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von L.Frank Baum

Wie immer gibt es wichtige Dinge zu lernen.

1. Alles, was wir bis jetzt über die politische Geschichte von Oz gelernt haben, vergessen wir einfach mal wieder. Es war nämlich alles ganz anders: Ursprünglich gab es ein Land und einen Regenten, der immer "Oz" oder "Ozma" hieß, was in der Landessprache "Great and Good" bedeutet. Doch eines Tages taten sich vier böse Hexen zusammen, um das Land unter sich aufzuteilen. Während König Oz auf der Jagd war, hat die böse Mombi - wir erinnern uns an den zweiten Band, da kam sie vor, aber die Geschichte ging ganz anders - ihn entführt und hielt ihn gefangen. Genauso wie seinen Sohn und dann dessen Tochter, ehemals Tip und jetzt amtierende Prinzessin Ozma. Glinda the Good gelang es, die Wicket Witch of the South zu überwinden und der Guten Hexe des Nordens gelang es, Mombi die Herrschaft über den Norden zu entreißen, aber erst, als der Wizard mit seinem Ballon ankam, wurden die Reiche wieder vereint. Warum? Auf seinem Ballon stand OZ und darum glaubten alle Leute, der Wizard sei ihr rechtmäßiger Herrscher. Und es war der Wizard, der die City of Emerald erbaute.

2. Auf dem Ballon stand OZ weil der Wizard Oscar Zoroaster Phadrig Isaac Norman Henkle Emmannuel Ambroise Digg heißt und das verständlicherweise viel zu lang findet. Er hat aber nur die ersten beiden Buchstaben verwendet, weil der Rest hintereinander gelesen "pinhead" ergibt und das ja nun auch nicht nett ist.

3. Die Smaragdstadt ist grün. Definitiv und auch ohne Brillen, denn die werden nicht mehr erwähnt, also trägt sie wohl auch keiner mehr.



Dorothy und Uncle Henry sind auf dem Rückweg von Australien über San Franzisco gereist. Uncle Henry ist von dort auf die Farm eines Verwandten vorausgefahren, währen Dorothy ein paar Tage bei Freunden verbracht hat, die sie auf der Reise kennengelernt haben. Sie fährt mit dem Zug nach, hat aber Verspätung, weil es ständig Erdbeben gibt. Der vom Verwandten geschickte Junge, der sie am Bahnhof abholen soll, wartet aber trotzdem noch und so machen die beiden sich auf den Weg zur Farm. Der Junge heißt Zebediah, genannt Zeb. Das Pferd, daß die Kutsche zieht, heißt Jim, und das Kätzchen, die Dorothy bei sich hat, heißt Eureka, denn sie hat sie gefunden und Uncle Henry hat gesagt, daß "I found it" auf griechisch Eureka heißt.

Die Erdbeben gehen weiter und plötzlich öffnet sich unter der Kutsche der Boden und alle beteiligten fallen in einen sehr, sehr, sehr tiefen Spalt. Sie fallen sehr lange, über ihnen schließt sich die Erde wieder, und je tiefer sie fallen, umso mehr nimmt die Schwerkraft ab, so daß sie immer langsamer fallen. Schließlich landen sie auf dem Dach eines Hauses in einem Land, das von sechs verschiedenfarbigen Sonnen erleuchtet wird.
Das Land wird von den Mangaboos bewohnt, die nicht atmen und nicht essen müssen, sondern einfach an Stäuchern wachsen. Dort entwickeln sie sich wie Fürchte und wenn sie erwachsen sind, sind sie reif und können gepflückt werden. Auch ihre Häuser wachsen einfach aus dem Boden und wenn sie beschädigt werden, wachsen sie irgendwann eben wieder zusammen. Trotzdem mögen es die Mangaboos nicht, wenn man mit Steinen vom Himmel fällt und Dinge kaputtmacht.

Kurz nach Dorothy und Freunden - ja, Jim und Eureka begannen irgendwann auf dem Fall nach unten zu sprechen - landet ein großer Ballon in der Stadt. Genau. Der Wizard ist Ballon geflogen und als er landen wollte, spaltete ein Erdbeben die Erde und er hatte nicht mehr genug Gas, um wieder aufzusteigen, also mußte er in den Spalt. Er hat eine Menge praktische Dinge dabei und außerdem neun winzige Schweinchen, mit denen er einen Zaubertrick zeigt, um zu beweisen, daß er ein Wizard ist. Der amtierende Mangaboo Zauberer findet das nicht lustig, versucht, ihn zu ersticken, aber der Wizard erschlägt ihn mit einem Zusammenbauschwert.
Einige weitere Verwicklungen später sind alle Beteiligten zum Tode verurteilt und werden in eine furchtbare schwarze Höhle gesperrt.

Die Höhle entpuppt sich als Tunnel, und unsere Freunde folgen ihm aufwärts und gelangen in ein wunderschönes Tal. Dort wächst eine Frucht, die alle, die von ihr essen, unsichtbar macht. Das sind vor allem die Menschen, die Vögel und die gefährlichen Bären. Für die Menschen ist das ein großer Vorteil, denn so können die Bären sie auch nicht sehen - allerdings ist es für die Reisenden so von Nachteil, sichtbar zu sein, weil die Bären sie sehen können. Sie wollen aber trotzdem sichtbar bleiben, reisen auf dem Fluß - der Wizard erschlägt noch einen Bär und rettet so allen das Leben - bis zum Pyramidenberg, in dem ein weiterer Weg nach oben führt. Auf halber Höhe treffen sie dort einen Mann, der rustlers for ladies'gowns und flutters for flags and bunting herstellt.

Auf der nächsten Etage angekommen, finden sie sich im Land der Wooden Gargoyles wieder, wo alles aus Holz ist. Boden, Gras, Bäume, Tiere, Bewohner, alles. Diese Bewohner sind eben die Gargoyles, und weil es in ihrem Land kein Geräusch gibt, können die Reisenden sich die fliegenden Seltsamkeiten eine Weile vom Leib halten. Dann werden sie doch überwältig und festgesetzt, aber weil die Gargoyles alle gleichzeitig schlafen, gelingt es Eureka und Zeb, Flügel zu stehlen und so können sie alle in einere weitere Höhle entkommen. Um sicherzustellen, daß die sie verfolgenden Gargoyles draußen bleiben, setzen sie die Flügel im Höhleneingang in Brand, was für ein hölzernes Land wohl den Untergang bedeuten wird. Aber, so läßt man uns wissen, um die Gargoyles ist es ja nicht schade.

In der Höhle treffen sie Drachenjunge, die von ihrer Mutter mit den Schwänzen an Felsen gebunden wurden, damit sie bis zu ihrer Rückkehr brav sind. Darum können sie die Reisenden auch nicht fressen und diese können nach einer netten kleinen philosophischen Diskussion entkommen. Leider ist ihr Fluchtweg eine Sackgasse.

Jetzt muß ich erwähnen, daß im letzten Band bereits ein magisches Artefakt eingeführt wurde, das im Besitz von Ozma ist. Es handelt sich um einen Spiegel, der Ozma jede Person zeigt, wenn sie darum bittet, egal, wo diese Person sein mag. Ozma und Dorothy haben am Ende des Buchs ausgemacht, daß Ozma jeden Nachmittag um vier nach Dorothy schaut und wenn Dorothy ein bestimmtes Zeichen gibt, daß sie sie dann zu sich in den Palast wünscht. Dorothy und ihre Freunde warten also in der Sackgasse auf vier Uhr, Dorothy gibt das Zeichen und verschwindet prompt. Wenige Sekunden später landen auch die anderen in der Smaragdstadt, denn Dorothy hat Ozma das Problem selbstverstänlich erklärt.

Nachdem der Wizard erklärt hat, daß er nich zurückgekommen ist, um zu herrschen, freuen sich alle sehr, ihn wiederzusehen und Ozma ruft zu Ehren der Ankunft der Freunde einen Feiertag aus. Alle werden bestens untergebracht und Nick und Scarecrow werden benachrichtigt, ebenso Lion und Hungry Tiger. Billina und Tiktok sind ohnehin im Schloß.

Ich wurde davon überrascht zu lernen, daß es in ganz Oz keine Pferde gibt. Abgesehen von Sawhorse, das ja eigentlich kein Pferd ist sondern ein Sägebock, der im Aussehen entfernt an ein Pferd erinnert. Jetzt frage ich mich, wie der an ein Pferd erinnern kann, wenn es in Oz keine Pferde gibt... Wie auch immer, alle sind total überrascht über das fremde Wesen, was Jim darstellt, und Sawhorse ist sehr beeindruckt, einem Echten Pferd zu begegnen. Der gute Jim wird total arrogant davon und behandelt Sawhorse schlecht.
Ganz schlimm wird es, als er ein Rennen gegen Sawhorse verliert - Sawhorse hat versucht, das Rennen zu verhindern, weil es weiß, daß es nicht müde wird, Jim aber schon - und erst ein paar mahnenden Prankenhiebe von Lion und Tiger bringen Jim zur Vernuft. Er fühlt sich dennoch gedemütigt und will nur noch nach Hause.
Ozma erklärt, daß von nun an Sawhorse in Oz als der Prince of Horses gelten soll und alle, die nicht sind wie es nur als Imitationen.

Den Wizard macht Ozma zu ihrem Hofzauberer - "a humbug wizard is the safest one to have around" - und eins seiner neun winzigen Schweinchen bekommt sie als Spielgefährten geschenkt. Eines Tages schickt sie ihre Zofe nach dem Schwein, aber als diese in Ozmas Zimmer kommt, rast Eureka aus dem Raum und das Schweinchen ist nicht mehr zu finden. Fazit: Eureka wird des Mordes angeklagt.
Die Katze weigert sich, eine Aussage zu machen, also wird eine Gerichtsverhandlung angesetzt. Sie untergräbt die zugegebenermaßen sehr schlechte Verteidigung von Nick, der zusammen mit dem Wizard versucht, ihr Leben zu retten, wird also zum Tode verurteilt und erklärt dann schließlich doch, daß sie das Schweinchen zwar fressen wollte, es aber leider in eine Vase gefallen ist, wo es wahrscheinlich immer noch ist. Die Vase wird geholt, Nick zertrümmert sie, das Schwein ist gerettet und Eureka ebenfalls - nur ist da noch immer die Absicht des Mordes, die sie hatte, und darum will niemand mehr etwas mit ihr zu tun haben.

Aunt Em und Uncle Henry glauben natürlich wieder, daß Dorothy tot ist, tragen Trauer, und so läßt sie sich mit Eureka von Ozma zurückwünschen. Wegen Zeb trägt niemand Trauer, aber auch er läßt sich samt Pferd und Kutsche zurück auf seine Farm wünschen. Der Wizard bleibt in Oz und zeigt dort den begeisterten Leuten seine Kunststücke.

Eigentlich mochte ich den Band. Die Einfälle sind spaßig, es ist liebevoll erzählt und daß plötzlich wieder alles ganz anders ist... wen stört's? Der Wizard ist ein Scharlatan, hat aber ein gutes Herz und gibt sich mit allem große Mühe. Die "intellektuellen" Streitereien zwischen Woggle-Bug und Scarecrow sind ein mittlerweile liebgewordener Running Gag und Sawhorse wird endlich mal nicht vergessen.
Auch daß die Logik völlig auf der Strecke bleibt - warum reisen sie erst tagelang gefährlich herum, wenn sie sich doch direkt beim ersten Todesurteil von Ozma hätten retten lassen können? - stört mich nicht besonders. Was mich stört ist die massenhafte Zerstörung von Leben bei den Mangaboos und den Gargoyles und die Erklärung, daß das nichts mache, weil es um die ja nicht schade sei. Okay, das Buch ist von 1908, aber trotzdem. Alles, was nicht ist, wie man selbst, scheint keinen Wert zu haben... auch die Diskussion mit den Drachenjungen über Schönheit hat denselben Inhalt. Eurekas Verhalten gegenüber den Schweinchen und nacher im Gerichtssaal finde ich auch blöd, auch wenn die Verhandlung selbst denselben absurden Charme hat wie die bei "Alice im Wunderland". Aber immerhin kriegt das Kätzchen ja die Strafe, daß alle sie nacher meiden, weil sie so bösartig ist. Im Vorwort entschuldigt sich der Autor vorab für deren Benehmen und gibt als Entschuldigung an, daß "perhaps she wasn't brought up properly". Ja, jede Gemeinheit läßt sich durch eine schwere Kindheit problemlos entschuldigen. Das ist ja auch noch heute sehr beliebt.

Aber da es ein Kinderbuch ist, gehe ich darüber einfach mal hinweg. ;)
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