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Das Museum Abteiberg ist ein Museum für moderne Kunst. Als solches liegt es zwar in Mönchengladbachs Altstadt, ist aber ein einem modernen Gebäude untergebracht, dass 1982 fertiggestellt wurde, von Hans Hollein entworfen ist, und 1985 den Pritzker Award bekam. Von außen ist es in der Tat sehr interessant, mit viel Glas und Metall. Von jeder Ecke bietet es neue Perspektiven, so dass es manchmal schwierig zu glauben ist, dass das alles wirklich ein einziges Gebäude ist. Es liegt im Hang, und wenn man von der Seite des Skulpturengartens kommt, muss man sehr viele Treppen steigen und eine Weile suchen, bis man den Eingang gefunden hat.


Wenn man dann drin ist, dominiert weißer Marmor. Das Museum hat große Räume, die aber niemand ganz gerade grade sind und durch viele freie Wände, Nischen und winzige Randräume sehr verwinkelt wirken. Das führt wiederum dazu, dass das Museum sehr viel Personal anstellen muss, um die Besucher im Auge zu behalten, und dass dieses Personal den Besuchern auch ständig nachrennen muss, um sie im Auge zu behalten. In anderen Museen gibt es da sicher stressfreiere Jobs.

Ich habe noch immer keine Ahnung von moderner Kunst und kann mit ihr auch nicht wirklich etwas anfangen. Das Museum Abteiberg hat Werke von Richter, Warhol und Beuys, also durchaus auch bekannte Namen und große Werte. Leider war nicht klar, welches Kunstwerk jetzt genau die Fettecke war... aber immerhin habe ich jetzt eine Fettecke von Beuys gesehen, auch wenn ich nicht weiß, wie sie aussieht. Das ist sicher sehr im Sinne des "mit der Kunst beschäftigen", kann also nicht schlecht sein.
Persönlich mochte ich "Große Liegende Kuh" von Ewald Mataré am liebsten. Das ist eine Bronzeplastik, die aussieht, wie, nunja, eine liegende Kuh, wenn auch sehr vereinfacht. Die war hübsch, sah weich und warm aus und strahlte etwas Friedliches aus. Sehr schön. Auch das rebellierende Klavier von Beuys war nett. Klavier, aus dem vertrocknete Rosen wachsen. Ob die schon zur Herstellung vertrocknet waren, weiß ich natürlich nicht.

Es gab auch noch zwei oder drei weitere Werke, die mir gefallen haben, aber da kann ich mich nicht an die Namen oder die Künstler erinnern. Das eine war jedenfalls eine metallene Scheibe vor metallenem Hintergrund, beides mit Prägungen, und wenn sich die Scheibe drehte, dann sah es durch optische Täuschung so aus, als würde sie Wellen schlagen. Sehr interessant gemacht.

Die aktuelle Sonderausstellung heißt "Stretch" und zeigt Werke der Künstlerin Alexandra Bircken. Sie beschäftigt sich mit Körper und Kleidung und dem Wechselspiel von Material... oder irgendwie sowas (sie haben ein Booklet, das ich aber nicht gelesen habe). In jedem Fall muss sie eine sehr feministische Künstlerin sein. Bei einem metallenen Abguss einer Vagina und einem anatomischen Modell, sowie zwei in eindeutiger Pose vornübergebeugten Frauen-Kunstwerken ist das nicht anders möglich.

Mönchengladbach ist eine ca. 250 000 Einwohner starke kreisfreie Stadt im Rheinland, die aus dem Zusammenschluss der beiden Orte Gladbach und Rheydt besteht, der im Jahre 1929 erstmalig vollzogen wurde. Schon damals war er nicht populär, was zum einen daran lag, dass die meisten der Stadthonoratioren aus Gladbach kamen und Rheydt sich darum unterrepräsentiert fühlte, und zum anderen daran, dass Gladbach katholisch und konservativ war und Rheydt evangelisch und liberal.
Rheydts mächtigster Sohn, Joseph Goebbels, hat dann in den 30er Jahren dafür gesorgt, dass der Zusammenschluss wieder aufgelöst wurde. 1975 wurde sich dann wieder zusammengeschlossen, aber begeistert sind die Mönchengladbacher auch heute davon nur zu einer Gelegenheit: wenn es um Fußball geht. Hinter der Borussia stehen sie alle.

Und das merkt man. Dieses Wochenende war nur Auswärtsspiel, darum blieb uns der Trubel eines Heimspiels erspart, aber überall hängen Logos und Fahnen, Autos sind mit Aufklebern bestückt, Menschen tragen Vereins-T-Shirts... und jeder redet drüber. Aber okay, es war Rheinderby, das ist nochmal was Besonderes. Borussia gegen 1.FC Köln. Borussia hat gewonnen. ;)

Ansonsten sind das Schönste an Mönchengladbach - auch M'Gladbach oder MG - seine Parks. Es gibt einen sehr großen Stadtpark namens Bunter Garten, diverse kleinere Parks und die Schlösser im Süden (eins davon ist Schloss Rheydt) haben auch nochmal welche. Sehr grün und um diese Jahreszeit natürlich auch voller Blüten. Und in all diesen Parks steht sehr viel Kunst. Wie auch sonst überall in der Stadt. Skulpturen, Brunnen... da hat irgendwann mal jemand sehr viel Geld ausgegeben. Am bemerkenswertesten fand ich die Gruppe Bronzeesel in der Fußgängerzone. Ich habe keine Ahnung, was die mit der Stadt zu tun haben, aber sie sind eine Art Wahrzeichen. Es gibt Postkarten davon, Anstecker, Aufkleber und sogar einen "Eselduft" Auto-Duftesel.

Architektonisch hat die Stadt weniger zu bieten, denn als alte Industriestadt (Textilindustrie) hat sie im Zweiten Weltkrieg stark gelitten, und das sieht man der Innenstadt an. Die ist auch noch erstaunlich klein, mit zwei Straßen, die sich als Fußgängerzonen kreuzen, einem Marktplatz und dem alten Abteilgelände, wo die Münsterkirche, das heute als Rathaus dienende Abtsgebäude und eben das Museum Abteiberg stehen. Kann man in einer halben Stunde gut durchlaufen.
Ach, und es gibt einen Bereich, in dem es nur Kneipen gibt. Eine neben der anderen. Wie in der Düsseldorfer Altstadt, nur sehr viel kleiner.

Das sehr gut gemachte und interessante Stadtmuseum ist übrigens in Schloss Rheydt untergebracht. Und Mönchengladbach liegt tatsächlich am Gladbach.

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