Dracula

May. 3rd, 2009 07:03 pm
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von Bram Stoker

Weiteres Abbauen von Vorurteilen - die Lektüre von Goethes Werther in der Schule hat mich von Tagebuch/Briefromanen für den Rest meines Lebens abgeschreckt. Aber wenn man mitreden will, muß mans ja wohl mal selbst lesen.

Die Handlung kennt ja eigentlich jeder ;)
Dracula kommt aus Transsylvanien nach England, macht Lucy zu seinesgleichen und vergreift sich dann an Mina, während Minas Mann, Lucys Verlobter, van Helsing und zwei weitere gute Freunde verzweifelt versuchen, ihn aufzuhalten und zu töten.

Man kann es flüssig lesen, auch wenn nichtmal durch die wechselnden Perspektiven auch nur sowas wie ein Hauch von Objektivität entsteht. Alle Männer beten erst Lucy und dann Mina gleichermaßen an, so daß es auch eigentlich egal ist, daß es zwei Frauen sind. Lucys Tod und spätere Konfrontation auf dem Friedhof dient nur dazu, die Zweifler davon zu überzeugen, daß van Helsing recht hat. Die Darstellung der gehobenen Gesellschaft der Zeit ist nett, wenn auch eher oberflächlich, sieht man von den ständigen Lobeshymnen auf das Verhalten von Lucy und Mina ab. Anschauungsunterricht, wie eine Dame Leid und Katastrophen korrekt zu begegnen hat.
Was ich Stoker zugute halten muß, ist daß er keine billigen Schockeffekte herauskramt. Entgegenhalten könnte man ihm den reibungslosen Fahrplan des Buches. Ich meine nicht, daß immer alles glattgeht - Lucy stirbt ja - aber daß alles einer logischen Entwicklung folgt, die doch etwas zu direkt wirkt.
Außerdem läßt er die Helden den Grafen einmal bei Tageslicht konfrontieren - ich habe es viermal nachgelesen, um ganz sicherzugehen - während er sonst ständig betont, daß alle zwischen Sonnenauf- und -untergang sicher sind. Entweder ist das ein Übersetzungsfehler, ein Druckfehler oder einfach... falsch.

Der Schluß gefällt mir übrigens nicht, natürlich stirbt der Mann, den ich am meisten mochte. War ja klar. Ansonsten mochte ich die Auflösung eigentlich, eben weil sie so kurz, banal und beinahe nebensächlich ist. Es weiß ja immer jeder, wie der Graf zu töten ist, man muß ihn nur tagsüber finden.

Es kommen zwei Männer mehr vor, als ich erwartet hatte, Renfields Existenz und Wahnsinn hat mir das Buch auch nicht klarer gemacht als vorher und van Helsing hatte ich mir auch weniger menschlich vorgestellt.

Also - Vorurteile beseitigt, nochmal lesen muß ich es aber ziemlich sicher nicht. Und ich halte "Das Phantom der Oper" noch immer für das bessere Buch ;)
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