Feb. 3rd, 2025

blauerfalke: (erzählen)
von Rebecca Solnit

Es handelt sich um eine Sammlung von Essays zum Thema Frauen, Gesellschaft und Feminismus. Das Buch selbst ist von 2017, der titelgebende Essay ist von 2008, die anderen liegen irgendwo dazwischen. Dass sie sich darum nicht weniger aktuell und zeitbezogen anfühlen, zeigt, wie langsam die Entwicklung auf dem Gebiet der Gleichberechtigung ist.

Nicht, dass das Ms Solnit überraschen würde, denn wie sie selbst sagt, wir haben 5000 Jahre immer ein und dasselbe gemacht, natürlich braucht es dann Zeit, etwas zu ändern. Da ist es eher erstaunlich, wie viel sich in so kurzer Zeit geändert hat. Knapp 100 Jahre, viel länger sind wir ja noch nicht dabei, Frauen zumindest ansatzweise als Menschen zu betrachten.

Denn das ist der eigentliche Punkt, um den es geht - Frauen sind keine Menschen, oder doch zumindest nicht in dem gleichen Maße Menschen wie Männer. Das zeigte sich früher darin, dass die verheiratete Frau in der Person ihres Mannes gleichsam aufging, mit "Frau Vorname/Nachname" des Mannes ansgeprochen wurde, und von ihm behandelt werden durfte, wie auch immer er das für richtig hielt. (Wie ich immer gerne sage, ich bin gut 20 Jahre älter als der Tatbestand Vergewaltigung in der Ehe in unserem Gesetzbuch.) Heute zeigt es sich darin, dass man Frauen sagt, was sie tun sollen, um sich vor Vergewaltigung zu schützen, anstatt den Männern klar zu machen, dass Vergewaltigung ein Verbrechen ist. Oder dass Frauen dafür, dass sie mit einem Mann keinen Sex haben wollen oder eine Beziehung beenden, noch immer geschlagen oder getötet werden, und dass das einfach als Teil unserer Gesellschaft hingenommen wird. Ist halt so.
Ja, der Weg ist noch weit, aber das ist kein Grund, ihn aufzugeben. Ich mochte den Vergleich - "Eine Frau macht sich auf einen 1000 km langen Weg. Nach einer Viertelstunde sagt man ihr, dass sie kaum Strecke geschafft hat, und dass sie darum besser gleich aufgeben soll, weil sie ja doch nie ankommt." Trifft es ganz gut.

Der titelgebende Essay ist sicher der bekannteste - es geht um ein Erlebnis, das Ms Solnit hatte, als ein Mann sie fragte über was sie ihr letzes Buch geschrieben hat. Sie nannte das Thema und er begann sofort, über ein sehr wichtiges Buch zu reden, dass vor kurzem zu diesem Thema erschienen war, ohne sie zu Wort kommen zu lassen. Als es ihrer dabei sitzenden Freundin endlich gelang, damit zu ihm durchzudringen, dass er da über Ms Solnits Buch sprach (das er im übrigen nicht gelesen hatte), ließ ihn das zwar kurz stutzen, bremste ihn aber nicht im geringsten.
Ms Solnit hat es mit Humor genommen, und sie sagt auch, das sie nicht die Erfinderin des Wortes "mansplaining" ist, das ihr gerne zugeschrieben wird, und das genau dieses Verhalten beschreibt.

Die anderen Essays sind weniger im ironisch-amüsanten Ton, werden auch oft düster und philosophisch. Den über Virgina Woolf fand ich sogar recht anstrengend, aber das mag daran liegen, dass ich quasi nichts über Virgina Woolf weiß und mir darum der Diskurs über ihre Person nicht viel gab.

Es ist edukativ, es ist sachlich, es ist erschreckend und ein Aufruf zum Durchalten zugleich. Realistisch. Ja, das ist ein gutes Wort. Realistisch. Gut zu lesen, wenn auch sehr USA-zentriert.

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