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Australien durfte wieder mitmachen, weil... weil eben. Weil sie jetzt Mitglied der European Broadcast Union sind. Oder so. Sie glauben auch noch immer, dass der Sieg bei der Eurovision mit Qualität zu erreichen ist.
Außerdem haben die USA und China dieses Jahr erstmalig zugesehen. Darum durfte im Finale Justin Timberlake als Showblock auftreten, was in etwa genau so blöd war wie damals in Deutschland dieser Sänger. Wie in Deutschland war der Showblock im zweiten Halbfinale sehr viel besser - aber Schweden hatte immerhin noch einen lustigen "That's Eurovision"-Song mit dem schönen Titel "Love Love Peace Peace", in dem es darum ging, wie man die Eurovision gewinnt. Sehr guter Nachfolger von ihrem "Das ist Schweden"-Song beim letzten Mal. Es war auch dieselbe Moderatorin, unterstützt vom ESC-Gewinner vom letzten Jahr. Der damit mehr als bewiesen hat, dass er nicht nur Sänger, sondern auch ein guter Entertainer ist. Gelungene Show.

Die Bühne setzte mal wieder neue Maßstäbe in Punkt Projektionen und light show, und der Green Room war wieder hinten im Publikum. Scheint also Mode zu werden. Der kurze Laufsteg und die kleine Vorbühne waren allerdings ziemlich überflüssig.
Und es gab ein neues Bewertungsssystem - jedes Land vergibt jetzt alle Punkte zweimal, einmal durch eine Jury und einmal durch die Anrufe. Was dann gleich deutlich gezeigt hat, dass Jury und Publikum nicht der gleichen Meinung sind, und dass ein Sieg bei einer Wertung nicht den Sieg in der Gesamtwertung bedeutet. Aber wie immer waren die Trends deutlich. Nur waren es halt jetzt zwei Trends aus denen sie sich einen gemeinsamen Sieger zusammenbasteln mussten.


Sieger: Ukraine.

Persönlicher Favorit: Ukraine, Niederlande und Estland (ausgeschieden im Halbfinale)

Belanglosester Auftritt: Deutschland. Sorry, trotz ihrer Baum-Gerippe-Kulisse und dem Manga-Outfit fand ich den Song einfach unglaublich langweilig.

Least Dressed Award: Armenien. Sie trug einen Body und einen Umhang. Aber wenigstens hat sie den Umhang dann im Green Room als Rock verwendet.
Ehrenvoller Zweiter Platz: Moldau (ausgeschieden im Halbfinale) mit einem traditionellen blauen Ultra-Mini-Kleid.

Themen-Trend des Jahres: Sterne und Wölfe
Beste Umsetzung des Trends: Israel. Der Sänger heißt mit Nachnamen Star, sein Song heißt "Made of Stars", seine Handschuhe, sein Hemd und seine Schuhe glitzern, die Bühne glitzert und seine Rhönrad-Mitstreiter glitzern auch.
Ehrenvoller Zweiter Platz: Weißrussland (ausgeschieden im Halbfinale). Er wollte nackt mit einem lebenden Wolf auftreten. Beides ist beim ESC aber verboten.

Bester Nachahmer: Australien und Russland. Schweden hat letztes Jahr mit interaktiven Projektionen gewonnen, also mussten das dieses Jahr auch viele Leute machen. Aber die beiden waren die Deutlichsten.

Overkill-Award: Russland. Willkommen zum Eurovision Video Contest. Song - egal. Sänger auch. Aber die Technik!
Ehrenvoller Zweiter Platz: Georgien. Bei den Stroboskopen wurde einem vom Hinsehen schlecht.

Eleganteste Projektionen: Ukraine. Bodenbeleuchtung und leuchtender Baum waren wunderschön. Sehr poetisch.

Am besten verpackte Message: Italien. Um ihren Mikroständer waren Regenbogenbänder geknotet, zu Ehren der Tatsache, dass Italien endlich auch die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert hat. Ansonsten hat sie vielleicht mit ihrer Gartendeko auch noch aussagen wollen, dass wir alle mehr Gemüse essen sollen...

Beste Choreographie: Schwer zu entscheiden. Es gab dieses Jahr wieder erfreulich viele TänzerInnen und alle waren gleichermaßen super und jeweils zu den Songs stimmig. Viel beeindruckender Ausdruckstanz dabei, einzig Belgien macht Gute-Laune-Spaß-Tanzen. Darum geht der Preis an Belgien, unter besonderer Erwähnung, dass ihre Sängerin das komplett und perfekt mittanzen konnte.

Sinnloseste Aktion: Litauen. Mitten im Song schlägt der Sänger einen Salto. Unter Zuhilfenahme eines Podestes oder Trampolins, so deutlich war das nicht zu erkennen. Hätte ers ohne Hilfsmittel gemacht, wäre ich vielleicht beeindruckt gewesen, aber so... ich bin ganz andere Dinge gewohnt, die Leute tun, während sie singen.

Größte Unverschämtheit: Spanien und Georgien. Sie bekommen von der Regie optische Verdopplungseffekte - das ist unlauterer Wettbewerb.

Look Alike-Contest: Ungarn und Frankreich. Beide Sänger sind groß, dunkelhaarig, unrasiert und gucken romantisch. Aber Frankreich hatte sehr viel mehr Spaß.

Sound-Alike Contest: Schweden. Das Lied klang nach irgendeinem bekannten Song, dessen Titel mir bis jetzt leider noch nicht eingefallen ist.

Albernste Idee: Niederlande. Um die Message ihres Songs "Slow down" zu verdeutlichen, machen Sänger und Band mitten im Song 10 Sekunden Pause.

Bestes Gesamtkunstwerk: Bosnien-Herzegovina (ausgeschieden im Halbfinale). Er trägt eine Pseudo-Uniform, sie trägt eine rote Opernrobe. Zwischen ihnen steht ein großer Stacheldrahtzaun mit Betonpfeilern. Der Hintergrund und die Cellistin (trägt eine Pseudo-Gold-Superhelden-Uniform mit Minirock) sind zu Beginn des Songs in Rettungsdecken gehüllt. Dann tritt überraschend ein Rapper auf. Was das sollte, weiß keiner, denn sie singen in Landessprache. Schade, dass es das nicht ins Finale geschafft hat.

Größter Schockmoment: Spanien. Die Sängerin bricht zusammen, das Licht geht aus. Gehörte aber zur Show.

Verwirrendster Auftritt: Ungarn. Der Song des Sängers scheint nichts mit dem zu tun zu haben, was sein Background da macht, und noch weniger mit dem, was sein japanischer Trommler auf der anderen Bühnenseite so tut.

Interpretationsfähigster Auftritt: Slowenien (ausgeschieden im Halbfinale). Sie trägt ein weißes Kleid mit Ausschnitt bis zum Nabel, das vorne von schwarzen Lederiemen zusammengehalten zu werden scheint. Bondage? Dann tritt ein Mann mit nacktem Oberkörper auf, der sich um eine Stange wickelt. Ausdruckstanz trifft Poledancing. Ob das eine versteckte sexuelle Botschaft hatte?

Special Award für die Verwendung eines Trickkleides: Petra Mede. Das war die Moderatorin.

Special Award Kostüm: Moldau (ausgeschieden im Halbfinale). Ihr Tänzer trug einen silbernen Raumanzug. Komplett mit Kugelhelm.
Ehrenvoller Zweiter Platz: Serbien. Entweder war das Kostüm aus Lakritzschnecken oder aus Autoreifen.

Beste Textzeile: "If love was a crime then we would work miracles" (Bulgarien). Das macht überhaupt keinen Sinn.

Und jetzt werden wir mal sehen, wo das Ganze nächstes Jahr stattfindet... lasst uns der Ukraine die Daumen drücken.

Date: 2016-05-22 06:29 pm (UTC)
From: [identity profile] rabensturm.livejournal.com
Australien fand ich eigentlich nicht so auffällig mit den Projektionen, da war mir - neben Russland natürlich - eher Weißrussland und Island in Erinnerung und... Aserbeidschan?

Date: 2016-05-22 06:38 pm (UTC)
From: [identity profile] blauerfalke.livejournal.com
Auffällig vielleicht nicht, aber irgendwie fand ich Australien interaktiver als die anderen. Sie hat ja ständig mit dem Datenhandschuh dran rumgewischt...

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