blauerfalke: (reisen)
Chinon ist eine Gemeinde in Frankreich, im Département Indre-et-Loire, was zur Région Centre-Val de Loire gehört. Es liegt aber nicht an der Loire, sondern an der Vienne, und zwar auf beiden Seiten des Flusses. Es hat Städtepartnerschaften mit Hofheim am Taunus, Deutschland, und Tiverton, England, nach denen jeweils ein Platz im Ort benannt ist. Außerdem ist es der Geburtsort von François Rabelais, Autor von "Gargantua und Pantagruel".

Chinon hat gut 8000 Einwohner, einen Bahnhof und ziemlich viele Parkplätze, denn auch wenn hier niemand den Ort kennt, ist er offenbar sehr beliebt bei Touristen. Und das hat mehrere Gründe.

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blauerfalke: (geschichten)
von Gerald Morris

Habe ich zum Erscheinen schonmal rezensiert.

Das trifft auch alles immer noch genauso zu. Kann man immer mal wieder lesen - es ist halt sehr kurz, wie alle Bücher der Reihe, aber das ist dem Zielpublikum geschuldet.

Lohnt sich immer wieder. Mit "Sir Kay the Loyal" ist es ja leider nichts geworden...
blauerfalke: (geschichten)
The Quests of Sir Kay

von Rusty Rhoad

Kay, Seneschall von König Artus, ist ein Krieger alter Schule, der Turniere albern findet und auch nie auf Queste geht. Aber dann fängt er sich einen jungen Knappen ein und eine Queste, um einen Hund aus dem Kerker zu retten. Und wie das auf Questen so ist, man weiß nie, was passiert, wann einem der Heilige Gral in die Quere kommt oder ob man nicht sogar eine Frau findet und sich Hals über Kopf in ihre mathematischen Fähigkeiten verliebt. Und nicht zu vergessen ist auch ein seit Jahren friedliches Britannien nie so ganz sicher. Weder vor Grafen, die der guten alten Zeit hinterhertrauerten, als sie auf ihrem Gebiet wie Götter herrschten, noch vor religiösen Fanatikern und nicht zu vergessen Morgan le Fey.

Es hat alles, was man sich von einem Artusroman wünscht. Schöne Frauen, edle Recken, Turniere, fein gedrechselte Hofsprache, Eifersüchteleien... Der Stil ist modern, unterhaltsam und, da Kay der Ich-Erzähler ist, auch oft genug ironisch, es hat Humor. Es spielt mit Klischees und es ist doch herrlich altmodisch, denn wir haben gegen die Sachsen gekämpft, aber wir tragen Vollplatte, und Magie existiert. Die volle Bandbreite also. Wirklich sehr gut zu lesen, es macht Spaß. Kleine Warnung: ab und an wird es sexuell sehr deutlich.

Kommen wir zu dem, was eigentlich zählt - die Charaktere.

Wie gesagt, Kay ist der Protagonist. Er ist der fähige Seneschall, der einzige im Reich, der wirklich rechnen kann, was sofort erklärt, warum er in dem Job der Beste der Besten ist. Er hat Camelot komplett im Griff, seine Untergebenen gehen für ihn durchs Feuer und jeder weiß das und zollt ihm Achtung dafür. Auf der anderen Seite ist er aber auch der sehr mäßige Kämpfer - ich frage mich immer, warum Autor*innen das machen, aber gut... Ich kann damit leben, solange er selbst das weiß und nicht versucht, etwas anderes darzustellen, was in diesem Fall zutrifft. Kay kennt seine Stärken und Schwächen ganz genau, und er rechnet sich seine Chancen nie falsch aus. Er ist ironisch, hat einen beissenden Humor und kann auch verletztend werden, aber selbst auch einstecken. Er ist ein Ehrenmann, ehrlich, loyal, Artus' erster Ritter. Ein eher rauer Geselle, trotzdem hochgebildet. Progressiv, aber nicht so sehr, dass es im Setting unglaubwürdig wirkt. Also im Ganzen das, was ich lesen will. Sehr positiv.

Artus' ist der großartige Stratege, der idealistische König mit guten Absichten und einem Sinn für Gerechtigkeit, aber er kann auch launisch und unberechenbar sein, oder sogar kleinlich. Wie alle Menschen mit viel Macht hat ihn das in den letzten Jahren nicht unbeeinflusst gelassen. Das spielt mit rein, aber es macht ihn nur menschlich und lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass er ein guter König ist. Sein Verhältnis zu Kay ist brüderlich - sie sind zusammen aufgewachsen - wenn auch durch den Standesunterschied beeinträchtigt, aber sie vertrauen einander und wissen einander zu schätzen. Und sie spielen sich ab und an gegenseitig einen Streich. Das fand ich lustig. Auch hier positiv.

Von den anderen Rittern gibt es nur Schlaglichter, meistens sogar nur in Dingen, die Kay über sie sagt. Gawain wird ausschließlich erwähnt und beschrieben, als großartiger, wenn auch eher defensiver Kämpfer, Frauenversteher und romantischer Held, Tristan als grandioser Musiker und unter seiner unglücklichen Liebe zu Isolde leidend, Lancelot als unbesiegbar und nur daran interessiert, der beste Ritter aller Zeiten zu sein und an Guinevere. In dieser Reihenfolge.
Der einzige, der mehr bekommt, ist Galahad, und das ist ein sehr interessantes Porträt. Lancelots Sohn, von dem er nichts wusste, der auf einem Turnier plötzlich auftaucht und sogar besser ist als sein Vater. Dessen Jugend und Naivität dazu ausgenutzt wird, ihn zum Gralsritter zu machen - er ist nicht einmal Christ, aber jetzt, wo er er Gralsritter ist, wird er wohl nicht umhin können, sich taufen zu lassen - und der vor allem ein freundlicher, bescheidener junger Mann ist, der seinen Weg erst noch finden muss.
Interessant auch, dass Gaheris unter "the beloved Gaheris" geführt wird - ich hätte zu gerne gewusst, warum, aber das wird nicht erklärt.

Dazu gibt es noch ein sehr gutes Porträt von Morgan - okay, sie ist eine Art Antagonistin, will sich an Artus für zugegebenermaßen erfahrenes Unrecht rächen, aber das läuft eher nebenher - als unkonventioneller Zauberin, die nicht nur in arkanen Künsten geübt ist, sondern auch sonst hochgebildet, und sich einen Spaß daraus macht, Ritter der Tafelrunde in wechselnden Zusammensetzungen in ihrem Landhaus als eine Art männlichen Harem zu halten.
Die titelgebende lesende Frau heißt Elaine und ist die älteste der Schwestern, also eine Tochter von Goloris und Ygraine, und die Frau, in die Kay sich spontan verliebt, weil sie intelligent, gebildet und scharfzüngig ist. Auf jeder Ebene also eine würdige Gegnerin für Kay. Oder eine Verbündete? Bei jeder Queste muss es ja ein Happy End geben.

Und, wie das auch immer gerne gemacht wird, haben wir noch besagten Knappen dabei, Oswald mit Namen, der genau die richtige Mischung aus clever, witzig, superfähig und jung ist, um als Unterstützung, Sidekick und Held im eigenen Recht zu dienen. Terence lässt grüßen.

Es gibt auch ein Set Nebenfiguren, vom machthungrigen Priester über die dralle Schankmeid, den Spielmann und die Belegschaft von Küche und Wachstube, die alle zwar kurz skizziert sind, aber weder farblos noch beliebig wirken. Und natürlich den Antagonisten, besagten Grafen, der aber trotz aller bescheuerten Ansichten nicht grundsätzlich schlecht ist.

Was mich gestört hat, war der Zeitreisende. Ich hasse Zeitreisen, sein Auftauchen war sinnlos, überflüssig und albern. Es sei denn, er ist der Progtagonist eines der anderen Bücher des Autors und das sollte ein Cameo sein. Auch die ständige Erwähnung von Kaffka (Kaffee) hat mich vor allem genervt. Okay, Merlin hat den aus dem Mittleren Osten mitgebracht, darum kennt Kay ihn, und darum ärgert er sich ständig darüber, dass es in Britannien keinen gibt. Wahrscheinlich sollte es ein Running Gag sein.

Also - hat Spaß gemacht. Ich mochte den Tonfall, ich mochte die Charaktere, ich mochte das Setting. Klare Empfehlung.
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Semi-Oper von Henry Purcell und John Dryden, kombiniert mit Texten von Kae Tempest

Es spielt das Theater Aachen.

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Artus

Dec. 25th, 2022 12:57 pm
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CD der Gruppe Schandmaul

Schandmaul ist eine Mittelalter-Folk-Rock-Band. Das heißt, sie machen Rockmusik im mittelalterlichen Gewand, und benutzen dabei auch Instrumente, die in der Rockmusik sonst nicht so vorkommen, wie Drehleier, Dudelsack und Flöten.
Außerdem singen sie auf Deutsch.

Die CD enthält insgesamt 12 Songs, davon drei, die sie als "Artus-Trilogie" bezeichnen, und einen, der instrumental ist und "Chevaliers (Die Ritter)" heißt. Die drei Artus-Lieder heißen "Die Tafelrunde", "Der Gral" und "Die Insel - Ynys Yr Afallon". Ich honoriere ja immer jeden Bezug zur walisischen Sprache, aber darauf komme ich gleich nochmal zurück.
Die anderen Lieder beschäftigen sich mit Meisterdieben, Krieg, Frieden, Seefahrt - gleich zweimal mit "Der Kapitän" und "Der weisse Wal" - oder sogar mit Märchenthemen wie "Der Froschkönig". Die Texte sind clever, gut durchdacht und auch stilistisch gut geschrieben. Musikalisch gibt es mir eher weniger, ich muss sogar gestehen, ich finde es ein wenig eintönig, aber das Problem habe ich häufig bei Rockmusik, also wird das wohl eher an mir liegen als an der Band.

Zusätzlich gibt es noch eine Bonus-CD, auf der die Artus-Trilogie im orchestalen Gewand drauf ist. Das klingt episch und nach Filmmusik und hat mir gut gefallen. Auch wenn zugeben muss, die Melodien der Lieder nicht wiedererkannt zu haben. Vielleicht liegt es daran, dass auf der Bonus-CD niemand singt und ich mich doch sehr stark mit dem Text beschäftigt habe beim Hören der CD. Einfach nur so Musik hören ist auch nicht so mein Ding, da habe ich mich gefreut, dass es ein Booklet gibt, wo man die ganze Zeit mitlesen kann. Wegen der Konzentration, weil mir das hilft, nicht, weil so undeutlich gesungen wird! Es wird nicht undeutlich gesungen!

Gesondert möchte ich jetzt noch das Lied "Die Tafelrunde" erwähnen, weil das natürlich thematisch für mich das interessanteste ist. Stilistisch bleibt es beim Rest, lässt sich gut hören und passt gut in die CD. Textlich geht es erst einmal um das Übliche, die Ideale der Tafelrunde, den Treueschwur, das Gesetz... was man da so erwartet und was ich da auch immer gerne höre. Das Ganze ist in "wir"-Form, das mag ich auch. Das macht es unmittelbarer und hat weniger Distanz. Credo der Mitglieder der Tafelrunde.
Dann kommt im Refrain die Zeile "Dein Reich, es währe ewig, mein Bruder, Hauptmann, König!" - ich hatte natürlich sofort den Herr der Ringe-Bezug (sicher auch, weil ich Mittelalter-Folk-Rock im Rahmen der RingCon damals kennengelernt habe). Okay, passt nicht so ganz, aber es ist ein starker Satz, und wenn was funktioniert, kann man es ruhig übernehmen.

Dann werden Gawain, Lancelot und Galahad einzeln erwähnt, inklusive ein oder zwei Charakteristika pro Charakter. Hat mir auch gut gefallen, passte zu den Charakteren und zeugte sogar davon, dass sich jemand ein bisschen besser als nur oberflächlich auskennt. Auch die Auswahl war okay, dass Gawain dabei ist, fand ich schon eine angenehme Überraschung, denn meistens hört es ja bei bei Lancelot und Galahad schon auf. Oder es folgen vielleicht noch Tristan und Parzival.
Also, auch sehr schön.

Und dann kommen die letzten beiden Zeilen, die ich hier gerne zitieren möchte:
"und auch ich war Teil der Runde, nannten mich den langen Keie,
ritt an meines Bruders Seite, kämpfte für ihn, schwor ihn Treue".

1. Keie. Sie haben sich an Keie erinnert, ihn reingenommen und positiv dargestellt!
2. "der lange Keie" - das kommt von Cei Hir aus der walisischen Tradition. Wie gesagt, das honoriere ich immer.
3. Und jetzt bekommt auch "mein Bruder, mein Hauptmann, mein König" eine völlig andere Bedeutung.

Well played, Schandmaul, well played.
blauerfalke: (geschichten)
von M. C. Hall und C.E. Richards

Auf 73 Seiten wird das abgehandelt, was die beiden Autoren für wichtig halten. Uther tötet mit Merlins Hilfe Goloris, Merlin gibt Artus an Ector, Artus zieht das Schwert aus dem Stein, Artus besiegt seine Feinde, er kämpft mit Pelliore, sein Schwert zerbricht, darum führt Merlin ihn an den See und er bekommt Excalibur, Artus heiratet Guinevere, die Tafelrunde wird geschaffen, weil die Ritter sich strändig prügeln, wer wo am Tisch sitzen darf, Lancelot rettet Elaine, wird mit Hilfe eines Zaubertranks dazu gebracht, sie zu heiraten und Galahad zu zeugen, Galahad kommt an den Hof, alle suchen den Gral, Gahalad wird entrückt, Mordred will die Krone, Camlann. Zwischendurch wird noch erwähnt, dass Lancelot und Guinevere einander lieben und dass das der eigentliche Grund für die Zerstörung von Artus' Reich ist.

Berufen wird sich dabei auf das Werk von Sir Thomas Malory, das erstaunlicherweise nicht "Morte d'Arthur" heißt, sondern "The Book of King Arthur and His Noble Knights of the Round Table" (Ich gebe zu, ich habe das nie so genau nachgeprüft, also mag das durchaus stimmen.). Naturgemäß bei einer Graphic Novel auf wenig Seiten bleibt die Handlung dabei kurz und oberflächlich, aber man kann ihr durchaus gut folgen. Die Zeichnungen sind solide und stimmig mit der Mittelalter-Prämisse, und - was ich sehr angenehm finde - sehr sauber und wirken nicht "gritty".

Okay, es ist Bors, der das Schwert zurück in den See wirft, weil das plötzliche Auftauchen von Bedivere die Anzahl der Charaktere unnötig erhöht hätte, aber dafür kommt Kay vor, und er hat sein Schwert selbst vergessen und macht darum nicht Artus dafür verantwortlich.

Nett für jeden, der sich mal in ein paar Minuten über ein paar Handlungsstränge grob informieren will.
blauerfalke: (geschichten)
von Mike Ashley (Hrsg.)

Eine weitere Sammlung von Kurzgeschichten, zusammengestellt von dem eifrigen Herausgeber Mike Ashley. Seine Idee, das Ganze chronologisch nach Inhalt zu sortieren finde ich auf der einen Seite gut, auf der anderen Seite anstrengend, weil darum natürlich alle Camlann-Geschichten hinten sind und damit das, mit dem man das Buch beendet. Alternativ wäre vielleicht chronologisch nach Autor gewesen, aber ob das besser wäre... Überhaupt, was heißt schon besser? Im Grunde ist es ein Konzept, das gut funktioniert, mit aller Unterschiedlichkeit der Geschichten.

Und falls jemand ganz unbedarft an die Sache herangeht, gibt es vorne noch eine Dramatis Personae. Das hat mich amüsiert, weil ich mich immer frage, wer eine Kurzgeschichten-Sammlung mit arthurischen Geschichten kauft, ohne irgendwas über die Legenden zu wissen, aber auf der anderen Seite... Namen wie Quex, Medraut, Emrys und Gwalchmai zuzuorden ist ja schon eher fortgeschritten. Man kann durchaus den ganzen "Mort d'Arthur" gelesen haben, ohne damit was anfangen zu können.

Spoiler )
blauerfalke: (erzählen)
Doku von 2018, gesendet auf arte

Fangen wir positiv an: Es gibt tolle Bilder von Tintagel. Vom Felsen, vom Meer, von der Metallstatue von Artus, von den aktuellen Ausgrabungen. Irgendwann muss ich da nochmal hin. Am besten mit Übernachtung und der Hoffnung, dass es dann einen schönen Sonnenuntergang gibt. Tintagel hat ja Westküste.
Auch scheint das, was der deutsche Überton sagt, im Großen und Ganzen das zu sein, was die englischsprachigen Experten auch sagen. Alle Experten sind Wissenschaftler, die meisten Archäologen, Anthropologen und Kuratoren. Sie haben schöne viele Daten und die Doku an sich ist auch angenehm unaufgeregt und wenig effektheischend. Und es gibt keine Spielszenen.

Sie hat mich auch überrascht. Ich wusste nicht, dass die Dark Ages so heißen, weil wir alle glauben, dass die Menschen in Britannien nach dem Abzug der Römer im totalen Chaos versunken sind, im Dreck herumsaßen und nichts Anderes taten, als sich gegenseitig abzumetzeln. Bessere Tiere also. Ich dachte immer, die Dark Ages hießen so, weil es kaum schriftliche Zeugnisse aus dieser Zeit gibt, die Quellenlage uns also im Dunkeln lässt.
Der Ausdruck "Dunkles Zeitalter" kam so oft vor, dass ich ihn schon nach dreißig Minuten nicht mehr hören konnte.

Auch war ich überrascht davon, dass die Expertenrunde dieser Doku offenbar bewiesen hat, dass Briten und Sachsen friedlich nebeneinander her auf der Insel lebten, ohne jede Art von kriegerischer Auseinandersetzung. Das lag daran, dass die Sachsen im Osten lebten und sich ausschließlich nach Osten orientierten und über die Nordsee mit Deutschland und Skandinavien Handel trieben, während die Briten im Westen lebten und nur Handel mit dem Mittelmeer und Südeuropa trieben. Daher kamen beide Völker sich nicht in die Quere. Begründet wird das damit, dass sich in einem Gebiet in Yorkshire, das an der Grenze zwischen beiden Völkern lag, keine Spuren von großen Schlachten oder viel Gewaltanwendung gefunden wurde.
Sie hatten auch noch einen genetischen Beweis, aber den habe ich nicht nachvollziehen können. Irgendwas damit, dass die meisten Briten heute erstaunlich wenig Angelsächsische DNA haben.

Wovon ich nicht überrascht war, war genau das, was sie als Durchbruch angepriesen haben. Die letzte Ausgrabung auf Tintagel hat weitere befestigte Gebäude zu Tage geführt, die qualitativ extrem hochwertig waren. Es gab viele Funde von Mittelmeerkeramik, sogar Glas und, ganz spektakulär, eingeritzte Schriftzeichen.
Meines Wissen haben die letzten Ausgrabungen auf Castle Rock ähnliche Funde zu Tage gefördert. Es gibt sogar eine ganze Sorte Keramik, die schon seit Jahrzehnten Tintagel-Keramik heißt, und dass es hochwertige und exotische Ware und damit entsprechenden Reichtum und Handel gab, war mir auch nicht neu.
Ebenso wenig war mir neu, dass es in Cornwall reiche Zinnvorkommen gibt, das Zinn ein Bestandteil von Bronze ist, und dass Tintagel damit etwas hatte, um gegen die Luxusgüter aus dem Mittelmeerraum zu tauschen. Ja, Tintagel ist strategisch toll. Ja, auf Tintagel gab es beeindruckende Steingebäude. Ja, die Menschen, die da gelebt haben, waren sicher keine armen oder primitiven Jäger und Sammler. Schön, wenn die aktuelle Ausgrabung das wieder bestätigt.

Was das Ganze mit Artus zu tun hat - eigentlich gar nichts. Sie gehen in die British Library, wo jemand ein Original von Geoffrey of Monmouth's Werk aus dem Schrank holt und dann ohne Handschuhe darin herumblättert. Jedes Mal, wenn ich das sehe, frage ich mich, ob es nicht doch eine Kopie ist...
Dann holen sie noch eine Kopie von Gildas und blättern darin herum. Beides aus dem Grund, dass beide Quellen eine brutale Invasion durch die Sachsen erwähnen, und der Sinn dieser Doku ja ist, zu zeigen, dass es die nicht gab, und darum beide Quellen und alle Geschichtsbücher lügen. Sie sagen sogar irgendwann in der Doku, dass bewiesen ist, dass es keine Kämpfe gab, dass es aber trotzdem noch in den Geschichtsbüchern steht.

Ich glaube ihren Beweisen, dass es da, wo sie die her haben, friedlich zuging. Ich glaube nicht, dass die menschliche Natur es zulässt, dass zwei Volksgruppen, die nicht dieselbe Religion, nicht dieselbe Sprache und - viel wichtiger - einen völlig verschiedenen Standard bei Reichtum und Luxus haben, vollkommen friedlich nebeneinander koexistieren können. Die Briten waren reich, die Sachsen nicht, aber hey, alles lief super.
Aber vielleicht verstehe ich das Ganze falsch und es ist keine Doku, sondern ein Anti-Brexit Statement. Britannien war schon immer mit dem Kontinent verbunden, hat Handel betrieben, Luxusgüter importiert und sich modisch wahlweise nach Byzanz oder Dänemark gerichtet, je nachdem, ob die Menschen im Osten oder Westen der Insel lebten. Also ist Brexit eine schlechte Idee. So gesehen wars eine echt gute Doku.

Ach so, um dem Titel gerecht zu werden, fassen sie in den letzten Minuten nochmal schnell zusammen, dass Artus eine literarische Erfindung ist, die aus verschiedenen Fragmenten der Geschichte zusammengestückelt wurde. Und dass die Geschichte große Strahlkraft hat, denn sie ist immer noch aktuell.

Und noch als Schlussbemerkung: Meines Wissens hat keine der wirklich alten Quellen jemals behauptet, dass Tintagel Artus' Burg war. Er ist da gezeugt worden, nach einigen Quellen auch da geboren, aber nicht mal das zwangsweise. Und auch wenn es Theorien gibt, dass Tintagel Camelot war, dann ist es da doch eher ein ferner liefen hinter Cadbury, Winchester, Caeleon, Carlisle... Der Artus-Bezug war also auch eher vage.
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Das habe ich grade irgendwo auf meinem Computer gefunden... Damit ich's da mal löschen kann.

Rules: Write down five of your favoutite arthurian ships without looking at the questions. Then answer the questions.

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blauerfalke: (geschichten)
a LitRPG-Retelling, von Galen Wolf

Spoiler )
blauerfalke: (erzählen)
Film von Guy Ritchie

Erster Teil einer Filmreihe, die wegen mangelnder Zuschauerrekorde jetzt nicht realisiert wird, so dass wir nie erfahren werden, was der Regisseur uns eigentlich sagen wollte. Wurde außerdem wechselnd als "wahre Version", "wahre Geschichte mit Punk-Elementen" und durch einen Trailer mit ausgeprägtem Horror/Fantasy-Flair angekündigt, so dass auch im Vorfeld keiner wirklich wusste, was es eigentlich werden soll.

Die gute Nachricht: Der Film ist besser als erwartet. Man kann ihn gut angucken und er ist unterhaltsam. Er wirkt nicht trashig und nicht total bescheuert. Nichts Besonderes, aber auch nicht entsetzlich. Kann man zwischendurch mal angucken.

Massive Spoiler )

Guinevere

Oct. 9th, 2016 08:56 pm
blauerfalke: (geschichten)
Film nach Motiven der Romane von Persia Woolley (wenn ich denen, die sie gelesen haben, glauben kann, sehr frei adaptiert)

Spoiler )
blauerfalke: (geschichten)
von Meg Cabot

Artus-Reinkarnantions-Jungendbuch. Die Zielgruppe ist sehr offensichtlich weiblich.

Spoiler )
blauerfalke: (geschichten)
von Werner Heiduczek

Es handelt sich um den Text von Wolfram von Eschenbach, und zwar nicht nacherzählt, sondern neu erzählt. Das ist ein Unterschied. Eine Neuerzählung hat Raum für eigene Interpretation.

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Hexwood

Sep. 14th, 2014 12:06 pm
blauerfalke: (geschichten)
Von Diana Wynne Jones

“Hexwood” ist Neil Gaiman gewidmet, aber wenn ich das richtig verstanden habe, ist Mordion nicht von ihm inspiriert (aber der junge Christopher Chant schon). Das nur am Rande.

Ann ist zwölf, und sie hört Stimmen. Vier, um genau zu sein. Den König, den Gefangenen, den Jungen und den Sklaven. Manchmal können die Stimmen auch einander hören, aber meistens muss sie Informationen zwischen ihnen weiterreichen, um die Unterhaltung in Gang zu halten. Außerdem wohnt Ann in der Nähe der Hexwood Estate Farm, einem komplett abgeschotteten Gebäude mit umliegendem Grund, wo nie was los ist. Das ändert sich eines Tages. Menschen kommen, gehen durch das Tor und werden nie wieder gesehen. Außerdem entwickelt der kleine Wald nebenan ein seltsames Eigenleben. Er enthält plötzlich einen See und einen Wasserfall und man kann sich darin verlaufen – als Ann dann darin auch noch einen seltsamen Mann aus einem Kühlschrank befreit, mit ihm zusammen einen Jungen aus Blut erschafft und sie auch noch einen Roboter in einem Abfallhaufen finden, weiß Ann selbst bald nicht mehr, ob sie wach ist oder träumt. Oder ob sie einfach verrückt wird.

Das Buch ist kompliziert. Die Zeit im Wald verläuft nicht parallel zur Zeit außerhalb, so dass man wie Ann nie weiß, zu welchem Zeitpunkt sie in den Wald zurückkehrt. Außerdem gibt es ein großes, universumsübergreifendes Problem, das den Ereignissen zugrunde liegt, und auch diese Umstände gibt es nur bruchstückhaft. Nicht zu vergessen schreibt jeder britische Autor irgendwann ein Artus-Buch, und das hier ist das von Diana Wynne Jones. Ich gebe zu, ich hatte den Verdacht schon, bevor die Hinweise kamen – vielleicht, weil ich bei Burgen und Leuten, die Bors und Bedefer heißen, immer direkt an die Artussage denke – und am Ende habe ich die Hauptprotagonisten verwechselt. Aber das ist sicher nicht so schlimm, weil ich mich entschieden hatte, bevor die echten Hinweise kamen, und aufgepasst habe, so dass ich sofort merkte, dass es falsch war. Ich glaube, ich hätte es anders trotzdem besser gefunden… Die Gesamtauflösung muss dann am Ende in Erzählform gegeben werden, weil es einfach zu kompliziert ist, um es aus der Handlung ableiten zu können. Im Grunde genommen ist das Buch ein einziger, 300 Seiten langer Showdown, denn alles, was darauf hinführt, ist schon vorher passiert. Das macht es stilistisch interessant.

Die männliche Hauptperson ist gut gemacht, aber sehr düster. Die Anklänge und Hinweise auf Artussage und Gral sind spaßig (aber nur, weil mir das was gibt), und es kommen viele Nebenfiguren vor, bei denen ich Probleme hatte, mir zu merken, wer wer ist. Das Buch ist vom Tenor her sehr ernst, am Ehesten noch zu vergleichen mit „Fire and Hemlock“ – aber im Gegensatz zu dem hat es von ein paar spaßige Wortspiele mit Namen, und am Ende des Showdowns kommt auch der typische Humor der Autorin wieder richtig durch (Hobbits auf einer Gralsqueste *g*). Stellenweise fand ich es ein bisschen langatmig… 300 Seiten ist halt lang für einen Showdown.

(Und das Cover verrät einen interessanten Twist schon direkt - gut, dass ich Cover selten genauer ansehe.)
Page generated Jan. 4th, 2026 04:18 am
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