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Das Rautenstrauch Joest Museum in Köln ist ein Völkerkundemuseum. Ich war auch 2017 schonmal da.

Diesmal waren wir in der Sonderausstellung "geschenkt! Die Gabe der Diplomatie". Das Museum zeigt hier Gegenstände aus seinem Magazin, die noch nie in der Sammlung zu sehen waren (mit einer Ausnahme) und die sich dadurch auszeichnen, dass sie in Ende der 1970er/Anfang der 1980er von außereuropäischen Staatsoberhäuptern den Bundespräsidenten Walter Scheel und Karl Carstens geschenkt wurden (ein Exponat wurde auch Frau Scheel geschenkt).

Zunächst mal hatte das Museum die interessante Idee, keine eigenen Räumlichkeiten für diese Sonderausstellung zur Verfügung zu stellen, sondern sie in die Dauerausstellung zu integrieren, und zwar thematisch. Das Miniatur-Gamelan-Orchester steht direkt neben dem originalen, das das Museum ausstellt, so dass man es vergleichen kann. Die Ritualmasken hängen zwischen den anderen, so dass Designs und Machart verglichen werden können, und im Bereich Kleidung gibt es eine Fotostrecke, auf der die offiziellen Bilder diverser Staatsbesuche zu sehen sind, mit den Bundespräsidenten, den Gastgebern und den jeweiligen Ehefrauen, so dass man deutlich erkennen kann, dass nichts dem Zufall überlassen wird. Selbst die Garderobe der Damen muss abgesprochen werden, damit alles Harmonie suggeriert und nichts aus dem Rahmen fällt.

Es ist ein bisschen ungewohnt, die Exponate inmitten der Dauerausstellung suchen zu müssen, aber im Grunde ist die Idee wirklich gut. Man kann die Vergleiche eben direkt ziehen, das setzt die Geschenke in einen Kontext und macht viele Dinge klarer. Zum besseren Erkennen hat das Museum die Exponate mit großen rosa Schleifen gekennzeichnet, und einen Flyer mit den genauen Ortsangaben gibt es auch.

Wir hatten eine Führung, darum stellten sich uns solche Probleme erst gar nicht. Natürlich können in einer Stunde nicht alle Exponate hinreichen erklärt werden, aber den Großteil haben sie reinbekommen. Man erfährt auch weniger über die Geschichte der einzelnen Exponate, aber dafür viel über die Absichten der Schenkenden und über die Arbeit eines Museums. So wird zum Beispiel im Bereich über Vorurteile ein Löwenfell ausgestellt, das genau dem Klischee des "wilden Afrika" entspricht. Bestien, Großwildjagd, Kolonialherrschaft... und daneben steht das, was die Bundesrepublik damals als Gegengabe mitgebracht hat: ein Grundig-Fernseher. Keine Ahnung, ob es damals in dem Land (leider habe ich vergessen, welches es war) überhaupt ein Fernsehprogramm gab, das man hätte empfangen können... Aber die BRD wollte halt betonen, wie fortschrittlich und technisiert sie war.
Interessant fand ich auch, dass ein wichtiger Grund dafür, dass genau diese Gegenstände normalerweise nicht gezeigt werden, ist, dass sie nicht gebraucht sind. Sie wurden als Geschenke angefertigt, für den Anlass und mit genau dieser Absicht, darum sind sie nicht authentisch. Sehr schön zu sehen an einer der beiden Masken, die nicht nur viel zu klein ist, sondern auch auf einem Holzbrett montiert. Nicht zum Anlegen gedacht.

Darum hat die sich Führung auf jeden Fall gelohnt, wenn auch ein bisschen auf eine andere Art und Weise, als ich es erwartet hatte. Ich weiß nicht, ob sie einen Audioguide zu der Ausstellung haben, aber falls nicht, entgehen einem ohne Führung doch viele interessante und besondere Details und Hintergrundinformationen.

Das Exponat, was früher schonmal gezeigt wurde, ist übrigens eine kunstvoll geschnitzte Sitzgruppe aus dem Togo, vier Stühle und ein Tisch. Die standen früher, vor dem Umzug des Museums, im Foyer, so dass die Besucher sie verwenden und sich setzen konnten. Nach dem Umzug hat man die Sitzgruppe ins Magazin geräumt, aus konservatorischen Gründen.
Die Gegengabe in diesem Fall: eine Grundig-Stereoanlage. Scheint, dass Grundig damals der Inbegriff deutlicher Ingenieurskunst war.
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