Jan. 1st, 2026

blauerfalke: (erzählen)
Nebra, Stonehenge, Babylon: Reise ins Universum der Himmelsscheibe

Herr Meller und Herr Michel sind die Autoren dieses Buches, das vorliegende ist das Nachfolgebuch. Wieder geht es um die Himmelsscheibe, aber es hat einen komplett anderen Schwerpunkt. Für die Leute, die sich weniger für die Scheibe an sich interessieren und mehr für ihren Kontext, und für die Leute, die gerne mehr Bilder haben wollen. Auch ist das Buch deutlich kürzer.

Es ist genauso interessant wie das andere, genauso unterhaltsam geschrieben. Es werden alle Fakten und der aktuelle Stand der Forschung zur Himmelsscheibe präsentiert, aber nicht, wie in dem anderen Buch, die Forschung selbst und wie man zu diesem Wissen gekommen ist. Das macht es übersichtlicher, und wer mehr will, dem lege ich nochmals wärmstens das andere Buch ans Herz. Schon alleine wegen der ausführlichen Berichte zu all den Ausgrabungen in Mitteldeutschland, von denen man sonst nie was hört.

Die werden natürlich auch in diesem Buch erwähnt, denn sie spielen eine große Rolle in der Interpretation der Himmelsscheibe und der Welt, aus der sie kommt, aber ebenfalls kurz und übersichtlich. Die feste Basis, damit man weiß, um was es eigentlich geht. Denn danach geht es darum, dieses Wissen in das einzupassen, was man über die großen, wichtigen, berühmten Kulturen weiß, die zeitgleich existierten. Dabei geht es die beiden im Titel, und natürlich um Ägypten, Mykene und Kreta, aber auch um andere Orte, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Türkei, Schweiz, Spanien... Die bronzezeitliche Welt war eine globalisierte, und die Nachzeichungen der Handelsrouten, auf denen alle möglichen Waren von Rohstoffen über Lebensmittel bis Affen ausgetauscht wurden, sind sehr interessant.

Aber nach wie vor das Spannendste finde ich, dass es ein Loch in diesen Handelsrouten gibt, oder besser, einen Riegel. Etwas, was den Fluß von Metallen wie Zinn und Kupfer nach Skandinavien, und den von Bernstein nach Südeuropa und den Nahen Osten kontrollierte und damit limitierte. Dieser Riegel muss in Mitteleuropa gelegen haben, und die Autoren vertreten die These, dass es sich dabei um das Reich von Aunjetiz gehandelt hat. Eben die Leute der Himmelsscheibe. Eine organisierte Machtsphäre, ein Staat, den niemand bis jetzt auf seiner geschichtlichen Landkarte hatte. Mitteleuropa und Hochkulturen der Bronzezeit, das passt eben nicht zusammen. Oder doch?
Und ist es wirklich ein Zufall, dass viele der erwähnten Kulturen zur gleichen Zeit untergingen, oder hat es doch etwas mit dem Vulkan von Thera und der Pest zu tun?

Man muss das andere Buch nicht gelesen haben, um dieses zu lesen. Wer sich vor allem für die Himmelsscheibe interessiert, ist mit dem anderen besser dran. Wer sich mehr für eine zeitliche Übersicht interessiert, der ist mit diesem besser bedient. Und wie gesagt, Bilder. Optische Hilfen sind auch immer gut.

Ach was, kauft einfach beide.

Ich müsste mich wirklich mal genauer informieren, was man da in Sachsen-Anhalt und Umgebung von den Ausgrabungen, Grabhügeln etc. eigentlich besichtigen kann. Könnte man ja mal hinfahren.

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