Interview with the Vampire - Season 2
Sep. 9th, 2024 04:09 pmSerie von AMC+, mittlerweile auch auf Netflix zu haben
Wir erinnern uns, Season 1 war die erste Hälfte des Buchs, also ist Season 2 jetzt die zweite Hälfte. Louis und Claudia sind nach Europa gereist, wo sie in Rumänien (wo sonst?) nach anderen Vampieren suchen. Da das Ganze jetzt in den 1940ern spielt, erleben sie dort die letzten Züge des Zweiten Weltkriegs mit. Es ist also düster, brutal und sehr blutig, und dient vor allem genau dazu. Es dient nichtmal der Erkenntnis des Buches, das es dort nur gedankenlose, animalische Vampiere gibt, denn sie treffen auch eine, die anders ist. Wenn es überhaupt zu etwas dient, dann, um die Entfremdung zwischen Louis und Claudia zu zeigen und damit den Grundton der Staffel zu setzen.
Sie finden also in den gruseligen rumänischen Wäldern nichts von Interesse und reisen nach Paris weiter, was gerade dabei ist, sich von den Schrecken des vergangenen Krieges zu erholen, und das in Vergnügungssucht und Dekadenz umsetzt. Leben um jeden Preis. Ein guter Ort für Vampire und makabere Unterhaltung, auch wenn das Theatre des Vampires nicht mehr so den Zulauf hat wie früher. Das fand ich übrigens sehr gut gemacht, die Übertragung der im Buch beschriebenen Stücke ins 20.Jahrhundert. Grotesk, aber jetzt nicht mehr klassisch-gruselig, sondern mit Hilfe von frühen Projektionen modern-brutal. Es erinnert ein bisschen an ein Kasperletheater mit lebendigen Akteuren, und das wichtige letzte Stück des Abends mit Töten auf offener Bühne schließt sich nahtlos an. Sehr gut durchdacht vom Look, vom Inhalt, von der Präsentation, das macht schon die halbe Miete. Die andere Hälfte liefert dann Santiago (Ben Daniels), der alleine die Show auf der Bühne trägt, und auch nochmal einen Gutteil der Staffel selbst. Ein exzentrischer, gemeiner, raffinierter Charakter, der deutlich mehr Eindruck hinterlässt als im Buch (und sehr, sehr, sehr viel mehr Eindruck als im Film damals, wo er eher lächerlich wirkte). Ein ebenbürtiger Gegner für Claudia, fast bin ich versucht zu sagen, endlich. Jemand, den sie nicht manipulieren kann, weil er mit gleicher Münze heimzahlt. Und der ihr zeitweilig auch tatsächlich überlegen zu sein scheint. Um wieviel mehr dann dem Rest überlegen - am Ende ist es Louis, dessen Kombination aus brutaler Gewalt und treffendem Spott Santiago den Kopf kostet (wörtlich). Auch das sehr gut gewählt, großartige Szene für beide Charaktere.
Auch wenn wir Louis' generell eher harte Grundhaltung jetzt so sehr perfektioniert haben, dass die Racheaktion nichts von rasender Wut mehr hat. Es es ist eine kalte, komplett durchgeplante Strafaktion. Da hilft es auch nichts, dass sie ihm vorher auf dem Friedhof einen Touch Wahnsinn vor Schmerz verpassen.
Besonders erwähnen möchte ich gerne Luke Brandon Field. Das ist der Mann, der den jungen Daniel spielt. In Season 1 ist das nur eine sehr kurze Szene, bei der ich mir nicht einmal sicher war, ob sie einen Schauspieler dafür hatten oder nur einfach so viel CGI eingesetzt haben, dass Eric Bogosian es selbst spielen konnte. Weichzeichner, das Schummerlicht der Bar... auch das wäre durchaus möglich gewesen. Aber, nein, sie haben Mr. Field dafür, und der macht seine Sache so großartig, dass man in jedem Moment davon überzeugt ist, dass sie eben keinen zweiten Schauspieler dafür geholt haben, und Mr. Bogosian die Szenen vor 30 Jahren selbst gespielt hat. Jede Geste, jede Mimik, alles entspricht exakt der Körpersprache des älteren Daniel. Wow. Dass sowas möglich ist, ist alleine schon beeindruckend.
Was die Staffel insgesamt angeht, kommen wir am Ende da an, wo wir ankommen müssen - Claudia und Madelaine tot, der Orden vernichtet, und Armand und Louis verlassen Paris. Wie wir da hinkommen, unterscheidet sich deutlich vom Buch, von der Methode genauso wie von den Motivationen der Charaktere. Begonnen bei Lestat, der es nicht nötig hat, nach Paris zu kommen, um um Hilfe zu bitten, und auch nicht von Armand misshandelt wird. Warum er kommt... Louis retten. Das ist das beste, was mir einfällt. Rache an Claudia... nein. Danach fühlt es sich nicht an. Er hat halt nur eine Chance, und er muss Prioritäten setzen.
Claudia hat es tatsächlich geschafft, sowas wie zu reifen. Ihr Konflikt wird zum ersten Mal sowas wie echt, weil er nicht von ihrem überbordenden Egoismus überlagert wird. Der ist noch immer da, aber er dominiert den Charakter nicht mehr so wie früher. Sie ist nicht mehr komplett blind dafür, dass andere Personen um sie herum auch Gefühle haben, oder besser, sie ist erstmalig bereit, diesen Gefühlen auch einen anderen Raum einzuräumen als nur als Mittel, um sie zu ihrem Vorteil ausnutzen. Das lässt ihre Liebe zu Madelaine echt und glaubwürdig wirken, was wiederum Madelaines totaler Loyalität zu Claudia eine Basis gibt, und verhindert, dass es sich nach einer Versklavung anfühlt. Ein mutiger Schritt der Macher, aber von meiner Warte her ein sehr guter. Ich habe nie verstanden, was alle Welt immer an Claudia gefunden hat, aber dieses Mal hat der Charakter Nuancen bekommen, mit denen ich etwas anfangen kann. Ihre Gefühle sind nachvollziehbar, ihre Beweggründe und Entscheidungen ebenso. Und es gibt mehr Ausdruck als Herumgebrülle und beißenden Spott, was der Darstellung auch sehr gut tut.
Die Rolle wird in dieser Staffel von Delainey Hayles gespielt. Warum auch immer. Sie schließt nahtlos an die Darstellung von Baily Bass an, also gut gewählt.
Dann haben wir da noch die vier von Staffel 1 - Jakob Anderson (Louis), Sam Reid (Lestat), Assad Zaman (Armand) und Eric Bogosian (Daniel) - die auch alle immer noch den genauso tollen Job machen wie in Staffel 1. Da ich schon eine Staffel hinter mir habe, ist es deutlich einfacher für mich, mich auf die jetzt vertrauten Charakterisierungen einzulassen, als mich bei Staffel 1 zum ersten Mal drauf einzulassen und sie in meine Vorstellung einzupassen. Auch ist die Rahmenhandlung in Dubai deutlich wichtiger geworden, da sie auf eine massive Korrektur in Louis' Erzähung hinsteuert, und sich immer mehr zeigt, wie sehr Louis' Erinnerungen manipuliert wurden. Die Frage nach dem warum taucht wieder auf... Immerhin bekommen wir ein paar Antworten auf Fragen, die ich nach Staffel 1 noch hatte, und es gibt eine sehr gut Folge über das, was 1973 beim ersten Interview in San Franzisco passiert ist. Auch hier haben sich die Drehbuchschreiber viel Mühe gemacht, ihre Charaktere genau angesehen und entsprechend passend die Handlung geführt. Dass wieder eine Menge Geld drinsteckt und es toll aussieht, ist quasi schon selbstverständlich. (Drehort Prag, da muss man ein paarmal schon gut weggucken, damit es Paris sein könnte... Aber die Stimmung ist gut einfangen.)
Ein paar Fragen bleiben dennoch offen - allen vorran die Frage, was sich Armand eigentlich von der Gerichtsverhandlung versprochen hat. Die Buch-Motivation war, Louis zu bekommen. Dazu musste Claudia weg, dazu musste der Orden weg, damit nur noch sie beide übrig bleiben. Lestat natürlich auch, aber da war die Genugtuung, ihn gebrochen in Paris zu lassen. Ist ja so gut wie weg.
Hier ist die Motivation... Angst? Wäre es so gelaufen, wie es geplant gewesen war, dann wäre Claudia tot, aber Louis wäre es auch, und der Orden eben nicht. Auch Lestat ist nicht in einem Zustand, den man als gebrochen oder gar hilflos bezeichnen könnte. Was also ist das Ziel? Lestat? Der ihn schonmal nicht wollte? Zumal Armand nicht mehr der Ordensleiter ist. Anpassung unter Santiagos Herrschaft? Sicher, Armand ist Masochist, aber das... Eine tiefer verborgene Intrige, um den Orden wieder zu führen? Armand ist gut 500 Jahre alt, und falls er das mal einsetzen sollte, dann hat der Rest da keine Chance. Ausser Lestat, aber das ist eine andere Geschichte.
Was den angeht, so lässt sich wahrscheinlich alles, was danach passiert, damit erklären, dass er Claudias Tod zusehen musste, und dass er weiß, dass er das letzte ist, was sie gesehen hat. Auch diese Frage aus Staffel 1 beanwortet: ja, er hat sie geliebt. Und die fehlenden 100 Jahre hat er unter der Erde verbracht. War eigentlich zu erwarten, denn mal eben so 100 Jahre Biographie aus dem Ärmel zu schütteln, das wäre dann auch für diese Drehbuchautoren ein bisschen viel verlangt.
Und dass Armand Daniel am Ende zum Vampir macht - warum? Abgesehen davon, dass ich kein Motiv sehe außer diesem random "you are fascinating" und dass Armand deutlich gesagt hat "the process disgusts me", als Begründung, warum er nie einen Zögling geschaffen hat... Ich hoffe, da kriegen wir irgendwann nochmal ein bisschen was zu, denn so ist es doch sehr random und aus heiterem Himmel. Und weil es schon schade wäre, Daniel jetzt einfach so in der Versenkung verschwinden zu lassen (wie es in den Büchern passiert ist und weshalb es kein Problem gewesen wäre, ihn eben nicht zum Vampir zu machen), nachdem sie sich solche Mühe gemacht haben, ihn aufzubauen.
Random Gedanken:
Ihre Gedankenlese-Theorie macht jetzt weniger Sinn als jemals zuvor. Oder auch nur die Frage, warum irgendein Vampir der Welt ein Telefon verwenden sollte, um sich mit einem anderen Vampir zu unterhalten. Nur noch übertroffen von Madelaines Aussage, dass sie die Gefühle von Louis - ihrem Schöpfer! - fühlen kann. Nicht seine Gedanken lesen, aber fühlen, dass er Armand liebt. Okay... hätte das nicht vielleicht ein paar Probleme in Staffel 1 lösen können, wenn das für die Schöpfer-Zögling-Konstellation normal wäre?
Louis' Theorie, dass das Blut von Menschen, die so viel Leid, Sorge und Angst erfahren mussten wie die Menschen auf dem Balkan, keine Kraft hat, nicht in der Lage ist, einen Vampir zu wärmen, und diesem Vampir auch nicht erlaubt, weitere zu erschaffen, halte ich für sehr fragwürdig.
Was sollte der Kram mit den Fotos in Louis' Box, die nicht von ihm sind? Was für einen Sinn hat es, die da reinzutun (wer auch immer es jetzt war)? Demütigung? Misstrauen säen zwischen Louis und Daniel? Oder zwischen Louis und Armand (wars dann die Talamasca?)? Was die für ein Interesse an der ganzen Sache haben, will ich sowieso nicht wissen, aber ich fürchte, die werden sich in Zukunft schlecht ignorieren lassen...
Ich werde jetzt "The Vampire Armand" nochmal lesen müssen, um rauszufinden, was sie da rausgezogen haben und was sie selbst dazugepackt haben.
PS: Dritte Staffel ist angekündigt. "The Vampire Lestat", wie erwartet, was uns dann auch sagt, wo genau wir in der Zeitlinie sind. Was mich aber überrascht hat, war, dass sie einen Trailer dafür hatten und einen ersten Song von Lestats Band, kaum das Staffel 2 gelaufen war. Andere Streamingdienste müssen erstmal drei Monate Zahlen angucken, bevor sie entscheiden, ob sie Geld für die nächste Staffel geben.
Wir erinnern uns, Season 1 war die erste Hälfte des Buchs, also ist Season 2 jetzt die zweite Hälfte. Louis und Claudia sind nach Europa gereist, wo sie in Rumänien (wo sonst?) nach anderen Vampieren suchen. Da das Ganze jetzt in den 1940ern spielt, erleben sie dort die letzten Züge des Zweiten Weltkriegs mit. Es ist also düster, brutal und sehr blutig, und dient vor allem genau dazu. Es dient nichtmal der Erkenntnis des Buches, das es dort nur gedankenlose, animalische Vampiere gibt, denn sie treffen auch eine, die anders ist. Wenn es überhaupt zu etwas dient, dann, um die Entfremdung zwischen Louis und Claudia zu zeigen und damit den Grundton der Staffel zu setzen.
Sie finden also in den gruseligen rumänischen Wäldern nichts von Interesse und reisen nach Paris weiter, was gerade dabei ist, sich von den Schrecken des vergangenen Krieges zu erholen, und das in Vergnügungssucht und Dekadenz umsetzt. Leben um jeden Preis. Ein guter Ort für Vampire und makabere Unterhaltung, auch wenn das Theatre des Vampires nicht mehr so den Zulauf hat wie früher. Das fand ich übrigens sehr gut gemacht, die Übertragung der im Buch beschriebenen Stücke ins 20.Jahrhundert. Grotesk, aber jetzt nicht mehr klassisch-gruselig, sondern mit Hilfe von frühen Projektionen modern-brutal. Es erinnert ein bisschen an ein Kasperletheater mit lebendigen Akteuren, und das wichtige letzte Stück des Abends mit Töten auf offener Bühne schließt sich nahtlos an. Sehr gut durchdacht vom Look, vom Inhalt, von der Präsentation, das macht schon die halbe Miete. Die andere Hälfte liefert dann Santiago (Ben Daniels), der alleine die Show auf der Bühne trägt, und auch nochmal einen Gutteil der Staffel selbst. Ein exzentrischer, gemeiner, raffinierter Charakter, der deutlich mehr Eindruck hinterlässt als im Buch (und sehr, sehr, sehr viel mehr Eindruck als im Film damals, wo er eher lächerlich wirkte). Ein ebenbürtiger Gegner für Claudia, fast bin ich versucht zu sagen, endlich. Jemand, den sie nicht manipulieren kann, weil er mit gleicher Münze heimzahlt. Und der ihr zeitweilig auch tatsächlich überlegen zu sein scheint. Um wieviel mehr dann dem Rest überlegen - am Ende ist es Louis, dessen Kombination aus brutaler Gewalt und treffendem Spott Santiago den Kopf kostet (wörtlich). Auch das sehr gut gewählt, großartige Szene für beide Charaktere.
Auch wenn wir Louis' generell eher harte Grundhaltung jetzt so sehr perfektioniert haben, dass die Racheaktion nichts von rasender Wut mehr hat. Es es ist eine kalte, komplett durchgeplante Strafaktion. Da hilft es auch nichts, dass sie ihm vorher auf dem Friedhof einen Touch Wahnsinn vor Schmerz verpassen.
Besonders erwähnen möchte ich gerne Luke Brandon Field. Das ist der Mann, der den jungen Daniel spielt. In Season 1 ist das nur eine sehr kurze Szene, bei der ich mir nicht einmal sicher war, ob sie einen Schauspieler dafür hatten oder nur einfach so viel CGI eingesetzt haben, dass Eric Bogosian es selbst spielen konnte. Weichzeichner, das Schummerlicht der Bar... auch das wäre durchaus möglich gewesen. Aber, nein, sie haben Mr. Field dafür, und der macht seine Sache so großartig, dass man in jedem Moment davon überzeugt ist, dass sie eben keinen zweiten Schauspieler dafür geholt haben, und Mr. Bogosian die Szenen vor 30 Jahren selbst gespielt hat. Jede Geste, jede Mimik, alles entspricht exakt der Körpersprache des älteren Daniel. Wow. Dass sowas möglich ist, ist alleine schon beeindruckend.
Was die Staffel insgesamt angeht, kommen wir am Ende da an, wo wir ankommen müssen - Claudia und Madelaine tot, der Orden vernichtet, und Armand und Louis verlassen Paris. Wie wir da hinkommen, unterscheidet sich deutlich vom Buch, von der Methode genauso wie von den Motivationen der Charaktere. Begonnen bei Lestat, der es nicht nötig hat, nach Paris zu kommen, um um Hilfe zu bitten, und auch nicht von Armand misshandelt wird. Warum er kommt... Louis retten. Das ist das beste, was mir einfällt. Rache an Claudia... nein. Danach fühlt es sich nicht an. Er hat halt nur eine Chance, und er muss Prioritäten setzen.
Claudia hat es tatsächlich geschafft, sowas wie zu reifen. Ihr Konflikt wird zum ersten Mal sowas wie echt, weil er nicht von ihrem überbordenden Egoismus überlagert wird. Der ist noch immer da, aber er dominiert den Charakter nicht mehr so wie früher. Sie ist nicht mehr komplett blind dafür, dass andere Personen um sie herum auch Gefühle haben, oder besser, sie ist erstmalig bereit, diesen Gefühlen auch einen anderen Raum einzuräumen als nur als Mittel, um sie zu ihrem Vorteil ausnutzen. Das lässt ihre Liebe zu Madelaine echt und glaubwürdig wirken, was wiederum Madelaines totaler Loyalität zu Claudia eine Basis gibt, und verhindert, dass es sich nach einer Versklavung anfühlt. Ein mutiger Schritt der Macher, aber von meiner Warte her ein sehr guter. Ich habe nie verstanden, was alle Welt immer an Claudia gefunden hat, aber dieses Mal hat der Charakter Nuancen bekommen, mit denen ich etwas anfangen kann. Ihre Gefühle sind nachvollziehbar, ihre Beweggründe und Entscheidungen ebenso. Und es gibt mehr Ausdruck als Herumgebrülle und beißenden Spott, was der Darstellung auch sehr gut tut.
Die Rolle wird in dieser Staffel von Delainey Hayles gespielt. Warum auch immer. Sie schließt nahtlos an die Darstellung von Baily Bass an, also gut gewählt.
Dann haben wir da noch die vier von Staffel 1 - Jakob Anderson (Louis), Sam Reid (Lestat), Assad Zaman (Armand) und Eric Bogosian (Daniel) - die auch alle immer noch den genauso tollen Job machen wie in Staffel 1. Da ich schon eine Staffel hinter mir habe, ist es deutlich einfacher für mich, mich auf die jetzt vertrauten Charakterisierungen einzulassen, als mich bei Staffel 1 zum ersten Mal drauf einzulassen und sie in meine Vorstellung einzupassen. Auch ist die Rahmenhandlung in Dubai deutlich wichtiger geworden, da sie auf eine massive Korrektur in Louis' Erzähung hinsteuert, und sich immer mehr zeigt, wie sehr Louis' Erinnerungen manipuliert wurden. Die Frage nach dem warum taucht wieder auf... Immerhin bekommen wir ein paar Antworten auf Fragen, die ich nach Staffel 1 noch hatte, und es gibt eine sehr gut Folge über das, was 1973 beim ersten Interview in San Franzisco passiert ist. Auch hier haben sich die Drehbuchschreiber viel Mühe gemacht, ihre Charaktere genau angesehen und entsprechend passend die Handlung geführt. Dass wieder eine Menge Geld drinsteckt und es toll aussieht, ist quasi schon selbstverständlich. (Drehort Prag, da muss man ein paarmal schon gut weggucken, damit es Paris sein könnte... Aber die Stimmung ist gut einfangen.)
Ein paar Fragen bleiben dennoch offen - allen vorran die Frage, was sich Armand eigentlich von der Gerichtsverhandlung versprochen hat. Die Buch-Motivation war, Louis zu bekommen. Dazu musste Claudia weg, dazu musste der Orden weg, damit nur noch sie beide übrig bleiben. Lestat natürlich auch, aber da war die Genugtuung, ihn gebrochen in Paris zu lassen. Ist ja so gut wie weg.
Hier ist die Motivation... Angst? Wäre es so gelaufen, wie es geplant gewesen war, dann wäre Claudia tot, aber Louis wäre es auch, und der Orden eben nicht. Auch Lestat ist nicht in einem Zustand, den man als gebrochen oder gar hilflos bezeichnen könnte. Was also ist das Ziel? Lestat? Der ihn schonmal nicht wollte? Zumal Armand nicht mehr der Ordensleiter ist. Anpassung unter Santiagos Herrschaft? Sicher, Armand ist Masochist, aber das... Eine tiefer verborgene Intrige, um den Orden wieder zu führen? Armand ist gut 500 Jahre alt, und falls er das mal einsetzen sollte, dann hat der Rest da keine Chance. Ausser Lestat, aber das ist eine andere Geschichte.
Was den angeht, so lässt sich wahrscheinlich alles, was danach passiert, damit erklären, dass er Claudias Tod zusehen musste, und dass er weiß, dass er das letzte ist, was sie gesehen hat. Auch diese Frage aus Staffel 1 beanwortet: ja, er hat sie geliebt. Und die fehlenden 100 Jahre hat er unter der Erde verbracht. War eigentlich zu erwarten, denn mal eben so 100 Jahre Biographie aus dem Ärmel zu schütteln, das wäre dann auch für diese Drehbuchautoren ein bisschen viel verlangt.
Und dass Armand Daniel am Ende zum Vampir macht - warum? Abgesehen davon, dass ich kein Motiv sehe außer diesem random "you are fascinating" und dass Armand deutlich gesagt hat "the process disgusts me", als Begründung, warum er nie einen Zögling geschaffen hat... Ich hoffe, da kriegen wir irgendwann nochmal ein bisschen was zu, denn so ist es doch sehr random und aus heiterem Himmel. Und weil es schon schade wäre, Daniel jetzt einfach so in der Versenkung verschwinden zu lassen (wie es in den Büchern passiert ist und weshalb es kein Problem gewesen wäre, ihn eben nicht zum Vampir zu machen), nachdem sie sich solche Mühe gemacht haben, ihn aufzubauen.
Random Gedanken:
Ihre Gedankenlese-Theorie macht jetzt weniger Sinn als jemals zuvor. Oder auch nur die Frage, warum irgendein Vampir der Welt ein Telefon verwenden sollte, um sich mit einem anderen Vampir zu unterhalten. Nur noch übertroffen von Madelaines Aussage, dass sie die Gefühle von Louis - ihrem Schöpfer! - fühlen kann. Nicht seine Gedanken lesen, aber fühlen, dass er Armand liebt. Okay... hätte das nicht vielleicht ein paar Probleme in Staffel 1 lösen können, wenn das für die Schöpfer-Zögling-Konstellation normal wäre?
Louis' Theorie, dass das Blut von Menschen, die so viel Leid, Sorge und Angst erfahren mussten wie die Menschen auf dem Balkan, keine Kraft hat, nicht in der Lage ist, einen Vampir zu wärmen, und diesem Vampir auch nicht erlaubt, weitere zu erschaffen, halte ich für sehr fragwürdig.
Was sollte der Kram mit den Fotos in Louis' Box, die nicht von ihm sind? Was für einen Sinn hat es, die da reinzutun (wer auch immer es jetzt war)? Demütigung? Misstrauen säen zwischen Louis und Daniel? Oder zwischen Louis und Armand (wars dann die Talamasca?)? Was die für ein Interesse an der ganzen Sache haben, will ich sowieso nicht wissen, aber ich fürchte, die werden sich in Zukunft schlecht ignorieren lassen...
Ich werde jetzt "The Vampire Armand" nochmal lesen müssen, um rauszufinden, was sie da rausgezogen haben und was sie selbst dazugepackt haben.
PS: Dritte Staffel ist angekündigt. "The Vampire Lestat", wie erwartet, was uns dann auch sagt, wo genau wir in der Zeitlinie sind. Was mich aber überrascht hat, war, dass sie einen Trailer dafür hatten und einen ersten Song von Lestats Band, kaum das Staffel 2 gelaufen war. Andere Streamingdienste müssen erstmal drei Monate Zahlen angucken, bevor sie entscheiden, ob sie Geld für die nächste Staffel geben.