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Schönes und Nützliches aus Großmutters Zeiten

von Thomas Blubacher

Das steht auf dem Cover. Auf dem Titelblatt innen steht "Schönes und Wissenswertes aus Großmutters Zeiten". das Zweite trifft es eine Spur besser, aber der Unterschied ist jetzt nicht so wichtig, dass man sich näher damit beschäftigen müsste.

Es handelt sich um ein Lexikon von A bis Z über Gegenstände, Personen und Gepflogenheiten, die heute nicht mehr modern sind, nicht mehr gebraucht werder oder auch einfach nicht mehr existieren. Bei einigen ist das sehr gut, denn wer will schon seine praktische Waschmaschine wieder gegen einen Waschzuber und ein Waschbrett eintauschen? Bei einigen ist es schade, denn eine Post, die täglich kommt, ist ja auch nicht schlecht.
Die Auswahl ist wie bei jedem Buch dieser Art subjektiv, ich finde sie im Ganzen gelungen. Kleine Abstriche sind natürlich dabei - ob man jetzt die Telefon-Vermittungsstelle wirklich unter vier verschiedenen Stichwörtern aufführen muss, oder ob die Titanic einen eigenen Eintrag braucht, wenn es schon einen für die Dampfschifffahrt gibt... Dafür hätte ich mir gewünscht, dass erklärt wird, was eine Diseuse ist, denn das wird in mehrern Einträgen einfach vorausgesetzt. (grob gesagt ist es einen Chanson-Sängerin im Kabarett)

Man lernt, dass es erlaubt war, beim Kombissbrot das Mehl mit Sägesmehl zu strecken, dass mit dem Hanomag 2/10 schon 1924 ein 4-Liter-Auto auf dem Markt war, dass das Wort "Reklame" als jüdisch galt und darum 1933 von den Nazis durch das Wort "Werbung" ersetzt wurde, der Name "Persil" (das das erste selbsttätige Waschmittel war) sich aus Perborat und Silikat zusammensetzt und darum nichts mit Petersilie zu tun hat, Mannquin nicht aus dem Französischen, sondern aus dem Niederländischen kommt (manneken, "Männchen", hier als Bedeutung "Gliederpuppe" und darum eher geringschätzig), was ein Zwickel ist und warum es wichtig fürs öffentliche Baden ist, das zu wissen, dass die weibliche Form von "Gigolo" "Gigolette" ist (auch die ist, wie er, nur zum Tanzen da), und dass Eisdiele nicht vom Flur, sondern von einer Gaststätte kommt, die nicht so dunkel war wie eine Spelunke (kommt vom griechischen Wort für Höhle) und nicht so verrufen wie eine Kaschemme (kommt vom Romani-Wort für Wirtshaus). Linguistisch also schon mal sehr interessant.

Auch die Informationen über Dinge an sich sind interessant - wer die Dauerwelle erfunden hat, wann Mann welchen Hut und welche Handschuhe zu tragen hat, und wie sie sich die eine gesellschaftliche Veranstaltung von der anderen unterscheidet. Für die jüngeren Genrationen sind sicher auch die Beschreibungen diverser Telefone und Schreibmaschinen sehr interessant oder die Erklärung, was ein Telegramm oder ein Panoptikum ist. Mir war auch nicht klar, dass das Zeichen in Gebärdensprache für "deutsch" eine Pikelhaube symbolisiert. Oder dass Frauenmilchsammelstellen noch heute existieren.

Unterhaltsam geschrieben, amüsant, mit netten Anekdoten, und ein bisschen nostalgisch. Lässt sich sehr gut lesen.
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