blauerfalke: (geschichten)
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Okay. Ich bin fertig mit der Staffel. Wie erwartet und angekündigt, Mitte des Buches. Claudia und Louis haben Lestast getötet und sind auf dem Weg nach Europa (das in dieser Version mitten im Zweiten Weltkrieg steckt, also mal sehen, was das wird).

Vorher haben wir gesehen, wie Claudia abhaut, um sich auf diversen Universitäten zu bilden, Louis in einer Depression versinkt, der Lestat hilflos zusehen muss, Claudia wiederkommt, Louis ihr verzeiht und Lestat nicht, Lestat Louis zusammenschlägt (No go. Geht gar nicht. Auf keinen Fall. Wer diese Idee hatte...), sich dann jahrelang um Wiedergutmachung bemüht, es alle gemeinsam nochmal versuchen (oder auch nicht) und Claudia den Plan schmiedet, Lestat zu töten. Während New Orleans davon überzeugt ist, dass in dem Stadthaus in der Rue Royal der Teufel wohnt, und das mit Voodoo-Puppen und Drohungen ausdrückt, bis Lestat die Nerven verliert und entscheidet, dass sie alle nach Südamerika gehen müssen. Vorher geben sie noch einen Ball.
Wie Louis sagt: "The only crime that happend that night that was too atrocious to print happend on that dancefloor."
Dutzende Morde, aber es ist viel schlimmer, dass zwei Männer zusammen tanzen und einander küssen.

Ich habe noch immer keine Ahnung, was Louis Daniel das letzte Mal erzählt hat. Niemand wird es auch je erfahren, denn die Cassetten werden verbrannt und die Dateien gelöscht. Was ich stark vermute ist, dass Daniel das erste Interview nie zu einem Buch gemacht hat, denn Armand sagt aus, dass, wenn dieses Buch erscheint, Louis in großer Gefahr ist, weil alle Vampire der Welt versuchen werden, ihn dafür zu töten. Wäre das erste Buch erschienen, hätten wir das schon hinter uns. Und hätte Lestat seine Rockstar-Karriere schon hinter sich, wäre auch sein Buch schon erschienen und wir bräuchten uns diese Gedanken nicht zu machen.
Gehen wir also mal davon aus, dass das erste Interview folgenlos geblieben ist, wir also quasi wieder am Anfang der Timeline stehen. Irgendeine Theorie muss man ja haben.

Es stört mich noch immer, dass tagsüber schlafen freiwillig ist. Wie gesagt, Limitationen. Es nimmt der ganzen Grundlage einfach zu viel, dass jeder Vampir tun und lassen kann, was er will, so lange er nur die Sonne vermeidet. Oder auch nicht, denn wie schon vermutet, ist das eine Frage des Alters und der Macht, mit Armand als lebendem Beweis. Ja, das ist den Büchern entsprechend, aber das mochte ich noch nie.

Die Serie hat mir zu viel Sex und zu wenig Blut. Das klingt jetzt seltsam für eine Serie, die in jeder Folge wahre Blutfontänen spritzen lässt, aber was ich meine ist das, was Blut für einen Vampir bedeutet, und was in dieser Serie vollkommen unter den Tisch fällt. Anne Rice verwendet in "Interview with the Vampire" und "The Vampire Lestat" sehr viel Zeit darauf, zu beschreiben, was für ein Rausch oder sogar eine Extase das Trinken vom menschlichem Blut ist, wie essentiell es für die Natur und das Leben eines Vampir ist, und wie eng das Band im Moment des Trinkens zwischen dem Vampir und dem Menschen (oder dem anderen Vampir) ist. In der Serie klingt das nur ein einziges Mal an, in einer Szene zwischen Louis und Lestat weit vorne, bei der Louis noch menschlich ist, und die darum sowas wie ein Ersatz für eine Sexszene on screen ist.
Denn das Problem mit besagtem Band - wenn wir der Buch-Theorie folgen wollen - ist der Zugang zu Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen des Opfers während des Trinkens. Darum müssen Louis und Lestat Sex haben anstatt ihre intime Beziehung über Blut trinken auszudrücken: Würden sie dem anderen regelmäßig Zugang zu ihrer Gedanken- und Gefühlswelt gewähren, hätten wir all diese Missverständnisse nicht, die daraus resultierenden Probleme nicht und darum auch keine Handlung für die Serie.
Was für mich übrigens einen großen Reiz dieser Beziehung ausmacht: Sie lieben einander, aber sie sind so verschieden, dass sie nicht anders können, als einander ständig mißzuverstehen. Headcanon eins.

Von der Frage, ob ein Vampir, der nicht lebt und keinen Stoffwechsel hat, überhaupt Sex haben kann/sollte/wasauchimmer, mal ganz abgesehen. Ich meine zwar, in den Büchern war davon nicht die Rede, aber da kann ich mich jetzt irren. Für mich selbst ist die Antwort "nein". Headcanon zwei.

Weitere Randbemerkung: Glaube niemals Spoilern. Erst selber sehen. Da ich Filme nie auf die gleiche Art sehe wie andere, kommt auch meistens ein anderer Eindruck dabei raus. Mit der selbstkritischen Bemerkung, dass ich stellenweise die Mitte des Bildschirms nicht gesehen habe, als nur Ton und vage Bilder von einigen Szenen habe. Ich bin zart besaitet.

Charaktere. Jetzt wirds lang.

Armand - Armand ist ein arroganter, ignoranter Arsch. Perfekt getroffen also. Von diesem stoisch-emotionslosen Gesichtsausdruck über die "What's a petty star to a 500 year old Vampire?"-Bemerkung über die Sonne bis hin zu dieser "Ich muss jetzt noch schnell beweisen, dass ich auch fliegen kann, damit Daniel nicht glaubt, dass Lestat mir etwas voraus hat."-Angeberei, und nicht zu vergessen die "Ich beschütze Louis vor sich selbst."-Anmaßung. Ich weiß, ich werde nicht weitergucken, wenn sie erstmal über "The Vampire Lestat" hinaussind, schon "Queen of the Damned" werde ich mir sehr gut überlegen... aber für "The Vampire Armand" wäre ich leicht zu ködern. Sie haben offenbar ähnliche Vorstellungen von dem Charakter wie ich, das könnte sich lohnen. Und Assad Zaman ist auch optisch eine gute Besetzung. Nicht ganz jung genug, aber das passt schon.
Armand, der immer alles im Griff hat und immer alles besser weiß als jeder andere. Oder, falls nicht, es sich so lange einredet, bis er das fest glaubt. Dass er die ganze Zeit vorher den Assistenten spielt, hatte ich im Vorfeld für einen Scherz gehalten, aber jetzt bin ich davon überzeugt, dass es nur ein weiterer Zug in einem perfiden Spiel ist. Und das nicht zu Louis' Vorteil.

Daniel - wie gesagt, er ist in einer Lebenssituation, die Daniel in den Büchern nie erreicht hat, also ist er meilenweit von allem weg, was ich mir da jemals vorgestellt habe, und so stellt sich auch nicht die Frage, ob Eric Bogosian so aussieht oder nicht. Aber er ist ein sehr gut konstruierter Charakter und ich mag seine Sturheit. Ich mag sein Misstrauen, ich mag seine "Scheiß daruf, soll er mich doch umbringen"-Attitüde, mit der er immer weiterbohrt. Er hat Angst, aber die setzt er in Wut um. Ihm ist in jeder Sekunde klar, dass das sein letzter Atemzug sein könnte, aber er macht weiter - das muss er, denn Daniel ist dafür da, Zweifel zu schüren. Daniel hat ein Ziel, und je weiter es in die Serie hineingeht, umso persönlicher wird es für ihn: Die Wahrheit. Und sich nicht kontrollieren lassen. Warnung gehört, Ratschlag gehört, beides ignoriert. Ein erfahrener Journalist und einer mit Ethos, auch wenn Louis noch immer "the boy" sagt. Stimmt nicht. Daniel hat ein Recht, sich das zu verbitten, denn das ist er nicht mehr.

Claudia - Ich mochte Claudia nie, egal in welcher Inkarnation. Ich kann sie auch jetzt nicht leiden, und aus den gleichen Gründen, aus denen ich sie auch sonst nicht leiden konnte, also ist das ein gutes Zeichen. Dazu kommt noch ein ganzer Haufen neuer Gründe, aus denen ich sie nicht leiden kann, aber alle passen zum Charakter. Da sie so viel älter ist, ist die Beschwerde darüber, nie erwachsen zu sein, nichtig, also beklagt sie sich darüber, dass sie nie Mutter sein wird und dass sich nur Pädophile und kleine Jungs sexuell für sie interessieren werden. Da die Serie die Zeitlinie massiv gestrafft hat, ist sie zum Staffelende nur halb so alt wie im Buch, was für meinen Geschmack diese Vorwürfe doch ein bisschen übertrieben erscheinen lässt - ich schätze, sie wissen das, darum beschränken sie sich auf ein oder zwei Szenen deswegen. Stattdessen scheint ihre Hauptmotivation in etwa die gleiche zu sein wie Armands: Kontrolle. Es läuft so, wie sie das will oder es läuft gar nicht. Schon in ihrer ersten Nacht als Vampir fasst sie den Entschluss, alles aus der Sache herauszuholen, was sie kann, und das zieht sie konsequent durch. Und das, was ihr dabei im Weg steht, ist Lestat, denn der hat einen ähnlichen Willen und eine ähnliche Skrupellosigkeit. Das kann sie nicht dulden, und darum ist es über die ganze Strecke hinweg nichts als Kräftemessen - aber Claudia ist methodischer und besser in ihrer Planung, und sie hat als Druckmittel, Louis gegen Lestat aufzuhetzen. Sie hat die Schwachstellen des Gegners erkannt und sie nutzt sie. Das garantiert, dass die Geschichte den vorgeschriebenen Lauf nimmt, aber da sie andere Variablen geändert haben, sorgt es auch dafür, das Claudia noch egozentrischer und rücksichtsloser erscheint, als sie es immer schon war. Auch nicht die Spur eines Versuches davon, sich auch nur einmal in jemand anders hineinzuversetzen. Und sei es Louis, den sie angeblich liebt. All das ist ihr vollkommen egal auf ihrer Queste, ihren Willen zu bekommen. Das macht es ein bisschen einseitig für meinen Geschmack...

... auf der anderen Seite trägt es aber auch zu den Zweifeln bei, von denen ich sprach. Je weiter die Serie fortschreitet, umso mehr Zweifel streuen sie an dem, was Louis erzählt. Wie gut ist seine Erinnerung wirklich? Wie wahrheitsgetreu sind die Aussagen? Was für eine Agenda steht hinter diesen Interview, und gibt es überhaupt eine? Warum nochmal das Ganze (gerade wenn es kein Buch nach dem ersten Interview gab)? Ein Vampir hat es nicht nötig, seine Memoiren zu schreiben, und Louis ist nicht der "beachte mich um jeden Preis"-Typ. Was also bringt ihn dazu, all das noch nochmal durchleben zu wollen? Emotional ist es offenbar so anstrengend, dass Armand mehr als einmal einschreiten muss, um Louis "vor sich selbst zu schützen". Was also ist das Motiv? Läuft hier etwas aus dem Ruder, von dem Armand dachte, dass er es kontrollieren kann?

Nochmal kurz zurück zu dem Verhältnis Lestat/Claudia in den letzten Folgen, nachdem Louis ihn zurückgenommen hat und sie die Regeln aufgestellt haben, an die sich alle zu halten haben: Louis gibt Lestat die Schuld daran, dass es so läuft, wie es läuft. "He would not have it any other way." - alle drei zusammengesperrt in Schmerz und Hass, weil Lestat es so will. Aber alles, was wir sehen - abgesehen von Louis, der zu vermitteln versucht - ist Claudia, die Lestat immer nur das Schlechteste unterstellt und ihn ständig provoziert. Okay, nicht alles, auch Lestat bricht eine Abmachung und benimmt sich daneben, aber sie ist es, die ständig Konfrontation sucht und in seinen Schwachstellen bohrt. Es gibt keinen einzigen gezielten verbalen Angriff auf Claudias Schwachstellen von Lestats Seite her - das Maximum ist eine Szene, die überraschenderweise in allen Inkarnationen auftritt, im Buch, im Film von 1994 und eben auch hier, in der Lestat am Klavier sitzt und zu Claudia "You irritate me. Your very presence irritates me." sagt. Das ist eine Beleidigung, aber eben der oberflächlichen Art, nicht das, was Claudia tut.
Was also ist die Wahrheit?

Ob Bailey Bass nun aussieht wie Claudia oder nicht, ist mir dabei persönlich vollkommen egal. Sie haben die Essenz des Charakters getroffen und sie spielt es im Rahmen der Prämisse der Serie ausgezeichnet. Auch wenn ich zugeben muss, dass, wie bei Armand, die Bandbreite hier eher berschränkt bleibt. Claudia hat keine Schwächen. Zumindst keine, die sie zeigen würde.

Und damit zum Wichtigsten des Ganzen, Louis und Lestat. Sie haben die Kurve doch noch bekommen. Es ist noch immer nicht ganz "mein Louis", aber sie haben es in den letzten drei Folgen doch noch geschafft, Wut und Geltungswillen in den Hintergrund zu stellen, und mehr emotionale Konflikte herauzuholen. Den Verlust der leiblichen Familie, sein sich Klammern an Claudia als Ersatz, als die Tochter, die er nie haben wird und zugleich die Schwester, die er verloren hat. Der Schmerz, der ihm zugefügt wird, weil er in der Mitte zwischen ihr und Lestat steht und versucht zu vermitteln. Alles versucht, damit es zwischen ihnen allen funktioniert, und doch scheitern muss. Sie haben seine Wutausbrüche zurückgefahren, so dass sie, wenn sie auftreten, ein umso stärkerer Bruch sind - Louis ist ein Charakter, der viel mit sich machen lässt, der um des lieben Friedens Willen viel auf sich zu nehmen bereit ist, aber wenn er wütend wird, dann ist seine Wut fürchterlich. In der Serie gibt es den Brand der Plantage ebenso wenig wie den des Statdhauses, also werden wir wohl auf Paris warten müssen, um das ganze Ausmaß zu sehen... aber wenigstens gibt es jetzt Anklänge an diese zwei Seiten von Louis' Persönlichkeit. Von meiner Warte aus hätte es auch noch mehr Faszination und Respekt für das Leben an sich und seine Unverletzlichkeit geben können, aber das war nach den ersten Folgen nicht mehr zu erwarten. Darum geht es vor allem darum, Claudia im bestmöglichen Licht darzustellen und selbst nicht mehr zu sein als der objektive, nicht involvierte Erzähler. Aber jemand wie Louis kann nicht nicht involviert sein, und das bricht in den letzten Folgen dann doch noch durch. Für mich persönlich ist natürlich auch wichtig, dass er endlich eingesteht, Lestat zu lieben, zumindest für den Bericht - und dass er es auf dem Ball, kurz bevor alles endet, dann auch endlich zeigt. Zuvor gibt es schon Anklänge davon, das im Fandvom viel beschworene "he chose Lestat over Claudia", auf das ich gewartet habe...
Kurz, es gibt in beiden Zeitlinien jetzt reichhalitigere Gefühlsebenen für die Charakter, und ich glaube, es wäre für Louis' Darstellung sehr viel besser gewesen, wenn sie beibehalten hätten, was Blut für einen Vampir bedeutet. Weil das zu dem großen inneren Konflikt des Charakters gehört und weil das jetzt vollkommen wegfällt. Louis beginnt von einem Tag auf den anderen, Menschenblut zu trinken, nur weil sie das als weitere Regel für das Zusammenleben aufstellen. Er sagt, dass sie halt alle Kompromisse eingehen müssen - aber erstens ist das zu einem Zeitpunkt, wo ich angenommen hatte, dass er schon jahrelang Menschenblut trinkt, und zweitens ist das mehr als Kompromiss, das ist ein schweres Opfer. Und das machen sie einfach so nebenbei.
Da wäre viel mehr gegangen, wenn sie sich mit den Facetten von Louis eingehender beschäftigt hätten. Vor allem mit dem, was in den Büchern ständig von allen als seine große Faszination angeführt wird: seine Melancholie. Verführerisch traurig menschlich.
Übrigens, dieses "Louis beschützen müssen" ist keine Idee, die sie für die Serie erfunden haben, und sie war immer fehlgeleitet von denen, die sie anführen. Louis kann auf sich selbst aufpassen.

Jacob Anderson macht einen sehr guten Job in der Rolle. Dass er schwarz ist, ist für diese Inkarnation essentiell, wie schon letztes Mal gesagt, und es stört mich auch nicht. Er ist schwarzhaarig und er hat grüne Augen. Ja, das ist wichtig für mich, auch wenn sie Mr. Anderson dafür Kontaktlinsen einsetzen mussten. Das ist etwas, was ich bei Harry Potter immer bemängelt habe, und da ist die Augenfarbe von Harry sogar noch wichtiger als die von Louis. Bei Louis wird sie nur ständig erwähnt und hat keine symbolische Bedeutung, aber mir ist das halt wichtig.

Aber hier greift dann auch wieder das "Ich sehe Filme anders als andere Leute." - jeder ist sehr beeindruckt von Mr. Andersons schauspielerischer Leistung, und auch wenn ich die nicht schmälern will und er eine beachtliche Bandbreite zeigt, finde ich, dass über die Vergleiche der sehr unterschiedlichen Charaktere doch sehr untergegangen ist, dass die größte Bandbreite auf Lestats Seite liegt, und dass die größte schauspielerische Leistung der Serie die von Sam Reid ist, der zwischen großen Gesten, französischem Schimpfwörtern, Temperamentsausbrüchen, der absoluten Stille des lauernden Raubtiers, tiefer Verletzlichkeit, anbetender Liebe, Panik, Menschlichkeit und Nicht-Mensch-Sein alles das zeigt, was Lestat ausmacht. Die gesamte Bandbreite eines Charakters, dessen Grundlage eben diese Bandbreite ausmacht, mit allen großen Emotionen, die nicht immer angemessen sein mögen, die er aber trotzdem nach außen lebt. Das Gegenstück zu der leisen, stillen Faszination von Louis ist Lestats wilde Lebendigkeit. Das Licht und das ungestüme Leben in all seinen Extremen.
Ich gebe zu, es wird Mr. Reid leicht gemacht, all das zu zeigen. Lestat war Anne Rices Lieblingscharakter, und da sie ihn nicht nur auf dem ersten Band basieren, sondern auch auf den späteren, bekommt er von allem nur das Beste - und das ist eben dieses sprühende Leben, aber auch die großen Probleme, die damit einhergehen. Lestat macht sich nicht klein und er fühlt nicht klein. Lestat kennt nur ganz oder gar nicht - und um da noch eins draufzusetzen stellen sie in jeder Sekunde unmissverständlich klar, dass Lestat Louis liebt. Das ist seine gesamte Motivation. Er würde alles für ihn tun. Alles, damit Louis ihn auch liebt. Ganz egal was, ganz egal wie extrem, ganz egal wie albern, ganz egal wie gefährlich. Dafür, dass Louis ihn liebt und dass er glücklich ist. Dafür holt er Claudia zurück, als sie zum zweiten Mal abhauen will: für Louis. Ob diese Version von Lestat Claudia liebt, kann ich nicht sagen - die Buchversion tut es - aber ich tendiere zu ja, auch wenn es sehr vage bleibt. Nur daran festzumachen, dass Louis von "us" spricht, wenn er darüber redet, was war, als Claudia zum ersten Mal geht. Aber es kann natürlich auch die Hilflosigkeit darüber sein, dass Lestat Louis zu diesem Zeitpunkt noch weniger erreichen kann als zuvor. Noch mehr abgeschoben als zuvor. Es gibt nur zwei Stellen insgesamt, in denen Louis deutlich die Bestätigung gibt, die Lestat die ganze Zeit über zu provozieren versucht (und nicht immer mit guten Mitteln), die eine ist der schon erwähnte Ball, nach dem sie Lestat töten werden, und die andere die Szene, in der Louis Lestat zur Rede stellt, weil der ein Lied für ihn geschrieben hat - und dafür durch den Missisippi geschwommen ist, weil er schneller schwimmen kann als fahren, also klatschnass ist. Der Moment, in dem er ihn zurücknimmt.
Und natürlich die Tatsache, dass Louis sich weigert, Lestats Leiche zu verbrennen. Wie Daniel schon sagt, er hat alles dafür getan um sicherzustellen, dass Lestat die Sache überlebt.
Was also ist die Wahrheit?

Dass Sam Reid genauso aussieht, wie ich mir Lestat vorstelle, hilft natürlich auch. Und dass er auch diese Ausstrahlung von Gentlemangauner hat, die ich mit dem Charakter verbinde. Elegant und verwegen.

Noch kurz drei Dinge - ich glaube nicht, dass Antoinette in der Lage sein sollte, Louis' und Claudias mentale Gespräche zu belauschen. Das widerspricht der Theorie. Ja, Vampire können "Botschaften für die Massen" aussenden, aber ein Dialog findet immer zwischen zweien statt, nicht hörbar für einen Dritten.
Ich finde es schade, dass sie es nicht gewagt haben zu zeigen, was Blutverlust mit einem Vampir macht. Lestat ist tot, aber er sieht aus wie Lestat, nicht wie das vertocknete, vogelscheuchenartige Monster, das er sein sollte.
Und das Lied heißt "Come to me" - abgesehen davon, dass das genau der Ruf ist, den Lestat zu Beginn der Serie gegenüber Louis verwendet, ist das auch genau der Ruf, mit dem Armand in Paris versucht hat, Lestat für sich zu gewinnen. Und ich bin sicher, die Macher der Serie wissen das, schließlich haben sie ihren Stoff gut gelesen.

Fazit: Im Ganzen doch die Erwartungen übertroffen. Und Sam Reids Lestat zu übertreffen ist höchstwahrscheinlich unmöglich. Zumindest wenn man meine Grundansichten teilt. Die armen Leute, die der Meinung sind, dass Lestat Armand (oder David oder Marius oder wen auch immer) liebt, hoffen sicher genauso auf die nächsten Staffeln wie ich mir um die Sorgen mache.
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