Doctor Faustus
Jun. 16th, 2021 05:10 pmvon Christopher Marlow
200 Jahre vor Goethe hat sich Mr. Marlow des Stoffs über den deutschen Gelehrten, der seine Seele dem Teufel verkauft, angenommen. Das Ganze spielt in Wittenberg, Faustus heißt John, nicht Heinrich, und er verkauft seine Seele dafür, dass er 24 Jahre Mephostophilis herumkommandieren und ausfragen kann. Der ist übrigens nur ein Unterteufel und muss für den Pakt erstmal die Erlaubnis von Lucifer, seinem Herrn, einholen.
Auch wenn die Grundzüge einem also bekannt vorkommen, hat es einen ganz anderen Tenor als Goethes "Faust". Es fängt ähnlich genug an, damit, dass das Faustus an die Grenzen seiner Wissenschaft gestoßen ist, aber dann verschreibt er sich auch schon der Magie, schließt den Pakt und reist dann durch die Gegend, um dem Papst Streiche zu spielen oder für den Kaiser Alexander den Großen und seine Geliebte als Geister zu beschwören, damit der sie ansehen kann. Dazwischen treten Figuren auf, die mit einem Zauberbuch Unfug treiben, Faust verkauft ein aus Heu gezaubertes Pferd und zaubert jemand anders Hörner an den Kopf... Kurz, im ganzen ist es weniger Tragödie als Komödie. Auch wenn zwischendurch darüber philosophiert wird, ob Gottes Gnade unendlich ist, es also Rettung für Faustus geben könnte - die Überlegung ist müßig, denn Gnade gibt es nur für echte Reue, und das Einzige, was Faustus da zu bieten hat, ist Angst vor der Hölle. Folgerichtig wird er nach Ablauf der 24 Jahre einkassiert.
Es war eine kommentierte Fassung, die immer wieder Vergleiche zwischen den beiden überlieferten Hauptmanuskripten - A und B - herstellt, und mehr oder weniger interessante Anmerkungen zum Text liefert. Nützlich, wenn dabei die lateinischen Zitate übersetzt werden; da aber auch erklärt wird, wer Alexander der Große ist, frage ich mich, ob es vielleicht eine Schulausgabe ist. Das würde auch die ständigen Vergleiche und Verweise auf Shakespeare erklären, wenn Marlowe ein Wort oder einen Ausdruck oder gar einen Bezug verwendet hat, den der Barde in einem seiner Werke auch verwendet hat. Da die beiden Zeitgenossen waren, finde ich das jetzt eher weniger verwunderlich.
Zusätzlich gibt es noch ein Vorwort mit einer Kurzbiographie des Autors und einer historischen Einordnung des Textes, und einen Anhang mit Szenen, die in dieser Version nicht enthalten sind, aber in einer anderen.
Es ist halt eine ganz andere Herangehensweise als die, die ich durch Goethes in Deutschland übermächtiges Werk gewöhnt bin, und darum kommt es mir wohl auch ein bisschen seltsam vor. "Faust" als Boulevardstück, das trifft es ganz gut. Aber warum nicht? Ist ja nichts falsch dran.
200 Jahre vor Goethe hat sich Mr. Marlow des Stoffs über den deutschen Gelehrten, der seine Seele dem Teufel verkauft, angenommen. Das Ganze spielt in Wittenberg, Faustus heißt John, nicht Heinrich, und er verkauft seine Seele dafür, dass er 24 Jahre Mephostophilis herumkommandieren und ausfragen kann. Der ist übrigens nur ein Unterteufel und muss für den Pakt erstmal die Erlaubnis von Lucifer, seinem Herrn, einholen.
Auch wenn die Grundzüge einem also bekannt vorkommen, hat es einen ganz anderen Tenor als Goethes "Faust". Es fängt ähnlich genug an, damit, dass das Faustus an die Grenzen seiner Wissenschaft gestoßen ist, aber dann verschreibt er sich auch schon der Magie, schließt den Pakt und reist dann durch die Gegend, um dem Papst Streiche zu spielen oder für den Kaiser Alexander den Großen und seine Geliebte als Geister zu beschwören, damit der sie ansehen kann. Dazwischen treten Figuren auf, die mit einem Zauberbuch Unfug treiben, Faust verkauft ein aus Heu gezaubertes Pferd und zaubert jemand anders Hörner an den Kopf... Kurz, im ganzen ist es weniger Tragödie als Komödie. Auch wenn zwischendurch darüber philosophiert wird, ob Gottes Gnade unendlich ist, es also Rettung für Faustus geben könnte - die Überlegung ist müßig, denn Gnade gibt es nur für echte Reue, und das Einzige, was Faustus da zu bieten hat, ist Angst vor der Hölle. Folgerichtig wird er nach Ablauf der 24 Jahre einkassiert.
Es war eine kommentierte Fassung, die immer wieder Vergleiche zwischen den beiden überlieferten Hauptmanuskripten - A und B - herstellt, und mehr oder weniger interessante Anmerkungen zum Text liefert. Nützlich, wenn dabei die lateinischen Zitate übersetzt werden; da aber auch erklärt wird, wer Alexander der Große ist, frage ich mich, ob es vielleicht eine Schulausgabe ist. Das würde auch die ständigen Vergleiche und Verweise auf Shakespeare erklären, wenn Marlowe ein Wort oder einen Ausdruck oder gar einen Bezug verwendet hat, den der Barde in einem seiner Werke auch verwendet hat. Da die beiden Zeitgenossen waren, finde ich das jetzt eher weniger verwunderlich.
Zusätzlich gibt es noch ein Vorwort mit einer Kurzbiographie des Autors und einer historischen Einordnung des Textes, und einen Anhang mit Szenen, die in dieser Version nicht enthalten sind, aber in einer anderen.
Es ist halt eine ganz andere Herangehensweise als die, die ich durch Goethes in Deutschland übermächtiges Werk gewöhnt bin, und darum kommt es mir wohl auch ein bisschen seltsam vor. "Faust" als Boulevardstück, das trifft es ganz gut. Aber warum nicht? Ist ja nichts falsch dran.