The Crown Tower
Sep. 8th, 2021 07:28 pmvon Michael J. Sullivan
Teil 1 der "Riyria Chronicles", einer Prequel-Reihe zu den "Riyria Revelations"
Mr. Sullivan hat die Revelations zuerst geschrieben und dann begonnen, die Prequels dazu zu schreiben, weil er (und seine Frau) sich nicht von der Welt und den Charakteren trennen wollte. Laut Vorwort hat er sie mit Absicht so geschrieben, dass man die Revelations nicht gelesen haben muss, um die Chronicles zu lesen, dass aber, wenn man das getan hat, Dinge auftauchen werden, die einem bekannt vorkommen, auf Dinge in den Revelations verweisen oder Dinge dort ergänzen. Sprich, Neulinge können Spaß damit haben, und "alte Hasen" können Querverweise ziehen. Buch 1 wird diesem Anspruch vollkommen gerecht.
In den Chronicles geht es darum, einzelne Abenteuer von Royce und Hadrian zu erzählen, und natürlich beginnt man da vorne, mit dem Kennenlernen und dem ersten gemeinsamen Job. Über den erfahren wir im ganzen Buch nicht wirklich etwas, was nicht schon in den Revelations gesagt wurde, aber es gibt natürlich sehr viel mehr Details und Zusammenhänge. Unter anderem viele Szenen mit trockenem Humor und der Dynamtik vom ersten Kapitel von "The Crown Conspriacy", also werde ich mich da sicher nicht beschweren, denn davon wollte ich ja mehr. Und mir es hat auch noch nie etwas ausgemacht, ein Buch zu lesen, dessen Handlung ich vorab schon hinreichend kenne.
Royce und Hadrian werden also von Professor Arcadius gezwungen, ein Buch aus dem titelgebenden Turm zu stehlen, und dann, es wieder zurückzubringen. Im Gegensatz zu dem, was in den Revelations gesagt wird, stiehlt Royce das Buch alleine und muss Hadrian nur auf der zweiten Tour mitschleppen, und sie bringen es nicht in der nächsten Nacht zurück, aber das sind Kleinigkeiten, die sich sicher über 12 Jahre in die Berichte eingeschlichen haben. Keine Geschichte entspricht immer der Wahrheit.
Parallel verläuft ein Handlungsstrang, der erzählt, wie Gwen nach Melford kommt und wie sie Melford House eröffnet. Das macht den Charakter interessanter, gibt ihm mehr Tiefe, und liefert ergänzende Details zu dem, was wir schon wissen. Und weil sie eine Seherin ist, gibt es auch Ausblicke.
Und wir lernen, das Arcadius offenbar über ein weltweites Netzwerk von Leuten verfügt, die für ihn arbeiten. Das war mir auch vorher nicht klar.
Ich hatte Glück, denn Mr. Sullivans Frau interessiert sich auch mehr für Hadrian als für Royce, also bekommt er jetzt mehr Screentime. Wir sind schon fast auf Seite 100, bevor Royce überhaupt auftritt, und deutlich über Seite 200, bevor er Perspektive bekommt. Es hilft natürlich auch dabei, ihn kälter und brutaler erscheinen zu lassen, was wichtig ist, denn über die ganzen Revelations hinweg wurde ja immer gesagt, wie sehr Royce sich verändert hat seit er mit Hadrian zusammenarbeitet.
Darum möchte ich gerne sagen, dass ich es sehr schade finde, dass das Buch genau in dem Moment endet, in dem es wirklich interessant wird: Mit der Ankunft von beiden in Melford, wo Gwen sie aufnimmt. Zu diesem Zeitpunkt sind beide mehr tot als lebendig, und solche Expremsituationen sind zwar wichtig für die Charakterentwicklung, aber mich hätte sehr viel mehr interessiert, was ist, wenn sie sich beide erholen, denn das ist der Moment, in dem die Freundschaft sich zementiert oder wieder zerbricht. Halbtot und im Delirium um Hilfe für Hadrian zu bitten, ist etwas anderes, als ihm später in die Augen zu sehen und sich daran zu erinnern. Das wäre das, was mich wirklich interessiert hätte, eben diese Entwicklung - auch wenn ich natürlich nicht darüber meckern möchte, dass Hadrian den selbstlosen, idealistischen Helden gibt und offenbar wirklich so toll mit seinen Schwertern ist, das auch Royce nicht umhin kann, beeindruckt zu sein.
Aber wer weiß, wo Band 2 ansetzt... Laut Klappentext klingt es aber nicht, als wäre es nahtlos, und bei den Revelations war immer Zeit dazwischen.
Für mich sogar lohnender als die Revelations. Wahrscheinlich hätte ich mich schneller für die Reihen begeistert, wenn ich mit den Chronicles angefangen hätte. Auf der anderen Seite finde ich persönlich es aber gut, dass ich die Revelations vorher gelesen habe. Einerseits, weil ich so eben die Querverweise ziehen kann und Dinge verstehe, die nicht erklärt werden, also mehr von dem Buch habe. Andererseits, weil ich nicht weiß, ob ich mit "The Crown Tower" als erstem Buch über "Avempartha" hinausgekommen wäre, also überhaupt mehr als die ersten zwei Bände der Revelations geschafft hätte.
Teil 1 der "Riyria Chronicles", einer Prequel-Reihe zu den "Riyria Revelations"
Mr. Sullivan hat die Revelations zuerst geschrieben und dann begonnen, die Prequels dazu zu schreiben, weil er (und seine Frau) sich nicht von der Welt und den Charakteren trennen wollte. Laut Vorwort hat er sie mit Absicht so geschrieben, dass man die Revelations nicht gelesen haben muss, um die Chronicles zu lesen, dass aber, wenn man das getan hat, Dinge auftauchen werden, die einem bekannt vorkommen, auf Dinge in den Revelations verweisen oder Dinge dort ergänzen. Sprich, Neulinge können Spaß damit haben, und "alte Hasen" können Querverweise ziehen. Buch 1 wird diesem Anspruch vollkommen gerecht.
In den Chronicles geht es darum, einzelne Abenteuer von Royce und Hadrian zu erzählen, und natürlich beginnt man da vorne, mit dem Kennenlernen und dem ersten gemeinsamen Job. Über den erfahren wir im ganzen Buch nicht wirklich etwas, was nicht schon in den Revelations gesagt wurde, aber es gibt natürlich sehr viel mehr Details und Zusammenhänge. Unter anderem viele Szenen mit trockenem Humor und der Dynamtik vom ersten Kapitel von "The Crown Conspriacy", also werde ich mich da sicher nicht beschweren, denn davon wollte ich ja mehr. Und mir es hat auch noch nie etwas ausgemacht, ein Buch zu lesen, dessen Handlung ich vorab schon hinreichend kenne.
Royce und Hadrian werden also von Professor Arcadius gezwungen, ein Buch aus dem titelgebenden Turm zu stehlen, und dann, es wieder zurückzubringen. Im Gegensatz zu dem, was in den Revelations gesagt wird, stiehlt Royce das Buch alleine und muss Hadrian nur auf der zweiten Tour mitschleppen, und sie bringen es nicht in der nächsten Nacht zurück, aber das sind Kleinigkeiten, die sich sicher über 12 Jahre in die Berichte eingeschlichen haben. Keine Geschichte entspricht immer der Wahrheit.
Parallel verläuft ein Handlungsstrang, der erzählt, wie Gwen nach Melford kommt und wie sie Melford House eröffnet. Das macht den Charakter interessanter, gibt ihm mehr Tiefe, und liefert ergänzende Details zu dem, was wir schon wissen. Und weil sie eine Seherin ist, gibt es auch Ausblicke.
Und wir lernen, das Arcadius offenbar über ein weltweites Netzwerk von Leuten verfügt, die für ihn arbeiten. Das war mir auch vorher nicht klar.
Ich hatte Glück, denn Mr. Sullivans Frau interessiert sich auch mehr für Hadrian als für Royce, also bekommt er jetzt mehr Screentime. Wir sind schon fast auf Seite 100, bevor Royce überhaupt auftritt, und deutlich über Seite 200, bevor er Perspektive bekommt. Es hilft natürlich auch dabei, ihn kälter und brutaler erscheinen zu lassen, was wichtig ist, denn über die ganzen Revelations hinweg wurde ja immer gesagt, wie sehr Royce sich verändert hat seit er mit Hadrian zusammenarbeitet.
Darum möchte ich gerne sagen, dass ich es sehr schade finde, dass das Buch genau in dem Moment endet, in dem es wirklich interessant wird: Mit der Ankunft von beiden in Melford, wo Gwen sie aufnimmt. Zu diesem Zeitpunkt sind beide mehr tot als lebendig, und solche Expremsituationen sind zwar wichtig für die Charakterentwicklung, aber mich hätte sehr viel mehr interessiert, was ist, wenn sie sich beide erholen, denn das ist der Moment, in dem die Freundschaft sich zementiert oder wieder zerbricht. Halbtot und im Delirium um Hilfe für Hadrian zu bitten, ist etwas anderes, als ihm später in die Augen zu sehen und sich daran zu erinnern. Das wäre das, was mich wirklich interessiert hätte, eben diese Entwicklung - auch wenn ich natürlich nicht darüber meckern möchte, dass Hadrian den selbstlosen, idealistischen Helden gibt und offenbar wirklich so toll mit seinen Schwertern ist, das auch Royce nicht umhin kann, beeindruckt zu sein.
Aber wer weiß, wo Band 2 ansetzt... Laut Klappentext klingt es aber nicht, als wäre es nahtlos, und bei den Revelations war immer Zeit dazwischen.
Für mich sogar lohnender als die Revelations. Wahrscheinlich hätte ich mich schneller für die Reihen begeistert, wenn ich mit den Chronicles angefangen hätte. Auf der anderen Seite finde ich persönlich es aber gut, dass ich die Revelations vorher gelesen habe. Einerseits, weil ich so eben die Querverweise ziehen kann und Dinge verstehe, die nicht erklärt werden, also mehr von dem Buch habe. Andererseits, weil ich nicht weiß, ob ich mit "The Crown Tower" als erstem Buch über "Avempartha" hinausgekommen wäre, also überhaupt mehr als die ersten zwei Bände der Revelations geschafft hätte.