Frankenstein Junior
Mar. 10th, 2024 04:30 pmMusical von Mel Brooks und Thomas Meehan, basierend auf dem gleichnamigen Film von Mel Brooks
Es spielt die Oper Bonn.
Victor Frankenstein ist tot. Einziger noch lebender Verwandter ist Frederick Frankenstein ("Es spricht sich Fronkensteen!"), der als Professor für Anatomie in New York doziert und jetzt nach Transsylvanien reisen muss, um den Nachlass seines Großvaters zu regeln. Dazu lässt er seine Verlobte Elizabeth zurück, trifft das Faktotum Igor, die Haushälterin Frau Blücher und stellt die sehr blonde und sehr vollbusige Laborassistentin Inga ein, auch wenn er nicht die Absicht hat, irgendwas in dem Labor zu machen. Was er dann natürlich doch tut. Er erschafft eine Kreatur, erweckt sie zum Leben und muss dann die gebeutelten Dorfbewohner davon überzeugen, dass die Kreatur harmlos ist. Am Ende überträgt er seinen IQ und seine Bildung auf die Kreatur, die ihm zuvor schon die Verlobte ausgespannt hat. Das macht aber nichts, denn Frederick hat sich zwischenzeitlich sowieso in Inga verliebt. Und weil er bei der Gehirnwellenübertragung auch was von der Kreatur gelernt hat, hat das auch für Inga entsprechende... sagen wir mal, Vorteile.
Der Film ist von 1974, und alleine das reicht aus, um die Hälfe des Problems zu erklären. Es ist eine Komödie aus einer Zeit, in der Komödien nur komplett waren, wenn mindestens ein dummes, vollbusiges Blondchen darin mitspielte. Auch aus einer Zeit, als Sex als Erweckung einer Frau zum wahren Leben verstanden wurde, und auch ungeniert propagiert werden durfte, egal, ob es dabei für Lacher sorgen sollte oder nicht. Und so ist es dann auch - Inga ist dumm, naiv, schön, herzensgut, singt über "Roll dich im Heu" und "Dein Herz weiß warum" und kriegt dafür nachher den Helden. Frau Blücher ist streng, zugeknöpft, Victor Frankenstein war ihre große Liebe, auch wenn er sie ständig verprügelte, und muss darum ihren Rock hochbinden, ihr Strumpfband zeigen und sich breitbeinig rittlings auf einen Stuhl setzen, um das während ihres Songs drastisch zu veranschaulichen. Am Ende geht sie in den Wald, zu einem blind date mit dem blinden Einsiedler. Elizabeth ist modisch, neurotisch, reist nur mit fünfköpfiger Schöneheitcrew, und ihr Verlobter darf sie nicht anfassen - dann entführt die Kreatur sie, beide verschwinden im Wald und eine Projektion einer sich öffnenden Knospe und von Feuerwerk vermittelt dem gebildeten Publikum, was sie da offstage machen. Danach singt sie von Liebe und heiratet am Ende die Kreatur.
Kann man heute eigentlich nicht mehr aufführen und das ernst meinen.
Das zweite Problem liegt darin, dass das Buch einfach nicht stark genug ist. Es mag für einen Film reichen, vielleicht ist der auch Kult und darum muss man den jetzt so dicht dran wie möglich auf die Bühne bringen, aber es ist ein amerikanischer Film, der Humor ist flach und falls es scharfe Wortwitze im Original gibt, sind die in der deutschen Übersetzung nicht vorhanden. Charakterisierungen oder gar Tiefgang wird nicht gefragt, die Lieder sind reine Aneinanderreihung von Nummern, die auch nicht immer Sinn machen, und wenn der Plot sich komplett aufhängt, machen wir halt schnell eine Tanznummer.
Zugegeben, die Tanznummern sind gut. Sie sind nicht spektakulär, aber sie sind fröhlich, voller Energie, und auch wenn sie genauso sinnlos sind wie alles andere auch, hatte ich Spaß daran, sie anzusehen. Leider gibt es im zweiten Akt nur noch eine große Shownummer - absolutes Highlight des Abends - so dass der noch mehr wirkt wie eine Nummernrevue, zumal darin eben auch Dinge wie die Szene mit dem blinden Einsiedler eingeschoben sind, die wirklich nur als komische Zwischenszene gedacht sind, und durch die man dann halt irgendwie durchmuss.
Ich habe mich nicht gelangweilt, aber ich habe mich ein paar Mal gefragt, ob das jetzt wirklich ihr Ernst ist, ob das jetzt wirklich sein muss, und ob man da nicht was hätte straffen können. Wahrscheinlich nicht. Wie gesagt, Film-Vorbild treu bleiben und so...
Der Score ist ebenso belanglos, der einzige Song, der im Gedächtnis bleibt, ist die Shownummer aus dem zweiten Akt, und das ist "Puttin' on the Ritz" von Irving Berlin aus dem gleichnamigen Film, also nicht von Mel Brooks.
Die Besetzungen werden im Beilegeblatt zum philosophischen Programmheft - Wer war Mary Shelly, was ist "Frankenstein", sollte der Mensch sich erdreisten, Gott spielen zu wollen... ach so, hier noch ein Absatz zur Handlung - zwar erwähnt, aber nur als Namen, ohne jede Zusatzinformation. Mindestens drei davon gehören nicht zum Hausensemble, beim Rest... keine Ahnung.
Mathias Schlung spielt Frederik Frankenstein mit großem körperlichen Einsatz und ebensolchen Enthusiasmus, und wird davon unterstützt, dass seine Haare schon die halbe Charakterisierung der Rolle mitbringen. Sein erster Song geht über das Gehirn, offenbar eine Vorlesung, bei der er von Cheerleadern und tanzenden Gehirnen unterstützt wird, was dermaßen absurd wirkt, dass man nachher nicht mehr in Frage stellt, warum der leitende Anatom der Welt in seiner Freizeit Broadwayroutinen sing und tanzt. Sein zweiter großer Song ist ein Duett mit Igor (Michael Heller), der angemessen bucklig ist, auch wenn der Buckel ständig wandert, aber das ganze Stück in einer Art 1900er-Badeanzug für Männer spielen muss. Diese gestreiften Dinger mit halblangen Beinen und Trägern. Die ganze Figur ist irgendwo zwischen Klamauk, Schoßhund und hyperaktivem Kind angelegt, so dass man gar nicht mehr auf die Idee kommt, weiter darüber nachzudenken und Herrn Heller vor allem für seine unerschöpfliche Kondition Achtung zollt.
Carina Sandhaus (Elizabeth) und Kara Kemeny (Inga) spielen reine Schablonen und machen das auch ausreichend rollendeckend, wenn auch zurückhaltender, als man es in einem solchen Stück erwarten würde. Vielleicht war das der Idee geschuldet, dass es nach einem Ensemble-Stück aussehen sollte und nicht danach, als würden alle Darsteller versuchen, sich gegenseitig auszustechen. Sollte das der Grund sein, wäre es eine sehr deutsche Herangehensweise an ein amerikanischen Stück und darum vielleicht sogar kontraproduktiv.
Frau Blücher wird von Daniela Ziegler gespielt, die der Rolle selbst in den peinlichsten Momenten noch Würde verleiht und mit Größe über jede Abstrusität hinwegspielt, was der Haushälterin doch noch so etwas wie Substanz und Echtheit vermittelt.
Und aus dem Ensemble heraus würde ich gerne noch Nico Hartwig erwähnen, der eine weitere eingeschobene Szene anführt, als Victor Frankenstein, der seinem Enkel in einem Albtraum erscheint und ihn dazu auffordert, das Familenunternehmen weiterzuführen. Eine total überflüssige Nummer, aber Herrn Hartwigs Charme, schmierige Arroganz und natürlich seine tänzerischen Fähigkeiten (und die des Rests des Ensembles) machen sie zumindest sehr kurzweilig und unterhaltsam. Herr Hartwig spielt auch den Vampir, der am Ende des Stückes vorbeikommt und Frankenstein Junior fragt, ob er das Schloß kaufen kann - ich frage mich, ob die Regie uns damit etwas sagen wollte, dass sie für beide Rollen denselben Schauspieler besetzt... Oder ob sie einfach niemanden anders mit der gleichen Eleganz hatten.
So weit, so gut. Ich wusste vorher um die Schwächen des Stücks, ich wusste vorher, dass es nicht meins ist, also werde ich mich nicht beschweren. Ich bin da nicht hingegangen, um das Stück zu sehen, sondern weil Ethan Freeman mitspielt. Und wer mitgezählt hat, kann sich sicher auch schon denken, was. Genau. Die Kreatur.
Die Rolle besteht darin, ungelenk und deutlich animalisch zu wirken, und dazu passend eine ganze Reihe animalischer Geräusche zu machen, in der vollen Bandbreite vom leisen Wimmern bis zum lauten Gebrüll, und in möglichst vielen verschiedenen Färbungen. Die Kreatur hat nämlich abgesehen von einer sehr gelehrten Erklärung am Schluss keinerlei Text. Sie hat auch nur einen einzigen Refrain zu singen (eine Reprise von Elizabeth' "Ich liebe ihn"-Song), und darf in der Puttin' on the Ritz-Nummer mehrfach möglichst unartikuliert eben "Puttin' on the Ritz" sagen. Kurz, warum man sich dafür einen Sänger vom Kaliber von Herrn Freeman engagiert, ist mir schleiherhaft - auch wenn im Gegenzug vollkommen verstehe, warum man ihn engagiert, denn schon seit "Die Schöne und das Biest" sage ich immer halb im Scherz, dass, wenn man jemanden braucht, der eine Bestie darstellen kann, Herr Freeman die erste Wahl ist. Bewegungstechnisch, aber eben auch, weil er seine Stimme in jeder Tonlage so gut beherrscht. Schaurige Laute zum Geistergesang und tierisches Gebrüll sind sehr viel schwerer zu erzeugen als man glaubt. Vor allem, wenn es echt klingen soll.
Darüber hinaus könnte es natürlich auch sein, dass Herr Freeman schon immer mal in einer großen Tanznummer centerstage den Hauptpart tanzen wollte, und das bietet die Rolle der Kreatur. Inklusive Stepptanz auf dicken Plateausohlen, denn die Kreatur soll ja alle anderen körperlich überragen.
Ich gebe offen zu, ich war nur wegen Herrn Freeman da. In dem Bezug hat es sich gelohnt, auch wenn ich mir natürlich eine Rolle mit zumindest einem guten Song gewünscht hätte. So hat er das Beste aus dem gemacht, was die Rolle zu bieten hatte. Sagen wir, es war mal was Anderes.
Und natürlich hat auch eine solche Show ihre Highlights. Für mich waren es die Tanzszenen.
"Lindt mach Schokolade, Zwieback kommt von Brandt, doch braucht die Welt ein Monster, kauft sie bei Frankenstein"
Es spielt die Oper Bonn.
Victor Frankenstein ist tot. Einziger noch lebender Verwandter ist Frederick Frankenstein ("Es spricht sich Fronkensteen!"), der als Professor für Anatomie in New York doziert und jetzt nach Transsylvanien reisen muss, um den Nachlass seines Großvaters zu regeln. Dazu lässt er seine Verlobte Elizabeth zurück, trifft das Faktotum Igor, die Haushälterin Frau Blücher und stellt die sehr blonde und sehr vollbusige Laborassistentin Inga ein, auch wenn er nicht die Absicht hat, irgendwas in dem Labor zu machen. Was er dann natürlich doch tut. Er erschafft eine Kreatur, erweckt sie zum Leben und muss dann die gebeutelten Dorfbewohner davon überzeugen, dass die Kreatur harmlos ist. Am Ende überträgt er seinen IQ und seine Bildung auf die Kreatur, die ihm zuvor schon die Verlobte ausgespannt hat. Das macht aber nichts, denn Frederick hat sich zwischenzeitlich sowieso in Inga verliebt. Und weil er bei der Gehirnwellenübertragung auch was von der Kreatur gelernt hat, hat das auch für Inga entsprechende... sagen wir mal, Vorteile.
Der Film ist von 1974, und alleine das reicht aus, um die Hälfe des Problems zu erklären. Es ist eine Komödie aus einer Zeit, in der Komödien nur komplett waren, wenn mindestens ein dummes, vollbusiges Blondchen darin mitspielte. Auch aus einer Zeit, als Sex als Erweckung einer Frau zum wahren Leben verstanden wurde, und auch ungeniert propagiert werden durfte, egal, ob es dabei für Lacher sorgen sollte oder nicht. Und so ist es dann auch - Inga ist dumm, naiv, schön, herzensgut, singt über "Roll dich im Heu" und "Dein Herz weiß warum" und kriegt dafür nachher den Helden. Frau Blücher ist streng, zugeknöpft, Victor Frankenstein war ihre große Liebe, auch wenn er sie ständig verprügelte, und muss darum ihren Rock hochbinden, ihr Strumpfband zeigen und sich breitbeinig rittlings auf einen Stuhl setzen, um das während ihres Songs drastisch zu veranschaulichen. Am Ende geht sie in den Wald, zu einem blind date mit dem blinden Einsiedler. Elizabeth ist modisch, neurotisch, reist nur mit fünfköpfiger Schöneheitcrew, und ihr Verlobter darf sie nicht anfassen - dann entführt die Kreatur sie, beide verschwinden im Wald und eine Projektion einer sich öffnenden Knospe und von Feuerwerk vermittelt dem gebildeten Publikum, was sie da offstage machen. Danach singt sie von Liebe und heiratet am Ende die Kreatur.
Kann man heute eigentlich nicht mehr aufführen und das ernst meinen.
Das zweite Problem liegt darin, dass das Buch einfach nicht stark genug ist. Es mag für einen Film reichen, vielleicht ist der auch Kult und darum muss man den jetzt so dicht dran wie möglich auf die Bühne bringen, aber es ist ein amerikanischer Film, der Humor ist flach und falls es scharfe Wortwitze im Original gibt, sind die in der deutschen Übersetzung nicht vorhanden. Charakterisierungen oder gar Tiefgang wird nicht gefragt, die Lieder sind reine Aneinanderreihung von Nummern, die auch nicht immer Sinn machen, und wenn der Plot sich komplett aufhängt, machen wir halt schnell eine Tanznummer.
Zugegeben, die Tanznummern sind gut. Sie sind nicht spektakulär, aber sie sind fröhlich, voller Energie, und auch wenn sie genauso sinnlos sind wie alles andere auch, hatte ich Spaß daran, sie anzusehen. Leider gibt es im zweiten Akt nur noch eine große Shownummer - absolutes Highlight des Abends - so dass der noch mehr wirkt wie eine Nummernrevue, zumal darin eben auch Dinge wie die Szene mit dem blinden Einsiedler eingeschoben sind, die wirklich nur als komische Zwischenszene gedacht sind, und durch die man dann halt irgendwie durchmuss.
Ich habe mich nicht gelangweilt, aber ich habe mich ein paar Mal gefragt, ob das jetzt wirklich ihr Ernst ist, ob das jetzt wirklich sein muss, und ob man da nicht was hätte straffen können. Wahrscheinlich nicht. Wie gesagt, Film-Vorbild treu bleiben und so...
Der Score ist ebenso belanglos, der einzige Song, der im Gedächtnis bleibt, ist die Shownummer aus dem zweiten Akt, und das ist "Puttin' on the Ritz" von Irving Berlin aus dem gleichnamigen Film, also nicht von Mel Brooks.
Die Besetzungen werden im Beilegeblatt zum philosophischen Programmheft - Wer war Mary Shelly, was ist "Frankenstein", sollte der Mensch sich erdreisten, Gott spielen zu wollen... ach so, hier noch ein Absatz zur Handlung - zwar erwähnt, aber nur als Namen, ohne jede Zusatzinformation. Mindestens drei davon gehören nicht zum Hausensemble, beim Rest... keine Ahnung.
Mathias Schlung spielt Frederik Frankenstein mit großem körperlichen Einsatz und ebensolchen Enthusiasmus, und wird davon unterstützt, dass seine Haare schon die halbe Charakterisierung der Rolle mitbringen. Sein erster Song geht über das Gehirn, offenbar eine Vorlesung, bei der er von Cheerleadern und tanzenden Gehirnen unterstützt wird, was dermaßen absurd wirkt, dass man nachher nicht mehr in Frage stellt, warum der leitende Anatom der Welt in seiner Freizeit Broadwayroutinen sing und tanzt. Sein zweiter großer Song ist ein Duett mit Igor (Michael Heller), der angemessen bucklig ist, auch wenn der Buckel ständig wandert, aber das ganze Stück in einer Art 1900er-Badeanzug für Männer spielen muss. Diese gestreiften Dinger mit halblangen Beinen und Trägern. Die ganze Figur ist irgendwo zwischen Klamauk, Schoßhund und hyperaktivem Kind angelegt, so dass man gar nicht mehr auf die Idee kommt, weiter darüber nachzudenken und Herrn Heller vor allem für seine unerschöpfliche Kondition Achtung zollt.
Carina Sandhaus (Elizabeth) und Kara Kemeny (Inga) spielen reine Schablonen und machen das auch ausreichend rollendeckend, wenn auch zurückhaltender, als man es in einem solchen Stück erwarten würde. Vielleicht war das der Idee geschuldet, dass es nach einem Ensemble-Stück aussehen sollte und nicht danach, als würden alle Darsteller versuchen, sich gegenseitig auszustechen. Sollte das der Grund sein, wäre es eine sehr deutsche Herangehensweise an ein amerikanischen Stück und darum vielleicht sogar kontraproduktiv.
Frau Blücher wird von Daniela Ziegler gespielt, die der Rolle selbst in den peinlichsten Momenten noch Würde verleiht und mit Größe über jede Abstrusität hinwegspielt, was der Haushälterin doch noch so etwas wie Substanz und Echtheit vermittelt.
Und aus dem Ensemble heraus würde ich gerne noch Nico Hartwig erwähnen, der eine weitere eingeschobene Szene anführt, als Victor Frankenstein, der seinem Enkel in einem Albtraum erscheint und ihn dazu auffordert, das Familenunternehmen weiterzuführen. Eine total überflüssige Nummer, aber Herrn Hartwigs Charme, schmierige Arroganz und natürlich seine tänzerischen Fähigkeiten (und die des Rests des Ensembles) machen sie zumindest sehr kurzweilig und unterhaltsam. Herr Hartwig spielt auch den Vampir, der am Ende des Stückes vorbeikommt und Frankenstein Junior fragt, ob er das Schloß kaufen kann - ich frage mich, ob die Regie uns damit etwas sagen wollte, dass sie für beide Rollen denselben Schauspieler besetzt... Oder ob sie einfach niemanden anders mit der gleichen Eleganz hatten.
So weit, so gut. Ich wusste vorher um die Schwächen des Stücks, ich wusste vorher, dass es nicht meins ist, also werde ich mich nicht beschweren. Ich bin da nicht hingegangen, um das Stück zu sehen, sondern weil Ethan Freeman mitspielt. Und wer mitgezählt hat, kann sich sicher auch schon denken, was. Genau. Die Kreatur.
Die Rolle besteht darin, ungelenk und deutlich animalisch zu wirken, und dazu passend eine ganze Reihe animalischer Geräusche zu machen, in der vollen Bandbreite vom leisen Wimmern bis zum lauten Gebrüll, und in möglichst vielen verschiedenen Färbungen. Die Kreatur hat nämlich abgesehen von einer sehr gelehrten Erklärung am Schluss keinerlei Text. Sie hat auch nur einen einzigen Refrain zu singen (eine Reprise von Elizabeth' "Ich liebe ihn"-Song), und darf in der Puttin' on the Ritz-Nummer mehrfach möglichst unartikuliert eben "Puttin' on the Ritz" sagen. Kurz, warum man sich dafür einen Sänger vom Kaliber von Herrn Freeman engagiert, ist mir schleiherhaft - auch wenn im Gegenzug vollkommen verstehe, warum man ihn engagiert, denn schon seit "Die Schöne und das Biest" sage ich immer halb im Scherz, dass, wenn man jemanden braucht, der eine Bestie darstellen kann, Herr Freeman die erste Wahl ist. Bewegungstechnisch, aber eben auch, weil er seine Stimme in jeder Tonlage so gut beherrscht. Schaurige Laute zum Geistergesang und tierisches Gebrüll sind sehr viel schwerer zu erzeugen als man glaubt. Vor allem, wenn es echt klingen soll.
Darüber hinaus könnte es natürlich auch sein, dass Herr Freeman schon immer mal in einer großen Tanznummer centerstage den Hauptpart tanzen wollte, und das bietet die Rolle der Kreatur. Inklusive Stepptanz auf dicken Plateausohlen, denn die Kreatur soll ja alle anderen körperlich überragen.
Ich gebe offen zu, ich war nur wegen Herrn Freeman da. In dem Bezug hat es sich gelohnt, auch wenn ich mir natürlich eine Rolle mit zumindest einem guten Song gewünscht hätte. So hat er das Beste aus dem gemacht, was die Rolle zu bieten hatte. Sagen wir, es war mal was Anderes.
Und natürlich hat auch eine solche Show ihre Highlights. Für mich waren es die Tanzszenen.
"Lindt mach Schokolade, Zwieback kommt von Brandt, doch braucht die Welt ein Monster, kauft sie bei Frankenstein"