance-Festung, die Festung Petersberg, die angemessen viele Eck-Bastionen hat, auch wenn sie weder von Pasqualini noch von Vauban ist. Der Dom wurde, wie das so üblich war, immer wieder erweitert, so lange, bis ihnen der Hügel ausging, so dass ein Teil des Doms jetzt auf einem wirklich beeindruckenden Unterbau steht. Es führen 70 Stufen vom Domplatz zum Dom, und auch der Domplatz ist sehr beeindruckend, denn er ist einfach riesig.

Da Erfurt lange Zeit zum Erzbistum Mainz gehörte, zeigt das Stadtwappen (wie das von Fritzlar) das Mainzer Rad. Der Stadtpatron ist (wie in Fritzlar) der Heilige Martin von Tours. Das Autokennzeichen ist EF.

Modern gesehen zeichnet sich Erfurt dadurch aus, dass es einen ICE-Knotenpunkt hat, im zweiten Weltkrieg beinahe ohne Bombentreffer blieb, darum im Zentrum echt hübsch ist, einen ÖPNV hat, der seinesgleichen sucht, sowie massenhaft Eisdielen und beeindruckend viele Buchläden. Und natürlich dadurch, dass der KiKa von Erfurt aus sendet.

Read more... )

Profile

blauerfalke: (Default)
blauerfalke

January 2026

S M T W T F S
     12 3
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

Syndicate

RSS Atom

Most Popular Tags

Style Credit

Expand Cut Tags

No cut tags
Page generated Jan. 4th, 2026 12:05 am
Powered by Dreamwidth Studios