blauerfalke: (erzählen)
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von Philipp Ruch

Hinter dem Buch steht das Zentrum für Politische Schönheit, von dem ich in meiner politischen Halbbildung noch nie zuvor irgendetwas gehört habe, was aber gerade in letzter Zeit mit diversen Aktionen Stimmung gegen Rechts macht. Das Bild von Musks Hiltergruß auf seine Firma bei Berlin projiziert habe sogar ich gesehen.

Also, es ist ein Buch über das, was die AfD vorhat, auf was wir uns also gefasst machen müssen, wenn sie mal an die Macht kommt. Es ist ja nicht, als würde die Partei damit hinter dem Berg halten. Keiner der Punkte, die Herr Ruch anführt, war wirklich neu für mich, aber es ist schon etwas anderes, sie wörtlich im Zitat zu lesen, plus der Konsequenzen und der (fehlenden) Reaktionen diverser Politiker, Institutionen oder der Presse darauf. Herr Ruch vertritt die Meinung, dass ein Verbot der AfD sicher ist, wenn es denn endlich mal zu einem Verfahren kommen würde - auch das ist nicht überraschend. Mit einem Programm, das die Abschaffung des Mehr-Parteienstaats vorsieht und die Entsorgung aller Menschen, die nicht auf Linie sind, ist man nicht verfassungskonform, und es ist vollkommen unverständlich, wie das noch irgendwer glauben kann.

Der Stil ist wütend und provokant, und darin liegt einerseits eine Schwäche für mich, weil das nicht meine Ausdrucksweise ist, und andererseits eine große Stärke, weil es deutlich macht, dass es okay ist, wütend zu sein über diese respektlosen Leute, denen ein Menschenleben nichts wert ist. Wütend sein bedeutet ja noch nicht, gleich brutal zu werden. Wütend zu sein, wenn Unrecht passiert, ist wichtig, denn das gibt die Kraft, dagegen zu kämpfen. Und die werden wir brauchen.

Es ist ein Buch, das mir Angst macht, es ist ein Buch, dass mein bis jetzt doch recht festes Vertrauen in die Funktionsfähigkeit unseres Staates erschüttert hat, und es ist ein Buch, das genau zu dem passt, was gerade passiert. Das Nicht-Veröffentlichen von Befunden, weil man "den Wahlkampf nicht beeinflussen will", die Idee, man könnte die AfD "politisch entzaubern" (ich weiß nichtmal, was das heißen soll, liebe CDU), und diese unsägliche "Wir können die AfD nicht verbieten/müssen sie wählen, sonst gibt es einen Bürgerkrieg"-Argumentation - und wenn schon. Nein, ich will keinen Bürgerkrieg. Ich will gar keine Art von Krieg, ich glaube nicht an Gewalt als Lösung für egal was. Aber was ist die Alternative? Wenn wir das Problem nicht in den Griff kriegen, oder im Gegenteil, die AfD noch stärken, wird es noch schlimmer werden als das. Sehr viel schlimmer.

Ja, es war anstrengend, es zu lesen. Ja, ich habe sogar Alpträume davon bekommen. Trotzdem war es wichtig, es zu lesen. Und als nächstes werde ich mir von der im Buch angegebenen Seite ein paar Beispiele besorgen, damit ich etwas in der Hand habe, wenn die nächste Diskussion stattfindet.

Das Buch endet mit der Hoffnung, dass etwas passiert. Dass wir es schaffen können, am wahrscheinlichsten über ein Verbot - dass wir stark genug sein werden, das zu stemmen. Irgendwie.

Klare Empfehlung für jeden, der sich kurz und hart informieren will.
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