blauerfalke: (erzählen)
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Es gab ganz klare Trends dieses Jahr: blonde Sängerinnen, Balladen und Trommeln. In den Halbfinales hatte man das Gefühl, dass jeder dritte Trommeln dabeihatte und jeder zweite Song eine Ballade war. Von den Trommeln sind erstmal drei Viertel ausgeschieden, von den Balladen nicht ganz so viele, aber am Ende im Finale nahm es sich dann doch erstaunlich abwechslungsreich aus. Ich hatte es mir langweiliger vorgestellt, aber im Ganzen war es eine schöne Mischung. Überhaupt war es ein netter Abend, einzig Schweden war schief, und dass das Gastgeberland - auch Schweden - für seine Bühne nur 15 Millionen ausgegeben hat statt 50 Millionen, ist auch nicht aufgefallen. Sie hatten viel Feuerwerk und mehr als ausreichend Hintergrundprojektionen, kein Grund zum Meckern also. Nur wer da in der Regie gesessen hat... im Finale war es nicht mehr so schlimm wie im Halbfinale, aber es gab noch immer ausreichend unscharfe close-ups, deren Sinn sich mir leider nicht erschlossen hat. Dafür hatte Schweden aber auch den besten Showblock aller Zeiten. Ein langes Lied über schwedische Eigenschaften, Errungenschaften und Klischees, das wirklich alles hatte. Gleichberechtigung und gleichgeschlechtliche Ehen, Elche und Volkstanz, Pippi Langstrumpf, heiße blonde Schwedinnen und tanzende Fleischbällchen mit Heidelbeer-Deko. Ich finde, sowas sollte Pflicht werden für das Gastgeberland.

Auch das Intro zum zweiten Halbfinale war super. Ein getanztes Orchester. Ganz große Klasse.

Mal wieder hat der Favorit gewonnen. Finde ich nicht in Ordnung, das Lied war belanglos. Dafür war der Großteil der Top 10 meiner Meinung nach verdient, das ist ja auch schon was. Und mein persönlicher Favorit ist immerhin Zweiter geworden. Ich glaube, alle meine Favoriten waren unter den ersten zehn, das ist mir auch noch nie passiert...



Least Dressed Award: Weissrussland. Ein ultrakurzes Lametta-Kleid. Ich bezweifle, dass es kürzeste Kleid der Grand Prix-Geschichte ist, aber es kommt der Sache sicher sehr nahe.

Bestes Kostüm: Moldavien. Sie hatte ein sehr langes ausgestelltes Kleid an, dass sie als Projektionsfläche verwendet haben. Sah richtig toll aus mit den Flammen und dem Gewitter. Sehr gut gemacht. An zweiter Stelle Rumänien, für den Dracula-Glitzerstein-Mantel. Dritter Platz das Hochzeitskleid von Finnland und ihr clever mit pinkem Verband umwickeltes aufgeschürftes Knie.

Bestes Kostümgimmick: Ukraine. Sie trug einen Schmetterlings-Ring. Das Logo des diesjährigen Wettbeberbs war ein bunter Schmetterling. Einen besseren Bezug kann man doch nicht herstellen.

Mutigster Auftritt: Italien. Ein Mann, ein Mikro. Grade, dass sie ihm noch einen Mikrophonständer gegeben haben. Sonst hatte er gar nichts. Keine Hintergrundsänger, nicht einmal eine Hintergrundprojektion. Auch das Klavier, an dem er im Promo-Video sitzt, war wohl zu teuer und keiner wollte ihm eins leihen. Kein Wunder, dass es dann ein bisschen so wirkte, als wisse er nicht so recht, was er jetzt tun soll. Offenbar muss Italien sparen. Sein Anzug sah auch aus wie aus den 50ern.

Look-Alike Contest: Finnland. Sie macht einen auf Katie Perry, aber es nutzt nichts. Der Song klingt nur annäherungsweise danach und die Sängerin sieht ihr nicht ähnlich.

Sound-Alike Contest: Deutschland. Klang fast wie der Siegertitel vom letzten Jahr. Ob es auch dasselbe Podest war, auf dem sie da stand?

Glücklichster Auftritt: Malta. Ihr Sänger war glücklich, seine Band war glücklich, der Song war fröhlich, alle hatten richtig viel Spaß, und der Mann ist Arzt. Ich weiß nur nicht, ob die Band seine Geschwister waren oder Freunde, das wurde nicht ganz klar.

Bestes Gesamtkunstwerk Kategorie Kunst: Rumänien. Ein Mann im Glitzerstein-Dracula-Outfit singt Countertenor-Oper mit Elektrobeats. Dazu steht er auf einem riesigen Tuch, unter dem fast nackte, bemalte Tänzer hervorkommen, die dann modernes Ballett tanzen. Handwerklich top. Kunst eben.

Bestes Gesamtkunstwerk Planung: Weissrussland. Eine Sängerin mit einem sehr kurzen Kleid entsteigt einer Disco-Glitzerkugel. Zwei Hintergrundtänzer machen Beakdance/Hiphop/irgendwieSowas, drei Backgroundsänger machen Backgroundsänger-Bewegungen. Die Musik klingt nach Latino-Ethno-Pop, sie haben eine so repetitive Refrain-Armchoregraphie, dass ich die essentiellen Elemente schon beim zweiten Sehen mittanzen konnte, und sie haben Trommeln. Alles das, was man für einen Grand Prix Erfolg braucht. Wirklich alles. Hat aber nichts genutzt.

Bestes Gesamtkunstwerk Präsentation: Aserbaidschan. Das Sänger-Spiegelbild im Glaskasten war großartig. Es passte super zum Song, auch wenn sie sich die Rosenblätter ruhig hätten sparen können. Da kam einfach alles perfekt zusammen. Ein richtig guter Auftritt. Vielleicht in keinem Einzelaspekt der Beste des Abends, aber zusammengenommen einfach toll.

Größte Überraschung: Finnland. Ihre drei Hintergrundtänzer entpuppen sich als Frauen, die vom Anzug zum Kleid wechseln und damit die Herren in unserer Runde total aus dem Konzept bringen. Leider zeigt uns die Kamera auch diesmal den Wechselmoment nicht. Wo es doch grade das ist, was ein Trickkleid ausmacht. Schade.

Belanglosester Auftritt: Georgien. Ein Mann und eine Frau singen einen Ballade, die genauso verläuft, wie man es sich nach der ersten Zeile vorstellt und in der aber auch gar nichts passiert.

Großartigste Hintergrundprojektion: Malta. Sie blenden den Text ein. Schade, dass die Kamera nicht so draufbleibt, das man die ganze Zeit mitlesen kann.

Schlechteste Choreographie: Der zackige Ausdruckstanz der beiden Damen von Belgien. Wie sagte Peter Urban? "Choreographie muss wehtun."

Beste Textzeile: die Niederlande. Sie singt davon, dass Vögel von Dächern fallen. Worum es sonst in dem Song geht... keine Ahnung. Aber das bleibt im Gedächtnis.

Höchster Nervfaktor: Ungarn. Der ununterbrochen auf seinem Barhocker wippende Gitarrist. Ich frag mich, welchen Song der gehört hat dabei.

Bestes Requisit: Das ist schwierig, es gab kaum Requisiten dieses Jahr. Also vielleicht Dinge, die leuchten. Lampen, Leuchtkugeln, leuchtende Zapfen, die von der Decke hängen, leuchtende Instrumente...

Persönlicher Favorit: Aserbaidschan, denn da stimmte wie gesagt einfach alles. Nach mehrmaligem Hören gefiel mir auch das Lied der Niederlande sehr gut. Ich mochte Malta und ich mochte Russland. Island hat sich auch gut gehalten, und Frankreich gewann ohne ihr gräßliches Promo-Video auch sehr an Qualität. Selbst wenn es in dem Song darum zu gehen scheint, dass sie irgendwem das Leben zur Hölle machen will.

Bleibt noch das größte Rätsel des abends - ich dachte, Cascada sei eine Gruppe? Und waren sie auf dem Vorentscheid nicht noch zu dritt? Wo waren die beiden Herren?

Date: 2013-05-20 05:48 pm (UTC)
From: [identity profile] rabensturm.livejournal.com
Also das einzige Land, was meiner Meinung nach unverdient so weit vor war, war die Ukraine. Da hab ich bis zum ende drauf gewartet, daß aus dem intro ein Song wird... aber das war der Song. Keine Ahnung, wie das so weit nach vorn kam *rätsel* Dass Deutschland so weit hinter kam erfüllte mich hingegen mit ein klein wenig Schadenfreude, da Cascada ja aufgrund Juryentscheidung das Ticket nach Malmö gewonnen hat.

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