Eine Stadt und ein Museum: Brühl
Apr. 19th, 2025 10:58 amBrühl ist eine Stadt in der Nähe von Köln, die ca 45 000 Einwohner hat. Bekannt ist sie, weil sie mit den Brühler Schlössern - Augustusburg und Falkenlust - samt zugehörigem Park eine Welterbestätte ist, und die Heimat des Phantasialandes, eines bekannten Freizeitparks. Die Schlösser liegen direkt am Bahnhof, zum Phantasialand fährt vom Bahnhof aus ein Shuttlebus (sie haben aber natürlich auch große Parkplätze).
Darüber hinaus hat Brühl eine Innenstadt, von der ich immer nur sehr kleine Ecken sehe, die aber immer sehr charmant aussehen, so dass es sich vielleicht mal lohnen würde, da hinzufahren, um mal in Ruhe durchzuschlendern. Sie ist sicher nicht besonders groß, denn Brühl ist es ja auch nicht, aber sie hat viel grün, viele Bäume, nette Gassen und sie ist verkehrsberuhigt.
Und im Rosa Caffe haben wir sehr gut und lecker gegessen.
Brühl hat auch mehrere Kirchen, darunter eine, die mal zu einem Franziskaner-Kloster gehörte, und die Kurfürst Clemens August zu seiner Schlosskirche hat umbauen lassen. Warum in dem riesigen Augustusburg keine Schlosskirche ist, oder ob das nur temporär während der Bauphase so angedacht war... keine Ahnung. Auf jeden Fall hat besagte Kirche jetzt eine beeindruckende barocke Ausstattung von Balthasar Neumann, mit einer Verkündigungsgruppe auf dem Hochaltar und einer Gruppe singender und musizierender Engel auf der Orgel, die von einem Harfe spielenden König David gekrönt wird. Ein bisschen sieht es so aus, als gäbe der König als Bandleader grade ein Konzert, aber das spricht ja vor allem dafür, wie lebensecht diese Figuren sind.
Brühl liegt im Rhein-Erft-Kreis, dessen Autokennzeichen BM ist (früher mal Kreis Bergheim), und hat zwei Partnerstädte: Sceaux (Frankreich) und Leamington (UK).
Ferner hat es vier Freundesstädte: Weißwasser (Deutschland), Kunice (Polen), Chalikda (Griechenland) und Kaş (Türkei).
Das Stadtwappen zeigt den Hl. Petrus mit seinen Schlüsseln (wahrscheinlich ist der dann auch der Stadtpatron), zusammen mit dem Kölner Stiftskreuz. Umgeben ist das Ganze von sieben Schöffenköpfen, die auf das 1249 gegründete Hochgericht Brühl verweisen, in dem ein siebenköpfiges Gremium unter dem Vorsitz eines vom Landesherrn bestimmten Schultheiß für Recht und Ordnung sorgte.
Außerdem ist Brühl der Geburtsort vonAugust Macke Max Ernst und hat darum ein Museum, das seinem Werk gewidmet ist. Es ist gleich neben Bahnhof und Schlössern und damit sehr gut erreichbar.
August Macke Max Ernst war ein Vertreter des Surrealismus und Dadaismus und scheint in jedem Medium gearbeitet zu haben, das ihm in die Finger kam. Bekannt ist er für seine Metall-Skulpturen und für die Erfindung der Techniken Frottage (man trägt die Oberflächenstruktur durch Reiben auf das Medium auf), Grattage (man trägt erst viele Farbschichten auf und kratzt dann wieder welche weg, um darunter liegende sichtbar zu machen) und Drip Painting (man tropft oder spritzt die Farbe auf). Er war viermal verheiratet, seine dritte Ehefrau war die berühmte Kunstsammlerin Peggy Guggenheim, die ihre letzten Lebensjahre in Venedig verbrachte und dort mitsamt ihren Hunden auch im Garten ihrer Villa beerdigt ist.
Immerhin habe ich jetzt ein Bild aus dem Medium Öl auf Schmirgelpapier gesehen. Ich glaube, das war mein erstes Bild auf Schmirgelpapier. Es heißt übrigens "Vogel im Käfig" und ich finde, es sind zwei Vögel drauf... Auch finde ich, dass sehr viele Vögel im Werk von Max Ernst vorkommen, aber vielleicht ist das nur persönliches Gefühl, oder der Wahl der gezeigten Werke geschuldet, denn das Max Ernst-Museum hat ja sicher nur eine Auswahl in der Ausstellung. Jedes Museum hat ja immer mehr Werke, als es zeigen kann.
Im Ganzen fand ich die Skulpturen interessanter als die Bilder, auch wenn einige von denen durchaus hübsch waren, so rein farblich. Abstrakte Malerei ist ja immer vor allem Farbeindruck für mich.
Das Museum hat auch Sonderausstellungen, die aktuelle heißt "Hyper Creatures" und beschäftigt sich mit moderner Mythologie. Dabei scheinen die meisten Künstler auf Video-Installationen zu setzen, was ich persönlich eher schwierig finde. Gut gemacht war sie in jedem Fall. Die Raumaufteilung war verwinkelt, aber nicht unübersichtlich, die Tonspuren, die zu den Installationen gehören, werden auf Kopfhöhrer gespielt, die man bei Interesse aufsetzen kann, so dass nicht der gesamte Raum aus allen Ecken zugeschallt wird und es angenehm ruhig ist.
Eine Installation existiert sogar nur als Virtual Reality, in die man mit Hilfe einer VR-Brille eintauchen kann. Das erwies sich als anfangs ein bisschen verwirrend und schwierig, aber nach einer Weile klappte es dann doch ganz gut und hatte tatsächlich so etwas wie Poesie - man bewegt sich in der Käferperspektive auf dem Boden eines Waldes mit hohen Bäumen und vielen Tieren fort und muss dabei Stern-Konstellationen suchen, während eine sanfte Stimme einem philosophische Texte auf englisch vorträgt. Das war ein bisschen viel Eindruck auf einmal, aber vielleicht war das gerade gewollt. In jedem Fall fand ichs interessant und auch berührend.
Am besten gefallen aber hat mit das Bestiarium des Anthropozäns, in dem sie in der Tradition der alten Bestiarien - Sammlungen von Tieren und Pflanzen - menschengemachte Kreaturen zeigen. Saugroboter, Lautsprecher, die aussehen wie Steine, Roboter, Kunstrasen, Stracheldraht, Roboter, die auf vier Beinen herumlaufen, radioaktive Pilze... Fordite fand ich besonders spannend. Das sind "Edelsteine", die aus Autolack bestehen. In den Lackierereien werden auf den Stationen die Lacke immer einfach weitergesprüht, bis die Schichten so dick werden, dass sie stören. Dann werden sie abgeschlagen und je nach Schichten hat man dann etwas mehr oder weniger Buntes, das man schleifen und zurechtschneiden kann wie einen Stein, z.B. für Schmuck. (Vielleicht ist das dann auch eine Grattage-Technik und passt darum zu Max Ernst?)
Von Max Ernsts eigenen Kunstwerken mochte ich "Zwei Gehilfen" am liebsten, eine Bronzeskulptur aus zwei kleinen Wesen, die zu lächeln scheinen. Die waren niedlich.
Darüber hinaus hat Brühl eine Innenstadt, von der ich immer nur sehr kleine Ecken sehe, die aber immer sehr charmant aussehen, so dass es sich vielleicht mal lohnen würde, da hinzufahren, um mal in Ruhe durchzuschlendern. Sie ist sicher nicht besonders groß, denn Brühl ist es ja auch nicht, aber sie hat viel grün, viele Bäume, nette Gassen und sie ist verkehrsberuhigt.
Und im Rosa Caffe haben wir sehr gut und lecker gegessen.
Brühl hat auch mehrere Kirchen, darunter eine, die mal zu einem Franziskaner-Kloster gehörte, und die Kurfürst Clemens August zu seiner Schlosskirche hat umbauen lassen. Warum in dem riesigen Augustusburg keine Schlosskirche ist, oder ob das nur temporär während der Bauphase so angedacht war... keine Ahnung. Auf jeden Fall hat besagte Kirche jetzt eine beeindruckende barocke Ausstattung von Balthasar Neumann, mit einer Verkündigungsgruppe auf dem Hochaltar und einer Gruppe singender und musizierender Engel auf der Orgel, die von einem Harfe spielenden König David gekrönt wird. Ein bisschen sieht es so aus, als gäbe der König als Bandleader grade ein Konzert, aber das spricht ja vor allem dafür, wie lebensecht diese Figuren sind.
Brühl liegt im Rhein-Erft-Kreis, dessen Autokennzeichen BM ist (früher mal Kreis Bergheim), und hat zwei Partnerstädte: Sceaux (Frankreich) und Leamington (UK).
Ferner hat es vier Freundesstädte: Weißwasser (Deutschland), Kunice (Polen), Chalikda (Griechenland) und Kaş (Türkei).
Das Stadtwappen zeigt den Hl. Petrus mit seinen Schlüsseln (wahrscheinlich ist der dann auch der Stadtpatron), zusammen mit dem Kölner Stiftskreuz. Umgeben ist das Ganze von sieben Schöffenköpfen, die auf das 1249 gegründete Hochgericht Brühl verweisen, in dem ein siebenköpfiges Gremium unter dem Vorsitz eines vom Landesherrn bestimmten Schultheiß für Recht und Ordnung sorgte.
Außerdem ist Brühl der Geburtsort von
Immerhin habe ich jetzt ein Bild aus dem Medium Öl auf Schmirgelpapier gesehen. Ich glaube, das war mein erstes Bild auf Schmirgelpapier. Es heißt übrigens "Vogel im Käfig" und ich finde, es sind zwei Vögel drauf... Auch finde ich, dass sehr viele Vögel im Werk von Max Ernst vorkommen, aber vielleicht ist das nur persönliches Gefühl, oder der Wahl der gezeigten Werke geschuldet, denn das Max Ernst-Museum hat ja sicher nur eine Auswahl in der Ausstellung. Jedes Museum hat ja immer mehr Werke, als es zeigen kann.
Im Ganzen fand ich die Skulpturen interessanter als die Bilder, auch wenn einige von denen durchaus hübsch waren, so rein farblich. Abstrakte Malerei ist ja immer vor allem Farbeindruck für mich.
Das Museum hat auch Sonderausstellungen, die aktuelle heißt "Hyper Creatures" und beschäftigt sich mit moderner Mythologie. Dabei scheinen die meisten Künstler auf Video-Installationen zu setzen, was ich persönlich eher schwierig finde. Gut gemacht war sie in jedem Fall. Die Raumaufteilung war verwinkelt, aber nicht unübersichtlich, die Tonspuren, die zu den Installationen gehören, werden auf Kopfhöhrer gespielt, die man bei Interesse aufsetzen kann, so dass nicht der gesamte Raum aus allen Ecken zugeschallt wird und es angenehm ruhig ist.
Eine Installation existiert sogar nur als Virtual Reality, in die man mit Hilfe einer VR-Brille eintauchen kann. Das erwies sich als anfangs ein bisschen verwirrend und schwierig, aber nach einer Weile klappte es dann doch ganz gut und hatte tatsächlich so etwas wie Poesie - man bewegt sich in der Käferperspektive auf dem Boden eines Waldes mit hohen Bäumen und vielen Tieren fort und muss dabei Stern-Konstellationen suchen, während eine sanfte Stimme einem philosophische Texte auf englisch vorträgt. Das war ein bisschen viel Eindruck auf einmal, aber vielleicht war das gerade gewollt. In jedem Fall fand ichs interessant und auch berührend.
Am besten gefallen aber hat mit das Bestiarium des Anthropozäns, in dem sie in der Tradition der alten Bestiarien - Sammlungen von Tieren und Pflanzen - menschengemachte Kreaturen zeigen. Saugroboter, Lautsprecher, die aussehen wie Steine, Roboter, Kunstrasen, Stracheldraht, Roboter, die auf vier Beinen herumlaufen, radioaktive Pilze... Fordite fand ich besonders spannend. Das sind "Edelsteine", die aus Autolack bestehen. In den Lackierereien werden auf den Stationen die Lacke immer einfach weitergesprüht, bis die Schichten so dick werden, dass sie stören. Dann werden sie abgeschlagen und je nach Schichten hat man dann etwas mehr oder weniger Buntes, das man schleifen und zurechtschneiden kann wie einen Stein, z.B. für Schmuck. (Vielleicht ist das dann auch eine Grattage-Technik und passt darum zu Max Ernst?)
Von Max Ernsts eigenen Kunstwerken mochte ich "Zwei Gehilfen" am liebsten, eine Bronzeskulptur aus zwei kleinen Wesen, die zu lächeln scheinen. Die waren niedlich.