blauerfalke: (geschichten)
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Animationsfilm von Dreamworks, der nicht wirklich was mit den diversen Buchreihen von William Joyce gemeinsam zu haben scheint. Außer die Charaktere.

Und das Aussehen der Charaktere, zumindest teilweise. Der Sandmann sieht genauso aus wie der Sandmann auf dem Buchcover, die Zahnfee hat noch immer gewisse Ähnlichkeiten, und der Weihnachtsmann ist halt wesentlich älter als auf seinem Buchcover. Aber er spricht mit russischem Akzent, trägt denselben Mantel und schwingt dieselben Doppelsäbel. Der Osterhase sieht dafür kein bisschen so aus wie sein Buchcover. Aber da gefällt mir der Osterhase im Film besser, der ist cooler mit seinen Mustern im Fell und den Bumerangs. Und die Eier vom Buchcover kommen auch vor. Die sind auch cool. Steinerne Eier mit Felsschnitzereien, die aussehen wie Gesichter, und die immer das ihrer Gesicht mit der passenden Stimmung nach vorne drehen können. Und laufen können sie auch noch.

Ja, die Anzahl der Gimmicks ist hoch. Yetis, die die Spielzeuge herstellen, während der Weihnachtsmann die Elfen in dem Glauben läßt, sie würden die Arbeit tun, um ihre Gefühle nicht zu verletzen. Tausende von winzigen Zahnfeen, die an Kolobris erinnern, bis hin zum Schnabel. Traumsand, der die Form der Träume annimmt. Selbst die Nightmares haben sicher nicht von ungefähr die Form von Pferden.

Die Charaktere sind großartig, liebevoll porträtiert, inklusive ihrer Klischees, die aber auch immer wieder mit viel Spaß gebrochen werden. Sie haben Angewohnheiten und Schwächen, und nicht immer den Durchblick, aber das macht sie nur liebenswerter. Ich habe nur das Buch über den Weihnachtsmann schon gelesen, aber der Film ist ein sehr guter Ausgangspunkt, um sich jetzt für die anderen Bücher zu interessieren. Denn das Kunststück, die Essenz des Buchcharakters in den Film zu übertragen, ist problemlos gelungen. Großartige Leistung.

Soweit zum Setting - die eigentliche Handlung dreht sich um Jack Frost und Pitch und das Problem, wenn niemand an einen glaubt. Jack ist ein typischer Identifikationscharakter, nach außen hin cool, abenteuerlustig, unbekümmert und rücksichtslos, aber in Wirklichkeit sucht er natürlich nach seiner Bestimmung und will die große "Wer bin ich und woher komme ich?"-Frage lösen. Grundsätzlich mag ich den Grundsatz, dass jeder der Guardians vorher ein anderes Leben hatte, aus dem er erwählt wurde, aber für den Film taucht die Motivation bei Jack doch ein wenig oberflächlich und sporadisch auf. Nichtsdedotrotz mag ich ihn natürlich, finde aber den Rest der Guardians interessanter. Vielleicht, weil ich kein Teenie mehr bin und mich daher eher mit gesetzteren Charakteren identifiziern kann.
Nur die Tatsache, dass Erinnerungen in Zähnen gespeichert werden, die ausgefallen sein müssen, bevor das Ereignis zu der Erinnerung überhaupt stattgefunden hat...

Das läßt uns mit dem Bösewicht des Films, Pitch, der alles das tut, was ein Bösewicht so tut, aber dessen Motiv es offenbar einzig zu sein scheint, dass er es eben tun kann. Die ganze Sache mit dem "Niemand glaubt an mich"-Gejammere bricht in der Schlüsselszene total in sich zusammen, als Jamie, das letzte Kind, das an die Guardians glaubt, Pitch mit "Ich glaube an dich, aber ich fürchte dich nicht." entgegentritt, und somit die Wende im Kampf einleitet. Dass fürchten oder lieben irgendeinen Effekt hat, davon war im ganzen Film kein einziges Mal die Rede, nur davon wie wichtig Glauben ist - also hätte dieses "Ich glaube an dich"-Bekenntnis eine Wirkung auf Pitch haben müssen, wenn das für ihn wirklich wichtig gewesen wäre.
Da ich das englische Original gesehen habe, kann ich es auch nicht auf eine schlechte Übersetzung schieben. Vielleicht war aber auch die Philosophie mit glauben/fürchten/lieben/wasauchimmer zu komplex für den Film und wird in den Büchern mal erklärt. Mir machen Bösewichte, die nur böse sind, weil sies halt sein können, nichts aus. Macht ist eine der wichtigsten Grundmotivationen der Menschheit, man sieht jeden Tag, was Machtstreben auslöst, das muss man also nicht mehr begründen. Selbst wenn sies also aus Zeitgründen gestrichen hätten, wäre ich ihnen noch dankbar dafür, dass sie dann das gestrichen haben und nicht den Exkurs des Weihachtsmanns darüber, dass man seine Mitte finden muss. (im Englischen "centre", ich nehme mal einfach an, dass es auf Deutsch "Mitte" heißen würde)

War also ein sehr guter Film, bleibt für mich nur noch die Frage, an welchen anderen Bösewicht mich Pitch erinnert. Da es ein computeranimierter Film war, ist es nicht verwunderlich, dass er aussieht wie irgendein anderer Bösewicht, aber mir fällt einfach nicht ein, welcher das sein könnte...

Date: 2013-12-28 08:13 pm (UTC)
From: [identity profile] rabensturm.livejournal.com
Also mich erinnert Pitch an Voldemort...

Und was die Kolibris angeht, ja das wird erklärt in den Büchern, aber da ist die Zahnfee nicht ganz so überdreht wie im Film. Immerhin ist sie ja eine Königin ;)

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