blauerfalke: (erzählen)
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Ich habe anderthalb Vorausscheide gesehen, also wusste ich immerhin, dass es bunt wird. Das ist ja schonmal sehr viel wert, denn nach der vierten Platinblondine mit Powerballade verliert man schonmal die Übersicht, oder nach dem fünften dunkelhaarigen 17jährigen. Aber so war's bunt und unterhaltsam und für jeden was dabei. Das merke ich schon daran, dass mir eine Menge Dinge zum Abend einfallen und ich außer den üblichen Namensverwechslungen einzelner Länder doch immer recht genau wusste, wer wer war.
Außerdem haben sie alle gut gesungen.

Wie immer wurde nur von wenigen nicht-Englisch gesungen. Frankreich (zum Teil) natürlich, Italien, Portugal, Ungarn, Weissrussland... das sind die, die mir spontan einfallen. Kein Anspruch auf Vollständigkeit. Der Rest sang Englisch. Egal, ob das Muttersprache war oder nicht.

Motto des Abends: Celebrate Diversity

Sieger: Portugal

Persönlicher Favorit: Moldawien. Außerdem Kroatien, Rumänien und ja, Portugal. Singen konnte er ja und das Lied hat mir auch gut gefallen. Man durfte halt nur nicht hinsehen dabei. Darum wundert mich noch immer, dass er gewonnen hat.

Modetrend des Jahres: Farbe ist immer noch alle. Jeder, der was Anderes als weiß oder schwarz trug, verdient eine gesonderte Erwähnung. Außerdem müssen Socken in der Ukraine echt teuer sein, es hatte nämlich kaum einer welche an.

Least Dressed Award: Ruslana im Showteil. Endlich ein der Eurovision würdiges Minikleid. Aus Kettenringen. Kettenhemd-Minikleid. Aber was wirklich zählt, ist ja die Länge. Rumänien und Frankreich haben sich bemüht, aber da wäre mehr gegangen.

Sinnlosestes Gimmick: Rumänien. Sie bringen zwei überlebensgroße Kanonen mit und feuern sie nicht ab.

Bestes Gesamtkunstwerk: Aserbaidschan. Sie hat eine Mini-Bühne aus Schultafeln dabei, die mit random Wörtern aus ihrem Songtext beschrieben sind, außerdem eine Leiter und einen Typen auf der Leider, der einen Plastikpferdekopf über den Kopf gestülpt hat. Dann malt sie mit Kreide Kreuze auf die Rücken der Mäntel ihrer Backgroundsänger, woraufhin die diese Mäntel dann ausziehen. Ich glaube, es geht darum, dass sie sich in den falschen Typen verknallt hat... ich hatte was gegen Krieg erwartet, das ist jetzt verwirrend...

Beste Idee: Kroatien. Er singt ein Duett mit sich selbst. Und kann dabei mühelos zwischen Opern- und Popstimme wechseln. Hut ab.

Fröhlichster Auftritt: Weißrussland. Fröhliches, begeistertes Duett in Landessprache auf einem Schiff.

Symbolischster Auftritt: Griechenland. Eine Sängerin und im Hintergrund machen zwei Tänzer Ausdruckstanz in mit Schwanensee-Anleihen in einem flachen Wasserbasin. Am Ende sehen sie einander intensiv in die Augen und formen mit ihrem Armen ein Herz.

Overkill-Award Disziplin Symbolik Italien. Der Song ging darum, dass der westliche Mensch sich bei Versatzstücken asiatischer Religionen und Lebensweisheiten bedient, als das sei das Fastfood. Dazu trug der Sänger einen dunklen Anzug mit Regenbogenstreifen längs auf den Armen, um die gleichgeschlechtliche Ehe zu feiern, sein Hintergrund symbolisierte einen Regenbogen als Zeichen der Diversität (leider hatte er nicht genug Leute, so dass nicht alle Farben vorkamen und sie darum ein bisschen aussahen wie die Crew der Enterprise Classic), und er hatte einen Tänzer im Gorilla-Kostüm mit einer Fliege, um zu verdeutlichen, dass der Mensch nicht mehr ist als ein Affe, der sich ziemlich wichtig nimmt. Nicht zu vergessen noch die bekannte Evolutionsreihe Affe-Mensch als Projektion, um das auch wirklich jedem nahezubringen.

Größte Unverschämtheit: Norwegen. Wie Georgien und Spanien letztes Mal gab das Fernsehen ihnen besondere Einblend-Effekte. Unfair. Aber wenigstens waren die nicht so anstrengend wie die letztes Jahr bei Georgien.

Nervigste Projektionen: Australien. Das Gesicht des Sängers dreimal gestaffelt in Überlebensgröße und er steht direkt davor. Wie oft kann man denselben Mann auf einem Fernsehschirm gleichzeitig zeigen?
Ehrenvoller Zweiter Platz: Frankreich. Wildes Umkreisen des nächtlichen Eifelturms. Da konnte einem schon schwindelig werden.

Schönste Projektionen: Polen. Die Sternbilder waren sehr poetisch.

Anstrengendster Auftritt: Portugal. Man konnte einfach nicht hinsehen bei dessen Bewegungen. Was hat der Mann geraucht?

Ehrlichster Auftritt: Österreich. Er hatte es selbst geschrieben und das merkte man sehr deutlich. Ein Lied, das ihm persönlich am Herzen lag. War ein Lovesong.

Schönstes Kostüm: Australien. Schöner Mantel.

Bestes Kostüm-Gimmick: Der DJ von Norwegen. Er trug eine Maske mit LED-Leuchten. Kylo Ren? Death Eater? Deadpool?

Schlechtestes Kostüm: Portugal. Der Anzug hat ihm nichtmal gepasst.

Bestes Gesamtkonzept: Moldawien. Das Lied hatte alles. Es war flott, es war lustig, es hatte ein markantes Saxophon-Riff, eine spaßige Choroegraphie und Trickkleider. Das ist Eurovision. Was will man mehr?

Beste Choreographie: Armenien. Hand-Arm-Ausduckstanz. Im Ganzen wurde mir zu wenig getanzt dieses Jahr.

Schlechteste Absprache: Australien und Schweden. Beide treten mit Laufbändern an. Aber Australien läuft einfach nur stundenlang geradeaus, Schweden hat vier Backgroundleute und alle fünf machen Mode-Laufsteg-Bewegungen auf ihren Laufbändern.

Seltsamste Idee: Schweden. Er beginnt den Song backstage, während er sich noch anzieht. Darum muss dann auch jemand sein Mikro für ihn festhalten, bis er das Jackett geschlossen hat. Was sollte das darstellen? Unpünktlichkeit?

Beste Textzeile: Norwegen. "So when it's all or nothing, I put my nerves in the coffin."

Bester Nachahmer: Zypern. Sein Song hat genau das gleiche Rhythmusriff wie "Only Human" von "Rag'n Bone Man".

Mutigstes Kostüm: Spanien. Sie trugen Hawaii-Hemden. Mehr Farbe!

Anhängende Skandale: Spanien - Er war in ihrem Landesvorausscheid wohl punktgleich mit jemand anders und durfte dann fahren, weil er Beziehungen hatte. War klar, dass es dann keine Jury wagt, ihm Punkte zu geben. Nicht zu vergessen, dass es mir unbegreiflich ist, dass es für so einen Fall keine andere Regelung gibt - und Kroatien - der Sänger hat mehr als einmal von irgendeiner Gesellschaft den eher zweifelhaften Preis "Homophobste Person des Jahres" bekommen.

Spaßigster Skandal während der Show: Weißrussland. Nach Ende des Songs küssen Sänger und Sängerin einander auf offener Bühne. Und soweit das zu bestimmen war, handelte es sich um einen Mann und eine Frau! Wie kann das passieren? Beim Grand Prix! Das hat doch gar keine Message!

Unspaßigster Skandal während der Show: Israel sagt zur Punktevergabe, dass das wahrscheinliche ihre letzte Teilnahme war, weil ihr Fernsehsender geschlossen wird. Haben die keinen zweiten, der das übernehmen kann/will/soll/muss?

Coolstes Intrument: Ungarn. Er trommelt auf einer metallenen Milchkanne. Die Trommeltöne erklingen auch noch weiter, nachdem er damit aufhört.

Wichtigstes Instrument: Geigen. Immer wieder Geigen. Sie haben alle letztes Jahr gut zugehört: "Nothing says Eurovision like a Violin."

Lerneffekt: Wenn man für Schweden die Eurovision gewinnt, kann man da echt Karriere machen und ein großes Publikum erreichen. Wie sagte das T-Shirt eines australischen Fans so schön: "Eurovision-Fans: There's 200 Million of us."

Und es hat auch wieder wer im Publikum eine walisische Fahne geschwenkt. Dieses Jahr mit Sinn, die Sängerin für Großbritannien war Waliserin.

Date: 2017-05-18 01:07 pm (UTC)
From: (Anonymous)
Nicht zu vergessen war als "Auftritt" der Flitzer im Finale beim Auftritt von Jamala. Die hat sich aber nicht aus dem Konzept bringen lassen.

Gruß

Susann

Date: 2017-05-18 09:12 pm (UTC)
From: [identity profile] blauerfalke.livejournal.com
Zum Glück war's im Showteil und nicht während des Wettbewerbs, so wie bei dem Spanier, wo damals plötzlich wer zuviel mitmachte...

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