Der Mann, der alles wusste
Jul. 24th, 2021 03:16 pmvon Edgar Wallace
Ich lese ja gerne mal einen Krimi. Vorzugsweise ältere Krimis - Agatha Christie zum Beispiel - denn die sind nicht so brutal und der/die Ermittler müssen nicht neben dem Fall noch diverse Familien-, Gesundheits- und Beziehungskrisen abhandeln. Ich mag meine Krimis klassisch und gradlinig. Auch gerne gemütlich.
Im Grunde war ich da mit "Der Mann, der alles wusste", gut bedient. Anfangs habe ich geglaubt, es ginge um eine Betrugssache, bei der ein mysteriöser Mann, der immer anders aussieht, dem Millionär John Minute die Konten leerräumt. Das wäre ja nicht so schlimm, denn Mr. Mínute ist ein ziemlicher Kotzbrocken, aber er hat eine gar entzückende und tugendhafte Ziehtochter, der man natürlich nur das Beste wünscht. Außerdem hat er einen grummeligen Sekretär und einen immer gut gelaunten Neffen, die sich gegenseitig verdächtigen. Aber dann wird John Minute doch noch ermordet, der Neffe landet vor Gericht und wird freigesprochen und engagiert sich den titelgebenden Mann, der alle wusste, um zu beweisen, dass der Sekretär der Mörder ist. Wahrscheinlich, weil die Ziehtochter sich jetzt in den verliebt hat und der Neffe sie auch heiraten will.
So weit, so gut. Es ist nett, es hat Atmosphäre, und dass es für weite Strecken einfach so vor sich hintreibt, stört mich auch nicht. Es gibt Massen von Andeutungen auf Verbrechen, die Mr. Minute und ein Polizeiseargent in Rhodesien begangen haben, Verwirrungen über eine Goldmine und besagten seltsamen Betrüger und seine Strategien. Und immer wieder wird darauf hingeweisen, wie viel der Mann, der alles wusste, so weiß.
Darum fand ich das Ende blöd. Da muss der Sekretär auftreten und eben diesem Mann, der doch alles weiß, den ganzen Fall aufdröseln und erklären, was wann warum und wie passiert ist, weil es diesem brillianten Mann einfach nicht gelungen ist, die Puzzleteile richtig zusammen zu setzen. Da diese Puzzleteile auch noch recht eindeutig sind und der Mann so brilliant, passt das überhaupt nicht zusammen, demontiert den Charakter völlig und lässt darum einen tragenden Pfeiler des Buchs zusammenbrechen. Auch noch, ohne dass das nötig gewesen wäre. Mr Wallace hätte das "Kommen Sie alle zusammen in diesen Raum, ich erkläre jetzt den Fall." genau so schreiben können, aber mit dem Mann, der alles wusste, als Protagonisten. Es hätte keinem anderen Charakter geschadet und das Buch wäre sehr viel runder gewesen.
Wenn also die letzten Seiten nicht wären, wärs ein gutes Buch. Auch wenn die Wahl der Perspektivträger und die Art der Perspektive im Rückblick sehr eigenwillig ist.
Oh, und ich mochte den letzten Satz. Das sagt der Dorfpolizist, der als nicht besonders helle und eher als Sidekick etabliert wurde: "Ich hab doch die ganze Zeit gesagt, er wars." (sinngemäß, ich will den Namen hier nicht schreiben.) Schon alleine, weil er da die ganze Zeit über der Einzige war, der sich niemals von seiner Meinung hat abbringen lassen, und dann Recht behalten hat.
Ich les mal noch einen anderen. Mr. Wallace hat ja ausreichend Bücher geschrieben.
Ich lese ja gerne mal einen Krimi. Vorzugsweise ältere Krimis - Agatha Christie zum Beispiel - denn die sind nicht so brutal und der/die Ermittler müssen nicht neben dem Fall noch diverse Familien-, Gesundheits- und Beziehungskrisen abhandeln. Ich mag meine Krimis klassisch und gradlinig. Auch gerne gemütlich.
Im Grunde war ich da mit "Der Mann, der alles wusste", gut bedient. Anfangs habe ich geglaubt, es ginge um eine Betrugssache, bei der ein mysteriöser Mann, der immer anders aussieht, dem Millionär John Minute die Konten leerräumt. Das wäre ja nicht so schlimm, denn Mr. Mínute ist ein ziemlicher Kotzbrocken, aber er hat eine gar entzückende und tugendhafte Ziehtochter, der man natürlich nur das Beste wünscht. Außerdem hat er einen grummeligen Sekretär und einen immer gut gelaunten Neffen, die sich gegenseitig verdächtigen. Aber dann wird John Minute doch noch ermordet, der Neffe landet vor Gericht und wird freigesprochen und engagiert sich den titelgebenden Mann, der alle wusste, um zu beweisen, dass der Sekretär der Mörder ist. Wahrscheinlich, weil die Ziehtochter sich jetzt in den verliebt hat und der Neffe sie auch heiraten will.
So weit, so gut. Es ist nett, es hat Atmosphäre, und dass es für weite Strecken einfach so vor sich hintreibt, stört mich auch nicht. Es gibt Massen von Andeutungen auf Verbrechen, die Mr. Minute und ein Polizeiseargent in Rhodesien begangen haben, Verwirrungen über eine Goldmine und besagten seltsamen Betrüger und seine Strategien. Und immer wieder wird darauf hingeweisen, wie viel der Mann, der alles wusste, so weiß.
Darum fand ich das Ende blöd. Da muss der Sekretär auftreten und eben diesem Mann, der doch alles weiß, den ganzen Fall aufdröseln und erklären, was wann warum und wie passiert ist, weil es diesem brillianten Mann einfach nicht gelungen ist, die Puzzleteile richtig zusammen zu setzen. Da diese Puzzleteile auch noch recht eindeutig sind und der Mann so brilliant, passt das überhaupt nicht zusammen, demontiert den Charakter völlig und lässt darum einen tragenden Pfeiler des Buchs zusammenbrechen. Auch noch, ohne dass das nötig gewesen wäre. Mr Wallace hätte das "Kommen Sie alle zusammen in diesen Raum, ich erkläre jetzt den Fall." genau so schreiben können, aber mit dem Mann, der alles wusste, als Protagonisten. Es hätte keinem anderen Charakter geschadet und das Buch wäre sehr viel runder gewesen.
Wenn also die letzten Seiten nicht wären, wärs ein gutes Buch. Auch wenn die Wahl der Perspektivträger und die Art der Perspektive im Rückblick sehr eigenwillig ist.
Oh, und ich mochte den letzten Satz. Das sagt der Dorfpolizist, der als nicht besonders helle und eher als Sidekick etabliert wurde: "Ich hab doch die ganze Zeit gesagt, er wars." (sinngemäß, ich will den Namen hier nicht schreiben.) Schon alleine, weil er da die ganze Zeit über der Einzige war, der sich niemals von seiner Meinung hat abbringen lassen, und dann Recht behalten hat.
Ich les mal noch einen anderen. Mr. Wallace hat ja ausreichend Bücher geschrieben.