blauerfalke: (erzählen)
[personal profile] blauerfalke
von Cris F. Oliver

Der Untertitel ist "Von Wunderland bis Mittelerde" - ich schätze, die Autorin hat die beiden bekanntesten Länder gewählt, damit das Publikum sich klar darüber ist, was das Buch beinhaltet. Zumindest, um welche Orte es gehen wird.

Denn das Buch ist kein Atlas.


Es kommt vielmehr als eine Art Reiseführer daher, der einem erzählt, wie man in das beschriebene Land kommt, was einen dort erwartet und manchmal auch, was man dort tun kann. Sprich, sie erzählt die Handlung des entsprechenden Buches nach. Am Ende jeden Kapitels gibt es noch eine kleine Liste zusätzlicher Fakten aus und über das Universum, die mal mehr, mal weniger Sinn machen.

Im Grunde ist es kein schlechtes Konzept, aber leider ist es nicht gut umgesetzt. Am besten gelungen ist das Kapitel über das Wunderland, was daran liegt, dass die beiden Alice-Bücher keine echte Handlung haben, und es darum nichts macht, wenn man einfach nur einen Haufen Dinge aus dem Buch aufzählt, die jeder, der es kennt, sofort wiedererkennt. Auch macht es sich für die Reiseführer-Idee gut, wenn einem geraten wird, Krocket zu spielen - leider rät die Autorin, mit den Flamingos und Igeln Kricket zu spielen, und das ist nun mal nicht ganz dasselbe. Auch hängt der Spiegel, durch den Alice im zweiten Band ins Wunderland reist, nicht in einem Schornstein, sondern über einem Kamin. Da das Buch aus dem Spanischen übersetzt wurde, weiß ich leider nicht, ob die Fehler der Autorin anzukreiden sind oder der Übersetzung.
Auch habe ich "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" nicht gelesen, würde mich aber wundern, wenn Jules Verne tatsächlich behauptet hätte, dass Arne Saknussemm im 16.Jarhundert gelebt hat, aber sein Werk in einer Handschrift aus dem 12.Jahrhundert überlebt hat. ([personal profile] rabensturm, kannst du da helfen?)
Meines Wissens ist auch das Pferd aus Pippi Langstrumpf nicht namenlos, sondern heißt Kleiner Onkel, wobei ich aber nicht beschwören kann, dass das aus den Büchern stammt. Die habe ich zwar gelesen, kann mich da aber doch mehr an die Fernsehserie erinnern.
Und Oz liegt nicht in einem abgeschiedenen Teil des Universums, da man es per Schiff von Australien aus erreichen kann, und Camp Halfblood hat nicht sein eigenes Labyrinth.

Persönlich am schlechtesten finde ich die Kapitel zu "Die Unendliche Geschichte" - wenn ich dem Reisenden schon nahelege, die Route von Atréju nachzuvollziehen, dann kann ich ihn nicht gleichzeitig als Retter Phanthasiens anheuern, und dann auch noch, ohne zu erwähnen, worin die Rettung eigentlich besteht. Nicht zu vergessen, macht es auch keinen Sinn, das Südliche Orakel erst nach dem Retten der Kindlichen Kaiserin zu besuchen. - und das Kapitel über Camelot. Es wird eine Version der Artussage als Bezug angegeben, und ich bin wirklich versucht, die zu lesen, um herauszufinden, ob all diese Informationen da wirklich drin stehen. Mir zumindest war neu, dass Artus in Avalon erzogen wurde und sich nach seiner Krönung mit seinen Rittern auf die Suche nach Excalibur machte.

Dazu kommt ein Stil, den ich eher schwer zu ertragen finde, da er extrem viele rhetorische Fragen beinhaltet. Dem begrenzten Platz geschuldet - 29 Welten auf 127 Seiten - sind die Informationen ohnehin spärlich, oft zusammenhanglos, und beinhalten zu viele Verweise, die niemand versteht, der die betreffende Welt nicht kennt. Darum frage ich mich ein bisschen, für welche Zielgruppe ein Buch dieser Art gedacht ist. Habe ich all diese Bücher gelesen, brauche ich die Texte nicht und ärgere ich mich über die Fehler. Habe ich die Bücher nicht gelesen, verstehe ich die Texte weder, noch machen sie neugierig darauf, das beschriebene Werk zu lesen.

Vielleicht ist es als Artbook gedacht, denn jede Welt hat eine ganzseitige Illustration von Julio Fuentes, die eine Landkarte oder doch wenigstens eine graphische Darstellung der Welt beinhaltet. Alle Illustrationen sind in blau und rot und sehen für mich als Laien nach moderner Druckgraphik aus. Sie haben durchaus Schauwert und sind für sich genommen interessant - aber ich fürchte, ich kann den Kunstwert nicht ausreichend würdigen. Ich rechne dem Künstler an, dass er Camelot in Wales verortet, aber dass er Caerleon in etwa dort einzeichnet, wo Caernarvon liegt, also im Nordwesten statt Südosten, stört mich schon wieder.
Aber wie gesagt, von Kunst habe ich so gar keine Ahnung.

Es ist also schwierig für mich, eine Empfehlung auszusprechen. Persönlich fand ich es anstrengend, schlecht recherchiert und irgendwie sinnlos. Von Tonfall her drängt sich ein Vergleich mit Diana Wynne Jones' "A Tough Guide to Fantasy Land" auf, ohne dessen Klasse oder Schärfe zu erreichen, und auch den fand ich schon anstrengend.
Wahrscheinlich ist sowas einfach nicht meine Art von Buch.
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