Le Lièvre de Vatanen
Aug. 30th, 2016 07:01 pmkanadisch-belgisch-bulgarischer Film von 2006, französisch mit englischen Untertiteln
Tom Vatanen ist ein Pressefotograph und gewinnt grade einen Preis in Montreal. Darüber gerät er in eine Lebenskrise, und als sein Boss (?) einen Hasen anfährt, steigt er aus dem Auto und geht in den Wald, das Tier zu suchen. Er findet es, es ist sofort handzahm, und Tom entscheidet, einfach im Wald zu bleiben. Oder einfach mal irgendwo hin zu gehen. Den Hasen schleppt er ab da ständig mit sich herum. Das führt wiederum dazu, dass andere Leute ihn dumm anmachen. Tom besucht seinen Bruder, der ein etwas durchgeknallter Priester ist, und dann seinen Vater, mit dem er sich vor Jahren zerstritten hat, der ihm aber wahrscheinlich das Fotografieren beigebracht hat, denn auch wenn er jetzt blind ist, hat er den Niedergang der Kultur der Inuit in Fotos festgehalten. Der Vater stirbt, der Hase gründet eine Familie und verabschiedet sich von Tom. Dessen letztes Wort ist "Merci.", aber wofür genau er sich bedankt, ist mir nicht ganz klar. Ach, und unterwegs stürzt er sich auch noch in eine kurze Affäre mit einer Naturschützerin (oder was auch sonst sie ist), und übernimmt einen militärischen Außenposten ganz im Norden Kanadas, ohne jemals beim Militär gewesen zu sein. Einfach, weil es da einsam ist. Prompt will ein General dann da mit seiner Geliebten Weihnachten feiern. Schon klar.
Mit anderen Worten, es ist seltsam. Nicht so seltsam, dass es für "schräg" reicht, und auch nicht so seltsam, dass es für "symbolisch" reicht. Auch wenn es das vielleicht ist. Immerhin servieren sie uns gleich zweimal eine alte Inuit-Legende über die Seele eines Kriegers, die als Tier zurückkommt, um anderen, verlorenen Seelen den Weg ins Licht zu zeigen. Ob der Hase diese Seele ist, wird vorgeschlagen, aber die Meinung dürfen wir uns selbst bilden. Auch, ob Tom den Hasen tatsächlich verstehen kann, bleibt unklar. Der Hase jedenfalls versteht nicht nur Tom perfekt, sondern auch Fernsehprogramme. Und er trinkt gerne Bier.
Stilistisch ist es größtenteils normal, gebrochen von einem modernen Soundtrack der sich zwischen flotter, rhythmischer Musik bewegt und Tönen, von denen ich nicht weiß, ob sie vielleicht doch von der Baustelle um die Ecke gekommen sind. Auch gibt es immer wieder symbolische Großaufnahmen mit dramatischer Unterlegung. Französische Schule? Da sehen Filme ja auch gerne vollkommen normal aus, und dann machen sie plötzlich was, was so gar nicht passt.
Tom wird von Christophe Lambert gespielt, den in ich der ersten Filmhälfte steif und distanziert fand, aber vielleicht ist das Rolleninterpretation. Auch war mir da nicht so ganz klar, ob Tom nicht den Verstand verloren hat. Selbst wenn man keine Ahnung von Hasen hat, sollte einem klar sein, dass man sie nicht mit Schokoriegeln füttert, oder? In der zweiten Hälfte wurde es besser. Der Charakter ist vollkommen ziellos und damit gibt es keine wirkliche Motivation zum Nachvollziehen, das macht es schwierig.
Der Love Interest heißt Olga und wird von Julie Gayet gespielt, die in ihren 15 Minuten das Kunststück schafft, Olga zugleich stark und verletzlich darzustellen. Man erfährt quasi nichts über den Charakter, aber sie ist trotzdem sehr anziehend und sehr sympathisch. Außerdem ist Julie Gayet eine schöne Frau mit sehr sprechenden Augen. Das hilft natürlich auch.
Hauptdarsteller ist aber der titelgebende Hase, der von einem Kaninchen gespielt wird. (Das frage ich mich beinahe schon, ob es symbolisch ist, dass der blinde Vater "Was ist das? Ein Kaninchen?" fragt...) Es handelt sich dabei tatsächlich fast den gesamten Film um ein echtes Tier - unglaublich, dass man das 2006 noch alles einem Tier antun durfte. Es ist in jedem Fall extrem gut trainiert, und sie haben offenbar gewusst, dass sie fast alles mit dem Tier machen können, denn die wenigen Szenen, in denen es eine Attrappe ist, wirken sofort vollkommen künstlich. Nur dass es die ganze Zeit über leise Fieplaute von sich gibt, lässt mich am ehesten an ein Meerschweinchen denken. Aber ich bin kein Kaninchen/Hasen-Experte. Vielleicht machen die das auch... oder es ist ein Film-Kunstgriff, den irgendwer toll fand.
Es gibt auch noch ein sehr langes making of zum Film, das aber leider keine englischen Untertitel mehr hat. Sie zeigen ausgiebig das Kaninchen, und was und wie sie ihm alles beibringen, der Regisseur redet sehr viel und Christophe Lambert sitzt in einer Hotellobby im Schneidersitz auf einem Marmortisch und redet auch sehr viel. Sein Französisch ist übrigens sehr klar und gut artikuliert, so dass ich da tatsächlich auch was von verstehe - aber es war mir dann trotzdem zu anstrengend, das weiter zu gucken.
Seltsamer Film. Und in Kanada leben anscheinend auch nur total seltsame Leute... außer Olga jetzt. Die war nicht seltsam.
Tom Vatanen ist ein Pressefotograph und gewinnt grade einen Preis in Montreal. Darüber gerät er in eine Lebenskrise, und als sein Boss (?) einen Hasen anfährt, steigt er aus dem Auto und geht in den Wald, das Tier zu suchen. Er findet es, es ist sofort handzahm, und Tom entscheidet, einfach im Wald zu bleiben. Oder einfach mal irgendwo hin zu gehen. Den Hasen schleppt er ab da ständig mit sich herum. Das führt wiederum dazu, dass andere Leute ihn dumm anmachen. Tom besucht seinen Bruder, der ein etwas durchgeknallter Priester ist, und dann seinen Vater, mit dem er sich vor Jahren zerstritten hat, der ihm aber wahrscheinlich das Fotografieren beigebracht hat, denn auch wenn er jetzt blind ist, hat er den Niedergang der Kultur der Inuit in Fotos festgehalten. Der Vater stirbt, der Hase gründet eine Familie und verabschiedet sich von Tom. Dessen letztes Wort ist "Merci.", aber wofür genau er sich bedankt, ist mir nicht ganz klar. Ach, und unterwegs stürzt er sich auch noch in eine kurze Affäre mit einer Naturschützerin (oder was auch sonst sie ist), und übernimmt einen militärischen Außenposten ganz im Norden Kanadas, ohne jemals beim Militär gewesen zu sein. Einfach, weil es da einsam ist. Prompt will ein General dann da mit seiner Geliebten Weihnachten feiern. Schon klar.
Mit anderen Worten, es ist seltsam. Nicht so seltsam, dass es für "schräg" reicht, und auch nicht so seltsam, dass es für "symbolisch" reicht. Auch wenn es das vielleicht ist. Immerhin servieren sie uns gleich zweimal eine alte Inuit-Legende über die Seele eines Kriegers, die als Tier zurückkommt, um anderen, verlorenen Seelen den Weg ins Licht zu zeigen. Ob der Hase diese Seele ist, wird vorgeschlagen, aber die Meinung dürfen wir uns selbst bilden. Auch, ob Tom den Hasen tatsächlich verstehen kann, bleibt unklar. Der Hase jedenfalls versteht nicht nur Tom perfekt, sondern auch Fernsehprogramme. Und er trinkt gerne Bier.
Stilistisch ist es größtenteils normal, gebrochen von einem modernen Soundtrack der sich zwischen flotter, rhythmischer Musik bewegt und Tönen, von denen ich nicht weiß, ob sie vielleicht doch von der Baustelle um die Ecke gekommen sind. Auch gibt es immer wieder symbolische Großaufnahmen mit dramatischer Unterlegung. Französische Schule? Da sehen Filme ja auch gerne vollkommen normal aus, und dann machen sie plötzlich was, was so gar nicht passt.
Tom wird von Christophe Lambert gespielt, den in ich der ersten Filmhälfte steif und distanziert fand, aber vielleicht ist das Rolleninterpretation. Auch war mir da nicht so ganz klar, ob Tom nicht den Verstand verloren hat. Selbst wenn man keine Ahnung von Hasen hat, sollte einem klar sein, dass man sie nicht mit Schokoriegeln füttert, oder? In der zweiten Hälfte wurde es besser. Der Charakter ist vollkommen ziellos und damit gibt es keine wirkliche Motivation zum Nachvollziehen, das macht es schwierig.
Der Love Interest heißt Olga und wird von Julie Gayet gespielt, die in ihren 15 Minuten das Kunststück schafft, Olga zugleich stark und verletzlich darzustellen. Man erfährt quasi nichts über den Charakter, aber sie ist trotzdem sehr anziehend und sehr sympathisch. Außerdem ist Julie Gayet eine schöne Frau mit sehr sprechenden Augen. Das hilft natürlich auch.
Hauptdarsteller ist aber der titelgebende Hase, der von einem Kaninchen gespielt wird. (Das frage ich mich beinahe schon, ob es symbolisch ist, dass der blinde Vater "Was ist das? Ein Kaninchen?" fragt...) Es handelt sich dabei tatsächlich fast den gesamten Film um ein echtes Tier - unglaublich, dass man das 2006 noch alles einem Tier antun durfte. Es ist in jedem Fall extrem gut trainiert, und sie haben offenbar gewusst, dass sie fast alles mit dem Tier machen können, denn die wenigen Szenen, in denen es eine Attrappe ist, wirken sofort vollkommen künstlich. Nur dass es die ganze Zeit über leise Fieplaute von sich gibt, lässt mich am ehesten an ein Meerschweinchen denken. Aber ich bin kein Kaninchen/Hasen-Experte. Vielleicht machen die das auch... oder es ist ein Film-Kunstgriff, den irgendwer toll fand.
Es gibt auch noch ein sehr langes making of zum Film, das aber leider keine englischen Untertitel mehr hat. Sie zeigen ausgiebig das Kaninchen, und was und wie sie ihm alles beibringen, der Regisseur redet sehr viel und Christophe Lambert sitzt in einer Hotellobby im Schneidersitz auf einem Marmortisch und redet auch sehr viel. Sein Französisch ist übrigens sehr klar und gut artikuliert, so dass ich da tatsächlich auch was von verstehe - aber es war mir dann trotzdem zu anstrengend, das weiter zu gucken.
Seltsamer Film. Und in Kanada leben anscheinend auch nur total seltsame Leute... außer Olga jetzt. Die war nicht seltsam.
no subject
Date: 2016-09-01 07:12 pm (UTC)Bei Vatanen hätte ich eher was finnisches vermutet und da liegt die Verwandlung Mensch-Hase ja nicht ganz fern der Mythologie... damit scheint es aber wohl nix zu tun haben?
no subject
Date: 2016-09-01 07:26 pm (UTC)Der Grund... Aimée. ;)