blauerfalke: (erzählen)
[personal profile] blauerfalke
von Maximilian Doeckel, Jonathan Focke

Es geht um genau das, was auf dem Titel steht - die unschlagbare Argumentation, dass die persönliche Erfahrung alles andere übertrifft und man sich darum nur darauf verlassen soll. Dass jeder von uns dazu neigt, einer solchen Empfehlung eher zu folgen als den besten Studien und den besten wissenschaftlichen Beweisen - und dass auch die Leute, die sich lieber auf Studien verlassen wollen, oft nicht in der Lage dazu sind, zu erkennen, was diese Studien überhaupt aussagen.
Und dann erklärt das Buch, auf was man bei Studien achten sollte und was Werbung so alles zurechtdrehen kann und wie, damit Studien sehr viel besser aussehen als sie sind. Und wenn das nur durch das Bild einer Person im Kittel erreicht wird, die daneben lächelt.

Naturgemäß geht es vor allem um Arzneimittel und den verwandten Bereich (auch das klingt ja schon im Titel an), denn nirgendwo sonst wird so viel mit nichtssagenden und irreführenden Studien um sich geworfen wie da. Gibt ja auch eine Menge Geld zu holen in dem Metier, wenn man die Leute nur überzeugen kann.

Da ich im selben Metier arbeite und darum immer mal wieder Studien lese, kenne ich die Grundlagen und auch alle im Buch erwähnten Tricks und Taktiken. Ich kenne auch das Problem, den Aufbau und die Durchführung einer Studie überhaupt erst in Erfahrung zu bringen. "90 % aller Anwender finden..." - das klingt immer gut, aber wenn man nicht weiß, wie diese Anwender ausgewählt wurden, unter welchen Umständen der Artikel angewendet wurde und wie groß die Kohorte ist, ist das nicht viel wert. Und nicht zu vergessen, die heilige Trias aller Studien: randomisiert, doppelblind, kontrolliert. Was die nicht alle drei hat, ist nichts.

Humorvolles Buch mit lustigen Anekdoten, die all das veranschaulichen. Leicht verständlich, unterhaltsam, eine echte Empfehlung für jeden, der sich einen Überblick über die Materie und ihre Strategien verschaffen will. Auch wenn natürlich wieder auf den Apotheken herumgehackt wird, aber das muss ja auch sein, für die Quote.

Darum an dieser Stelle mal: Wer eine ehrliche Antwort will, bekommt in einer guten Apotheke auch eine ehrliche Antwort. Wer das nicht will, sondern Bestätigung seiner Ideen, kann auch die haben, aber dann gibts noch immer eine Warnung dazu, damit er sich nicht in Gefahr bringt - darum bin ich fest der Meinung, dass Homöopathie in die Apotheke gehört. Damit es jemanden gibt, der sagt "Das ist jetzt kein Fall für Homöopathie, das wird gefährlich.". Das leistet kein Drogeriemarkt und schon gar kein Esoterikshop (Versteht mich nicht falsch, das ist kein Vorwurf. Dafür sind die auch nicht da. Darum eben Apotheke.)

Aber, wie gesagt, gut gemachtes Buch, sehr informativ und gut zu lesen. Vermittelt alle nötigen Grundlagen. Top.

Date: 2025-04-14 07:25 pm (UTC)
rabensturm: (Default)
From: [personal profile] rabensturm
Also ich hab in der Apotheke schon mal gefragt "kann ich nicht was mit Wirkstoff haben?"
und die Antwort war: "Ach, alle sagen, sie machen gute Erfahrungen damit"

:/

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