nach Aberystwyth und zurück
Oct. 15th, 2017 07:03 pmIch sag es gleich, die Bahn hat wieder mit großem Abstand gewonnen. Mit sehr großem Abstand. Bei Pünktlichkeit und Service, also auf der ganzen Linie.
Zuerst bucht man sich einen Flug mittags von Köln nach London. Da kann man dann ganz gemütlich mit der S-Bahn zum Flughafen fahren und hat dann noch einen freien Nachmittag in der Stadt. Dass man nicht vorhatte, am selben Tag noch weiter zu fahren und sich stattdessen ein Hotel in London gebucht hat, erweist sich als die beste Idee überhaupt, denn der Flug verspätet sich um gute zwei Stunden. Da ist man dann so spät in London, dass es schon kaum noch reicht, in ein oder zwei Buchläden zu gehen, aber immerhin dazu, schonmal die Stecke vom Hotel zum Bahnhof für den nächsten Morgen auszukundschaften. Und natürlich, die Zugkarten aus dem Automaten zu holen.
Den Abend kann man dann in Ruhe im Hotel verbringen. Da hatte sich dann auch keine Lust mehr, mich auf die Suche nach einer Abendunterhaltung zu machen. Also habe ich mir eine BBC-Reisedoku angesehen und bin früh ins Bett gegangen.
Die S-Bahn hat buchstäblich 500 m vor Köln Flughafen im Tunnel angehalten. Es dauerte keine 30 Sekunden und wir wurden informiert, dass alles in Ordnung ist, dass nur das Gleis noch nicht frei ist, und dass es weitergeht, sobald der andere Zug da weg ist.
Der Flieger wurde von 13 Uhr 30 auf 14 Uhr 40 umgemeldet, und an der Zeit haben sie stur festgehalten auf allen Bildschirmen und Angaben, auch wenn sie erst deutlich nach 15 Uhr mit dem Boarden begonnen haben. Grund gab es wie immer erst im Flieger: Das Flugzeug kam verspätet in Mykonos los. Da sollten sie aber auch um 14 Uhr 40 schon wissen, dass es nicht in den nächsten Minuten da ist und könnten die Angaben mal korrigieren.
Am nächsten Morgen bin ich dann die 15 Minuten zum Bahnhof gelaufen – seltsamerweise habe ich für die gleiche Strecke in Gegenrichtung am Abend vorher 45 Minuten gebraucht, und so langsam bin ich da jetzt nicht gegangen, würde ich sagen – und mir da ein Frühstück gekauft. Und eine Zahnbürste, weil ich meine zuhause vergessen hatte. Euston ist ja groß und ausgestattet, da ist das kein Problem.
Zuerst fahre ich mit einem Schnellzug von Virgin Trains nach Birmingham International. Erster Vorteil: Da war ich schon mal. Ich kenne den Bahnhof, weiß, wie er aussieht, und dass die 20 Minuten für's Umsteigen kein Problem sind. Zweiter Vorteil: Virgin Trains vergibt Sitzplatzreservierungen mit Waggon und Nummer. Als sie 10 Minuten vor Abfahrt das Gleis angeben, setzt sich ein großer Pulk in Bewegung, aber weil nahezu jeder eine Reservierung zu haben scheint, verteilt es sich recht gut und das Einsteigen verläuft problemlos. Der Zug selbst fährt nach Edinburgh, wie eine begeisterte Computerstimme mehrfach verkündet, und auch wenn die Überkopf-Ablagen niedrig sind, bekomme ich meinen Koffer reingequetscht. Ich habe einen Platz an einem Tisch, das wundert mich, aber ich kann mich nicht erinnern, ob damals ich bei der Buchung näher nachgeforscht habe.
Der Zug fährt pünktlich und nach etwa anderthalb Stunden sind wir in Birmingham.
Dort steht der Zug von Arriva Trains schon im Gleis. Die Anzeige sagt, dass der vordere Teil nach Shrewsbury fährt, der mittlere nach Pwllheli und der hintere nach Aberystwyth. Nur – wo ist vorne? Arriva fährt mit Triebwagen, da gibt es keine erkennbare Lok. Ich erkundige mich bei Mitreisenden, die in etwa genauso ratlos sind wie ich, und setze mich dann in einen Waggon, den ich für den letzten halte. Als der Zug anfährt, stellt sich natürlich heraus, dass es der erste ist, also ziehe ich ans andere Ende des Zuges um. Unterwegs treffe ich einen netten Schaffner, der mir auch nochmal bestätigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Der Zug hat zu flache Überkopf-Ablagen für meinen Koffer, aber ich bekomme einen Platz direkt an einem Kofferregal und kann meinen Koffer damit gut im Auge behalten.
In Shrewsbury wechseln wir die Fahrtrichtung und verlieren den ehemals ersten Waggon. In Machynlleth – von dem ich jetzt auch eine Ahnung habe, wie man es ausspricht – verlieren wir den Waggon nach Pwllheli, und unserer fährt nach Aberystwyth weiter, wo er sogar überpünktlich ankommt.
Ich würde ja sagen, der Zug ist so ähnlich wie die Rurtalbahn, aber das geht vor allem darum, dass die Stecke einspurig ist und das der einzige Zug ist, der da fährt. An jedem Blümchen halten tut er nämlich nicht. Obwohl – mit Dovey Junction hat er wohl die einsamste Bahnhaltestelle Großbritanniens. Da ist nichts. Nur eine Plattformen, eine Anzeige und ein Schutzhäuschen. Angeblich gibt’s in der Nähe eine Straße, von der aus man zum Bahnhof laufen kann… ich glaub das ja jetzt so nicht…
Arriva Trains beweist übrigens noch einmal Service, als ich am nächsten Tag nach Harlech fahre. Ich bekomme einen Fahrplan ausgedruckt, auf dem alle Verbindungen des Tages nach Harlech und zurück stehen. Man sagt mir, dass ich in Dovey Junction umsteigen soll. Der Schaffner, der meine Fahrkarte kontrolliert, frag mich, wo ich hinwill, und weist mich darauf hin, dass ich in Dovey Junction umsteigen muss. Dort fragt er mich nochmal, ob ich alle Informationen für den Tag habe.
Im zweiten Zug fragt mich die Schaffnerin, wo ich hinwill, um festzustellen, ob das ein regulärer Halt ist oder ein Bedarfshalt. Harlech ist ein regulärer Halt, alles gut.
Auf der Rückfahrt muss ich in Machynlleth umsteigen, der Ort, wo sich der ankommende Zug nach Aberystwyth und Pwllheli trennt. Die englische Bahnhofsdurchsage ordnet die Waggons falsch zu (ich meine, die walisische wäre richtig gewesen, aber das kann ich nicht beschwören). Also steigen alle Leute falsch ein - aber bevor man eine Frage stellen kann, rufen schon diverse Zugangestellte "This coach for..." durch die einzelnen Waggons. Und bevor der vordere Teil nach Aberystwyth losfährt, verkündet nochmals eine Durchsage, dass dies der Waggon nach Aberystwyth ist, und das, wer nach Pwllheli will, den anderen nehmen soll.
Gut. Fahren wir jetzt zurück nach Hause. Arriva Trains fährt pünktlich und problemlos von Aberystwyth nach Birmingham New Street. Wieder keine Gepäckablage, in die mein Koffer passt, aber ein Kofferregal in Sichtweite.
Birmingham New Street verkündet das Gleis für meinen Virgin Trains Zug nach Euston ganze 45 Minuten vorher, und der Zug wird 30 Minuten vorher bereitgestellt. Das verwirrt mich total, denn das ist in Großbritannien alles andere als üblich, aber eine sehr freundliche Angestellte versichert mir auf Nachfrage, ja, das ist der Zug nach Euston.
Wir fahren pünktlich los und sind pünktlich da. Auch hier wieder das übliche Problem mit Kofferablage und Kofferregal. Aber sonst nichts zu beanstanden.
Eurowings soll um 19 Uhr 30 von Heathrow nach Düsseldorf fliegen. Schon um 18 Uhr 30 sagt die Anzeige, dass der Flieger sich auf 19 Uhr 50 verspätet. Auch an dieser Zeit halten sie fest, auch wenn wir um 19 Uhr 50 noch immer am Gate sitzen. Geboarded wird erst um deutlich nach 20 Uhr, und dann warten wir auch noch ewig im Flieger. Immerhin erfahren wir schon um 20 Uhr, dass das Flugzeug noch gar nicht gelandet ist. Auch hier hätte man die Uhrzeit dann doch mal korrigieren können, damit man weiß, woran man ist, oder?
Wir sind also erst um 23 Uhr in Düsseldorf. Unser Gepäckband sagt "Die Gepäckausgabe verzögert sich." Keine vermutete Wartezeit, keine Angabe von Gründen. Ich weiß, dass der letzte Zug um 00 Uhr 32 fährt... um 23 Uhr 50 setzt sich dann das Band in Bewegung. Keine Erklärung, keine Entschuldigung.
Ich muss nicht erwähnen, dass der RE pünktlich fährt, oder? Und dank seltsamer Verwicklungen mit dem Fahrkartenkauf habe ich auch drei sehr nette Mitreisende bis Köln-Ehrenfeld. Ist ja um die Uhrzeit auch nicht zu verachten, wenn man da nicht so ganz alleine rumsitzt... Überhaupt erstaunlich, wie viele Leute da um die Uhrzeit noch Zug fahren...
Für die letzte Etappe gönne ich mir ein Taxi. Dafür habe ich grade noch genug Geld in der Tasche.
Fliegen nervt.
Zuerst bucht man sich einen Flug mittags von Köln nach London. Da kann man dann ganz gemütlich mit der S-Bahn zum Flughafen fahren und hat dann noch einen freien Nachmittag in der Stadt. Dass man nicht vorhatte, am selben Tag noch weiter zu fahren und sich stattdessen ein Hotel in London gebucht hat, erweist sich als die beste Idee überhaupt, denn der Flug verspätet sich um gute zwei Stunden. Da ist man dann so spät in London, dass es schon kaum noch reicht, in ein oder zwei Buchläden zu gehen, aber immerhin dazu, schonmal die Stecke vom Hotel zum Bahnhof für den nächsten Morgen auszukundschaften. Und natürlich, die Zugkarten aus dem Automaten zu holen.
Den Abend kann man dann in Ruhe im Hotel verbringen. Da hatte sich dann auch keine Lust mehr, mich auf die Suche nach einer Abendunterhaltung zu machen. Also habe ich mir eine BBC-Reisedoku angesehen und bin früh ins Bett gegangen.
Die S-Bahn hat buchstäblich 500 m vor Köln Flughafen im Tunnel angehalten. Es dauerte keine 30 Sekunden und wir wurden informiert, dass alles in Ordnung ist, dass nur das Gleis noch nicht frei ist, und dass es weitergeht, sobald der andere Zug da weg ist.
Der Flieger wurde von 13 Uhr 30 auf 14 Uhr 40 umgemeldet, und an der Zeit haben sie stur festgehalten auf allen Bildschirmen und Angaben, auch wenn sie erst deutlich nach 15 Uhr mit dem Boarden begonnen haben. Grund gab es wie immer erst im Flieger: Das Flugzeug kam verspätet in Mykonos los. Da sollten sie aber auch um 14 Uhr 40 schon wissen, dass es nicht in den nächsten Minuten da ist und könnten die Angaben mal korrigieren.
Am nächsten Morgen bin ich dann die 15 Minuten zum Bahnhof gelaufen – seltsamerweise habe ich für die gleiche Strecke in Gegenrichtung am Abend vorher 45 Minuten gebraucht, und so langsam bin ich da jetzt nicht gegangen, würde ich sagen – und mir da ein Frühstück gekauft. Und eine Zahnbürste, weil ich meine zuhause vergessen hatte. Euston ist ja groß und ausgestattet, da ist das kein Problem.
Zuerst fahre ich mit einem Schnellzug von Virgin Trains nach Birmingham International. Erster Vorteil: Da war ich schon mal. Ich kenne den Bahnhof, weiß, wie er aussieht, und dass die 20 Minuten für's Umsteigen kein Problem sind. Zweiter Vorteil: Virgin Trains vergibt Sitzplatzreservierungen mit Waggon und Nummer. Als sie 10 Minuten vor Abfahrt das Gleis angeben, setzt sich ein großer Pulk in Bewegung, aber weil nahezu jeder eine Reservierung zu haben scheint, verteilt es sich recht gut und das Einsteigen verläuft problemlos. Der Zug selbst fährt nach Edinburgh, wie eine begeisterte Computerstimme mehrfach verkündet, und auch wenn die Überkopf-Ablagen niedrig sind, bekomme ich meinen Koffer reingequetscht. Ich habe einen Platz an einem Tisch, das wundert mich, aber ich kann mich nicht erinnern, ob damals ich bei der Buchung näher nachgeforscht habe.
Der Zug fährt pünktlich und nach etwa anderthalb Stunden sind wir in Birmingham.
Dort steht der Zug von Arriva Trains schon im Gleis. Die Anzeige sagt, dass der vordere Teil nach Shrewsbury fährt, der mittlere nach Pwllheli und der hintere nach Aberystwyth. Nur – wo ist vorne? Arriva fährt mit Triebwagen, da gibt es keine erkennbare Lok. Ich erkundige mich bei Mitreisenden, die in etwa genauso ratlos sind wie ich, und setze mich dann in einen Waggon, den ich für den letzten halte. Als der Zug anfährt, stellt sich natürlich heraus, dass es der erste ist, also ziehe ich ans andere Ende des Zuges um. Unterwegs treffe ich einen netten Schaffner, der mir auch nochmal bestätigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Der Zug hat zu flache Überkopf-Ablagen für meinen Koffer, aber ich bekomme einen Platz direkt an einem Kofferregal und kann meinen Koffer damit gut im Auge behalten.
In Shrewsbury wechseln wir die Fahrtrichtung und verlieren den ehemals ersten Waggon. In Machynlleth – von dem ich jetzt auch eine Ahnung habe, wie man es ausspricht – verlieren wir den Waggon nach Pwllheli, und unserer fährt nach Aberystwyth weiter, wo er sogar überpünktlich ankommt.
Ich würde ja sagen, der Zug ist so ähnlich wie die Rurtalbahn, aber das geht vor allem darum, dass die Stecke einspurig ist und das der einzige Zug ist, der da fährt. An jedem Blümchen halten tut er nämlich nicht. Obwohl – mit Dovey Junction hat er wohl die einsamste Bahnhaltestelle Großbritanniens. Da ist nichts. Nur eine Plattformen, eine Anzeige und ein Schutzhäuschen. Angeblich gibt’s in der Nähe eine Straße, von der aus man zum Bahnhof laufen kann… ich glaub das ja jetzt so nicht…
Arriva Trains beweist übrigens noch einmal Service, als ich am nächsten Tag nach Harlech fahre. Ich bekomme einen Fahrplan ausgedruckt, auf dem alle Verbindungen des Tages nach Harlech und zurück stehen. Man sagt mir, dass ich in Dovey Junction umsteigen soll. Der Schaffner, der meine Fahrkarte kontrolliert, frag mich, wo ich hinwill, und weist mich darauf hin, dass ich in Dovey Junction umsteigen muss. Dort fragt er mich nochmal, ob ich alle Informationen für den Tag habe.
Im zweiten Zug fragt mich die Schaffnerin, wo ich hinwill, um festzustellen, ob das ein regulärer Halt ist oder ein Bedarfshalt. Harlech ist ein regulärer Halt, alles gut.
Auf der Rückfahrt muss ich in Machynlleth umsteigen, der Ort, wo sich der ankommende Zug nach Aberystwyth und Pwllheli trennt. Die englische Bahnhofsdurchsage ordnet die Waggons falsch zu (ich meine, die walisische wäre richtig gewesen, aber das kann ich nicht beschwören). Also steigen alle Leute falsch ein - aber bevor man eine Frage stellen kann, rufen schon diverse Zugangestellte "This coach for..." durch die einzelnen Waggons. Und bevor der vordere Teil nach Aberystwyth losfährt, verkündet nochmals eine Durchsage, dass dies der Waggon nach Aberystwyth ist, und das, wer nach Pwllheli will, den anderen nehmen soll.
Gut. Fahren wir jetzt zurück nach Hause. Arriva Trains fährt pünktlich und problemlos von Aberystwyth nach Birmingham New Street. Wieder keine Gepäckablage, in die mein Koffer passt, aber ein Kofferregal in Sichtweite.
Birmingham New Street verkündet das Gleis für meinen Virgin Trains Zug nach Euston ganze 45 Minuten vorher, und der Zug wird 30 Minuten vorher bereitgestellt. Das verwirrt mich total, denn das ist in Großbritannien alles andere als üblich, aber eine sehr freundliche Angestellte versichert mir auf Nachfrage, ja, das ist der Zug nach Euston.
Wir fahren pünktlich los und sind pünktlich da. Auch hier wieder das übliche Problem mit Kofferablage und Kofferregal. Aber sonst nichts zu beanstanden.
Eurowings soll um 19 Uhr 30 von Heathrow nach Düsseldorf fliegen. Schon um 18 Uhr 30 sagt die Anzeige, dass der Flieger sich auf 19 Uhr 50 verspätet. Auch an dieser Zeit halten sie fest, auch wenn wir um 19 Uhr 50 noch immer am Gate sitzen. Geboarded wird erst um deutlich nach 20 Uhr, und dann warten wir auch noch ewig im Flieger. Immerhin erfahren wir schon um 20 Uhr, dass das Flugzeug noch gar nicht gelandet ist. Auch hier hätte man die Uhrzeit dann doch mal korrigieren können, damit man weiß, woran man ist, oder?
Wir sind also erst um 23 Uhr in Düsseldorf. Unser Gepäckband sagt "Die Gepäckausgabe verzögert sich." Keine vermutete Wartezeit, keine Angabe von Gründen. Ich weiß, dass der letzte Zug um 00 Uhr 32 fährt... um 23 Uhr 50 setzt sich dann das Band in Bewegung. Keine Erklärung, keine Entschuldigung.
Ich muss nicht erwähnen, dass der RE pünktlich fährt, oder? Und dank seltsamer Verwicklungen mit dem Fahrkartenkauf habe ich auch drei sehr nette Mitreisende bis Köln-Ehrenfeld. Ist ja um die Uhrzeit auch nicht zu verachten, wenn man da nicht so ganz alleine rumsitzt... Überhaupt erstaunlich, wie viele Leute da um die Uhrzeit noch Zug fahren...
Für die letzte Etappe gönne ich mir ein Taxi. Dafür habe ich grade noch genug Geld in der Tasche.
Fliegen nervt.