Exiled from Camelot
Feb. 11th, 2017 09:58 amvon Cherith Baldry
Falls sich jemand für die Handlung interessiert: An Artus' Hof taucht plötzlich ein junger Mann auf, der behauptet, Loholt, Artus' unehelicher Sohn zu sein. Da Artus und Guinevere keine Kinder haben, entscheidet er, ihn zu seinem Erben zu machen, aber ein Krieg kommt dazwischen. Artus' Männer geraten in einen Hinterhalt und er schickt Loholt unter Kays Obut in Sicherheit. Kay tötet Loholt und wird dafür vom Hof verbannt. Briant des Isles, begleitet von der Zauberin Brisane, entfremdet als nächsten Lancelot von seinem König, aber als die beiden sich danach gegen Gawain wenden, ziehen sie den Kürzeren.
Die Episode, dass Kay Loholt tötet, stammt aus dem "Percevalus" und war wahrscheinlich die Inspiration für diesen Roman (auch wenn kein Riese vorkommt, dessen Tötung Kay sich zuschreiben lassen will). Mrs. Baldry hat mehrere Kurzgeschichten über Kay geschrieben, also kannte ich ihre Charaktere und Herangehensweisen schon. Es war also klar, dass es unterhaltsam sein würde und auch okay, aber nicht perfekt. Aber das verlange ich ja auch nicht.
Also, Kay. Der brillante Seneschall, der Camelot perfekt im Griff hat, von allen Bediensteten, Wachen etc. verehrt, geliebt und bewundert. Ein harter Arbeiter, ein großartiger Organisator, der selbst mit fast nichts eine Menge machen kann. Das darf er in vollem Ausmaß zeigen, wenn er die Leitung der heruntergewirtschafteten Ländereien von Meliant de Lis übernimmt. Dazu Artus absolut loyal und treu ergeben. Bereit, jederzeit für seinen König zu sterben und alles für ihn zu tun. Der erste Platz in seinem Leben ist die Pflicht gegenüber Artus.
Das Problem besteht darin, dass er dafür keinerlei Dank erntet. Von Artus nicht, von den meisten der Ritter nicht. Er ist ein schlechter Kämpfer, darum nehmen sie ihn nicht für voll und halten ihn für nicht besser als einen weiteren Diener. Selbst Lancelot macht sich darüber lustig, dass Kay mit in eine Schlacht reiten will. Als Reaktion auf solche Behandlung ist Kay extrem verschlossen und bei jeder kleinsten Andeutung verletzt und beleidigt, selbst den beiden gegenüber, mit denen er sowas wie befreundet ist, Gareth und Gawain.
Gareth entspricht in etwa dem, was ich persönlich so mit Gaheris verbinde. Das ist für mich total verwirrend, aber gut, da hat halt jemand die Namen vertauscht. ;) Gareth hat ein Jahr in der Küche verbracht, weiß darum, wie hart die Arbeit dort ist, und hat Kay gut kennengelernt. Er hängt in einer Mischung aus Verehrung, Freundschaft und kindlicher Liebe an ihm - mir ist nicht ganz klar, wie alt er sein soll... Gawain sagt, dass sein Bruder gerade dabei ist, erwachsen zu werden..
Bei Gawain hat sich Mrs. Baldry für den Pazifisten entschieden, der nur zur Waffe greift, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden lässt. Dafür ist er ein talentierter Heiler und Vermittler, verliert nie die die Geduld, bemüht sich immer um Verständnis und verliert nie das Vertrauen in seine Freunde. Das führt dazu, dass er auch ständig unterschätzt wird, aber im Gegensatz zu Kay ist das Gawain vollkommen egal. Er hat keine Machtambitionen, braucht keine Bewunderung - kurz, ein in sich ruhender Charakter. Ein bisschen zu ausgeglichen vielleicht. Kämpferisch ist er großartig - Einschätzung Gareth - bis mittelmäßig - Gawain - und was Führungsqualitäten und Strategie angeht so fähig, dass Artus beim Sturm auf Carlise sehr positiv überrascht ist. Gawain hätte lieber im Lazarett Dienst getan, aber gut, das Leben ist kein Ponyhof.
Dann haben wir da noch Lancelot, der in etwas das ist, was man so erwartet. Melancholisch, fromm, dem Ideal des Rittertums verschrieben - leider reagiert er allergisch darauf, wenn man ihn einen Feigling nennt, und fordert dann Leute zum Duell heraus... okay...
Über Artus möchte ich am liebsten nicht reden. Er ist zu beeinflussbar, um einen guten König abzugeben. In seiner Begeisterung für Loholt interessiert er sich nicht dafür, dessen Motive und Interessen zu hinterfragen. Er verstößt seinen ältesten Freund und loyalsten Vertrauten, ohne sich zu fragen, warum genau Kay Loholt wohl getötet haben könnte. Lancelot als Verräter unter Arrest zu stellen lässt sich vielleicht noch damit entschuldigen, dass diese Zauberin ihre Finger im Spiel hat... Aber dass nur, dass Kays Name noch auf dem Tisch steht und dass Gawain Briant im Zweikampf besiegt (auch wenn es noch so ungewöhnlich ist, dass Gawain jemandem zum Zweikampf herausfordert)ausreicht, um Artus schlagartig zur Vernunft zu bringen, finde ich ein bisschen dick aufgetragen. Da hätte vorher mehr kommen müssen um zu zeigen, dass er sich ungewöhnlich verhält und sonst anders ist - aber das kommt nicht. Sein Verhältnis zu Kay ist bestenfalls gleichgültig, wenn nicht herablassend und kalt, da nutzt auch die Ehrenrettung am Ende, dass er alleine in einen brennenden Turm geht, um seinen Bruder da rauszuholen, nicht mehr wirklich etwas. Zumal ich von Mrs. Baldrys Texten gewöhnt bin, dass Artus Kay schlecht behandelt.
Es ist also kein schlechtes Buch, aber es ist eben das, was es immer wieder gibt: jemand wird demontiert, um jemand anders aufzuwerten. Gawain hat Glück gehabt und kommt gut weg, Lancelot aus der Sicht von denen, die die Charakter in seiner klassischen Art mögen, sicher auch, und weil es ein Kay-Roman ist, hatte die Autorin sicher auch die Absicht, Kay gut wegkommen zu lassen. In gewisser Weise ist er das auch, aber leider nicht in meinen Augen. Für mich sollte Kay über den Spott derer, die keine Ahnung haben, drüber stehen. Und dass ein brillanter Organisator immer ein schlechter Kämpfer sein muss, war für mich auch schon immer unlogisch. Genauso unlogisch, wie ein Artus, bei dem ich nicht verstehe, warum alle Welt ihn für einen großen, gütigen und gerechten König hält.
Ich zähle es trotzdem noch zu den besseren Büchern. Es gibt Dinge an den Charakteren, die ich mag, und das Setting ist aus alten Quellen gut zusammengesetzt.
Falls sich jemand für die Handlung interessiert: An Artus' Hof taucht plötzlich ein junger Mann auf, der behauptet, Loholt, Artus' unehelicher Sohn zu sein. Da Artus und Guinevere keine Kinder haben, entscheidet er, ihn zu seinem Erben zu machen, aber ein Krieg kommt dazwischen. Artus' Männer geraten in einen Hinterhalt und er schickt Loholt unter Kays Obut in Sicherheit. Kay tötet Loholt und wird dafür vom Hof verbannt. Briant des Isles, begleitet von der Zauberin Brisane, entfremdet als nächsten Lancelot von seinem König, aber als die beiden sich danach gegen Gawain wenden, ziehen sie den Kürzeren.
Die Episode, dass Kay Loholt tötet, stammt aus dem "Percevalus" und war wahrscheinlich die Inspiration für diesen Roman (auch wenn kein Riese vorkommt, dessen Tötung Kay sich zuschreiben lassen will). Mrs. Baldry hat mehrere Kurzgeschichten über Kay geschrieben, also kannte ich ihre Charaktere und Herangehensweisen schon. Es war also klar, dass es unterhaltsam sein würde und auch okay, aber nicht perfekt. Aber das verlange ich ja auch nicht.
Also, Kay. Der brillante Seneschall, der Camelot perfekt im Griff hat, von allen Bediensteten, Wachen etc. verehrt, geliebt und bewundert. Ein harter Arbeiter, ein großartiger Organisator, der selbst mit fast nichts eine Menge machen kann. Das darf er in vollem Ausmaß zeigen, wenn er die Leitung der heruntergewirtschafteten Ländereien von Meliant de Lis übernimmt. Dazu Artus absolut loyal und treu ergeben. Bereit, jederzeit für seinen König zu sterben und alles für ihn zu tun. Der erste Platz in seinem Leben ist die Pflicht gegenüber Artus.
Das Problem besteht darin, dass er dafür keinerlei Dank erntet. Von Artus nicht, von den meisten der Ritter nicht. Er ist ein schlechter Kämpfer, darum nehmen sie ihn nicht für voll und halten ihn für nicht besser als einen weiteren Diener. Selbst Lancelot macht sich darüber lustig, dass Kay mit in eine Schlacht reiten will. Als Reaktion auf solche Behandlung ist Kay extrem verschlossen und bei jeder kleinsten Andeutung verletzt und beleidigt, selbst den beiden gegenüber, mit denen er sowas wie befreundet ist, Gareth und Gawain.
Gareth entspricht in etwa dem, was ich persönlich so mit Gaheris verbinde. Das ist für mich total verwirrend, aber gut, da hat halt jemand die Namen vertauscht. ;) Gareth hat ein Jahr in der Küche verbracht, weiß darum, wie hart die Arbeit dort ist, und hat Kay gut kennengelernt. Er hängt in einer Mischung aus Verehrung, Freundschaft und kindlicher Liebe an ihm - mir ist nicht ganz klar, wie alt er sein soll... Gawain sagt, dass sein Bruder gerade dabei ist, erwachsen zu werden..
Bei Gawain hat sich Mrs. Baldry für den Pazifisten entschieden, der nur zur Waffe greift, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden lässt. Dafür ist er ein talentierter Heiler und Vermittler, verliert nie die die Geduld, bemüht sich immer um Verständnis und verliert nie das Vertrauen in seine Freunde. Das führt dazu, dass er auch ständig unterschätzt wird, aber im Gegensatz zu Kay ist das Gawain vollkommen egal. Er hat keine Machtambitionen, braucht keine Bewunderung - kurz, ein in sich ruhender Charakter. Ein bisschen zu ausgeglichen vielleicht. Kämpferisch ist er großartig - Einschätzung Gareth - bis mittelmäßig - Gawain - und was Führungsqualitäten und Strategie angeht so fähig, dass Artus beim Sturm auf Carlise sehr positiv überrascht ist. Gawain hätte lieber im Lazarett Dienst getan, aber gut, das Leben ist kein Ponyhof.
Dann haben wir da noch Lancelot, der in etwas das ist, was man so erwartet. Melancholisch, fromm, dem Ideal des Rittertums verschrieben - leider reagiert er allergisch darauf, wenn man ihn einen Feigling nennt, und fordert dann Leute zum Duell heraus... okay...
Über Artus möchte ich am liebsten nicht reden. Er ist zu beeinflussbar, um einen guten König abzugeben. In seiner Begeisterung für Loholt interessiert er sich nicht dafür, dessen Motive und Interessen zu hinterfragen. Er verstößt seinen ältesten Freund und loyalsten Vertrauten, ohne sich zu fragen, warum genau Kay Loholt wohl getötet haben könnte. Lancelot als Verräter unter Arrest zu stellen lässt sich vielleicht noch damit entschuldigen, dass diese Zauberin ihre Finger im Spiel hat... Aber dass nur, dass Kays Name noch auf dem Tisch steht und dass Gawain Briant im Zweikampf besiegt (auch wenn es noch so ungewöhnlich ist, dass Gawain jemandem zum Zweikampf herausfordert)ausreicht, um Artus schlagartig zur Vernunft zu bringen, finde ich ein bisschen dick aufgetragen. Da hätte vorher mehr kommen müssen um zu zeigen, dass er sich ungewöhnlich verhält und sonst anders ist - aber das kommt nicht. Sein Verhältnis zu Kay ist bestenfalls gleichgültig, wenn nicht herablassend und kalt, da nutzt auch die Ehrenrettung am Ende, dass er alleine in einen brennenden Turm geht, um seinen Bruder da rauszuholen, nicht mehr wirklich etwas. Zumal ich von Mrs. Baldrys Texten gewöhnt bin, dass Artus Kay schlecht behandelt.
Es ist also kein schlechtes Buch, aber es ist eben das, was es immer wieder gibt: jemand wird demontiert, um jemand anders aufzuwerten. Gawain hat Glück gehabt und kommt gut weg, Lancelot aus der Sicht von denen, die die Charakter in seiner klassischen Art mögen, sicher auch, und weil es ein Kay-Roman ist, hatte die Autorin sicher auch die Absicht, Kay gut wegkommen zu lassen. In gewisser Weise ist er das auch, aber leider nicht in meinen Augen. Für mich sollte Kay über den Spott derer, die keine Ahnung haben, drüber stehen. Und dass ein brillanter Organisator immer ein schlechter Kämpfer sein muss, war für mich auch schon immer unlogisch. Genauso unlogisch, wie ein Artus, bei dem ich nicht verstehe, warum alle Welt ihn für einen großen, gütigen und gerechten König hält.
Ich zähle es trotzdem noch zu den besseren Büchern. Es gibt Dinge an den Charakteren, die ich mag, und das Setting ist aus alten Quellen gut zusammengesetzt.