blauerfalke: (reisen)
[personal profile] blauerfalke
Bekanntermaßen sind die Britischen Inseln Inseln. Man muss also über eine Wasserstraße, um dorthin zu kommen, entweder per Schiff oder Flugzeug. Oder man muss unter der Wasserstraße durch, das geht auch, per Zug. Denn da hat irgendwer irgendwann mal einen Tunnel gebuddelt. Der Zug, der da fährt, ist der Eurostar.


Eurostar ist irgendwann in den letzten Jahren mit Thalys fusioniert/hat Thalys aufgekauft/irgendwas, so dass man jetzt auch aus Deutschland eine Reise nach London mit einer Gesellschaft buchen kann. Gut, man muss immer noch in Brüssel umsteigen, um da die ganzen Grenzformalitäten erledigen zu können, seinen Koffer durchleuchten zu lassen und selbst durch einen von diesen Bögen zu gehen... also in etwa das, was man am Flughafen auch immer machen muss, mit dem Unterschied, dass man seine Flüssigkeiten nicht in kleine Fläschchen und dann in Plastiktüten packen muss. Man kann problemlos die gefüllte Literflasche Wasser mitnehmen, oder auch zwei oder drei. Und man muss das Tablet nicht aus dem Rucksack holen.

Der Eurostar fährt aus Köln HBF ab und dann über Aachen HBF. Aachen wäre schonmal die richtige Richtung gewesen und eine Stunde weniger Fahrt, aber in Aachen war CHIO. Darum war es vollkommen unmöglich, da ein Hotel für die Übernachtung vor dem Zug am Morgen zu bekommen. Warum wir dann auf die Idee verfallen sind, von Köln aus zu fahren, und nicht direkt bis Brüssel am Abend... Wahrscheinlich, damit Vinni nicht noch länger Zug fahren musste, als sie das quer durch Deutschland ohnehinn schon musste. Nächstes Mal nehmen wir jedenfalls Brüssel. Dann können wir da direkt in den Zug nach London steigen und brauchen keinen Zubringer mehr.

Denn dieser Zubringer war das Problem. 40 Minuten vor Abfahrt in Köln meldet die App, dass sie Probleme mit der Bereitstellung haben und dass der Zug erst eine Stunde später kommt. Das Umsteigeintervall in Brüssel ist automatisch 90 Minuten, aber 30 Minuten vor Abfahrt des Zuges schließt der Bahnsteig, damit war also klar, dass wir den Anschluss nicht kriegen werden. Es war ebenso klar, dass sie uns weiter mitnehmen müssen, dann eben in einem anderen Zug, aber in dem muss ja auch erstmal Platz sein. Und ärgerlich war es vor allem, dass sie es uns so spät gesagt haben. 15 Minuten vor dem Eurostar, der ja jetzt zu spät kam, fuhr nämlich ein ICE nach Brüssel, hätten wir das zu dem Zeitpunkt schon gewusst, hätten wir den genommen. Auch wenn wir da spontan ein Ticket hätten kaufen müssen.

Aber so war der schon weg, also haben wir in Köln gewartet, bis unser Zug kam. Die Züge sind noch immer die gleichen wie damals bei Thalys, sie haben nur das Logo mit dem Eurostar-Logo übermalt. Wir haben auch gedacht, dass sie drinnen neuer und weniger lila sind (dafür mehr orange), aber auf den Sitzen stand noch Thalys, also kann das nichts mit der Übernahme zu tun haben. Gefühlt war auch etwas mehr Platz als früher... Also, Zug war da, Zug fuhr, der nette Zugbegleiter hat Nachrichten nach Brüssel geschickt, dass er Leute hat, die weiter nach London müssen, und Brüssel hat gesagt, wir sollen da einfach mal an den Schalter kommen.

Das hört sich einfacher an, als es ist. Brüssel Midi ist ein sehr großer Bahnhof, der eigentlich nur sehr wenige Gänge und nur eine Halle hat, in dem ich aber trotzdem immer mal wieder gerne verwirrt umherirre. Darum hat es mich selbst überrascht, wie zügig wir das Channel Terminal gefunden haben - vor dem eine sehr große, sehr unübersichtliche Menschentraube stand, in die wir uns dann einfach mal reingestellt haben. Erst in die Traube, und dann in das queuing maze, als sie den nächsten Zug anschlugen. Was sich als falsch herausgestellt hat, als wir einen weiteren netten Mitarbeiter ansprachen, der uns dann aus der Schlange wieder rausgeholt und an den Schalter vorne neben den Ticket-Scanner verwiesen hat. Wo es ebenfalls einen netten Mitarbeiter gab, der sehr entspannt unsere Tickets auf den nächsten Zug umgebucht und uns dann am Scanner vorbei zur Sicherheitskontrolle geschickt hat. Das war schon ein bisschen surreal, aber dafür sehr unkompliziert. Zumal der Zug, den wir eigentlich verpasst hatten, noch immer da war... es hing irgendwie alles. Aber gut, der nächste Zug würde schon fahren, wir hatten Karten dafür, wir waren im Sicherheitsbereich und die Passkontrolle hat uns auch durchgewinkt. Was will man mehr?

Eine bessere Beschilderung vielleicht. Aber vielleicht gibt es die im eigentlichen Wartebereich, denn den haben wir nicht gesehen. Wir haben uns in den Duty Free-Bereich gestellt, in einen Bereich, in dem "Trains" auf dem Boden stand, weil wir das grade noch sehen konnten, bevor zu viele Leute draufstanden und es nicht mehr zu sehen war. Da haben wir dann gewartet, mit vielen anderen Menschen, und uns gefragt, wo die Massen von Menschen hin sind, die vor uns schon alle durch die Sicherheitskontrolle gegangen waren. Dafür war die Taube nicht groß genug... Immerhin gab es hin und wieder mal Durchsagen, von wegen die Gates schließen jetzt und in 10 Minuten beginnt das Bording... schlecht zu verstehen, weil es sehr laut war, aber sie bemühten sich.

Und dann hatten wir irgendwann einen Zug. Etwa eine Stunde, nachdem dieser Zug hätte fahren sollen, fuhr er auch los, in Richtung Tunnel. Wo er dann kurz vorher wieder anhalten musste, weil ein Zug weiter vorne liegengeblieben war und evakuiert werden musste. Wir haben natürlich nicht gefragt, aber wenn es tatsächlich ausschließlich Eurostar ist, der die Strecke bedient, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das auch ein Eurostar-Zug war, und in dem Falle war es quasi sicher der, der mit dem wir eigentlich hätten fahren sollen.
So betrachtet wäre es dann also ein Glücksfall gewesen, dass wir den verpasst haben, der verspäteten Bereitstellung in Köln und der kurzfristigen Mitteilung sei dank. Denn nachdem die Strecke wieder frei war, konnte unser Zug ja weiterfahren und wir kamen ohne weitere Zwischenfälle in London an. Mit drei Stunden Verspätung, aber an. Was mit den Leuten in dem anderen Zug war... Evakuierung brauche ich nicht. Auch nicht, um es mal gemacht zu haben.

London also. St. Pancras. Sehr großer Bahnhof, viele Menschen. Wir müssen nach Euston. Sehr großer Bahnhof, sehr viele Menschen. Aber die Underground ist gut beschildert, wir konnten unsere Oyster-Cards problemlos aufladen (auch mit schottischen Pfundscheinen), und wir haben direkt eine U-Bahn bekommen. In Euston dann die Rolltreppen wieder hoch, Blick auf die Abfahrtstafel und in dem Moment geben sie ein Gleis für einen Zug nach Birmingham, den wir mit unserem vorher online gekauften Off peak Anytime nehmen können. Menschenmassen setzen sich in Bewegung, wir mit... wir müssen die ganze Zuglänge langgehen bis zum letzten Wagen, um reinzupassen, aber es klappt.
So schnell war ich noch nie wieder aus London raus.

Wir haben sogar Sitzplätze bekommen, und eine Weile läuft alles gut, dann beginnt die Klimaanlage Wasser zu spucken. Es ist warm, der Zug ist voll, das Ding läuft auf Hochtouren... zuerst ist es nur in einem sehr begrenzten Teil des Waggons, aber dann weitet es sich aus. Wir ziehen also in einen anderen Waggon um. Da müssen wir erstmal stehen, aber wir werden wenigstens nicht nass, und etwas später leert es sich deutlich, so dass wir auch wieder Sitzplätze haben. Hätte schlimmer sein können.
Die Zuganzeige behauptet die ganze Fahrt über, dass der nächste Halt Watford Junction ist, aber es gab Durchsagen, und Birmingham war die Endstation, das stellte also kein Problem dar. Birmingham New Street, ein sehr großer Bahnhof mit sehr vielen Menschen.
Nächstes Mal fahren wir bis Birminghm International, der ist sehr viel kleiner. Die Stadt selbst ist zwar groß, aber der Flughafen nicht, und International ist der Bahnhof zum Flughafen.

Zu dem sind wir dann am nächsten Morgen gefahren, mit einer random Regionalbahn und dann mit der Monorail, die ständig zwischen Bahnhof und Flughafen hin- und herpendelt. Und ab da gabs dann einen Mietwagen.

Für mich ging es auch mit der Bahn zurück. Nachdem wir mit einem National Express-Bus von Birmingham Airport nach Heathrow T5 gefahren sind - nochmal danke an den Bus, der uns mitgenommen hat, auch wenn wir eigentlich auf den zwei später gebucht gewesen waren - musste ich erstmal wieder nach St. Pancras. Piccadilly Line. Die, wo wir im März ewig mit auf dem Gleis gestanden haben, und dann den Flieger verpasst haben. Nur halt die Gegenrichtung.

Auch dieses Mal halten wir zweimal wegen roter Signale außerplanmäßig an, aber beide Male nur kurz. Ich hatte auch großzügig geplant, wenn wir also nicht grade wieder zwei Stunden irgendwo stehen... die Tube hat keine echten Fahrpläne, also ist Verspätung relativ, aber ich bin um kurz nach neun in St. Pancras. Schätzungsweise 70 Minuten statt der 60, die es laut TfL sein sollten. Passt schon.

Ich bin also so früh, dass ich bei Eurostar mal fragen gehe, ob sie mich einen Zug früher mitnehmen - geht leider nicht, der Zug ist voll. Macht nichts, Versuch war's wert. Ich suche mir eine ruhige Ecke in dem großen Bahnhof, die nicht voller Menschenmassen ist (ja, das gibt's), und warte da, bis sie den Zug aufrufen.

Eurostar an St. Pancras ist sehr effizient. Sie haben eine größere Gruppe von hilfreichen Menschen und ein queuing maze mit mehreren Eingängen, von denen immer zwei offen sind, denn St. Pancras schickt alle halbe Stunde einen Zug aufs Gleis. Immer, wenn ein Check In geschlossen wird, machen sie den für den nächsten Zug auf. Gutes System, das reibungslos funktioniert, was auch ein Verdienst der sehr nervenstarken Aufseher am Eingang ist, die die last calls und first calls verkünden und auch mal lapidar "You missed your train, go to the service desk." sagen.

Sie rufen also den 13 Uhr 01 auf, es geht in die Schlange - und in diesem Bereich spricht alles nur noch Französisch, das hat mich erstmal sehr überrascht und verwirrt. Aber gut, so schwierig ist es ja nun auch wieder nicht. Ticketscanner, Sicherheitskontrolle - hier muss der Koffer in eine Schale, Brüssel wollte ihn nur auf dem Band haben - und dahinter ist eine große Wartehalle, die an einen Flughafen erinnert. Mit Sitzen, ein bisschen Infrastruktur und vielen Bildschirmen, auf denen die nächsten drei Züge stehen und wo zum Einsteigen das Gleis anschlagen. Eurostar hat 5 Gleise in St. Pancras, das muss man organisieren.

Und das läuft dann auch wie ein Uhrwerk. Alle halbe Stunde, etwa 20 Minuten vor Abfahrt, erscheint das Gleis hinter dem nächsten Zug, es wird durchgesagt und mehrfach von hilfreichen Menschen durch die Halle gebrüllt, und der entsprechende Gleiszugang wird geöffnet. Dann strömen fast 1000 Menschen hoch zum Gleis und zum Zug - auch dieser ist voll, so wie alle anderen auch. Aber sie kriegen all die Menschen rechtzeitig unter, wir fahren pünktlich los und kommen pünktlich in Brüssel an.

Da muss ich mich dann erstmal wieder weiträumig orientieren, wie ich vom Ausgang des Channel Terminals in die Bahnhofshalle komme - dreimal hin und her, ach da drüben - denn dort hängen die Bildschirme mit den Gleisen und mein Eurostar nach Dortmund über Aachen steht tatsächlich schon drauf. Sehr praktisch, kann ich mich gemütlich schonmal ans Gleis setzen, denn es sind auch nach dem Herumlaufen noch gute 50 Minuten bis zur Abfahrt.

Kurz vorher erscheinen mehrere hilfreiche Eurostar-Mitarbeiter am Bahnsteig und fragen jeden einzeln, wo er oder sie hinfahren will - es fährt nämlich fast zeitgleich ein Eurostar nach Paris ab, und es ist ja nicht unwahrscheinlich, dass da jemand am falschen Gleis steht. Was sich auch bewahrheitet, denn einige Leute verlassen den Bahnsteig tatsächlich. Gut gehandhabt also.

Auch dieser Zug ist pünktlich und erreicht Aachen ebenso pünktlich. Da steht der RE1 schon wartend im Gleis und fährt 20 Minuten später pünktlich ab. Leider verlieren wir unterwegs 3 Minuten, was nicht viel ist, aber blöd bei einem Umsteige-Intervall von 4 Minuten. Aber RE und Rurtalbahn halten am selben Bahnsteig, und die Rurtalbahn wartet gerade am Wochenende auch mal ein paar Minuten, wenn klar ist, dass der RE fast da ist - ich schaffe den Umstieg also tatsächlich noch. Wundere mich, dass es so voll ist und so viele Kontrolleure da - es ist Annakirmes. Naja, das überstehe ich auch noch.

Rückfahrt lief also super, ohne jedes Hakeln. Hinfahrt nicht, aber am Ende könnte das ein Vorteil gewesen sein. Und insgesamt gesehen finde ich Bahnfahren nach wie vor weniger stressig als Fliegen (und es ist mehr Platz). Jetzt hat mans auch mal gemacht, es ist also eine gewisse Erfahrung da... ist auf jeden Fall eine Option. Und preislich auch vergleichbar. (In der Kombi mit DB nach Brüssel am Abend vorher vielleicht sogar günstiger zu haben als ein Flug, wenn man früh bucht.)

Im Ganzen eine positive Erfahrung.
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