blauerfalke: (geschichten)
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von L.Frank Baum

Scarecrow kommt erst im letzten Drittel des Buches vor. Zuerst treffen wir das Mädchen Trot und den Seemann Cap'n Bill, der ein Holzbein hat. Bei einem Ruderausflug geraten sie in einen Wasserwirbel, gehen unter und werden in einer Höhle wieder hochgespült. Dort treffen sie den Ork. Der Ork ist ein vierfüßiges Wesen mit Storchenbeinen, einem Kopf so ähnlich wie ein Papagei, vier Hautflügeln und einem Propellerschwanz, das fast keine Federn hat, sich für wunderschön hält und Vögel für unglaublich häßlich. Gemeinsam gelingt es ihnen, durch dunkle Tunnel zu entkommen, und nach weiteren Abenteuern erreichen sie und Button-Bright, den sie unterwegs treffen, Jinxland.


Jinxland ist ein Teil von Oz, von Quadlingland, um genau zu sein, aber es ist durch eine sehr hohe Begrkette und eine bodenlose Schlucht von Oz getrennt, so daß sich dort niemand groß um die Gesetze von Oz kümmert. Das führte dazu, dass der rechtmäßige König von Jinxland in die Schlucht geworfen wurde, und der Ursupator mit Steinen beschwert auf dem Grund eines Sees liegt - in Oz kann ja niemand sterben. Der Ursupator des Ursupators ist ein grausamer König und versucht gerade, die Tochter des rechtmäßigen Königs mit einem seiner Höflinge zu verheiraten. Die liebt aber den Gärtnerjungen, der der Sohn des ersten Usrupators ist. Darum läßt der König ihr Herz von der Wicked Witch - wegen ihrer Augenklappe auch "Blinkie" genannt - einfrieren. Davon heiratet sie den Höfling aber auch nicht, denn jetzt fühlt sie für niemanden mehr etwas, auch keine Angst.

Glinda hat das alles natürlich in ihrem Buch gelesen und schickt Scarecrow, um Trot, Bill und Button-Bright zu helfen. Das ist auch nötig, denn Bill wurde zwischenzeitlich von Blinkie in einen Grashüpfer (mit Holzbein) verwandelt.
Scarecrow verlangt also vom König, daß er sich Ozma unterwirft, der antwortet damit, daß er Scarecrow auf einen Scheiterhaufen stellt. In letzter Sekunde können der Ork und seine Cousins, die er zwischenzeitlich wiedergefunden hat, ihn retten, und den bösen König überwinden.

Glinda hat Scarecrow einen Schrumpfzauber mitgegeben, den er über Blinkie schüttet und die daraufhin Bill zurückverwandelt und das Herz der Prinzessin wieder auftaut, um ihr Leben zu retten. Das dauert so lange, daß sie Scarecrow nur noch bis zum Knie reicht, als sie damit fertig ist, und er ihr das Gegenmittel gibt. Sie muß also jetzt immer so klein bleiben und hat auch keine Zauberkräfte mehr.
Die Prinzessin wird Königin, heiratet ihren Gärtnerjungen, und der böse König muß sich läutern und wird der neue Gärtnerjunge. Die Orks fliegen Scarecrow, Trot, Bill und Button-Bright über Schlucht und Berge nach Quadlingland. Sie machen sich auf zu Glinda, wo Dorothy und Betsy schon warten, um sie willkommen zu heißen, denn auch die drei Mädels im Palast haben die ganze Geschichte in Ozmas magischem Bild natürlich mitangesehen.

Es hat eine durchgängige Handlung, und das finde ich immer positiv. Button-Bright scheint nicht älter geworden zu sein, denn er ist kleiner als Trot, aber immerhin spricht er jetzt in ganzen Sätzen - mir kommt er sehr viel älter vor. Er ist noch immer ein Egoist, und er wandert ständig davon, und die anderen müssen ihn suchen. Also immerhin etwas Neues an dieser Front. Außerdem mag er sawhorse und fällt ihm vor Freude, es zu sehen, um den Hals. Er ist weniger nervig als vorher ;)
Ich mag Bill, und Trot ist das übliche kleine Oz-Mädchen, auch wenn sie diesmal aus Kalifornien kommt. Der Ork ist spaßig und am Ende verlässlich und liebenswert. Scarecrow ist genauso naiv und unbedarft wie immer, und erwähnt auch mindestens zweimal, wie toll sein Gehirn doch ist. Wenn man bedenkt, wie naiv und unbedarft die anderen Leute in Oz so sind, könnte er tatsächlich Recht damit haben, daß es weit über dem Durchschnitt liegt. Schöner Cameo-Auftritt eines alten Bekannten.

Ich mochte die Idee mit dem Mountain Ear, dem Mann der auf dem Berg lebt und dem Berg erzählt, was so passiert, damit der sich keine Sorgen macht, sich nicht fürchtet und am Ende noch unruhig wird und ein Erdbeben macht.
Und wie immer mag ich die kleinen Kurzauftritte des Wizards, auch wenn der sich diesmal damit erschöpft, daß er immer wieder Essen und ein Haus zum Übernachten für die kleine Reisegruppe zaubert, während sie durch Quadlingland reisen.

Die Story hat die üblichen Ungereimtheiten und abstrusen Wendungen, dazu kommen diverse Momente, in denen ich mich fragte, wie jemand so blöd sein kann, und da ich da von Oz schon einiges gewöhnt bin, will das was heißen.

Aber was ich dem Buch wirklich ankreide, sind ein paar sehr intolerante Tendenzen, die mich stark an "Dorothy and the Wizard in Oz" erinnern, wo die beiden unterwegs ganze Länder zerstören, um die es dann "nicht schade ist". So schlimm kommt es diesmal zwar nicht, aber die gesamte pauschale Ablehnung des "schreklichen Landes Mo" beruht darauf, daß es Limonade regnet, Popcorn schneit und man dort Candy heiß ißt. Der Mountain Ear und die sprechenden Vögel, die die einzigen Bewohner des Landes sind, die auftreten, sind freundlich, hilfsbereit und großzügig, aber Trot und Bill finden es ganz grauenvoll und wollen sofort wieder weg.
Dazu kommt Geringschätzung aller Beteiligten von Pon, dem Gärtnerjungen. Der arme Kerl hat sich nichts zuschulden kommen lassen außer daß die Prinzessin sich in ihn verliebt hat, und er es als ungebührlich ansah, sie dann nicht auch zu lieben, das also getan hat. Verständlicherweise leidet er darunter, daß seine große Liebe jemand anders heiraten soll und verzweifelt beinahe daran, daß Blinkie ihr das Herz einfriert. Trotzdem hält er treu zu ihr und gibt die Hoffnung niemals auf. Aber schon seit der ersten Begegnung finden alle, daß er "not much to begin with" oder "not of much worth" ist und die Prinzessin "could have done much better". Gelinde gesagt, finde ich es eine Unverschämtheit und eine sehr zweifelhafte Botschaft. Ich dachte, wir wären jetzt über diese intoleranten Sperenzchen hinaus.

Und ich wäre wirklich mal dankbar, wenn Baum aufhören würde, erst zu behaupten, daß man Oz die Leute nicht umbringen kann, und anschließend jemanden damit zu bedrohen, genau das zu tun. Pons Vater kann in seinem See nicht ertrinken (übrigens stelle ich es mir sehr langweilig vor, da seit Jahren mit Steinen beschwert drin herumzuliegen), aber Scarecrow kann verbrennen, und es wird noch extra darauf hingewiesen, daß er nicht ertrinken kann, weil er nicht atmet...
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