blauerfalke: (reisen)
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Trier liegt an der Mosel, in Rheinland-Pfalz. Mit knapp 115 000 ist es nach Mainz und Ludwigshafen am Rhein die drittgrößte Stadt des Bundeslandes. In Ludwigshafen war ich noch nie, und das hatte ich auch nicht auf dem Schirm, als es um die Frage ging, welche Städte denn in Rheinland-Pfalz auf den beiden ersten Plätzen liegen, also weiß ich nicht, wie es da aussieht. In Mainz war ich schon mal, wenn auch nur flüchtig, und das wirkt mit seinen 490 000 Einwohnern sehr viel großstädtischer als Trier, mit allen damit verbundenen Nachteilen.


Das nämlich erstmal: Trier ist hübsch. Trier hat seine berühmten Reste aus der Römerzeit, allem voran die Porta Nigra, die nur schwarz ist, weil sie so dreckig ist, eigentlich ist sie nämlich aus hellem Sandstein. Trier hat einen sehr hübschen mittelalterlichen Stadtkern, mit dem Marktplatz mit Brunnen und Marktkreuz als Prunkstück, an dem es Fachwerk ebenso gibt wie Jugendstil und Klassizismus. Trier ist im Krieg zu 50 % zerstört, aber historisch wieder aufgebaut worden, und da hat man sich Mühe gegeben. Der Domplatz ist ebenfalls sehr schön, auch der Palastgarten kann sich sehen lassen, und wenn es ein bisschen weiter rausgeht, überwiegt Jahrhundertwende deutlich den 70er-Jahre-Beton (auch wenn's denn natürlich auch gibt). Und, auch ganz wichtig, obwohl es eine Großstadt ist, wirkt Trier überschaubar. Ich denke, die Einwohnerzahl ergibt sich nur mit allen Eingemeindungen, und es liegt in einem Moselbogen, das hilft natürlich auch.

Auch ist Trier eine lebendige Stadt. Es hat eine Uni, aber auch wenn sie auf eine Gründung im Jahr 1473 (und eine Schließung durch Napoleon) zurückblicken kann, so ist sie in den 1970ern neu aufgebaut worden, und zwar als Campus außerhalb der eigentlichen Stadt. Das führt dazu, dass die Studenten zum Stadtbild in etwa das gleiche beitragen wie in anderen Städten mit Campus-Unis (wie zum Beispiel Düsseldorf), nämlich gar nichts. Trier ist also keine junge, lebendige Stadt. Eher eine lebendige, gemütliche Stadt. Auch die Touristen sind vornehmlich älterer Jahrgänge - wir waren aber trotzdem überrascht, wie viele Touristen das waren, wie viele Reisegruppen darunter waren, und wie viele Fremdsprachen man da so hört. Nicht nur Letzeburgisch - das ist auch kein Wunder, denn die Luxemburger Grenze ist grade mal 15 km weit entfernt. Die Trierer fahren nach Luxemburg, um dort Benzin, Zigaretten und Kaffee zu kaufen, dafür fahren die Luxemburger nach Trier, um Schuhe und Kleidung zu kaufen. Vorteil für alle. Am Beeindruckendsten daran zu sehen, dass es in der Trierer Innenstadt nur einen einzigen 1-Euro-Laden gibt. Und den passender Weise in dem Haus, in dem Karl Marx aufgewachsen ist.
Es gibt übrigens auch Massen von Eisdielen. In der Fußgängerzone gefühlt alle zehn Meter eine. Trier hat ein mildes Klima, im Tal zwischen Hunsrück und Eifel.

Trier ist auch interessant. Gegründet im Jahr 16 v. Chr. als Augusta Treverorum hat es seitdem ununterbrochen bestanden und entsprechend viel Geschichte und Geschichten zu bieten. Neben dem Wahrzeichen Porta Nigra kann man drei Thermenanlagen besichtigen und ein Amphitheater, von dem, was in diversen Museen zu finden ist, mal ganz zu schweigen. Trier ist einer der Orte, wo man besser keinen Spaten in den Boden steckt, weil man sonst garantiert was findet.
Wer mit Römern nichts anfangen kann, der kann auch zahlreiche Kirchen besichtigen, darunter den wirklich sehr beeindruckenden Dom, die Liebfrauenkirche oder die Konstantin-Basilika. Der Dom ist außen mehr romanisch und schafft das Kunststück, drinnen Romanik, Gotik und Barock zu einem zusammenpassenden Ensemble zu vereinen. Sie haben den Kreuzigungsrock Jesu als Hauptreliquie, die man natürlich außerhalb der entsprechenden Wallfahrt nicht sehen kann. Aber man kann in der Apsis bis vor die Kapelle, in der sie sie aufbewahren, und den Schrein sehen. Und nicht zu vergessen hat der Dom auch einen sehr schönen Kreuzgang.
Die Liebfrauenkirche ist frisch renoviert und alle ihre Deckenfresken strahlen wieder in den Farben des 13.Jahrhunderts. Die Glasfenster sind ebenso bunt, aber modern, was einen interessanten Kontrast ergibt.
Die Konstantin-Basilika ist ein weiterer römischer Monumentalbau, der Thronsaal von Kaiser Konstantin, ganz aus Backstein, in dem heute eine evangelische Kirche ist. Sehr groß, sehr hoch und sehr schlicht, da vollkommen undekoriert von innen. Aber sehr beeindruckend - auf eine andere Weise als der Dom. Interessanter Kontrast, auch in Bezug darauf, dass die eine Kirche ja katholisch und die andere evangelisch ist.
Wer es ruhiger mag, der sollte zum Matthias-Kloster im Westen der Stadt fahren. Da die Klosteranlage noch aktiv ist, kann man nur den Vorhof und die Kirche ansehen, aber das ist beides sehr schön und friedlich. Und sie haben immerhin den Kopf des Apostels Matthias - eigentlich erstaunlich, dass da nicht mehr los ist, das ist ja keine ganz unbedeutende Reliquie.

Sehr zu empfehlen ist auch der Ausblick von der Mariensäule über die Stadt. Man kann rauflaufen, aber das wird anstrengend. Wir sind gefahren, zum Glück recht früh am Tag, denn die Zahl der Parkplätze ist begrenzt und die Straße eng. Das sollte man nicht zur Haupttourismustageszeit machen.
Die Mariensäule hat übrigens einen beleuchtbaren Sternenkranz über dem Haupt der Marienfigur. Wenn man will, dann kann man das Beleuchten dieses Kranzes buchen. Sehr romantisch. "Schatz, heute leuchtet sie nur für dich" - das klingt jetzt ein bisschen spöttisch, aber im Grunde finde ich diese Idee wirklich schön. Sie ist lokal, sie hat was Besonderes, und man kann es dann von der ganzen Stadt aus sehen... das hat schon was.

Und wir haben die Mosel-Schifffahrt nachgeholt, die wir damals in Cochem nicht gemacht haben. Alles zu seiner Zeit.

Museum... ja... wir waren mit der öffentlichen Stadtführung in den Kaiserthermen (Es war die normale Stadtführung, keine ihrer zahlreichen Themenführungen, teils mit, teils ohne Kostüm, die aber sicher auch sehr interessant gewesen wären). Überhaupt war die ganze Stadtführung sehr interessant und kurzweilig und sehr gut gemacht. Unterhaltsam und humorvoll vorgetragen, und auch trotz viel los überall immer souverän. In den Thermen habe ich erwartungsgemäß nichts Neues gelernt, aber trotzdem war die Erklärung echt klasse, und in dem Gängegewirr geführt zu werden war praktisch. Die Kaiserthermen haben nämlich neben einer fast vollständigen Rückwand des Caledariums vor allem sehr gut erhaltene Untergänge. Sprich, den Bereich, wo die Sklaven daran arbeiteten, dass Wasser und Wärme immer zur Verfügung standen. Wenn man bedenkt, dass die meisten dieser Gänge aus dem 4.Jahrhundert stammen und noch immer standsicher sind, dann ist das auch noch auf eine ganz andere Art beeindruckend.

Auf einer anderen Ebene - Trier hat ein offenbar sehr gut funktionierendes ÖPNV-System. Es gibt Massen von Bussen und als Resultat davon Massen von Busspuren. Das macht das Fahren in der Stadt unter Umständen etwas verwirrend, weil man keine Ahnung mehr hat, welche Spur jetzt die eigene ist. Selbst in ruhigen Wohngebieten haben Straßen gerne mal drei Spuren...
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