Wie ich der deutscheste Jude der Welt wurde
von Shahak Shapira
Ich habe keine Ahnung, was ich mir von diesem Buch versprochen habe. Manchmal lese ich einfach Dinge, von denen ich weiß, dass sie nebenbei zu lesen sind, und von denen ich hoffe, dass ich etwas daraus lerne - ich denke, das trifft es ganz gut.
Es ist eine Art Autobiographie. Herr Shapira erzählt mehr oder weniger chronologisch Episoden aus seinem Leben, ergänzt um Familiengeschichten oder Dingen, die Leuten passiert sind, die er kennt. Unterhaltsam, deutlich, ohne sich um political correctness zu scheren. Darum der Titel. Und darum die Frage - macht es einen Unterschied, welche Fraktion sich auf dieses "Argument" beruft? Die, die den Hass verbreiten, oder die, die gegen den Hass anschreiben?
Herr Shapira gehört zur letzteren Fraktion. Trotz allem, möchte man fast schon sagen - er ist Jude, geboren und Kindheit in Tel Aviv, als Jugendlicher mit Mutter und Bruder nach Deutschland gezogen, nach Sachsen-Anhalt, genauer gesagt nach Laucha. Heute lebt er in Berlin, eine Stadt, die sich gerne den multi-kulti-wir-lieben-alle-Anstrich gibt, in der er aber genau den gleichen Witzen und Angriffen ausgesetzt ist wie in Laucha.
Dieses Buch hat er geschrieben, weil er in der Beliner U-Bahn tätlich angegriffen wurde, Anzeige erstattete, und jede Art von Presse und Medien danach versucht hat, ihn für die jeweilige Angenda zu vereinnahmen. Er hat sich geweigert, immer wieder Dinge richtiggestellt und korrigiert, und dann hat ihm jemand angeboten, seine Geschichte in Ruhe zu erzählen. Eben als Buch. Wo er herkommt, was er als - nicht gläubiger - Jude erlebt hat, und was das aus ihm gemacht hat. Vieles davon ist interessant, vieles erschreckend. Und vieles vertraut, vor allem das ewige "Stell dich nicht so an." und "Du verstehst aber auch gar keinen Spaß."
Auch darum der Titel. Er ist die Warnung, dass auf niemandes Gefühle Rücksicht genommen wird, und so kommt es dann auch. Egal welche Fraktion und welche Konstellation, egal ob Reichsbürger, Neonazi, Muslim, Christ oder Jude. Vorurteile, Gegenüberstellungen, Klischees und Spott, aber eben gerecht verteilt. Entweder sind jetzt alle beleidigt, oder er sollte keiner mehr beleidigt sein, weil eben alle gleich behandelt werden. Und ich glaube, eben das macht es aus, dass ich es trotzdem gut lesen konnte. Die Gleichbehandlung.
"Gegen jede Benachteilung anzutreten ist unsere einzige Chance, den Hass zu besiegen. Keine Religion der Welt schreibt einem vor, ein Arschloch zu sein - das ist eine Entscheildung, die jeder von uns selbst fällen darf." (S. 228 f.)
Am Ende ist es vor allem ein Plädoyer für Respekt und eine Möglichkeit, etwas zu lernen. Auch wenn der Stil ungewöhnlich ist - aber vielleicht erreicht es gerade darum ein paar Leute, die sich sonst nicht darauf einlassen würden.
von Shahak Shapira
Ich habe keine Ahnung, was ich mir von diesem Buch versprochen habe. Manchmal lese ich einfach Dinge, von denen ich weiß, dass sie nebenbei zu lesen sind, und von denen ich hoffe, dass ich etwas daraus lerne - ich denke, das trifft es ganz gut.
Es ist eine Art Autobiographie. Herr Shapira erzählt mehr oder weniger chronologisch Episoden aus seinem Leben, ergänzt um Familiengeschichten oder Dingen, die Leuten passiert sind, die er kennt. Unterhaltsam, deutlich, ohne sich um political correctness zu scheren. Darum der Titel. Und darum die Frage - macht es einen Unterschied, welche Fraktion sich auf dieses "Argument" beruft? Die, die den Hass verbreiten, oder die, die gegen den Hass anschreiben?
Herr Shapira gehört zur letzteren Fraktion. Trotz allem, möchte man fast schon sagen - er ist Jude, geboren und Kindheit in Tel Aviv, als Jugendlicher mit Mutter und Bruder nach Deutschland gezogen, nach Sachsen-Anhalt, genauer gesagt nach Laucha. Heute lebt er in Berlin, eine Stadt, die sich gerne den multi-kulti-wir-lieben-alle-Anstrich gibt, in der er aber genau den gleichen Witzen und Angriffen ausgesetzt ist wie in Laucha.
Dieses Buch hat er geschrieben, weil er in der Beliner U-Bahn tätlich angegriffen wurde, Anzeige erstattete, und jede Art von Presse und Medien danach versucht hat, ihn für die jeweilige Angenda zu vereinnahmen. Er hat sich geweigert, immer wieder Dinge richtiggestellt und korrigiert, und dann hat ihm jemand angeboten, seine Geschichte in Ruhe zu erzählen. Eben als Buch. Wo er herkommt, was er als - nicht gläubiger - Jude erlebt hat, und was das aus ihm gemacht hat. Vieles davon ist interessant, vieles erschreckend. Und vieles vertraut, vor allem das ewige "Stell dich nicht so an." und "Du verstehst aber auch gar keinen Spaß."
Auch darum der Titel. Er ist die Warnung, dass auf niemandes Gefühle Rücksicht genommen wird, und so kommt es dann auch. Egal welche Fraktion und welche Konstellation, egal ob Reichsbürger, Neonazi, Muslim, Christ oder Jude. Vorurteile, Gegenüberstellungen, Klischees und Spott, aber eben gerecht verteilt. Entweder sind jetzt alle beleidigt, oder er sollte keiner mehr beleidigt sein, weil eben alle gleich behandelt werden. Und ich glaube, eben das macht es aus, dass ich es trotzdem gut lesen konnte. Die Gleichbehandlung.
"Gegen jede Benachteilung anzutreten ist unsere einzige Chance, den Hass zu besiegen. Keine Religion der Welt schreibt einem vor, ein Arschloch zu sein - das ist eine Entscheildung, die jeder von uns selbst fällen darf." (S. 228 f.)
Am Ende ist es vor allem ein Plädoyer für Respekt und eine Möglichkeit, etwas zu lernen. Auch wenn der Stil ungewöhnlich ist - aber vielleicht erreicht es gerade darum ein paar Leute, die sich sonst nicht darauf einlassen würden.