blauerfalke: (erzählen)
[personal profile] blauerfalke
von Theo Sommer (Hrsg.)

Es handelt sich um eine Essay-Sammlung, die von Oktober 2003 bis April 2004 unter dem gleichen Namen in der Hamburger Wochenzeitig erschienen ist. Verantwortlich dafür zeichnen sich die Ressorts "Leben" und "Wissen" der ZEIT-Redaktion. Mit diesem Buch sollen die Texte auch den Leuten zugänglich gemacht werden, die die Zeitung nicht lesen.

Jedes Kapitel befasst sich mit einem Bereich des Lebens. Sie haben Titel wie "Wie man in Deutschland geboren wird", "Wie man in Deutschland sich informiert", "Wie man in Deutschland glaubt" oder "Wie man in Deutschland kriminell wird" und gehen mehr oder weniger chronologisch durch das Leben der Deutschen, so dass das letzte Kapitel "Wie man in Deutschland begraben wird", heißt. Jedes Kapitel ist von einem anderen Redakteur geschrieben worden, aber das merkt man beim Lesen kaum, so ähnlich sind sich die Stile. Entweder ist das einfach deutscher Journalismus-Stil oder die ZEIT bzw. die Hamburger Wochenzeitung hat da Vorgaben gemacht. Es ist also aus einem Guss.

Es ist auch ein deutsches Buch, und deutsche Bücher dürfen per se nicht humorvoll oder einfach unterhaltend sein (es sei denn, sie werden von Comedien/ne/s geschrieben, für die es dann oft ein sehr schwieriger Balanceakt ist, nicht in unerträgliches Kalauern abzudriften). Dieses ist ein seriöses Buch, also ist es seriös geschrieben. Ab und an blitzt etwas Menschliches durch und erscheint ein Absatz ein weniger menschlicher, aber auch das ist nur sehr selten einfach unterhaltsam, denn wie ebenfalls bei deutschen Büchern über Deutschland muss das Buch zu dem Fazit kommen, dass im Grunde alles schlecht ist. Nicht so schlecht, dass es furchtbar ist und sofort geändert werden muss (oder gar, dass es Perspektiven anbieten würde), aber schon irgendwie schlecht. Deutschland ist kein gutes Land, weder, um darin zu studieren, krank zu zu werden, einem Verein beizutreten, noch alt zu werden. Und wenn es nicht total furchtbar ist, dann gibt es da seltsame Menschen, die ihre Kinder lieber in Geburtshäusern kriegen statt in Kliniken, mit den Kindern dann nicht klarkommen, oder unerklärlicherweise seit 30 Jahren glücklich verheiratet sind, wo man dann doch eigentlich einen Essay über die Scheidungsrate schreiben wollte. Vieles hat einen sarkastischen oder ironischen Unterton, vieles klingt einfach nur mäkelnd. Auch das ist eine sehr deutsche Eigenschaft. Deutsche begeistern sich nicht, rein sicherheitshalber. Man hat ja in der Geschichte gesehen, was passiert, wenn sie das tun. Also lieber nüchtern und skeptisch sein.

Ich denke oft genug, dass diese Grundhaltung im Leben tatsächlich für so etwas wie Besonnenheit und Vernuft sorgt, aber ein Buch dieser Art macht sie doch sehr anstrengend. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich die Essays in Buchform nacheinander gelesen habe und nicht als Serie in einer Wochenzeitung. Vielleicht wirken sie mit mehr Abstand dazwischen nicht so düster und desillusioniert... Es käme auf einen Versuch an.

Nicht, dass ich in Versuchung wäre, das Buch noch einmal zu lesen, dafür fand ich den Tonfall zu deprimierend. Aber vielleicht als Ratschlag für jeden, der es noch lesen will.
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