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von Matthias Horx

Herr Horx ist laut Klappentext ein Trendforscher. Ich habe nur eine sehr vage Vorstellung davon, was das ist, aber der Klappentext sagt auch, dass das Bild unserer Zukunft im Buch auf der Grundlage umfangreicher Studien entworfen wurde, und dass es fundiert und optimistisch ist. Über fundiert und Studien kann ich nichts aussagen, aber in jedem Fall ist es optimistisch.

Das Buch ist von 2005, also fast 20 Jahre alt. Im letzten Kapitel macht sich Herr Horx bereits Gedanken darum, wie sein Buch wohl in der Zukunft gelesen und bewertet werden wird, und gibt ein Beispiel eines 1910 veröffentlichten Werks, "Die Welt in 100 Jahren", in dem 18 Wissenschaftler Prognosen für die Zukunft abgegeben haben. Dabei haben sie wohl mit den Vorhersagen im technischen Bereich recht gut gelegen und Herr Horx meint, dass das am einfachsten vorauszusagen ist, weil man da eine gewisse linare Entwicklung zugrunde legen kann.

Umso erstaunlicher ist es, dass Herr Horx mit seinen Technik-Vorhersagen so falsch liegt. Oder sagen wir, er liegt in der Einschätzung dessen, wann diese Techniken verfügbar sein werden, falsch. Er hat die Entwicklungsgeschwindigkeit deutlich überschätzt, was aber durch das Erscheinungsdatum des Buches verständlich wird - die Jahrtausendwende war die Zeit von rasanter Technnologie-Entwicklung, da ist es verzeihlich, dass erwartet wird, dass es genauso weitergeht.

Mit dem Rest liegt Herr Horx in etwa genauso daneben, aber das ist vielleicht seiner grundsätzlich optimistischen Einstellung geschuldet, mit der er bei jedem Szenario immer von der bestmöglichen Entwicklung ausgeht. Das ist einerseits sehr schön zu lesen, denn die Utopien sind weder vollkommen aus der Luft gegriffen noch scheinen sie unerreichbar, und andererseits sehr bitter zu lesen, weil eben in den letzten 20 Jahren bei vielen Dingen genau das Gegenteil passiert ist.
Und natürlich liegt Herr Horx auch nicht bei allem falsch. Das wäre jetzt auch wieder zu viel gesagt. Es gibt immer mal wieder etwas, was Entsprechungen in unserer heutigen Welt hat und zu seinen Vorhersagen passt.

Es ist ein Buch, dass man im Kontext der Zeit lesen muss. Es ist ein Buch mit gleich zwei Rahmenhandlungen, von denen ich bei einer nicht verstehe, warum sie überhaupt da ist, geschweige denn, dass ich sie verstehe. Es ist ein Buch, dass, wenn es einen Popkultur-Verweis auf die Jahre nach der Jahrtausendwende braucht, Harry Potter bemüht, und dann von drei Wörtern zwei falsch schreibt (Vielleicht mit Absicht? Wenn ja, mit welcher? Wenn nein - wie konnte das passieren? Und was ist dann vielleicht noch alles falsch in diesem Buch?). Es ist ein ca. 350 Seiten langes Gedankenexperiment, das man lesen kann, aber nicht muss. Oder vielleicht besser, noch nicht muss, weil es noch nicht alt genug ist und wir noch zu nah an der Entstehungszeit dran sind.

In nochmal 20 Jahren ist es vielleicht ein spannendes Zeitdokument. Auch das ist schwierig vorherzusagen. Wie eigentlich alles.
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