blauerfalke: (Falke)
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#11: Kai und Kunneware

1.Findest du das gut?
Ich finde es großartig. So großartig, dass ich mich da bewußt gegen alle Klassiker entschieden habe. Normalerweise heiratet Kunneware nämlich ganz wen anders. Einen von den Typen, die Parzival bei der Rettung von Kondwiramur besiegt und zu Kunneware geschickt hat, damit er ihr Ehre erweist.
Kai hat meistens keine romantischen Beziehungen. Eine Variante gibts da noch, in "Der Roman von Escanor", aber den habe ich nicht gelesen, weil mein Französisch dafür wahrscheinlich nicht ausreicht. Ich glaube, die Dame heißt Andrivete... Ob nun mit der oder einer anderen, Kai hat auch Kinder, also muß es da meist irgendwo eine Frau geben, selbst wenn sie nicht erwähnt wird oder nicht seine Ehefrau ist.
Trotzdem, die Sache mit Kunneware mag ich einfach am Liebsten. Der Seneschall von diesem anderen Typen kann bestimmt gar nicht so tolle Krapfen machen, dass man ihn deswegen heiraten muß.

2.Ist das deine einzig wahre Beziehung für die beiden?
Ja. Ich muß aber nochmal wiederholen, dass ich mich mit Kais Alternativen nicht näher beschäftigt habe. Ich lasse mich halt gerne von Gerald Morris beeinflussen. Ihm verdanke ich auch die Charakterisierung von Kunneware, für die ich mich entschieden habe. Zumindest bei Wolfram von Eschenbach wird Kunneware nicht ausreichend charakterisiert, um wirklich etwas aus ihr zu machen. Ansätze sind da, auch Dinge, die andere Leute tun und sagen, die dann Rückschlüsse zulassen... Wenn sie bei Malory vorkam, habe ich verdrängt, ob Kunneware da Raum einnahm oder nicht.
Ich finde es grundsätzlich schwierig, eine glaubhafte, charaktertreue Beschreibung darüber zu schaffen, dass Kai sich in eine Frau verliebt und diese Liebe dann auch noch erwidert wird und eine Zukunft hat. Darum finde ich es umso großartiger, dass es mit der Konstellation gelungen ist. Ohne alberne Minnerituale, Gedichte und Harfezupfen, aber auch ohne nüchterne, emotionslose Verhandlung wie beim Pferdekauf. Es ist keine Zweckehe. Bei mir ist sie nützlich, aber das ist Zufall. Sozusagen eine Nebenwirkung.

3.Warum magst du diese Beziehung (nicht)?
Ich mag sie, weil sie knallhart ehrlich ist. Ich habe mal gesagt, dass ich Kais Heiratsantrag in "Parzival's Page" für eine extrem romantische Szene halte. Nicht, weil er kunstvoll formuliert ist oder Liebesschwüre enthält, sondern weil Kai das Risiko eingeht und sich so bloßstellt, vor dem ganzen Hof, ohne dass er weiß, was folgen wird. Weil es eben ehrlich ist und nichts beschönt. Mit Kai umzugehen, ist nicht einfach. Nicht, weil er ein schwieriger Mensch ist - das ist er nicht - sondern weil er so viel Verantwortung trägt und die sehr ernst nimmt. An erster Stelle steht für Kai diese Pflicht. Seinen kleinen Bruder zu beschützen, ihn zu unterstützen, das geht noch über den Treueeid des Ritters hinaus. Kai ist das letzte Bollwerk, und das weiß er. Er muß abschreckend wirken, er muß hart sein, unerbittlich und streng, und wenn möglich, einen Ruf haben, der die Hälfte aller Leute schonmal gleich abschreckt. Dann muß man sich nur noch mit den richtig Bekloppten rumschlagen, die kleinen Fische sortieren sich von selbst aus. Kai sind Leute suspekt, die keine Ziele im Leben haben oder keine Pflichten, die einfach nur so in den Tag hinein leben. Für ihn sind die Prioritäten klar am Notwendigen orientiert. An dem, was essentiell wichtig ist. Romantische Spielereien gehören da definitiv nicht zu. Da hat er keine Zeit für. Und für Leute, die sehnsuchtsvoll unter Fenstern herumklampfen, hat er kein Verständnis.
Eine Frau, die es mit ihm aufnehmen will, muß sehr stark sein. Stark genug, um ihren Platz neben ihm zu behaupten. Um ihm widersprechen zu können, mit ihm streiten zu können. Um zu ertragen, dass er Klartext redet. Sie muß auch selbst Klartext reden können und deutlich werden. Und sie muß damit umgehen können, dass sie niemals das Alleinige Allerwichtigste in seinem Leben sein wird. Auch, dass er sie ziemlich sicher niemals seinen "lilienzarten Augenstern" oder sowas nennen wird. Schön, wenn jemand wie Kunneware bei so einem Kompliment ohnehin nur gequält lächeln würde.
Kunneware kennt ihren Platz im Leben. Sie ist intelligent und gut ausgebildet, und daher versteht sie, wieviel Arbeit es ist, Camelot am Laufen zu halten. Sie kann ihren Teil dazutun, und sie sieht den Wert in ehrlicher Arbeit. Sie sieht sich da auch selbst in der Pflicht. Nur dekorativ herumsitzen ist ihr zu wenig. Sie ist eine sehr moderne Frau in dem Sinne, dass sie ihren Grund und Boden behaupten kann, sich nicht einschüchtern läßt und eher "du spinnst" zu ihrem Mann sagt, als einer unsinnigen Aussage zuzustimmen, nur weil er der Mann ist. Sie kann ihre Meinung deutlich ausdrücken und sie hat denselben beißenden Humor wie Kai.
Das Beeindruckendste an der Beziehung ist vielleicht diese tiefe und genaue Kenntnis des anderen, von dessen Werten, Motivationen und Ansichten. Kai und Kunneware können einander Wahrheiten ins Gesicht sagen, ohne dabei jedes Wort und jede Betonung auf die Goldwaage zu legen, weil sie wissen, dass der andere es ihnen nicht übelnehmen wird. Weil sie wissen, dass, was auch immer ist, der andere da sein wird. Dass diese Liebe nichts erschüttern kann. Sie wissen genug von einander, um nicht zu zweifeln.

4.Hast du noch was Positives/Negatives darüber zu sagen?
Ich finde es gut, wenn Kai eine funktionierende Ehe führt, und ich finde es gut, wenn sie weder minne-romantisch noch heldenhaft-verbrämt ist. Kai ist ein bodenständiger, praktischer Mensch, und genau so sind seine Beziehungen zu anderen Menschen. Ich finde es schade, dass das in so wenigen Texten von Interesse ist, denn ich finde, sein Charakter bietet viel Potential, gerade in der Entwicklung einer Liebe. Schon alleine, weil Kai für sowas eigentlich gar keine Zeit hat.
Kunneware auf der anderen Seite füllt eine Charakterisierungslücke für mich - sie ist selbstbewußt, stolz und viel zu stark, um in Ohnmacht zu fallen oder wegen Nichtigkeiten herumzuheulen. Aber sie ist angepaßt und fühlt sich innerhalb der Regeln wohl, und andere fühlen sich mit ihr wohl. Nicht wie Lynet oder Morgana, die Regeln nicht interessieren oder sie bewußt brechen. Kunneware ist das Kunststück, zugleich modern und traditionell zu sein.
Und genauso ist auch diese Ehe - modern und zugleich sehr altmodisch. Modern im Umgang und altmodisch in den Werten. Außerdem kommunikativ. Ich glaube, jeder Paartherapeut wäre begeistert davon. ;)

Date: 2013-02-04 08:43 am (UTC)
From: [identity profile] rabensturm.livejournal.com
Das hast du aber schön geschrieben :)

Date: 2013-02-04 07:08 pm (UTC)
From: [identity profile] blauerfalke.livejournal.com
Das heißt, es entspricht deinen Vorstellungen? :)

Date: 2013-02-04 07:28 pm (UTC)
From: [identity profile] rabensturm.livejournal.com
Aber ja doch. Nicht zuletzt auch die Krapfen ;)

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