Eine Stadt und ein Museum: Herne
Nov. 23rd, 2019 10:46 amHerne liegt im östlichen Ruhrgebiet, ziemlich genau nördlich von Bochum. Es hat etwa 161 000 Einwohner und ist die zweitkleinste Großstadt Deutschlands. Seine Größe verdankt Herne vor allem zahlreichen Gebietsreformen und den damit verbundenen Eingemeindungen. So hat Herne zum Beispiel die Stadt Wanne-Eickel geschluckt, darum heißt es heute Herne-Eickel und Herne-Wanne, was einen immer wieder stutzen lässt, wenn man Sätze aus den alten Programmen diverser Ruhegebiets-Comedians noch im Ohr hat - "Da hatte ich einen Hals bis Wanne-Eickel." geht halt heute nicht mehr.
Wie jede Ruhrgebietsstadt hat Herne auch mal Schwerindustrie gehabt, in diesem Fall waren das Steinkohlezechen. Die gibt es nicht mehr, dafür hat Herne gleich zwei Autokennzeichen, HER und WAN. Damit kann man schöne Wörter wie Herz oder Wand bilden. Oder auch wahlweise die entsprechenden Stadtnamen, denn das ist ja auch immer nett.
Ansonsten habe ich von Herne nichts gesehen außer die knapp anderthalb Kilometer von der Autobahn-Ausfahrt bis zum Museum, das Parkhaus und den Museumsvorplatz samt kurzem Blick in die Fußgängerzone. All dass sieht überschaubar aus und erstaunlich offen für eine so dicht besiedelte Gegend. Es gab sogar unbebaute Freiflächen.
Das LWL-Landesmuseum für Archäologie in Herne gehört zu einer Reihe Westfälischer Landesmuseen, die vom Landesverband Westfalen Lippe (LWL) betrieben werden. Im Gegensatz zum Landesverband Rheinland (LVR), der nur ein Museum besitzt, das LVR-Landesmuseum in Bonn, ermöglicht das dem LWL, seine Ausstellungsstücke thematisch nicht nur zu sortieren, sondern auch, besagte sortierte Abteilungen über verschiedene Städte zu verteilen, damit sie sich nicht versehentlich vermischen. Jeder, der schon mal im LVR-Landesmuseum war, weiß das zu schätzen (es sei denn, sie haben in den letzten Jahre umgeräumt, ich war länger nicht mehr da).
Wie der Name schon sagt, hat Herne dabei die Archäologie abbekommen.
Sie haben eine Dauerausstellung, die das zeigt, was Dauerausstellungen dieser Art hier in der Gegend immer so zeigen. Sehr viele Knochen, sehr viele Steine, sehr viele Scherben, ein paar Modelle von Behausungen diverser Epochen und Waffen. Es ist also genau das, was man erwartet, aber man muss Herne zugute halten, dass sie es wirklich gut präsentieren. Sie haben einen deutlich gekennzeichneten Hauptweg, der durch alle Bereiche des Museums führt und als Zeitstrahl angelegt ist. Von diesem Hauptweg zweigt immer mal wieder eine Sackgasse ab, um ein Thema ausgiebiger zu vertiefen. Man kann also problemlos alles sehen, ohne dabei verloren zu gehen, und ohne fürchten zu müssen, irgendetwas zu verpassen, ist aber auch nicht gezwungen, endlos an Schaukästen vorbeizugehen, die man eigentlich gar nicht sehen will. Sehr gut durchdacht.
An besonderen Punkten gibt es auch noch begehbare Würfel, in denen Tonaufnahmen ausgelöst werden können, die sich mit dem entsprechendem Thema beschäftigen, und philosophische und literarische Zitate an den Außenwänden dieser Würfel.
Und da das Ganze quasi in einer einzigen großen Halle präsentiert wird, macht es auch noch einen offenen und freundlichen Eindruck.
Ein Lob auch dafür, dass alles in deutsch und englisch beschriftet ist. Oh, und ihr Mutimedia-Guide ist von Joachim Król eingesprochen worden, der übrigens in Herne geboren ist.
Die aktuelle Sonderausstellung heißt "Die Pest" und beschäftigt sich logischerweise genau damit. Mit dem Erreger, seiner Entdeckung, den großen Epidemien und dem heutigen Stand von Infektionsraten und Behandlungsmöglichkeiten. Nein, die Pest ist nicht ausgerottet. Ja, die Pest ist (noch) behandelbar, da sie auf Antibiotika anspricht. Ein einziges als Aerosol als biologische Waffe verwendetes Pestbakterium würde 40 000 Tote kosten, bevor die entsprechenden Eindämmungsmaßnahmen der Epidemie greifen. In der Zwischenzeit infizieren sich die meisten Menschen über Nagetiere, sei es wie in der Mongolei durch das Zubereiten von Murmeltierfleisch oder wie in den USA durch das Überfahren von infizierten Grauhörnchen mit dem Rasenmäher.
Sie haben viele interessante Ausstellungsstücke zusammengetragen, von einem DNA-Print von Yersinia Pestis über Grabsteine, Dokumente, Amulette, Medizinbücher und Kunstobjekte bis hin zu einem Kurzfilm im Tim Burton-Stil namens "Der Perückenmacher", dessen Tonspur von Kenneth Branagh gesprochen wird und deutsch untertitelt ist.
Alles steht in einem großen Raum, dessen dominierende Farben schwarz und grün sind. Es gibt keine Beschreibungen an den Objekten, stattdessen nimmt man sich am Eingang ein Buch und kann die Beschreibungen darin anhand der Objektnummern nachschlagen. Das kommt einem im ersten Moment etwas unpraktisch vor, ist aber sicher wertvoll, wenn mal viel los ist, dann knubbelt man sich nicht so.
Ein bisschen unpraktisch fand ich allerdings, dass sie eine zentrale Media-Station und eine zentrale Audio-Station haben. Die Beschreibungen dazu sind im Ausstellungsbuch unter den einzelnen Bereichen vermerkt, mit Verweisen auf diese Stationen. Man müsste also ständig aus den einzelnen Bereichen zu diesen Stationen und wieder zurück, und ich glaube nicht, dass das jemand macht.
Ansonsten ist die Ausstellung chronologisch geordnet, aber sehr offen, so dass man jederzeit nach Lust und Laune zwischen den Bereichen wechseln kann. Die jeweils erste Nummer der dreistelligen Objektnummern zeigt dabei deutlich an, in welchem Bereich man gerade ist.
Auch das ist also sehr gut durchdacht. Da ist jemand am Werk, der weiß, wie man Ausstellungen konzipiert. 2021 kommt Stonehenge, das ist schon jetzt fest im Kalender vermerkt.
Wie jede Ruhrgebietsstadt hat Herne auch mal Schwerindustrie gehabt, in diesem Fall waren das Steinkohlezechen. Die gibt es nicht mehr, dafür hat Herne gleich zwei Autokennzeichen, HER und WAN. Damit kann man schöne Wörter wie Herz oder Wand bilden. Oder auch wahlweise die entsprechenden Stadtnamen, denn das ist ja auch immer nett.
Ansonsten habe ich von Herne nichts gesehen außer die knapp anderthalb Kilometer von der Autobahn-Ausfahrt bis zum Museum, das Parkhaus und den Museumsvorplatz samt kurzem Blick in die Fußgängerzone. All dass sieht überschaubar aus und erstaunlich offen für eine so dicht besiedelte Gegend. Es gab sogar unbebaute Freiflächen.
Das LWL-Landesmuseum für Archäologie in Herne gehört zu einer Reihe Westfälischer Landesmuseen, die vom Landesverband Westfalen Lippe (LWL) betrieben werden. Im Gegensatz zum Landesverband Rheinland (LVR), der nur ein Museum besitzt, das LVR-Landesmuseum in Bonn, ermöglicht das dem LWL, seine Ausstellungsstücke thematisch nicht nur zu sortieren, sondern auch, besagte sortierte Abteilungen über verschiedene Städte zu verteilen, damit sie sich nicht versehentlich vermischen. Jeder, der schon mal im LVR-Landesmuseum war, weiß das zu schätzen (es sei denn, sie haben in den letzten Jahre umgeräumt, ich war länger nicht mehr da).
Wie der Name schon sagt, hat Herne dabei die Archäologie abbekommen.
Sie haben eine Dauerausstellung, die das zeigt, was Dauerausstellungen dieser Art hier in der Gegend immer so zeigen. Sehr viele Knochen, sehr viele Steine, sehr viele Scherben, ein paar Modelle von Behausungen diverser Epochen und Waffen. Es ist also genau das, was man erwartet, aber man muss Herne zugute halten, dass sie es wirklich gut präsentieren. Sie haben einen deutlich gekennzeichneten Hauptweg, der durch alle Bereiche des Museums führt und als Zeitstrahl angelegt ist. Von diesem Hauptweg zweigt immer mal wieder eine Sackgasse ab, um ein Thema ausgiebiger zu vertiefen. Man kann also problemlos alles sehen, ohne dabei verloren zu gehen, und ohne fürchten zu müssen, irgendetwas zu verpassen, ist aber auch nicht gezwungen, endlos an Schaukästen vorbeizugehen, die man eigentlich gar nicht sehen will. Sehr gut durchdacht.
An besonderen Punkten gibt es auch noch begehbare Würfel, in denen Tonaufnahmen ausgelöst werden können, die sich mit dem entsprechendem Thema beschäftigen, und philosophische und literarische Zitate an den Außenwänden dieser Würfel.
Und da das Ganze quasi in einer einzigen großen Halle präsentiert wird, macht es auch noch einen offenen und freundlichen Eindruck.
Ein Lob auch dafür, dass alles in deutsch und englisch beschriftet ist. Oh, und ihr Mutimedia-Guide ist von Joachim Król eingesprochen worden, der übrigens in Herne geboren ist.
Die aktuelle Sonderausstellung heißt "Die Pest" und beschäftigt sich logischerweise genau damit. Mit dem Erreger, seiner Entdeckung, den großen Epidemien und dem heutigen Stand von Infektionsraten und Behandlungsmöglichkeiten. Nein, die Pest ist nicht ausgerottet. Ja, die Pest ist (noch) behandelbar, da sie auf Antibiotika anspricht. Ein einziges als Aerosol als biologische Waffe verwendetes Pestbakterium würde 40 000 Tote kosten, bevor die entsprechenden Eindämmungsmaßnahmen der Epidemie greifen. In der Zwischenzeit infizieren sich die meisten Menschen über Nagetiere, sei es wie in der Mongolei durch das Zubereiten von Murmeltierfleisch oder wie in den USA durch das Überfahren von infizierten Grauhörnchen mit dem Rasenmäher.
Sie haben viele interessante Ausstellungsstücke zusammengetragen, von einem DNA-Print von Yersinia Pestis über Grabsteine, Dokumente, Amulette, Medizinbücher und Kunstobjekte bis hin zu einem Kurzfilm im Tim Burton-Stil namens "Der Perückenmacher", dessen Tonspur von Kenneth Branagh gesprochen wird und deutsch untertitelt ist.
Alles steht in einem großen Raum, dessen dominierende Farben schwarz und grün sind. Es gibt keine Beschreibungen an den Objekten, stattdessen nimmt man sich am Eingang ein Buch und kann die Beschreibungen darin anhand der Objektnummern nachschlagen. Das kommt einem im ersten Moment etwas unpraktisch vor, ist aber sicher wertvoll, wenn mal viel los ist, dann knubbelt man sich nicht so.
Ein bisschen unpraktisch fand ich allerdings, dass sie eine zentrale Media-Station und eine zentrale Audio-Station haben. Die Beschreibungen dazu sind im Ausstellungsbuch unter den einzelnen Bereichen vermerkt, mit Verweisen auf diese Stationen. Man müsste also ständig aus den einzelnen Bereichen zu diesen Stationen und wieder zurück, und ich glaube nicht, dass das jemand macht.
Ansonsten ist die Ausstellung chronologisch geordnet, aber sehr offen, so dass man jederzeit nach Lust und Laune zwischen den Bereichen wechseln kann. Die jeweils erste Nummer der dreistelligen Objektnummern zeigt dabei deutlich an, in welchem Bereich man gerade ist.
Auch das ist also sehr gut durchdacht. Da ist jemand am Werk, der weiß, wie man Ausstellungen konzipiert. 2021 kommt Stonehenge, das ist schon jetzt fest im Kalender vermerkt.