Meme #4: Arthurian Romances
Feb. 23rd, 2013 01:47 pm#16: Artus und Lancelot
1.Findest du das gut?
Nein. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Slash, aber ich hab es nicht mit Slash im Artus-Universum. Ich weiß, dass das rückständig ist oder sogar engstirning, aber es ist eben nicht meins. Wers mag, gerne. Jeder kann da schreiben oder lesen, was er möchte, ich möchte das eben nicht. Für mich ist die Rittergemeinschaft altmodisch, und bis ins 19te Jahrhundert konnte man auch als Mann sehr gut und sehr eng befreundet sein, ohne dass einem da gleich romantische Untertöne unterstellt wurden. Ich habe also nichts gegen den Part, dass sich da Freunde sehr nahe stehen, nur eben gegen die sexuell-romantische Komponente.
Darum habe ich übrigens auch alle gleichgeschlechtlichen Titel aus diesem Meme entfernt. Nur dieses habe ich gelassen, sozusagen exemplarisch. Weil es mir die Möglichkeit gibt, über die Beziehung von Artus und Lancelot zu reden, und weil ich die BBC-Serie Merlin noch immer nicht gesehen habe und mich darum mit "Artus und Merlin" gar nicht anfreunden kann. Übrigens auch nicht mit "Gawain und Parzival", was da im fandom auch sehr beliebt zu sein scheint. Abgesehen davon, dass ich sie nicht mal als beste Freunde sehe, ist Gawain für mich so heterosexuell, wie man nur sein kann, und Parzival ist zu heilig, um jemand anders als seine geliebte Frau zu begehren. ;)
2.Ist das deine einzig wahre Beziehung für die beiden?
Als beste Freunde gesehen, ja, unbedingt. Bis zu meiner letzten Geschichte war mir vollkommen unklar, wie sich diese Freundschaft entwickeln konnte, aber als ich es schrieb, fielen alle Puzzlesteile von selbst an ihren Platz und es war ganz einfach. Ich dachte immer, das Schwerste wäre der Anfang, denn später, wenn sie einander kennen, haben sie doch sehr viel gemeinsam. Sowohl Artus als auch Lancelot sind hochgebildet, kennen und schätzen Klassiker und Philosophen. Sie haben Gesprächsthemen, die sie beide interessieren. Keiner von beiden ist ein oberflächlicher Mensch. Keiner von beiden braucht Action und Abenteuer, um sich gut zu unterhalten. Beide sehen ihr Leben im Dienste anderer und in einem größeren Zusammenhang. Beide haben viel Geduld mit anderen Menschen und sind bereit, viel Zeit aufzubringen, um die Motive von jemandem zu verstehen und ihm gerecht zu werden.
Lancelot ist nach Camelot gekommen, weil Artus den Ruf hat, der größte König der Gegenwart zu sein. Er wollte wissen, ob es stimmt, und wenn ja, in seine Dienste treten, weil das der edelste Dienst ist. Er hatte nie erwartet, lange bleiben zu dürfen, aber wenn man schon ständig herumzieht, dann kann es nicht schaden, dabei auch am besten aller Höfe Station zu machen. Sich einem König nützlich machen, der es verdient - anstelle dessen ist er zu einem der wichtigsten Unterstützer eines Freundes geworden.
Artus auf der anderen Seite war schon immer gut darin zu erkennen, was Menschen sich wünschen, und er war schon immer gut darin, Halt zu bieten. Ich sage immer gerne, dass er sicher auch als Kind streunende Hunde gesammelt hat, wenn Sir Ector ihn gelassen hat. Lancelot ist der haltloseste und einsamste all dieser Hunde. Artus hätte es nicht über sich gebracht, ihn wegzuschicken, auch wenn er nicht der strahlende Held und große Kämpfer gewesen wäre, der Camelots Ruhm vergrößert und in den Kämpfen nützlich ist.
Auch sind beide in einer ähnlichen Situation, aber sie gehen anders damit um. Artus ist Hochkönig, ohne gefragt worden zu sein, ob er das will. Er versucht, das Beste daraus zu machen. Er hadert nicht damit, arbeitet daran und versucht, die guten Seiten zu sehen, wo er nur kann. Artus kann sich über jeden noch so kleinen Fortschritt freuen und daraus Kraft schöpfen, um weiterzumachen. Er weiß, dass er den Menschen ein Bild bieten muss, an das sie glauben können, und das tut er nach seinen Möglichkeiten. Für ihn ist es normal und in Ordnung, menschlich zu sein.
Lancelot hat niemals darum gebeten, ein Held zu sein und von allen bewundert. Er hat keine Ahnung davon, wie er auf andere wirkt, und ist fest davon überzeugt, dass alle anderen einen Fehler begehen und da was mißverstanden haben. Er sieht seine Fehler und die Momente, in denen er versagt hat, und ist davon überzeugt, nie das sein zu können, was andere in ihm sehen. Er denkt sehr vie nach, tut nie etwas aus Impuls, und wenn, dann ist meistens genau das vollkommen falsch, was ihn wiederum davon überzeugt, noch mehr nachdenken zu müssen. Lancelot sieht seine Menschlichkeit als Schwäche - allerdings nur bei sich selbst. Jeder andere darf und soll menschlich sein.
Und eben das ist dieser Anfang: Lancelot braucht jemanden, um an ihn zu glauben, und Artus jemanden, der seine Menschlichkeit als Stärke ansieht.
3.Warum magst du diese Beziehung (nicht)?
Ich mag diese selbstverständliche Art von Bedingungslosigkeit zwischen Artus und Lancelot. Artus hat Lancelot eine Heimat geboten, und damit ist er für ihn verantwortlich. Er hat sich viel Mühe mit ihm gemacht und er hat um seine Freundschaft geworben. Nicht nur um seine Loyalität, sondern wirklich um seine Freundschaft. Sie sind seelenverwandt, Artus hat das sehr schnell gemerkt. Lancelot ist einer von denen, von den Artus weiß, dass er sie nicht enttäuschen können wird, egal was kommt. Eben weil für Lancelot die Kombination König-Mensch-Freund kein Problem darstellt, sondern eine Bereicherung.
Lancelot ist sehr zuverlässig, hat keine Launen und ist absolut berechenbar. Auch muss er weder sich noch irgendwem sonst etwas beweisen, es gibt also nichts, was ihn davon abhält, immer für Artus da zu sein. Für seinen König, den er bewundert, und für seinen Freund, dem er ohne zu Zögern in die Hölle folgen würden. Für den er auch da sein will, weil er um ihn fürchtet, weil die Aufgabe, der Artus' Leben und Traum gilt, zu groß ist. Für jeden zu groß, selbst für Artus. Trotzdem ist Lancelot bereit, mit ihm das Unmögliche anzugehen. Das würde er sonst niemals wagen.
Kurz gesagt, sie sind gut für einander, denn sie bringen den anderen dazu, sein volles Potential zu nutzen oder sogar zu erweitern.
4.Hast du noch was Positives/Negatives darüber zu sagen?
Lancelot ist kein Ersatz für Bedwyn. Bedwyn ist und bleibt der wichtigste Berater, denn Lancelot hat keine Ahnung von Politik, und wird sich das auch nie aneignen, denn es verwirrt ihn. Er ist ein brillanter Stratege und ein persönlicher enger Freund. Auch ist er jemand, der zu Rate gezogen wird, wenn es um menschliche Probleme geht, denn er ist verständnisvoll und einfühlsam. Bedwyn ist praktischer, lebenstauglicher und weniger weichherzig, beide sind also gleichermaßen unentbehrlich und ergänzen einander.
Sollte Lancelot sich jemals in Guinevere verlieben, dann wird das eine platonische, bewundernde Anbetung der Hohen Königin sein. Auch der Frau, die Artus für würdig befindet, sie zu lieben. Es ist nicht Lancelots eigene Wahl, sondern die Wahl des Freundes, die Guinevere adelt. Ich finde dieses Wissen sehr beruhigend, denn es erspart mir eine nervige pseudo-romantische Dreiecks-Geschichte. Allenfalls höfische Unterhaltung, das reicht vollkommen. Lancelot wäre gar nicht in der Lage, Artus' Vertrauen dermaßen zu enttäuschen. Und sich eigenständig in eine Frau verlieben könnte er wahrscheinlich auch nicht, dazu hat er keine Zeit und in dieser Hinsicht kein Selbstvertrauen. Also allenfalls diese "larger than life"-Faszination, was ich schon bei den beiden ansprach. Das ist okay.