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BCC Serie


Wir erinnern uns, am Ende von Staffel 3 hat Sherlock jemanden erschossen, um Johns Frau Mary zu schützen und weil der unter dem Schutz von Mycroft stand, wurde Sherlock ins Exil verbannt, was aber nur vier Minuten gedauert hat, weil Moriatry (der ja auch tot sein sollte) seltsame Videobotschaften mit dem Text "Miss me?" sendet.

Der größte Schock im Fandom war, dass Mary direkt in Folge 1 erschossen wird. Für mich wars keine Überraschung, dass sie stirbt, denn auch Conan Doyle hat ziemlich schnell gemerkt, dass eine blöde Idee ist, John zu verheiraten, weshalb er dann auch umgehend Witwer wird oder die Geschichten vor seiner Ehe spielen. Eine Ehefrau ist der Interaktion zwischen John und Sherlock im Weg, und auch diese Serie ist keine Ausnahme.
Keine Frage, Mary ist ein gut geschriebener, interessanter Charakter. Sie ist intelligent, schlagfertig, emphatisch, furchtlos und hat einfach Präsenz. Und sie behandelt John in etwa genauso, wie Sherlock ihn behandelt, und das ist einfach zuviel des Guten. Das Freundschafts-Dreieck funktioniert auf einer "zwei, die wissen, um was es geht und einer, den sie mit Absicht im Dunkeln lassen und sich drüber lustig machen"-Basis - und leider (oder Gott sei Dank) hat die BBC John über drei Staffeln zu gut aufgebaut, als das das nicht den Tenor der ganzen Serie sofort beeinträchtigen würde. Mary musste also weg. Das machen sie, indem sie für Sherlock die sprichwörtliche Kugel auffängt und in Johns Armen stirbt.

Jetzt geben beide Sherlock die Schuld am Tod von Mary - er hat ja in Staffel 3 versprochen, sie zu beschützen, und falls wir das vergessen haben, wiederholen diverse Leute das auch in Staffel 4 ca. alle 10 Minuten. Das heißt, John und Sherlock sprechen nicht mehr miteinander. Am Ende hat sich doch noch was gefunden, was John gebrochen hat... Aber Mary hat das vorausgesehen, und darum hat sie Sherlock vorsorglich eine DVD aufgenommen, mit Instruktionen, was er tun soll, um John zu retten. Was Sherlock dann natürlich auch tut. Das ist dann Folge 2.
Mich stört, dass sie es präsentieren, als sei es tatsächlich diese DVD, die die ganze Sache wieder ins Lot bringt. Okay, Sherlock zu sagen, was er machen soll, macht vielleicht noch Sinn, wenn man bei der Prämisse bleibt, dass der Mann brillant ist aber zwischenmenschlich eine Niete - leider wenden sie die halbe Staffel dafür auf, dieses Bild kaputtzumachen, darum wirkt es nicht mehr so ganz glaubwürdig (Was ich übrigens auch schon wieder zuviel fand. Da wäre weniger mehr gewesen.). Dass aber auch erst John die DVD sehen muss, damit ihm klar wird, auf was das Ganze hinausläuft, fand ich übertrieben. Immerhin halluziniert er die gesamte Folge ununterbrochen von seiner toten Frau, die ihm sagt, was er tun soll, mit anderen Worten, er weiß genau, was abläuft, und er weiß genau, was er eigentlich tun sollte. Dass er schon lange verziehen hat und weiter an der Freundschaft festhalten wird - für die Zuschauer, die das vielleicht sonst nicht verstehen, sagt Mary ihm auch noch mehrfach, dass sie nur in seinem Kopf existiert und darum nur seine eigenen Gedanken repräsentiert. Es ist also vollkommener Blödsinn, dass er sich von ihr auf einem Bildschirm anhören muss, wie sie Sherlock befiehlt, sich zugrunde zu richten, damit John ihn - und damit auch sich selbst - retten kann. Jemand wie John sieht sich nicht mit an, wie ein Freund sich mit Drogen zugrunde richtet, genau wie Mary gesagt hat. Aber sie braucht es nicht ihm zu sagen. Es wäre sehr viel stärker und besser für den Charakter gewesen, hätten sie sich das gespart. Gerechter. John ist so. Er ist stärker als das.
Warum sie ihm auch noch eine SMS-Affäre mit einer Frau anhängen mussten, die er im Bus getroffen hat... vielleicht, um zu zeigen, wie sehr sich sowohl Mary als auch Sherlock durch ihre Freundschaft von John entfernen, und dass er sich darum übergangen und einsam fühlt... Damit könnte ich leben. Das ist seine Art. Sich zurückzuziehen, weil er merkt, dass er nicht mehr gebraucht wird.
Wobei ich zugeben muss, dass ich vermute, dass Sherlocks Begeisterung für Mary doch am ehesten von "das ist die Frau, die John liebt, darum muss sie etwas Besonderes sein"-Art ist. John ist von ihr begeistert und das adelt sie.

Am Ende von Folge 2 haben sie sich also irgendwie wieder zusammengerauft, also hatte ich gehofft, dass wir dann in Folge 3 wieder was Klassisches mit Klient und Fall machen könnten. Stattdessen präsentieren sie uns eine verworrene Spielerei mit Sherlocks und Mycrofts Schwester, die noch begabter ist als die beiden Brüder zusammen, aber gar keine menschlichen Gefühle mehr hat, und darum in einer Hochsicherheits-Anstalt einsitzt. Seltsamerweise hat Sherlock gar keine Ahnung, dass er eine Schwester hat - ich bin sicher, dass die schonmal erwähnt wurde. Dass Mycroft irgendwann man gesagt hat, dass Sherlock immer der Dumme in der Familie war, und dass er für ihn und besagte Schwester schon unterbelichtet war, wie sollen sie dann mit anderen Menschen umgehen... irgendwie sowas. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Wie auch immer, ich war von ihrer Existenz nicht überrascht.

Also, besagte Schwester spielt jetzt ein seit Jahren vorbereitetes Spiel, in dem mehr Einspieler von Moriatry vorkommen und Leute sinnlos umgebracht werden. Warum? Weiß keiner. Am Ende stellt sich heraus, dass sie als kleines Mädchen aus Eifersucht Sherlocks besten Freund ertränkt hat und jetzt das Gleiche mit John vorhat, aber da Sherlock diesmal das Motiv versteht, kann er sie überzeugen, das nicht zu tun. Okay. Auch ein bisschen an den Haaren herbeigezogen... Kurz, die ganze Folge ist irgendwie ein halbgares Chaos, das viel zu viele Hinweise und Geheimnisse enthält, die sie weder erklären noch aufklären, so dass man die Motive nicht versteht, am Ende nicht klüger ist als vorher und sich vor allem fragt, was das eigentlich sollte. Zu guter Letzt gibt es noch eine Art Einspieler, in dem John und Sherlock Baker Street 221B, das eine Bombe zerlegt hat, wieder einrichten, zusammen mit optischen Verweisen auf weitere Fälle, während Marys Stimme aus dem off dazu die Legende von Holmes und Watson beschwört. Das ist nett, aber doch ziemlich pathetisch.

Fazit: Sie haben sich übernommen. Zuviel "tell", zu wenig "show". Zu wenig Respekt für ihre Charaktere. Es wäre gut, jetzt aufzuhören, oder sich für die nächste Staffel wieder auf alte Stärken zu beschränken. Mehr Krimiserie, weniger Psychodrama.
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