Dr. Strange
Apr. 2nd, 2017 01:00 pmschon wieder ein Marvel-Film
Wie immer wird die Welt gerettet, diesmal vor der Dunklen Dimension, in der das Wesen Dormammu haust. Außerdem gibt es dort keine Zeit, was den menschlichen Bösewicht davon überzeugt hat, dass er durch einen Pakt mit Dormammu unsterblich werden kann. Irgendwas scheint dran zu sein, denn auch Die Älteste, die Lehrerin der Magier, nutzt die dunkle Dimension, um ihr Leben zu verlängern.
Da Marvel bei seinen Filmen gerne den Namen des agierenden Helden in den Titel schreibt - das hilft gegen Verwirrungen - ist es keine Überraschung, dass hier der Held Dr. Strange heißt. Dr. Stephen Strange, um genau zu sein, und ja, er ist Arzt. Neurochirurg. Der Beste. Dann hat er einen Unfall, der seine Hände ruiniert. Als alle Medizin versagt, wendet er sich an eine Art Kloster in Katmandu, das Magie unterrichtet. Vom Skeptiker wird er in kürzester Zeit zum Meisterschüler. Was gut ist, denn wie gesagt, er muss die Welt retten.
Ihre Effekte übertreffen alles, was sie bis jetzt gezeigt haben. Dazu haben sie auch alle Möglichkeiten, mit verschiedenen Dimensionen, Spiegel-Dimensionen, Manipulationen und dem Darstellen von Magie. Es sieht stylisch aus und es ist kurzweilig und hat Humor. Auch ist es natürlich wieder angenehm frei von Splatter-Effekten, auch wenn diesmal keine Roboter vorkommen. Rasante Unterhaltung.
Dr. Strange wird von Benedict Cumberbatch gespielt, der per Motion Capture auch noch gleich Dormammu gespielt hat, also Held und Schurke im selben Film darstellt. Könnte ein Gag sein, oder es ist symbolisch und wird nochmal wichtig. Weiß man bei Marvel ja nie. Der Vergleich mit Iron Man drängt sich auf, weil ein angepasster Erfolgsmensch seinen Lebensweg ändert, aber ich sehe die Parallele nicht wirklich. Klar, Dr. Strange und Tony Stark sind beide Genies, arrogant und Kotzbrocken, aber Tonys Entscheidung, keine Waffen mehr zu produzieren, hat eine ganze andere Motivation und einen ganz anderen Einfluss auf den Charakter. Dr. Strange ist ein arroganter Blödmann und bleibt ein arroganter Blödmann, nur dass er jetzt nicht mehr im OP steht, sondern Magie wirkt, deutlich unterstützt davon, dass er erst mit medizinischen Fachausdrücken um sich wirft und dann mit magischen. Experte. Ich würde sagen, Dr. Strange ist das, was man bekommt, wenn man Sherlock Holmes mit mächtiger Magie ausstattet. Sicher wird der Bezug forciert, weil es ausgerechnet Benedict Cumberbatch ist, aber beide sind hypertintelligente Genies, die über Massen von Information verfügen, komplett für ihre Arbeit leben, und andere Menschen bestenfalls als Sidekick wahrnehmen, oder wenn sie sie für ihre Zwecke benutzen. Wie heißt der schöne Ausdruck aus Sherlock? Hochintelligenter Soziopath. Genau das. Ohne Rücksicht auf Regeln, auf andere Menschen, auf Gefahren. Er will was, er tut es, und dabei interessieren ihn größere Ideale kein bisschen.
Nur fehlt zu Dr. Strange leider ein passender Dr. Watson, für den ich mich interessieren könnte - in Ermangelung dessen haben sie einen schönen roten Umhang mit Eigenleben entwickelt, der ohne jede Mimik (er hat kein Gesicht) deutlich Charakter zeigt. Tolle Idee, das funktioniert wirklich ausgezeichnet. Und sieht cool aus.
Kein Dr. Watson sage ich... na gut, es gibt die Ärztin aus der Notaufnahme, mit der Dr. Strange sich immer mal wieder zwangsweise beschäftigt und sowas wie eine Beziehung hat. Christine Palmer (Rachel McAdams). In etwa ein genau nichtssagender Charakter wir Jane in Thor, abgesehen von der Tatsache, dass sie Ärztin ist, weil sie Menschenleben retten will. Immerhin sowas wie eine Charaktermotivation ist also vorhanden.
Die Älteste (Tilda Swinton) ist ein Funktionscharakter, denn irgendwer muss den Magie-Anfänger ja unterrichten. Und muss den Magier unterrichtet haben, der jetzt die Welt an die Dunkle Dimension verraten will. Der übrigens von Mads Michalson dargestellt wird, dessen Name mir nicht mehr einfiel, den ich aber immerhin richtig zugeordnet hatte. Der Bösewicht aus "Casino Royal".
Ich mochte die Strategie, mit der Dr. Strange Dormammu so nervt, dass der schließlich bereit ist, zu verhandeln: er schafft in der zeitlosen Dunklen Dimension eine Zeitschleife, die sich immer und immer wieder wiederholt. Auch wenn es bedeutet, dass Dr. Strange jedes Mal stirbt, und dass Marvel dieselbe Szene gefühlte 10mal nacheinander zeigt, ich mag die Idee. Dass ein mächtiges Wesen von der sich wiederholenden Zeit so genervt ist, dass es bereit ist, auf die Beherrschung der Erde zu verzichten, damit die Zeitschleife unterbrochen wird. Abgesehen davon, dass ich mir eine Dimension ohne Zeit nicht wirklich vorstellen kann, aber das steht auf einem anderen Blatt.
Kommen wir jetzt zu dem, was ich an dem Film nicht mochte: Die Neben-Message. Dr. Strange gilt als austherapiert, als er von einem Fall hört, in dem ein querschnittsgelähmter Mann plötzlich wieder gesund ist. Er sucht den Mann auf und fragt ihn, wie er das gemacht hat. Wir erfahren, dass der Mann früher mal Dr. Strange um Hilfe gebeten hat, dass der ihn aber rausgeworfen hat. Er hätte also allen Grund, jetzt das Gleiche zu tun. Aber er hat Mitleid und erzählt Dr. Strange von dem Kloster und der Magie. Am Ende des Films entscheidet ein anderer Magieschüler, Mordo, der den Film über mit Dr. Strange zusammengearbeitet hat, urplötzlich, dass Magie furchtbar ist und es zu viele Magier gibt. Darum zieht er in der End-Credit-Scene los, den Magiern ihre Magie zu stehlen - und was kriegen wir zu sehen? Besagter Mann verliert die Magie, die ihn bewegungsfähig macht und wird wieder zum hilflosen Krüppel. Gutes zu tun wird immer bestraft. Hätte er Dr. Strange Gleiches mit Gleichem vergolten und hätte ihn stehen lassen, hätten wir keinen Film gehabt, aber es wäre ihm selbst nichts passiert. Aber nein, er war menschlich und hilfsbereit, und das ist der Lohn. Ich hasse sowas. Und ich hasse diesen Twist, den sie Mordo aufgedrückt habe. Er ist blöd, albern und unglaubwürdig. Aber wahrscheinlich brauchen sie für Teil zwei einen Bösewicht, der einen persönlichen Bezug zu Dr. Strange hat. In der Hoffnung, dass der dann doch noch irgendwie menschlich wirkt, wenn er versucht, Mordo zu stoppen, ohne ihn zu töten. Oder so.
Wenn der Schluss nicht wäre, wär's zwar keiner von Marvel's besten, aber noch immer ein sehr guter Film. So hinterlässt er einen bitteren Beigeschmack.
Wie immer wird die Welt gerettet, diesmal vor der Dunklen Dimension, in der das Wesen Dormammu haust. Außerdem gibt es dort keine Zeit, was den menschlichen Bösewicht davon überzeugt hat, dass er durch einen Pakt mit Dormammu unsterblich werden kann. Irgendwas scheint dran zu sein, denn auch Die Älteste, die Lehrerin der Magier, nutzt die dunkle Dimension, um ihr Leben zu verlängern.
Da Marvel bei seinen Filmen gerne den Namen des agierenden Helden in den Titel schreibt - das hilft gegen Verwirrungen - ist es keine Überraschung, dass hier der Held Dr. Strange heißt. Dr. Stephen Strange, um genau zu sein, und ja, er ist Arzt. Neurochirurg. Der Beste. Dann hat er einen Unfall, der seine Hände ruiniert. Als alle Medizin versagt, wendet er sich an eine Art Kloster in Katmandu, das Magie unterrichtet. Vom Skeptiker wird er in kürzester Zeit zum Meisterschüler. Was gut ist, denn wie gesagt, er muss die Welt retten.
Ihre Effekte übertreffen alles, was sie bis jetzt gezeigt haben. Dazu haben sie auch alle Möglichkeiten, mit verschiedenen Dimensionen, Spiegel-Dimensionen, Manipulationen und dem Darstellen von Magie. Es sieht stylisch aus und es ist kurzweilig und hat Humor. Auch ist es natürlich wieder angenehm frei von Splatter-Effekten, auch wenn diesmal keine Roboter vorkommen. Rasante Unterhaltung.
Dr. Strange wird von Benedict Cumberbatch gespielt, der per Motion Capture auch noch gleich Dormammu gespielt hat, also Held und Schurke im selben Film darstellt. Könnte ein Gag sein, oder es ist symbolisch und wird nochmal wichtig. Weiß man bei Marvel ja nie. Der Vergleich mit Iron Man drängt sich auf, weil ein angepasster Erfolgsmensch seinen Lebensweg ändert, aber ich sehe die Parallele nicht wirklich. Klar, Dr. Strange und Tony Stark sind beide Genies, arrogant und Kotzbrocken, aber Tonys Entscheidung, keine Waffen mehr zu produzieren, hat eine ganze andere Motivation und einen ganz anderen Einfluss auf den Charakter. Dr. Strange ist ein arroganter Blödmann und bleibt ein arroganter Blödmann, nur dass er jetzt nicht mehr im OP steht, sondern Magie wirkt, deutlich unterstützt davon, dass er erst mit medizinischen Fachausdrücken um sich wirft und dann mit magischen. Experte. Ich würde sagen, Dr. Strange ist das, was man bekommt, wenn man Sherlock Holmes mit mächtiger Magie ausstattet. Sicher wird der Bezug forciert, weil es ausgerechnet Benedict Cumberbatch ist, aber beide sind hypertintelligente Genies, die über Massen von Information verfügen, komplett für ihre Arbeit leben, und andere Menschen bestenfalls als Sidekick wahrnehmen, oder wenn sie sie für ihre Zwecke benutzen. Wie heißt der schöne Ausdruck aus Sherlock? Hochintelligenter Soziopath. Genau das. Ohne Rücksicht auf Regeln, auf andere Menschen, auf Gefahren. Er will was, er tut es, und dabei interessieren ihn größere Ideale kein bisschen.
Nur fehlt zu Dr. Strange leider ein passender Dr. Watson, für den ich mich interessieren könnte - in Ermangelung dessen haben sie einen schönen roten Umhang mit Eigenleben entwickelt, der ohne jede Mimik (er hat kein Gesicht) deutlich Charakter zeigt. Tolle Idee, das funktioniert wirklich ausgezeichnet. Und sieht cool aus.
Kein Dr. Watson sage ich... na gut, es gibt die Ärztin aus der Notaufnahme, mit der Dr. Strange sich immer mal wieder zwangsweise beschäftigt und sowas wie eine Beziehung hat. Christine Palmer (Rachel McAdams). In etwa ein genau nichtssagender Charakter wir Jane in Thor, abgesehen von der Tatsache, dass sie Ärztin ist, weil sie Menschenleben retten will. Immerhin sowas wie eine Charaktermotivation ist also vorhanden.
Die Älteste (Tilda Swinton) ist ein Funktionscharakter, denn irgendwer muss den Magie-Anfänger ja unterrichten. Und muss den Magier unterrichtet haben, der jetzt die Welt an die Dunkle Dimension verraten will. Der übrigens von Mads Michalson dargestellt wird, dessen Name mir nicht mehr einfiel, den ich aber immerhin richtig zugeordnet hatte. Der Bösewicht aus "Casino Royal".
Ich mochte die Strategie, mit der Dr. Strange Dormammu so nervt, dass der schließlich bereit ist, zu verhandeln: er schafft in der zeitlosen Dunklen Dimension eine Zeitschleife, die sich immer und immer wieder wiederholt. Auch wenn es bedeutet, dass Dr. Strange jedes Mal stirbt, und dass Marvel dieselbe Szene gefühlte 10mal nacheinander zeigt, ich mag die Idee. Dass ein mächtiges Wesen von der sich wiederholenden Zeit so genervt ist, dass es bereit ist, auf die Beherrschung der Erde zu verzichten, damit die Zeitschleife unterbrochen wird. Abgesehen davon, dass ich mir eine Dimension ohne Zeit nicht wirklich vorstellen kann, aber das steht auf einem anderen Blatt.
Kommen wir jetzt zu dem, was ich an dem Film nicht mochte: Die Neben-Message. Dr. Strange gilt als austherapiert, als er von einem Fall hört, in dem ein querschnittsgelähmter Mann plötzlich wieder gesund ist. Er sucht den Mann auf und fragt ihn, wie er das gemacht hat. Wir erfahren, dass der Mann früher mal Dr. Strange um Hilfe gebeten hat, dass der ihn aber rausgeworfen hat. Er hätte also allen Grund, jetzt das Gleiche zu tun. Aber er hat Mitleid und erzählt Dr. Strange von dem Kloster und der Magie. Am Ende des Films entscheidet ein anderer Magieschüler, Mordo, der den Film über mit Dr. Strange zusammengearbeitet hat, urplötzlich, dass Magie furchtbar ist und es zu viele Magier gibt. Darum zieht er in der End-Credit-Scene los, den Magiern ihre Magie zu stehlen - und was kriegen wir zu sehen? Besagter Mann verliert die Magie, die ihn bewegungsfähig macht und wird wieder zum hilflosen Krüppel. Gutes zu tun wird immer bestraft. Hätte er Dr. Strange Gleiches mit Gleichem vergolten und hätte ihn stehen lassen, hätten wir keinen Film gehabt, aber es wäre ihm selbst nichts passiert. Aber nein, er war menschlich und hilfsbereit, und das ist der Lohn. Ich hasse sowas. Und ich hasse diesen Twist, den sie Mordo aufgedrückt habe. Er ist blöd, albern und unglaubwürdig. Aber wahrscheinlich brauchen sie für Teil zwei einen Bösewicht, der einen persönlichen Bezug zu Dr. Strange hat. In der Hoffnung, dass der dann doch noch irgendwie menschlich wirkt, wenn er versucht, Mordo zu stoppen, ohne ihn zu töten. Oder so.
Wenn der Schluss nicht wäre, wär's zwar keiner von Marvel's besten, aber noch immer ein sehr guter Film. So hinterlässt er einen bitteren Beigeschmack.