Die neue Einsamkeit
Jan. 20th, 2025 07:56 pmvon Diana Kinnert
Das Buch ist von 2021, also mitten aus der Pandemie, und darum auch deutlich von ihr geprägt. Was nicht verwunderlich ist, denn das bietet sich bei dem Thema an. Die Pandemie hat Einsamkeit auch in Bereiche gebracht, wo sie vorher gut verdrängbar war. Mit Freunden in einem Restaurant zu sitzen und jeder starrt auf sein Smartphone ist offenbar doch etwas anderes, als wenn jeder alleine zuhause sitzt und auf sein Smartphone starrt.
Es gibt Dinge, die ich nachvollziehen kann. Es gibt Dinge, die ich nicht nachvollziehen kann. Es gibt Dinge, die mir trotzdem logisch erscheinen, einige auch, von denen ich vorher wusste und sie immer schon eher seltsam fand - aber ich stamme aus einer Generation, die die volle Wucht der digitalen Welt nicht von Anfang an abbekommen hat. Meine Kindheit und Jugend war noch analog. Ja, es gab Computer, aber es gab keine Mails, keinen Internetzugang und schon gar keine portable Möglichkeit, sich immer und überall einzuloggen und dabei zu sein. Unsere Welt war langsamer, ruhiger und ich habe gelernt, auf etwas zu warten. Auf den Brief einer Freundin zum Beispiel - das hat im besten Fall zwei Tage gedauert. Meiner musste ja erstmal zu ihr, und wenn sie sich dann sofort hingesetzt hat und zurückgeschrieben, dann kam die Antwort frühestens am Tag danach. Heute undenkbare Zustände. Heute geht das alles viel schneller, und wenn nicht innerhalb von Minuten/Stunden die Antwort kommt, fühlt man sich zurückgesetzt, fragt sich, ob die Freundin vielleicht böse ist oder einen nicht mehr mag... Der Druck hat sich deutlich erhöht. Genauso wie die Möglichkeit, sich in seiner digitalen Blase vollkommen einzuigeln. Entweder nur mit Gleichgesinnten oder sogar ganz alleine. Möglichst keine Konflikte mehr, am besten gar nichts sehen, was sich einen irgendwie ungemütlich fühlen lässt. Und das ist wiederum schlecht für die soziale Kompetenz. Kein Austausch mehr, und das ist schlecht. Auf mehr als einer Ebene.
Die Autorin ist übrigens Jahrgang 1991, was mich nach fast 200 Seiten zu erfahren sehr überrascht hat. Okay, damit ist sie jetzt auch schon um die 30, aber ich hatte jemanden deutlich Älteres erwartet - der Stil ist klar, sachlich, ruhig, teilweise auch deutlich akademisch, zeugt von guter Recherche und langem Beschäftigen mit dem Thema. Nur selten tauchen Wörter auf, die ich noch verstehe, mit der sich aber die Generation über mir vielleicht schon wieder schwertun könnte. Sprache entwickelt sich - wenn man es so betrachtet, ist es vielleicht sogar recht altmodisch geschrieben.
Es ist auch manchmal recht repetitiv, aber nicht so, dass es nervend würde. Und bei fast 500 Seiten ist es auch mal gut, wenn an Dinge erinnert wird, damit man nicht die Übersicht verliert.
Interessant und informativ, und es lässt mich dankbar sein, dass ich erwachsen war, als das Internet aufkam, denn das gab mir andere Möglichkeiten, "hineinzuwachsen". Wirklich neu war kaum etwas für mich, aber es ist gut, wenn man das eigene Gefühl und die eigene Beobachtung mit Studien untermauert sieht.
(Abgesehen davon - da kann das Buch nichts für! - habe ich für den Moment ein bisschen die Nase voll davon, ständig zu lesen, wie viel Zeit wir doch alle in der Pandemie hatten und wie wunderbar das im Grunde war, weil man das ja auch sinnvoll nutzen konnte, für neue Hobbys zum Beispiel... Nein. Nicht in einem relevanten Job, ganz im Gegenteil. Aber gut, die Erfahrung zählt ja bekannterweise nicht.
Und ich kann ja jetzt erstmal einfach ein paar andere Bücher lesen.)
Das Buch ist von 2021, also mitten aus der Pandemie, und darum auch deutlich von ihr geprägt. Was nicht verwunderlich ist, denn das bietet sich bei dem Thema an. Die Pandemie hat Einsamkeit auch in Bereiche gebracht, wo sie vorher gut verdrängbar war. Mit Freunden in einem Restaurant zu sitzen und jeder starrt auf sein Smartphone ist offenbar doch etwas anderes, als wenn jeder alleine zuhause sitzt und auf sein Smartphone starrt.
Es gibt Dinge, die ich nachvollziehen kann. Es gibt Dinge, die ich nicht nachvollziehen kann. Es gibt Dinge, die mir trotzdem logisch erscheinen, einige auch, von denen ich vorher wusste und sie immer schon eher seltsam fand - aber ich stamme aus einer Generation, die die volle Wucht der digitalen Welt nicht von Anfang an abbekommen hat. Meine Kindheit und Jugend war noch analog. Ja, es gab Computer, aber es gab keine Mails, keinen Internetzugang und schon gar keine portable Möglichkeit, sich immer und überall einzuloggen und dabei zu sein. Unsere Welt war langsamer, ruhiger und ich habe gelernt, auf etwas zu warten. Auf den Brief einer Freundin zum Beispiel - das hat im besten Fall zwei Tage gedauert. Meiner musste ja erstmal zu ihr, und wenn sie sich dann sofort hingesetzt hat und zurückgeschrieben, dann kam die Antwort frühestens am Tag danach. Heute undenkbare Zustände. Heute geht das alles viel schneller, und wenn nicht innerhalb von Minuten/Stunden die Antwort kommt, fühlt man sich zurückgesetzt, fragt sich, ob die Freundin vielleicht böse ist oder einen nicht mehr mag... Der Druck hat sich deutlich erhöht. Genauso wie die Möglichkeit, sich in seiner digitalen Blase vollkommen einzuigeln. Entweder nur mit Gleichgesinnten oder sogar ganz alleine. Möglichst keine Konflikte mehr, am besten gar nichts sehen, was sich einen irgendwie ungemütlich fühlen lässt. Und das ist wiederum schlecht für die soziale Kompetenz. Kein Austausch mehr, und das ist schlecht. Auf mehr als einer Ebene.
Die Autorin ist übrigens Jahrgang 1991, was mich nach fast 200 Seiten zu erfahren sehr überrascht hat. Okay, damit ist sie jetzt auch schon um die 30, aber ich hatte jemanden deutlich Älteres erwartet - der Stil ist klar, sachlich, ruhig, teilweise auch deutlich akademisch, zeugt von guter Recherche und langem Beschäftigen mit dem Thema. Nur selten tauchen Wörter auf, die ich noch verstehe, mit der sich aber die Generation über mir vielleicht schon wieder schwertun könnte. Sprache entwickelt sich - wenn man es so betrachtet, ist es vielleicht sogar recht altmodisch geschrieben.
Es ist auch manchmal recht repetitiv, aber nicht so, dass es nervend würde. Und bei fast 500 Seiten ist es auch mal gut, wenn an Dinge erinnert wird, damit man nicht die Übersicht verliert.
Interessant und informativ, und es lässt mich dankbar sein, dass ich erwachsen war, als das Internet aufkam, denn das gab mir andere Möglichkeiten, "hineinzuwachsen". Wirklich neu war kaum etwas für mich, aber es ist gut, wenn man das eigene Gefühl und die eigene Beobachtung mit Studien untermauert sieht.
(Abgesehen davon - da kann das Buch nichts für! - habe ich für den Moment ein bisschen die Nase voll davon, ständig zu lesen, wie viel Zeit wir doch alle in der Pandemie hatten und wie wunderbar das im Grunde war, weil man das ja auch sinnvoll nutzen konnte, für neue Hobbys zum Beispiel... Nein. Nicht in einem relevanten Job, ganz im Gegenteil. Aber gut, die Erfahrung zählt ja bekannterweise nicht.
Und ich kann ja jetzt erstmal einfach ein paar andere Bücher lesen.)