Die Himmelsscheibe von Nebra
Nov. 22nd, 2025 03:30 pmvon Harald Meller und Kai Michel
Halle hat das Landesmuseum für Vorgeschichte. Dort wird besagte Himmelsscheibe ausgestellt. Außerdem machen sie da einfach großartige Führungen durch die Sammlung, in denen sehr bodenständig Klartext geredet wird. Unter anderem darüber, dass die Präsentation des Museums nicht perfekt ist, aber der aktuelle Direktor hart daran arbeitet, dass sie es wird. Dieser Direktor ist Harald Meller.
Er hat die Führung, in der wir damals waren, natürlich nicht selbst gehalten, aber das Buch ist genau in demselben Tonfall, der uns bei Matthias so begeistert hat. Begeistert und trotzdem sachlich, mit viel Humor, uneitel, sehr unterhaltsam, und natürlich auch was die Fakten angeht genau zusammenpassend. Kein Bauer der Welt braucht eine Himmelsscheibe, um zu entscheiden, wann er mit dem Säen anfangen muss. Schon alleine, weil dem Wetter vollkommen egal ist, wo die Pleiaden grade stehen. Vollkommener Schwachsinn.
Also, erster großer persönlicher Pluspunkt: Das Buch passt perfekt zum Erlebnis des Museumsbesuchs damals. Und darum empfehle ich es auch genauso. Beste Führung ever, bestes Buch zum Thema ever. Lässt absolut nichts zu wünschen übrig, weder vom Stil noch vom Inhalt.
Es beginn damit, wie das Landesmuseum an die Himmelsscheibe gekommen ist, was an sich schon irgendwo zwischen total absurder schwarzer Komödie und spannendem Krimi schwankt, und wo Herr Meller aus persönlicher Erfahrung schöpfen kann, denn er war dabei. Dann geht es um die Erforschung der Himmelsscheibe, darum, sie zu datieren, die Quellen für ihre Materialien zu finden, die Veränderungen an ihr zeitlich einzuordnen - es wird über die Schwierigkeiten geredet, den genauen Fundort zu finden, und über die Probleme der Restaurierung (ja, auch die Sache mit dem Scheuerschwamm wird erwähnt).
Es wird über Ausgrabungen und Funde in Sachsen-Anhalt geredet und daüber, wie sich der Hort, von dem die Himmelsscheibe nur ein Teil ist, darin einfügt oder auch nicht. Beziehungen zu einer ganzen Menge archäologischer Stätten, von denen ich noch nie in meinem Leben etwas gehört habe, und einigen wenigen, von denen ich wusste. Alles sehr spannend, schon alleine durch den Kontext, den es aufzeigt.
Und dann geht es ans Interpretieren. Das Museum lädt ausdrücklich dazu ein, ihnen Theorien zu schicken und sie versprechen, sie alle zu lesen und zu prüfen - das haben sie auch im Falle einer Einsendung aus Hamburg getan, und diese Theorie ist die im Augenblick aktuelle, die sie für die wahrscheinlichste halten. Sie wird erläutert, begründet und mit anderen Theorien verglichen. Und mit den Ansprüchen antiker Hochkulturen verglichen, denn welches Wissen auch immer die Himmelsscheibe codiert, es ist zu erwarten, dass es in jeder Agrar-Hochkultur von Interesse ist. Und die besten Belege aus der Zeit stammen nunmal aus dem vorderen Orient.
Auf Basis all dieser Informationen entwerfen die Autoren am Ende ein Bild der Aunjetizer Kultur, und auch das ist sehr spannend. Wenn sie Recht haben, dann muss die landläufige Meinung vom finsteren Mitteleuropa, wo die Leute in kleinen Gehöften vor sich hinvegetierten, während Mesopotamien und Ägypten zivilsiatorische Höchstleistungen erbrachten, gehörig revidiert werden.
Natürlich ist viel Spekulation dabei, das liegt in der Natur der Sache, gerade ohne schriftliche Quellen. Aber nichts davon klingt massiv unwahrscheinlich oder auch nur aus der Luft gegriffen, denn Herr Meller und Herr Michel haben für quasi alles einen passenden Vergleich oder sogar eine Begründung, um es zu erklären. Fachleute eben.
Und erwähnte ich schon, dass es stilistisch großartig ist? "Eine Kultur die Glockenbecherkultur zu nennen, ist so, als würden wir die Kultur der USA im frühen 20.Jahrhundert als die Whiskeyglasleute bezeichnen." (sinngemäß, kein Zitat)
Lesen! Lohnt sich!
Halle hat das Landesmuseum für Vorgeschichte. Dort wird besagte Himmelsscheibe ausgestellt. Außerdem machen sie da einfach großartige Führungen durch die Sammlung, in denen sehr bodenständig Klartext geredet wird. Unter anderem darüber, dass die Präsentation des Museums nicht perfekt ist, aber der aktuelle Direktor hart daran arbeitet, dass sie es wird. Dieser Direktor ist Harald Meller.
Er hat die Führung, in der wir damals waren, natürlich nicht selbst gehalten, aber das Buch ist genau in demselben Tonfall, der uns bei Matthias so begeistert hat. Begeistert und trotzdem sachlich, mit viel Humor, uneitel, sehr unterhaltsam, und natürlich auch was die Fakten angeht genau zusammenpassend. Kein Bauer der Welt braucht eine Himmelsscheibe, um zu entscheiden, wann er mit dem Säen anfangen muss. Schon alleine, weil dem Wetter vollkommen egal ist, wo die Pleiaden grade stehen. Vollkommener Schwachsinn.
Also, erster großer persönlicher Pluspunkt: Das Buch passt perfekt zum Erlebnis des Museumsbesuchs damals. Und darum empfehle ich es auch genauso. Beste Führung ever, bestes Buch zum Thema ever. Lässt absolut nichts zu wünschen übrig, weder vom Stil noch vom Inhalt.
Es beginn damit, wie das Landesmuseum an die Himmelsscheibe gekommen ist, was an sich schon irgendwo zwischen total absurder schwarzer Komödie und spannendem Krimi schwankt, und wo Herr Meller aus persönlicher Erfahrung schöpfen kann, denn er war dabei. Dann geht es um die Erforschung der Himmelsscheibe, darum, sie zu datieren, die Quellen für ihre Materialien zu finden, die Veränderungen an ihr zeitlich einzuordnen - es wird über die Schwierigkeiten geredet, den genauen Fundort zu finden, und über die Probleme der Restaurierung (ja, auch die Sache mit dem Scheuerschwamm wird erwähnt).
Es wird über Ausgrabungen und Funde in Sachsen-Anhalt geredet und daüber, wie sich der Hort, von dem die Himmelsscheibe nur ein Teil ist, darin einfügt oder auch nicht. Beziehungen zu einer ganzen Menge archäologischer Stätten, von denen ich noch nie in meinem Leben etwas gehört habe, und einigen wenigen, von denen ich wusste. Alles sehr spannend, schon alleine durch den Kontext, den es aufzeigt.
Und dann geht es ans Interpretieren. Das Museum lädt ausdrücklich dazu ein, ihnen Theorien zu schicken und sie versprechen, sie alle zu lesen und zu prüfen - das haben sie auch im Falle einer Einsendung aus Hamburg getan, und diese Theorie ist die im Augenblick aktuelle, die sie für die wahrscheinlichste halten. Sie wird erläutert, begründet und mit anderen Theorien verglichen. Und mit den Ansprüchen antiker Hochkulturen verglichen, denn welches Wissen auch immer die Himmelsscheibe codiert, es ist zu erwarten, dass es in jeder Agrar-Hochkultur von Interesse ist. Und die besten Belege aus der Zeit stammen nunmal aus dem vorderen Orient.
Auf Basis all dieser Informationen entwerfen die Autoren am Ende ein Bild der Aunjetizer Kultur, und auch das ist sehr spannend. Wenn sie Recht haben, dann muss die landläufige Meinung vom finsteren Mitteleuropa, wo die Leute in kleinen Gehöften vor sich hinvegetierten, während Mesopotamien und Ägypten zivilsiatorische Höchstleistungen erbrachten, gehörig revidiert werden.
Natürlich ist viel Spekulation dabei, das liegt in der Natur der Sache, gerade ohne schriftliche Quellen. Aber nichts davon klingt massiv unwahrscheinlich oder auch nur aus der Luft gegriffen, denn Herr Meller und Herr Michel haben für quasi alles einen passenden Vergleich oder sogar eine Begründung, um es zu erklären. Fachleute eben.
Und erwähnte ich schon, dass es stilistisch großartig ist? "Eine Kultur die Glockenbecherkultur zu nennen, ist so, als würden wir die Kultur der USA im frühen 20.Jahrhundert als die Whiskeyglasleute bezeichnen." (sinngemäß, kein Zitat)
Lesen! Lohnt sich!