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Eine Reise durch das Hinterland

von Henning Sußebach

Herr Sußebach ist (war? - das Buch ist von 2017) Journalist bei der "Zeit". 2016 fasste er den Entschluss, einmal längs durch Deutschland zu wandern, von der Ostsee zur Zugspitze, und dabei möglichst keine Straße zu verwenden, ja, möglichst nicht einmal Asphalt zu betreten. Das stellte sich erwartunsgemäß als sehr schwierig heraus, denn Deutschland ist ja voller Straßen, auch wenn ich den Anteil der versiegelten Fläche als weit höher angenommen hatte als die im Buch erwähnten 6,2 % (was in etwa der Größe von Rheinland-Pfalz entspricht). 13,6 % von Deutschland sind als Siedlungs- und Verkehrsfläche kartiert - auch diesen Wert hatte ich weit höher geschätzt.

Es ist also ziemlich viel freie Fläche da, aber das bedeutet nicht, dass es einfach ist, auf ihr von Norden nach Süden durch die Republik zu wandern, denn Deutschland ist sehr zersiedelt und Straßen kreuzen sowieso immer mal wieder. Es gibt keine großen, wilden, zusammenhängenden Flächen in unserem Land, also musste Herr Sußebach Kompromisse eingehen. Am Ende hat er die Strecke geschafft, in knapp 50 Tagen.

Es ist sowohl eine Landschaftsbeschreibung als auch eine Gesellschaftsbeschreibung. Beides aus der Sicht eines Außenseiters, denn Herr Sußebach ist Städter, und hat als solcher keine echte Verbindung mit dem Leben auf dem Land. Daraus macht er auch keinen Hehl, und das macht das Buch sympatisch und es einfach, sich mit seiner Position zu identifizieren. Mit seinem Unwissen, seiner Überraschung und seinen Gedanken. Auch mit seinen Vorurteilen - es ist auch ein Buch über Menschen, die er unterwegs trifft, und denen er allen mit Neugier und Interesse zu begegnen versucht, egal, wer sie sind und wie sie ihn, den ungewaschenen, bärtigen Wanderer mit Rucksack und Zelt, behandeln.

Anfangs habe ich mir mit dem doch sehr philosophischen Stil schwergetan, aber etwa nach dem ersten Viertel hatte ich mich entweder daran gewöhnt oder Interesse an dem entwickelt, was dieses Buch darstellt - es ist eine Art Dialog zwischen Herrn Sußebach, mit sich selbst und mit der Landschaft und den Menschen, denen er begegnet. Ab da hatte ich Spaß am Lesen, an den Beobachtungen und an den Dingen, die Herrn Sußebach auffielen und überraschten. Neues im Alltäglichen - wobei alltäglich für jeden Menschen etwas Anderes bedeutet. Jeder Alltag ist nur Alltag für diese eine Person, für jeden anderen ist er anders, fremd und vielleicht sogar ein Abenteuer.
Auch das ist ein schöner Gedanke aus dem Buch.

Es gibt überall Geschichten, man muss sie nur entdecken und den Mut haben, sich auf sie einzulassen.
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