blauerfalke: (erzählen)
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von Daniel Meyerson

Ausschnittsbiographie über Howard Carter und seinen Geldgeber Lord Carnarvon. Offensichtlich hat Howard Carter mal mit dem Gedanken gespielt, eine Autobiographie zu verfassen, die Idee dann aber wieder fallengelassen, denn aus dem unfertigen und unveröffentlichten Manuskript wird oft zitiert.

Die Zeitspanne umfasst Carters Leben von etwa einem Jahr bevor er als 17jähriger nach Ägypten kam, übrigens als Zeichner, bis zur Entdeckung des Grabes von Tutenchamun. Es gibt Ausblicke auf Dinge, die danach passiert sind, aber das Buch endet mit der Öffnung der inneren Kammer. Lord Carnarvon tritt ebenfalls mit seiner Ankunft in Ägypten auf den Plan, zusammen mit den Motiven, warum er dorthin gekommen ist. Seltsamerweise wird ihre Zusammenarbeit in weniger als 30 Seiten abgehandelt, man erfährt also nur Stichpunkte über ihre Grabungen im Tal der Könige. Das verwundert nicht weiter, denn der Autor ist sich offenbar sicher, dass Carter alles Wichtige bereits gelernt und zurechtgelegt hatte, bevor er Lord Carnarvon auch nur kennenlernte. Es klingt sogar an, dass er die ganze Zeit wusste, wo das Grab ist.

Wer viele Details über die Arbeit erwartet, wird enttäuscht werden. Das Buch beschäftigt sich vor allem mit dem Menschen Howard Carter, mit seinen Motivationen (man könnte sagen, seiner Besessenheit), seinen Fehlern, seinem Verhalten und seinem Talent. Wie gesagt, er kam als Zeichner nach Ägypten, nicht als Archäologe, und all seine Ausbildung fand sozusagen "on the job" statt. Er war auch nicht adelig. Ganz anders als all die anderen, die damals in Ägypten herumgruben, denn die waren alle Gentleman.
In diesem Sinne ist es also schon interessant, denn es erzählt viel über die damaligen politischen und sozialen Verhältnisse, und über darüber, wie man sich trotz aller Disziplin und Brillianz selbst im Weg stehen kann.

Natürlich geht das Buch am Ende auch auf den Fluch ein - an den Lord Carnarvon wohl geglaubt hätte, hätte er davon erfahren (da sein Tod die Theorie erst ausgelöst hat, hat er's wahrscheinlich nicht mitbekommen), und den Carter immer für Unsinn hielt. Mr. Meyerson hat ein sehr interessantes Argument dafür, warum ein solcher Fluch gar keinen Sinn machen würde: Die alten Pharaonen haben mit all ihren Statuen und Tempeln vor allem dafür gesorgt, dass ihre Namen erhalten bleiben, denn nichts wäre schlimmer für einen Pharao, als vergessen zu werden. Tutenchamun war ein unbedeutender Pharao, dessen Namen allenfalls eine Handvoll Gelehrter kannten. Dann fand Howard Carter sein Grab und seitdem ist sein Name sogar noch bekannter als der von Ramses dem Großen. Was hätte sich ein Pharao mehr wünschen können? Unsterblicher Ruhm, das ist doch kein Grund, jemanden zu verfluchen.

Ein wenig gestört hat mich das ständige Springen in den Zeitebenen. Ich bin schlecht darin, mir Daten genau zu merken, und zeitweilig wusste ich nicht, wo in Howard Carters Leben wir uns grade befinden, und ob der Moment ein Ausblick oder ein Rückblick ist oder gar die eigentliche Handlung. Da wäre mir eine deutlichere Chronologie lieber gewesen.
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