Mar. 24th, 2025

blauerfalke: (reisen)
1. Früher hieß es mal Brustbeutel und war spießig. Heute heißt es passport pouch und ist total hip. Praktisch ist es nach wie vor.

2. Wenn jemand in einer Tube-Bahn einen Alarmknopf drückt, dann kann der Fahrer nicht sehen, in welchem Waggon das passiert und muss fragen. Könnte bei einem Notfall doch zu leichten Problemen führen, oder irre ich mich da?

3. Ich war insgesamt fünfmal im Theater. Viermal regnete es Konfetti, und weil das Konfetti jedes Mal eine andere Farbe/Form hatte, weiß ich auch, welcher Schnipsel aus welchem Theater stammt. In einem schneite es auch, aber der Schnee ist geschmolzen und war nicht zum Mitnehmen. (Und das fünfte hat gar nichts gestreut.)

4. Wenn man in den WB Studios die Deluxe Tour bucht, bekommt man sogar Einblicke in die Gänge hinter den Kulissen, weil sie einen da an den Einführungs-Videos vorbeischleusen. Und bei allem anderen wird man sofort an den Warteschlangen vorbeigeleitet, sobald einer das Umhängedingens sieht. Beeindruckend gut organisiert.
Und das Frühstück war auch lecker.

5. Es gibt alles mit Butterbeer-Geschmack. Eis, Slushies, Donuts, Pancakes, Blondies, Scones...

6. Neben der bekannten London Underground Map gibt es noch eine weitere, total unbekannte London Overground Map. Die Linien darauf heißen Lioness, Mildmay, Windrush, Weaver, Suffragette und Liberty. Keinen der Namen habe ich jemals gehört - aber mit der Lioness bin ich vor Jahren tatsächlich schonmal gefahren. Wahrscheinlich hieß sie da noch Euston to Watford Junction...

7. Es ist mir nicht gelungen, auf die Aussichtsplattform der Tate Modern zu kommen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die nur über die Members' Bar erreichbar ist (keine Ahnung, ob das stimmt), aber in anderen Stockwerken gibt's zumindest Fenster mit toller Aussicht auf die Themse.
Ich hab kein Stück Kunst gesehen, aber das Gebäude an sich ist sehr beeindruckend.

8. An Heathrow Terminal 5 waren alle Wasserspender kaputt. Also habe ich mir eine Flasche Wasser gekauft, der Marke "Brecon Carreg". Walisisches Wasser aus Bannau Brycheiniog. (carreg heißt Stein) Dass keine walisische Firma dahintersteht, sieht man daran, dass es falschrum beschriftet ist: Wenn man "Brecon Stein" ausdrücken will, dann müsste es "Carreg Brecon" heißen.

9. Auf der Zugstecke Marylebone (das sich übrigens MER-le-bon spricht, nicht Mary-Le-Bone) nach Oxfort gibt es eine einzige Station, die mehrsprachig angekündigt wird. Dabei handelt es sich um Bicester (spricht sich BI-ster). Die haben laut eben dieser Durchsage ein Einkaufzentrum. Kann aber auch sein, dass der Grund für die Mehrsprachigkeit der British Army-Stützpunkt in der Nähe ist.

10. Ich war das erste Mal im Gillian Lynne-Theater. Nicht das erste Mal im Gebäude, wohlgemerkt. Früher hieß es New London Theatre, und da war ich mehrfach drin. (Gillian Lynne war eine Choreographin, unter anderem von "Cats", dessen Heim das New London für mehr als 20 Jahre war, und ist die erste Frau, nach der ein West End Theatre benannt wurde.)
blauerfalke: (erzählen)
The Other Palace: "The Lightning Thief"

Da war ich noch nie. Das Other Palace ist auch noch nicht so alt (2012), und es ist ein eher kleines Theater. Es hat einen beeindruckend steilen Zuschauerraum im Form eines Halbrunds, also das klassische Amphitheater, so dass die Sicht von überall her toll sein sollte. Es ist ein bisschen ab vom Schuß, off-West End, bei Victoria Station, und heutzutage umgeben von sehr modernen, sehr neuen Glas-und-Beton-Komplexen, da die Gegend in den letzten Jahren quasi neu aufgebaut wurde. (und es ist nicht zu verwechseln mit dem Victoria Palace Theatre oder dem Palace Theatre - darum "OTHER" Palace)

"The Lightning Thief" folgt der Handlung von Buch 1 der Percy Jackson-Reihe von Rick Riordan. Die Cast war größtenteils entsprechend jung, sehr dynamisch und vor allem mit Begeisterung bei der Sache. Die meisten Lieder haben Drive und sorgen für ein hohes Grundtempo, das die Show auch braucht, um die ganze Handlung unterzubringen. Die erste Hälfte funktioniert besser als die zweite, da sie die Episoden der Reise durch die USA nur grob anreißen können, was zu einer gewissen Oberflächlichkeit führt. Großartige Choreographien, mit Elan getanzt, gesungen wurde auch ausgezeichnet. Der Minotaurus wurde toll gelöst, sah sehr beeindruckend aus, dafür wäre bei Grovers Ziegenbeinen weniger deutlich mehr gewesen. So sah er ein bisschen aus wie ein Football-Maskottchen, das die obere Hälfte vergessen hat. Auch Chirons untere/hintere Hälfte sah ein bisschen misslungen aus.
Die Show schafft die Balance zwischen ernsthaft den Stoff vorbringen und mit einem Augenzwinkern spielen, was sehr gut funktioniert. Respekt für die Charaktere und die Story, ohne dabei den Humor zu verlieren. Gutes Allround-Bühnenbild mit einem gewissen Steampunk-Flair, das mit einer Handvoll Versatzstücke und Requisiten gut funktionierte - allerdings musste man in Reihe 1, Mitte, doch ein paarmal Angst haben, versehentlich von einem Schwert erwischt zu werden. Das ist zum Glück nicht passiert, dafür bekommt mehrfach man die volle Ladung aus den Nebeldüsen und auch den Schnee in Mengen ab.

Sehr spaßig, sehr unterhaltsamer Abend. Das ideale Stück für jede Musical-AG, das wird sich da sicher lange halten.


Vaudeville Theatre: "Six The Musical"

Ich war schonmal im Vaudeville, und wäre ich mir da nicht so sicher, dass es das war und wo es war, ich würde es bezweifeln. Nichts an diesem Theater sieht so aus, wie ich mich an es erinnere, und die Veränderung ist deutlich positiv. Höher, breiter, heller, deutlich restauriert... ist schick geworden. Und es ist nicht so riesig und damit die ideale Heimat für eine Show, die nur sechs Ladys auf der Bühne hat und eine vier-Frau-Band.

"Six" dreht sich um die sechs Frauen von Henry VIII., die jede ein Lied über ihr Verhältnis zu ihrem Ehemann singen dürfen, um dabei herauszufinden, welche von ihnen es am schlimmsten hatte, damit das Publikum abstimmen kann, wer diesen Preis gewinnt. Zum Gück kommt es dazu nicht, denn das Ganze ist natürlich nur ein Trick, damit wir alle darüber nachdenken, wie wir Geschichte betrachten. Sie sind Henrys sechs Ehefrauen - aber mal ehrlich, was genau ist der Grund, aus dem jeder Henry VIII. kennt? Dass er die Chruch of England gegründet hat? Dass er die Klöster aufgelöst hat? Irgendwelche politischen oder miltärische Erfolge? Nein. Weil er sechs Frauen hatte. Ohne diese Frauen...
Katharina von Aragon, Anne Boleyn, Jane Seymour, Anna von Kleve, Catherine Howard, Catherine Parr - divorced, beheaded, died, divorced, beheaded, survived

Die Show ist kurz, 90 Minuten ohne Pause, jede bekommt ihren Song, dazu noch einer am Anfang, einer am Ende, einer über Hans Hohlbein und dazwischen eine Mischung aus Zickenkrieg und Geschichtsstunde. Sehr bunt, sehr schrill, hat Power, Drive und fantastische Stimmen. Eine immer wieder großartige Schow. Und wer weiß schon wie die Frauen der anderen Henrys hießen?


Piccadilly Theatre: "Moulin Rouge"

Im Piccadilly war ich mal zu "Strictly Ballroom". Vor allem muss man da erstmal durch die Massen von Leuten auf Leicester Square und Piccadilly Circus hinlaufen. Dann biegt man am mehrstöckigen Lindt-Flagship-Store mit seiner langen Schlange vor dem Einlass rechts ab, schiebt sich an den Massen von Leuten vorbei, die mit einem Bier vor dem Devonshire-Pub stehen, und dann ist man da.

"Moulin Rouge" ist die Musical-Version des gleichnamigen Films und verwendet genau wie dieser eine Flut von bekannten Pop- und Rocksongs der letzten Jahrzehnte (wenn auch nicht immer genau die gleichen). Da der Film bereits als Musical konzipiert wurde, ist es keinerlei Problem, ihn auf eine Bühne zu übertragen. Die Kulissen haben das entsprechende Flair, die Szenen gehen leicht und fließend ineinander über, und dazwischen wird vor allem spekatulär getanzt. "Moulin Rouge" hat mit "Lady Marmalade/We Can Can Can" nicht nur die wahrscheinlich längste, sondern auch die wahrscheinlich beste Eröffnungsnummer aller Zeiten. Der Schauwert der Show ist enorm, es wird emotional gesungen und wie gesagt toll getanzt, dazu die vier Kardinalwerte Schönheit, Freiheit, Wahrheit und Liebe beschworen - zweieinhalb Stunden gute Unterhaltung garantiert, auch wenn ein paar der Gags eher flach sind. Funktioniert aber trotzdem einwandfrei und macht Spaß.

Größtes Problem ist eher die Weekend-Crowd. In Londons Theatern darf auch am Platz gegessen und vor allem getrunken werden, und das führt dann auch mal dazu, dass Leute meinen, mitsingen zu müssen. Oder versehentlich das Glas über dem Nachbarn auskippen.


The Menier Chocolate Factory: "Dracula - A Comedy of Terrors"

Die Chocolate Factory liegt auf der Südseite der Themse, in Southwark. Außerdem bauen sie grade, so dass das gesamte Theater eingerüstet ist und man durch den Bühneneingang reingehen muss - sie haben aber mehr als ausreichend Schilder, um den Weg zu weisen.
Auch sind sie recht klein. Studio-Bühne. Mit den fünf Darstellern des Stücks ist die Bühne schon voll. Vor Beginn spielen sie sehr laut Hip Hop in einer Sprache, die ich nicht verstehe, die aber osteuropäisch klingt. Warum auch immer. Die Kulisse besteht aus einer Holzvertäfelung mit vier Abgängen und einem Fenster (durch das auch fleißig ab- und aufgegangen wird). Das ist schön neutral und auch stimmungsvoll. Auch hier dauert das Stück etwa 90 Minuten und hat keine Pause. Und es wird mehrfach darauf hingewiesen, dass, wenn man das Theater währenddessen verlässt, man nicht wieder reingelassen wird.

Mit Bram Stokers "Dracula" hat das Ganze nur bedingt etwas zu tun - es ist eine klamaukige, schnelle Komödie, die eine Handvoll Grundthematiken des Romans durchexerziert (Dracula zieht von Rumänien nach England, tötet dabei die gesamte Schiffsbesatzung, greift Lucy und Mina an, wird von Van Helsing verfolgt und am Ende gepfählt), und ansonsten auf überzogene Charaktere, rasante Rollen- und Kostümwechsel, Situationskomik, Kalauer und sexuelle Anspielungen setzt. Der Vater von Lucy und Mina ist eine Frau und spielt auch Renfield, Mina und Van Helsing sind beide weiblich und werden von einem Mann gespielt, sie haben Charlie Stemp als germophoben Jonathan und vor allem haben sie James Daly als Dracula - der hat mit dem Buch quasi nichts gemeinsam, ist ein muskelgestählter, pansexueller Schönling, der halbnackt eine ebenso gute Figur macht wie in elegantem Gehrock, und der sein Cape dermaßen gut beherrscht, dass man sich schon fragt, wie das überhaupt noch möglich ist. Kurz, er ist die Hauptattraktion, trägt das ganze Stück über gut sitzende und gut aussehende Vampirzähne, mit denen er trotzdem problemlos artikuliert, und spielt sich durch eine überraschend weite Bandbreite vom Verführer über den rettungslos Verliebten, den leidenschaftlichen Hobbybäcker und den fassungslos Abgewiesenen bis hin zur zerissenen Seele. Er alleine ist das Stück wert, auch wenn auch der der Reste der Truppe seine Sache toll macht, sich mit Genuss in die Albernheiten hineinwirft und perfektes komödantisches Timing hat.
Kurz, man kriegt genau das, was man erwartet, und das in Top-Qualität. Man sollte aber am besten das Gehirn ausschalten. (Und dass Jonathan mit Lucy verlobt ist und nicht mit Mina verwirrt mich immer noch - warum sie das gemacht haben, keine Ahnung. Sie hätten die Schwestern auch andersrum benennen können und es hätte nichts am Stück geändert.)


Gillian Lynne Theatre: "My Neighbour Totoro"

Das Gillian Lynne hieß früher mal New London Theatre und ist das wahrscheinlich einzige Theater mit einer Rolltreppe vom Eingang zum Pausenfoyer. Von da aus muss man allerdings nochmal eine Treppe hochsteigen, um zum Eingang in den Bühnenram zu kommen. Bei den meisten Theatern geht man runter. Im Gillian Lynne geht man rauf. Und dann vielleicht im Bühnenraum wieder runter, je nachdem, wo man sitzt.

Wie zu erwarten ist "My Neighbour Totoro" die Bühnenversion des gleichnamigen Films von Ghibli. Es ist eine Produktion der Royal Shakespeare Company, die zum dritten Mal ins West End kommt, und diesmal in ein großes West End Theatre, so dass sie wahrscheinlich eine Weile bleiben wird - und das zu Recht. Es ist toll geworden. Es hat den Flair des Films, es bleibt seinen japanischen Wurzeln treu, es ist sehr poetisch und sehr glaubwürdig. Wie im Film passiert quasi nichts, und weil das Stück fast doppelt so lange dauert, passiert halt sehr viel länger quasi nichts, aber es wird trotzdem keine Sekunde langweilig. Einfach, weil der Schauwert so gewaltig ist, und weil es eben zur Geschichte dazugehört.

Wie im Film haben sie drei Totoros, und die sind natürlich das Wichtigste an der ganzen Bühne. Alle drei sind Puppen, zwei davon sind von einer Person bedienbar, der große braucht eine ganze Mannschaft, aber alle drei wirken lebensecht und sogar von den Bewegungsarten denen im Film ähnlich (ich bleibe dabei, der kleine weiße ist der Beste). Auch der Katzenbus ist großartig, die Russmännchen haben leider keine Augen und wirken dadurch spinnenartiger, aber dafür haben sie eine ganze Gruppe Hühner, die dem Nachbarsjungen gehören und eine sehr spaßige Szene haben.
Die Bühne besteht aus einem Wald mit Baumhäusern, in denen die Musiker sitzen, denn auch wenn "Totoro" ein Schauspiel ist, so wird doch gesungen. Nicht von den Charakteren auf der Bühne, aber von einer Sängerin, die den Abend mit dem Lied beginnt, mit dem auch der Film beginnt, die am Ende das Totoro-Lied singt und zwischendurch auch immer mal wieder, mal auf Englisch, mal auf Japanisch, um Szenen zu untermalen oder Umbauten zu begleiten. Auch die Charaktere sprechen hin und wieder mal ein paar Wörter Japanisch, ich glaube, das war auch in der englischen Tonspur des Films schon so... Also, es bleibt der Quelle sehr treu, es bringt viel Bühnenmagie mit, und auch die Kunst, eine Vier- und eine Zehnjährige als Hauptpersonen zu haben, sie vor Erwachsenen darstellen zu lassen und dass das dann nicht auffällt, ist nicht zu unterschätzen.

Sehr lohnend. Nicht nur wegen der Totoros.

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