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Autor unbekannt, China zur Zeit der späten Mingdynastie

Der Roman erzählt die Lebensgeschichte des Mädchen Su-ngo (Weißgänschen), später Dame Djia, eine wohl sehr bekannte historische Persönlichkeit des Chinas des 6.Jahrhunderts vor Christus. Es ist ein historischer Roman, der sich laut Angaben des Übersetzers auch in fast allem recht nah an historische Quellen hält. Trotzdem ist es natürlich fiktional - das muß betont werden, denn das Auftauchen von Dämonen und Unsterblichen in Chinesischer Geschichtsschreibung ist ja durchaus normal.
Die Dame Djia also wird von einem taoistischen Unsterblichen in der "Methode des einfachen Mädchens, die Fürchte des Kampfes zu ernten" unterrichtet. Dabei bedient man sich als Frau bein Geschlechtsakt der Yang-Kraft des Mannes, um so das Gleichgewicht zum eigenen Yin herzustellen, ewige Jugend und Schönheit zu erlangen und unsterblich zu werden. Leider vertragen die meisten Männer das Abzapfen ihrer Lebenskraft nicht gut, und wie bei einem Vampir sterben sie dann irgendwann an Entkräftung. Da die Dame Djia nicht nur atemberaubend schön sondern auch eine Großmeisterin der "Zimmerkunst" (was die Kunst ist, gut im Bett zu sein) und unersättlich ist, verfallen ihr die Männer reihenweise und zögern auch nicht, für sie zu töten.
In ihrem letzten Gatten Tjü Wu, der selbst in gewissen Künsten außerordentlich bewandert ist, findet sie schließlich einen ebenbürtigen Gegner.
Am Ende will ein eiferüchtiger Fürst dem unzüchtigen Treiben ein Ende setzen, doch der Unsterbliche rettet seine Schülerin und ihre beiden besten Freundinnen durch Entrückung auf einer Wolke.

Im Nachwort werden der Historische Rahmen, einige Wörter und vor allem die Gesellschaft der späten Mingdynastie erklärt. Denn auch wenn das Buch 2200 Jahre vorher spielt, so ist es laut Nachwort doch vor allem ein Spiegel eben jener späten Mingzeit. Chinesische Literatur ist gerne erziehend, voll von Verweisen auf Traditionen und voller Andeutungen, die nur das gebildete chinesische Publkum versteht - bei diesem Roman ist das nur zum Teil so, und das muß man wissen.

Der Roman selbst ist mäßig interessant und die Handlung hat eine große Abschweifung in einen historisch belegten Feldzug, bei dem es sich um viele Personen dreht, die mit der Biographie nichts zu tun haben. Es gibt ein ganzes Kapitel darüber, was einigen Personen in der Unterwelt passiert und fast die Hälfte des Buches wird von Sex eingenommen. Der ist vor allem darum interssant, weil er auf wahrscheinlich typische chinesische Weise beschrieben wird - von Frühlingsherz bis Jadespeer sind alle Begriffe drin, die man vom Vorurteil her so erwartet. Zum Glück, denn alles ist so drastisch bis ins Detail geschildert, daß mir von der typisch westlichen Beschreibungsweise wahrsheinlich schlecht geworden wäre.So kann man es aber ganz gut lesen.
Auch gibt es immer wieder Beschreibungen über Zeremonielle, Werte und typische gesellschaftliche Rituale dieser Zeit - das Spannende ist das Gesellschaftsbild.
Dafür hat es sich wirklich gelohnt, auch wenn ich sicher nicht das Wissen habe, das nötig wäre, um alles richtig zu würdigen.

Und das "Goldlotosse" die Füße sind, hätte mir vor Seite 273 auffallen müssen. Ich wußte, daß kleine Füße in China als unglaublich sexy gelten (galten?), aber da habe ich wohl auf dem Schlauch gestanden.
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