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Dresden liegt in Sachsen. Genauer gesagt ist es die Haupstadt des Freistaates Sachsens und Deutschlands östlichste Großstadt. Es ist mit ca 555 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Sachsens (nach Leipzig) und hat ein eigenes Autokennzeichen, nämlich DD.
Die meisten Leute kennen Dresden, weil dort am 13. Februar 1945 einer der bekanntesten Fliegerangriffe des Zweiten Weltkrieges stattgefunden und die Altstadt zerstört hat. Bekanntestes Opfer dieses Bombenangriffs ist die Frauenkirche, die sehr lange als Ruine als Mahnmal gedient hat, und die Dank einer großen Spendenaktion jetzt wieder aufgebaut ist (und weiterhin als Mahnmal dient).
Ferner hat Dresden eine sehr bekannte Barockstadt, die aus dem Schloss samt Hofkirche, dem Zwinger und der Semperoper besteht, sowie der Brühl'schen Terasse am Elbufer. Des weiteren gibt es unter der Brühl'schen Terasse noch die alten Wehranlagen, die Kasematten. Die kann man auf dem berühmten Gemälde von Canaletto natürlich nicht sehen, denn die sind wie gesagt unterirdisch.


Bevor es Landeshauptstadt eines Bundeslandes wurde, war Dresden eine Residenzstadt, wovon noch heute der Fürstenzug an der Seite des Schlosses und eine Panorama-Vorführung einer Fürstenhochzeit im Zwinger künden. Dresden war reich, Dresden war kultiviert, Dresden war wer. Sein Beiname Elbflorenz zeigt das sehr deutlich.

Und weil Dresden auch heute noch bekannt ist, hat es viele Städtepartnerschaften von Rang. Als da wären Breslau, St. Petersburg, Skopje, Ostrava, Brazzaville, Florenz, Hamburg, Rotterdam, Straßburg, Salzburg, Columbus (Ohio) und Hangzhou. Und natürlich Coventry. Der Ort, den die Deutschen so legendär zerbombt haben wie die Briten eben Dresden. Eine Städtepartnerschaft mit Bedeutung auf mehr als einer Ebene.

Das Hauptziel der meisten Touristen, die nach Dresden kommen, ist die Barockstadt, und das zu Recht. Sie ist beeindruckend und der Bereich ist ausgezeichnet restauriert und sehr schön. Es gibt noch weitere Palais und natürlich eine Menge Museen in diesem Bereich, allen voran das bekannte Grüne Gewölbe mit seinen einzigartigen Schätzen.
Drum herum gibt es auch interessante moderne Architektur wie die Neue Synagoge oder den Kulturpalast.

Auf der anderen Seite der Elbe befindet sich die barocke Neustadt und weiter draußen gibt es eine Menge Gründerzeit-Architektur und beeindruckende Villen. Nicht zu vergessen berühmte Brücken wie das Blaue Wunder oder berüchtigte Brücken wie die Waldschlösschenbrücke. Egal, in welchem Stadtteil von Dresden man ist, es gibt immer etwas zu sehen, architektonisch und historisch, und viele Viertel sind auch noch sehr grün. Dresden ist eine der schönsten Städte Deutschlands.

Darüber hinaus ist Dresden auch noch eine praktische Stadt. Sie ist nicht groß genug, um erschlagend zu sein, sie hat alles, was man braucht, und alles ist erreichbar. Das liegt nicht zuletzt an Dresdens ausgezeichnetem ÖPNV, in dem fast alles im 10-Minuten-Takt fährt, vieles aufeinander abgestimmt ist, und der bestens funktioniert. Dresden landet regelmäßig auf einem vorderen Platz, was Bewertungen angeht, und das zu Recht. Und die Tageskarte ist mit knapp 7 Euro auch nicht besonders teuer.

Das Deutsche Hygienemuseum befindet sich am Rand des Großen Gartens, Dresdens größtem Park. Es ist in einem Gebäude aus den 1930ern untergebracht, dem man die Bauzeit von außen stilistisch auch eindeutig ansieht, das von innen aber modern renoviert ist. Es wirkt sachlich und nüchtern und passt damit gut zu der naturwissenschaftlichen Herangehensweise des Museums, das sich mit dem Menschen an sich beschäftigt, biologisch, kulturell und sozial. Und mit der Geschichte des Museums, das als Wanderausstellung ohne Haus begann, wobei sie auch schwierige Kapitel wie die NS-Zeit nicht verschweigen. Eine Seitenwand im ersten Raum der Dauerausstellung ist dieser Historie gewidmet, die auch darum interessant ist, weil sie deutlich zeigt, was zu den entsprechenden Jahrzehnten als wichtig angesehen wurde, was der Normalbürger über die Funktionen seines eigenen Körpers wissen sollte.

Gleich im ersten Raum steht auch das Prunkstück der Sammlung, die Gläsnerne Frau. Es handelt sich um ein durchsichtiges lebensgroßes Modell einer Frau, so dass die Organe zu sehen sind, welche per Knopfdruck einzeln aufleuchten. Zur Freude sicher jedes Museumsbesuchers ist das Schaltpult frei zugänglich, so dass sich jeder daran versuchen kann.
Daneben gibt es natürlich noch weitere Modelle von mehr oder weniger vollständigen Menschen oder Körperteilen, von Krankheitsdarstellungen oder Ausscheidungen, anschauliche Erklärungen davon, was sich an einem menschlichen Körper über die Lebensphasen hinweg ändert, Gesundheits-Informationsplakate aus mehreren Jahrzehnten, Apparaturen, um die Gesundheit zu erhalten oder zu verbessern... kurz, eine Übersicht darüber, was den Menschen biologisch ausmacht und wie unser Wissen davon sich entwickelt hat.
Dazwischen gibt es kulturelle Bezüge, z.B. einen Bereich über Essen, und natürlich einen recht großen Bereich über den Dauerbrenner Sex und Gender. Der hat unter anderem den schönen "Consent and Tea"-Cartoon, den ich persönlich sehr mag.
Immer wieder gibt es Mitmach-Stationen, in denen man testen kann, wie schnell sich die eigenen Sinne betrügen lassen, wie wenig ein schwerhöriger Mensch noch so hört oder wie gut es um den eigenen Gleichgewichtssinn bestimmt ist. Alles ist ist hell, freundlich und modern eingerichtet, wirkt gut durchdacht, einladend und übersichtlich.

Die besuchte Sonderausstellung hieß "Von Genen und Menschen" und beschäftigte sich genau damit. Was ist ein Gen? Was sagen Gene aus? In wie weit unterscheiden sich Menschen genetisch von anderen Lebewesen und von einander? Was sagen Genspuren in der Kriminalistik tatsächlich aus? Wie sinnvoll sind Gentests, um herauszufinden, wer mit wem verwandt ist? Oder in welchen Ländern die eigenen Vorfahren gelebt haben? Und was ist eigentlich in der Fortpflanzung möglich, mit künstlicher Befruchtung und massgeschneiderten Kindern, genetischen Krankheiten schon vor der Geburt erkennen - und was ist ethisch vertretbar? Viele schwierige Themen, viele interessante Themen. Mir persönlich gab es zu viele Filme, aber ich bin da eher der klassische Besucher und lese Schilder, und mir ist bewusst, dass ich da zu einer aussterbenden Spezies gehöre.
Natürlich hatte die Ausstellung auch einen Kunstbereich, aber das ist eher nicht so meins. Auch wenn das riesige Huhn-Skelett schon irgendwie amüsant war.

Im Gegensatz dazu sind die Neuen Meister - oder korrekter, die Galerie Neue Meister im Albertinum - ein Kunstmuseum. Kunst ab der Romantik bis in die Moderne in einem tollen Gebäude, das mit seinem großen Lichthof selbst schon eine Attraktion darstellt (auch ohne Feueralarm, der sich zum Glück als Fehlalarm herausstellte). In diesem mehrstöckigen überdachten Atrium gibt es eine Kollektion Würfel und Säulenteile, die eine interaktive Kunstinstallation sind, die zum Sitzen, Herumschieben und Bauen einläd. Direkt daneben steht eine Tischtennisplatte, von der mir nicht klar ist, ob das auch ein interaktives Kunstwerk ist. Wenn ja, dann funktioniert es ausgezeichnet. Es spielt eigentlich ständig wer Tischtennis (ja, wir haben das natürlich auch getan).
Es gibt in der Galerie Werke von vielen sehr bekannten Künstlern. Wir haben uns den Scherz erlaubt, die Bilder von Caspar David Friedrich zu zählen und ich meine, wir sind auf 10 gekommen (und das sind sicher nicht alle, die sie haben, sondern nur die, die zur Zeit ausgestellt werden). Der Rundgang ist chronologisch aufgebaut, was sehr dabei hilft, die Veränderungen in den Kunstströmungen zu erkennen und nachzuvollziehen. Dazwischen gibt es auch immer mal wieder "Ausreisser", die zeitlich nicht in den Raum gehören, was aber vor allem dem Aufbau geschuldet ist - die meisten Skulpturen sind im Klinger- und im Mosaiksaal versammelt, und das namensgebende Mosaik des zweiten Saals kann man halt nicht mal eben woandershin räumen.
Ich gehe davon aus, dass das Museum darauf achtet, immer einige Glanzstücke zu zeigen, aber im Ganzen machte es doch den Eindruck einer dynamischen Ausstellung, die immer wieder aktualisiert wird, um eben auch immer wieder andere Werke zugänglich zu machen. Wie jedes Museum hat auch das Albertinum sicher ein Magazin, das das Vielfache der Ausstellung enthält. Man kann eben nur eine begrenzte Menge Kunst ausstellen und auf einmal ansehen.
Ich habe nicht besonders viel Ahnung von Kunst, aber es war interessant. Vor allem die unterschiedlichen Stile, die unterschiedlichen Gewichtungen und auch die unterschiedlichen Stimmungen und Intentionen. Dazu trug auch die aktuelle Sonderausstellung mit zeitgenössicher Ukrainischer Kunst bei, wobei ich zugeben muss, dass ich den Vorraum mit den historischen Erklärungen und die damit einhergehenden alten Filme am interessantesten fand.

Zwei Museen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten - und Dresden hat noch eine ganze Menge mehr spannender Museen. Und schöne Stadtteile. Mehr als genug, um einen Urlaub zu verbringen. Mehr als genug auch für mehrere Urlaube. (Und dabei habe ich die Theater jetzt noch gar nicht erwähnt.)

Dresden scheint übrigens keinen Stadtslogan zu haben. Das Stadtlogo zeigt einfach den Stadtnamen, einmal aufrecht und einmal über Kopf gespiegelt. Dafür bin ich aber ziemlich sicher, dass die Stadtfarben gelb und schwarz sind. Das Stattwappen zeigt jedenfalls den Meißener Löwen und senktrechte Streifen in schwarz-gelb.

Laut Wikipedia kommt der Stadtname übrigens von Drežďany (sorbisch für Sumpf- oder Auwaldbewohner).
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