blauerfalke: (narnia)
[personal profile] blauerfalke
von Richard Suggett

Die dokumentierte Geschichten der Hexen und Hexer in Wales beginnt mit einem Dialog zweier Waliser im Jahre 1595 und endet mit dem Dialog zweiter Waliserinnen zu Beginn des 20.Jahrhunderts. Bei beiden handelt es sich um edukative Texte. Der erste geschrieben, um die Bevölkerung vor den Machenschaften der Hexen und Hexer zu warnen, der zweite, um den albernen Aberglauben zu beenden.

Wales war schon immer ein Land der Propheten, der Wunder, der Heiligen, der Feen und der Magie. So zumindest sah man es von außerhalb. Immerhin ist Wales die Heimat von Merlin. In Wirklichkeit gab es wahrscheinlich nicht mehr "Witches" als anderswo auch. Weise Frauen und Männer, die Kranke behandelten, Schutzzauber anboten und verlorene oder gestohlene Gegenstände wiederfanden. Oder vielleicht auch mal einen Schadenszauber wirkten. Mr.Sugget zeichnet das Bild und die Rolle dieser Menschen in der Gesellschaft anhand von dokumentierten Beispielen und zeigt den Kontext dessen, was die gehaßten "Blue Books" als "schrecklichen Aberglauben" bezeichneten. Dazu gehören Reste von magisch-religiösen Praktiken, die im Katholizismus alltäglich, aber nach der Reformation verboten ware, ebenso die Anrufung von Heiligen und das Pilgern zu heiligen Quellen, aber auch der böse Blick und das Bannen von Geistern.

Es ist eine Art Gesellschafts-Übersicht, die viele interessante Details enthält. Nicht nur, dass die gesamte "Hexenverfolgung" in Wales genau 8 Todesurteile zur Folge hatte und sehr viele Freisprüche (die Gerichte waren vor allem mit der Herstellung von Ordnung, sprich, der Verurteilung von Dieben beschäftigt, da war Hexerei nicht so interessant). Auch, dass viele Kriminelle angeben konnten, vom Teufel zu ihren Taten verführt worden zu sein, ohne dass man das als lächerlich empfand (und ohne dass es einen Unterschied in Schuld oder Strafmaß machte). Dass im 17.Jhdt vor allem Hexen und Hexer aus "aus der Nachbarschaft" existierten, mit normalen Berufen und nicht gebildeter als die anderen Menschen, während im 18.Jhdt der "conjurer" übernahm, dessen wichtigste Merkmale waren, dass er hochgebildet war, lesen konnte und viele beeindruckende Bücher hatte. Nicht zuletzt konnte sogar jeder einfache Mensch selbst zur Magie greifen, indem er oder sie sich einer "cursing well" bediente, um anderen zu schaden.

Der Stil ist wissenschaftlich und man muß sich einlesen, aber die meiste Zeit kann man gut folgen. Die viele Beispiele machen es einfacher und anschaulicher, wichtige Dinge werden auch gerne mal wiederholt. Für mich persönlich gibt es noch den Pluspunkt, das viele Auszüge aus Gerichtsakten oder die Wortlaute einzelner Gebete und Zauber in Originalsprache, sprich, in Walisisch, abgedruckt sind, mit der Übersetzung darunter.

Sehr informatives und interessantes Buch, wenn auch sehr spezifisch. Aber das sagt ja im Grunde genommen schon der Titel aus.

Profile

blauerfalke: (Default)
blauerfalke

February 2026

S M T W T F S
123 456 7
891011121314
15161718192021
22232425262728

Most Popular Tags

Style Credit

Expand Cut Tags

No cut tags
Page generated Feb. 23rd, 2026 12:58 pm
Powered by Dreamwidth Studios