blauerfalke: (reisen)
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Speyer liegt in Rheinland-Pfalz und ist eine der ältesten Städte Deutschlands. Wie bei Trier liegt das daran, dass Speyer eine römische Gründung ist, es geht auf ein Militärlager aus der Zeit von 10 v.Christus zurück. Heute hat Speyer etwa 50 000 Einwohner, genau wie 2012, als ich schonmal da war und das auch schonmal gesagt habe. Darüber hinaus hat Speyer auch noch immer einen Dom, der noch immer die größte romanische Kirche der Welt ist und auch noch immer traumhaft schön. Diesmal waren wir in der Sonntagsmesse, die war auch wirklich toll. Mit Chor, der toll gesungen hat, und der schönen Erklärung, dass es wohl die letzte Messe dieses Jahres war, in der im Dom noch erträgliche Temperaturen herrschten, denn ab nächste Woche wird es richtig kalt. Ich gebe zu, ich hab jetzt schon gefröstelt... Aber das war's wert.

Speyer ist auch noch immer eine echt schöne Stadt. Lebendig und einfach schön. Auch wenn der Weihnachtsmarkt noch geschlossen war.


Nach der Messe und einem Mittagessen waren wir im Pfalzmuseum. Das ist nicht, wie ich meinte, es in Erinnerung zu haben, schräg gegenüber vom Dom, aber nur etwa 50 m weiter die Straße runter, also locker in Sichtweite. Sie haben eine Dauerausstellung, die sich mit Urgeschichte, Römerzeit und Wein beschäftigt und außerdem den Domschatz beinhaltet. Nichts davon haben wir gesehen, denn wir waren zur Sonderausstellung "Richard Löwenherz" da, und da braucht man gute zwei Stunden, um sie mit dem Audioguide komplett anzusehen, danach hatten wir keine Lust mehr auf was Anderes.

Die Ausstellung war sehr gut gemacht, aber ich muss zugeben, dass mein Wissen über Richard I. von England, genannt Löwenherz, doch sehr viel besser war, als ich erwartet hatte, denn viel Neues habe ich nicht gelernt. Trotzdem hatte sie natürlich sehr schöne Ausstellungsstücke, und sie haben sich große Mühe gegeben, die zeitlichen Umstände zu erklären und Richard in Bezug zu seinen Zeitgenossen zu setzen. Vor allem von Interesse ist da natürlich Philipp II. von Frankreich (der ein Kapetinger war... das klingt überhaupt nicht französisch im Gegensatz zu Plantagenet...). Aber auch Richards Mutter, die berühmte Eleonore von Aquitanien, ist eine interessante Persönlichkeit. Und nicht zu vergessen gab es da auch noch Herzog Leopold V. von Österreich, den Richard vor Akkon beleidigt hatte, und der ihn darum gefangensetzen ließ, als er vom Kreuzzug zurück nach England reiste. Sie hatten übrigens die brillante Idee, Richards Reisen auf einer animierten Karte zu zeigen und sie gleichzeitig von Richard auf seinem Twitter-Account kommentieren zu lassen. Das war spaßig, das hat den Vorteil, kurz und prägnant zu sein, und mit beidem zusammen behält man sogar erstaunlich viel davon. Die Idee sollten sie ausbauen. Ein Twitter-War zwischen Richard und Leopold, oder eine Twitter-Absprache zwischen John und Philipp hinter Richards Rücken... da hätte es Möglichkeiten gegeben.
Aber auch so haben sie sich Mühe gegeben, die Personen lebendig werden zu lassen, und das ist ihnen gut gelungen. Schön auch, dass sie einem zwei von den Liedern, die Richard geschrieben hat, sogar vorspielen. Sie sind natürlich auf französisch, denn Richard war Normanne und sprach kein Wort Englisch.

Eine Ausstellung über einen britischen König wäre nicht komplett, wenn man dabei nicht König Artus erwähnt. Zumal Richard behauptete, im Besitz von Excalibur zu sein. Mich persönlich würde ja interessieren, aus welchem See er es hatte, aber das haben sie uns leider nicht verraten... Dafür hatten sie einen hübschen Betonklotz mit einem Schwert drin, an dem man ziehen durfte. Fotografieren durfte man es leider nicht, aber in der Ecke war's auch sehr dunkel...
Das Museum bewarb dann auch passend sein nächstes Jahr stattfindendes Richard-Löwenherz-Krimi-Dinner mit dem Titel "Excalibur".

Das Ganze ist übrigens keine reisende Sonderausstellung, sondern eine eigenkuratierte Ausstellung, denn Speyer hat tatsächlich einen Bezug zu Richard Löwenherz: Hier hat Leopold den gefangenen Richard an Kaiser Heinrich VI. ausgeliefert, der dann nachher das horrende Lösegeld verlangt und auch bekommen hat. Gefangengehalten wurde Richard in dieser Zeit auf Burg Trifels, die etwa 50 km entfernt von Speyer liegt. Natürlich nicht im Kerker, sondern nett in entsprechenden Gemächern, und er durfte auch Boten und seinen Kanzler empfangen, also so etwas wie regieren.

Wie gesagt, eine sehr interessante, gut gemachte Ausstellung, die sich Mühe gibt, auf spannende Art Wissen zu vermitteln. Besonders lobend möchte ich erwähnen, dass sie bei den Kunstgegenständen die Verzierungen erfreulich detailliert erklärt haben, bis hin zu den dargestellten Szenen aus Heiligen-Viten, damit man weiß, um was es geht. Da verzeihe ich ihnen gerne den doch etwas oft wiederholten Hinweis, dass Limoges für seine Emaille-Arbeiten bekannt ist, und dass die charakteristischerweise blau sind.

Ich sollte nachsehen, wo Limoges liegt... Und die Abtei von Fontevraud, wo Richard (mit Ausnahme seines Herzen, das ist in der Kathedrale von Rouen) liegt, scheint auch echt sehenswert zu sein. Die liegt in der Nähe von Chinon, also könnte man da ja mal hinkommen.
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