Sherlock - The Abdominable Bride
Jan. 7th, 2018 03:54 pmSpecial zu BBCs populärer Fernsehserie
Immer, wenn ich lange nichts davon gesehen habe, denke ich, dass die Serie ja so gut eigentlich nicht sein kann. Schon gar nicht, weil sie immer so gehyped wird, denn was einen Hype auslöst, ist meistens weniger gut als sein Ruf, oder ich versteh die Begeisterung nicht... Aber dann gucke ich doch wieder was davon, und ja, sie ist so gut, wie ich sie in Erinnerung habe.
In diesem Fall ist es ein Special, das im Gegensatz zur Serie im Viktorianischen England spielt. Oder besser, sie tun so als ob, und nachher stellt sich heraus, dass das alles nur in Sherlocks Kopf stattfindet, während die "Echtzeit" nahtlos an das Ende von Staffel 3 anknüpft. Ich hatte im Vorfeld davon gelesen, fand die Idee blöd, aber am Ende funktionierte es doch ausgezeichnet. Es ist sogar so brilliant gedreht, dass man, wenn man will, sich selbst aussuchen kann, welche Zeitlinie jetzt die echte ist und was der Drogentraum.
Der aktuelle Fall geht um eine Frau, die erst diverse Leute erschießt, dann sich selbst und dann als Geist wiederzukommen scheint, der weitere Morde begeht. Mit anderen Worten, alle Klischees des viktorianischen Londons können voll ausgenutzt werden. Es nebelt, es ist düster, aus der "peasoup" schälen sich wahlweise Hansom Cabs oder mysteriöse Gestalten, die Farbpalette bleibt dunkel, es gibt ein schickes gotisches Herrenhaus (Tyntesfield - war ich schon, wenn auch nur in den Gärten und nicht drin), und die Macher gönnen sich den Spaß, ständig Verweise auf weitere Holmes-Fälle, Holmes-Klischees und Anspielungen darauf, dass die Berichte im Strand Magazine veröffentlicht werden und ganz London sie liest, anzubringen. Mrs. Hudson beschwert sich, dass sie in den Geschichten nie ein Wort sagen darf, Watson fordert von Holmes, den "bloody hat" zu tragen (den berühmten deerstalker, der für die unverwechselbare Silhouette sorgt), und Mycroft ist geradezu unglaublich fett. Auch auf der Ebene kann man also sehr viel Spaß damit haben.
Natürlich ist die gesamte Crew der Serie mit von der Partie, bis hin zu Molly (Louise Brealey), die, da es damals keine weiblichen Pathologen gab, sich als Mann ausgeben muss (Watson hat sie sofort durchschaut, Holmes nicht). Damit hat sie in ihrem drei Minuten Auftritt in diesem Special charaktertechnisch schon sehr viel mehr bekommen als in allen Staffeln vorher.
Auch Lestrade (Rupert Graves) darf mitmachen und gibt den ahnungslosen Polizeitrottel, der Mary Watson, als sie ihm sagt, dass sie Mitglied der Kampagne "Votes for Women" ist, fragt: "Are you for or against?" - irgendwie hat es schon Charme... zumindest mehr als in Staffel drei. Es bleibt menschlich.
Und natürlich gibt es auch wieder Moriatry zu sehen, dessen Nachricht auf allen Kanälen das Ende von Staffel 3 bildete. Andrew Scott macht wie immer einen brillanten Job zwischen Genie und Wahnsinn, alleine das hat sich also schon gelohnt.
Auch Benedict Cumberpatch als Sherlock liefert die gewohnt gute Vorstellung, und für alle Sherlock-Fans darf er tatsächlich "Elementary, my dear Watson." sagen, was eines von diesen Zitaten ist, die jeder kennt, die aber vollkommen falsch sind, denn der Satz fällt in keiner einzigen von Conan Doyles Geschichten. Um ehrlich zu sein, ich hatte es erwartet, dass da was was kommen musste, denn den ganzen Film über wird immer mal wieder darüber gestritten, wer was wie oft sagt und ob nun John das zuerst geschrieben hat und nur die entsprechende Geschichte zitiert wird... sehr spaßig.
Aber wie immer steht und fällt die Sache für mich mit meiner Lieblingsrolle, und das ist und bleibt John Watson (Martin Freeman, auch gewohnt klasse). Dem Setting geschuldet wieder mit einem albernen Schnurrbart, der aber diesmal ganz gut passt, und wie immer der loyale beste Freund, der durch nichts zu erschüttern ist, ohne dabei einfach nur Stichwortgeber zu sein oder der viel beschworene dumme Sidekick, der nur dazu da ist, Sherlock noch brillanter aussehen zu sehen. Ich habe mindesten fünf Zitate, die ich alle großartig finde, werde mich aber auf zwei beschränken, um es nicht vollkommen zu übertreiben.
Im Trailer hatten sie eine wunderbare Einstellung, in der er mit Sherlock streitet (Zitat ohne Anspruch auf wörtliche Exaktheit):
John: "... and we'll see which of us is the soldier and which the drug addict."
Sherlock: "You're a doctor."
John: "An army doctor. It means I can break every bone in your body while naming them."
Ich hatte nicht gedacht, dass sie in der Lage sein würden, das zu toppen. Waren sie aber. Sie machen nämlich genau das, was jeder Watson-Fan der Welt sich wahrscheinlich schon immer gewünscht hat (ich meine, irgendwer hätte sogar mal eine literatische Abhandlung darüber geschrieben... und irgendwer anders eine Kurzgeschichte): Am Reichbachfall, wenn Sherlock und Moriatry kämpfen und in Conan Doyles Roman gemeinsam in den Tod stürzen - was wäre gewesen, hätte John umgedreht? Hätte er Verdacht geschöpft, wäre zur Stelle gewesen, hätte eingegriffen... Wir kriegen den Wasserfall zu sehen und Sherlock und Moriatry, die erst zum philosophischen, dann zum handfesten Schlagabtausch greifen. Moriatry sagt etwas im Stil davon, dass sie gemeinsam hinunterstürzen werden, denn so war es immer und wird es immer sein, "at the end, it's always just you and me" - ein Räuspern aus dem off, Schwenk auf John, der seinen Revolver entsichert und Moriatry in aller Höflichkeit bittet, von Sherlock zurückzutreten.
John: "Professor, if you would mind stepping away from my friend. I do believe he finds your attention a shade annoying."
Moriatry: "That's not fair. There's two of you."
John: "There's always two of us. Don't you read The Strand?"
Um am Ende ist es John, der Moriarty den Wasserfall hinunterstößt.
Ich hab ja noch die ganze vierte Staffel hier liegen. Sollte ich wirklich mal gucken.
Immer, wenn ich lange nichts davon gesehen habe, denke ich, dass die Serie ja so gut eigentlich nicht sein kann. Schon gar nicht, weil sie immer so gehyped wird, denn was einen Hype auslöst, ist meistens weniger gut als sein Ruf, oder ich versteh die Begeisterung nicht... Aber dann gucke ich doch wieder was davon, und ja, sie ist so gut, wie ich sie in Erinnerung habe.
In diesem Fall ist es ein Special, das im Gegensatz zur Serie im Viktorianischen England spielt. Oder besser, sie tun so als ob, und nachher stellt sich heraus, dass das alles nur in Sherlocks Kopf stattfindet, während die "Echtzeit" nahtlos an das Ende von Staffel 3 anknüpft. Ich hatte im Vorfeld davon gelesen, fand die Idee blöd, aber am Ende funktionierte es doch ausgezeichnet. Es ist sogar so brilliant gedreht, dass man, wenn man will, sich selbst aussuchen kann, welche Zeitlinie jetzt die echte ist und was der Drogentraum.
Der aktuelle Fall geht um eine Frau, die erst diverse Leute erschießt, dann sich selbst und dann als Geist wiederzukommen scheint, der weitere Morde begeht. Mit anderen Worten, alle Klischees des viktorianischen Londons können voll ausgenutzt werden. Es nebelt, es ist düster, aus der "peasoup" schälen sich wahlweise Hansom Cabs oder mysteriöse Gestalten, die Farbpalette bleibt dunkel, es gibt ein schickes gotisches Herrenhaus (Tyntesfield - war ich schon, wenn auch nur in den Gärten und nicht drin), und die Macher gönnen sich den Spaß, ständig Verweise auf weitere Holmes-Fälle, Holmes-Klischees und Anspielungen darauf, dass die Berichte im Strand Magazine veröffentlicht werden und ganz London sie liest, anzubringen. Mrs. Hudson beschwert sich, dass sie in den Geschichten nie ein Wort sagen darf, Watson fordert von Holmes, den "bloody hat" zu tragen (den berühmten deerstalker, der für die unverwechselbare Silhouette sorgt), und Mycroft ist geradezu unglaublich fett. Auch auf der Ebene kann man also sehr viel Spaß damit haben.
Natürlich ist die gesamte Crew der Serie mit von der Partie, bis hin zu Molly (Louise Brealey), die, da es damals keine weiblichen Pathologen gab, sich als Mann ausgeben muss (Watson hat sie sofort durchschaut, Holmes nicht). Damit hat sie in ihrem drei Minuten Auftritt in diesem Special charaktertechnisch schon sehr viel mehr bekommen als in allen Staffeln vorher.
Auch Lestrade (Rupert Graves) darf mitmachen und gibt den ahnungslosen Polizeitrottel, der Mary Watson, als sie ihm sagt, dass sie Mitglied der Kampagne "Votes for Women" ist, fragt: "Are you for or against?" - irgendwie hat es schon Charme... zumindest mehr als in Staffel drei. Es bleibt menschlich.
Und natürlich gibt es auch wieder Moriatry zu sehen, dessen Nachricht auf allen Kanälen das Ende von Staffel 3 bildete. Andrew Scott macht wie immer einen brillanten Job zwischen Genie und Wahnsinn, alleine das hat sich also schon gelohnt.
Auch Benedict Cumberpatch als Sherlock liefert die gewohnt gute Vorstellung, und für alle Sherlock-Fans darf er tatsächlich "Elementary, my dear Watson." sagen, was eines von diesen Zitaten ist, die jeder kennt, die aber vollkommen falsch sind, denn der Satz fällt in keiner einzigen von Conan Doyles Geschichten. Um ehrlich zu sein, ich hatte es erwartet, dass da was was kommen musste, denn den ganzen Film über wird immer mal wieder darüber gestritten, wer was wie oft sagt und ob nun John das zuerst geschrieben hat und nur die entsprechende Geschichte zitiert wird... sehr spaßig.
Aber wie immer steht und fällt die Sache für mich mit meiner Lieblingsrolle, und das ist und bleibt John Watson (Martin Freeman, auch gewohnt klasse). Dem Setting geschuldet wieder mit einem albernen Schnurrbart, der aber diesmal ganz gut passt, und wie immer der loyale beste Freund, der durch nichts zu erschüttern ist, ohne dabei einfach nur Stichwortgeber zu sein oder der viel beschworene dumme Sidekick, der nur dazu da ist, Sherlock noch brillanter aussehen zu sehen. Ich habe mindesten fünf Zitate, die ich alle großartig finde, werde mich aber auf zwei beschränken, um es nicht vollkommen zu übertreiben.
Im Trailer hatten sie eine wunderbare Einstellung, in der er mit Sherlock streitet (Zitat ohne Anspruch auf wörtliche Exaktheit):
John: "... and we'll see which of us is the soldier and which the drug addict."
Sherlock: "You're a doctor."
John: "An army doctor. It means I can break every bone in your body while naming them."
Ich hatte nicht gedacht, dass sie in der Lage sein würden, das zu toppen. Waren sie aber. Sie machen nämlich genau das, was jeder Watson-Fan der Welt sich wahrscheinlich schon immer gewünscht hat (ich meine, irgendwer hätte sogar mal eine literatische Abhandlung darüber geschrieben... und irgendwer anders eine Kurzgeschichte): Am Reichbachfall, wenn Sherlock und Moriatry kämpfen und in Conan Doyles Roman gemeinsam in den Tod stürzen - was wäre gewesen, hätte John umgedreht? Hätte er Verdacht geschöpft, wäre zur Stelle gewesen, hätte eingegriffen... Wir kriegen den Wasserfall zu sehen und Sherlock und Moriatry, die erst zum philosophischen, dann zum handfesten Schlagabtausch greifen. Moriatry sagt etwas im Stil davon, dass sie gemeinsam hinunterstürzen werden, denn so war es immer und wird es immer sein, "at the end, it's always just you and me" - ein Räuspern aus dem off, Schwenk auf John, der seinen Revolver entsichert und Moriatry in aller Höflichkeit bittet, von Sherlock zurückzutreten.
John: "Professor, if you would mind stepping away from my friend. I do believe he finds your attention a shade annoying."
Moriatry: "That's not fair. There's two of you."
John: "There's always two of us. Don't you read The Strand?"
Um am Ende ist es John, der Moriarty den Wasserfall hinunterstößt.
Ich hab ja noch die ganze vierte Staffel hier liegen. Sollte ich wirklich mal gucken.