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von Jonas Wolf

Im Fahrwasser von "Der Herr der Ringe" und "Der Hobbit" gibt es eine ganze Masse Bücher, die einem sozusagen alles erklären. Von den Reiserouten über Tolkiens Werk bis hin zu den Mythen, die Mittelerde zugrunde liegen. In diesem Buch geht es um Elfen.


Oder vielleicht besser, es geht um das Elfenbild, das Tolkien mit seinen Elben geschaffen hat. Ca 200 der 346 Seiten beschäftigen sich ausschließlich mit den Forschungsergebnissen, die der große Elfologe Tolkien in seinen zahlreichen Büchern in der Form von spannenden Geschichten veröffentlicht hat. Wie übrigens auch andere große Elfologen, deren Werke wie "Erzähungen vom Dunkelelf" oder "Elfquest" ähnlich bedeutend und bahnbrechend sind, die aber als Sachbuch nie gelesen würden, weshalb sich die Zunft der Elfologen aufs Geschichten erzählen verlegt hat, um ein breiteres Publikum zu erreichen. Und unter Elfen ist es ja auch nicht unüblich, Wissen über sehr lange Gedichte, Lieder und Balladen zu vermitteln.

Herr Wolf hat sich trotzdem entschieden, ein Sachbuch zu schreiben, und weil man das in Deutschland zu so einem Thema und mit so einer Prämisse nicht in einem sachlichen Tonfall kann, ist der Tonfall bemüht locker und flapsig und es wird einem sozusagen mit jedem Satz "Wir machen doch nur Spaß hier!" ins Gesicht geschrien. Um das auch wirklich deutlich zu machen, hat Herr Wolf noch zwei weitere (fiktive?) Experten angeheuert, die seine Aussagen gerne mal kommentieren. Der eine ist ein Elfenfreund, der andere ein Elfenhasser, so soll angeblich für ausgeglichene Berichterstattung gesorgt werden. Leider führt es vor allem dazu, dass die beiden Experten entweder einander oder Herrn Wolf beschimpfen, und der Informationsgehalt der Einwürfe ist auch gleich Null.

Was also bekommt man? Informationen über das aktuelle Elfenbild in den Medien, geprägt von Peter Jackson und Legolas, basierend auf Tolkiens Elben. Dazu ein Kapitel über die oben erwähnten anderen Zyklen und noch ein paar andere Verweise auf Elfenbilder in z.B. World of Warcraft. Außerdem ein Kapitel, in dem Herr Wolf wahllos ausgewählte Elfenspezies aus der Folklore - z.b. Pixie, Apsaras und Nymphen - näher bespricht und in ihrem Verwandtschaftsgrad zum Schönen Volk (klassische Tolkien-Elben) einsortiert. Am Ende dann noch ein Kapitel, das einem Ratschläge gibt, wie man eine erfolgreiche Gartenparty für elfische Gäste gibt.

Es ist ein Buch, von dem man keine Ahnung hat, was es will. Wer sich wirklich für Tolkiens Elben interessiert, ist mit Tolkiens Werken und den unzähligen Kommentaren dazu besser bedient. Wer sich für Folklore interessiert, sollte das Buch gar nicht erst anfassen und lieber Bücher wie die von Nancy Arrowsmith oder Pierre DuBois lesen. Ich denke, das Buch ist für Leute, die sich mal grob über die Elfen-Begeisterung informieren wollen, um dann nachher genug zu wissen, um eben diese Begeisterten verspotten zu können. Diesen Leuten sollte auch der Tonfall des Buches entgegen kommen.
Das Positivste, was ich über den Stil sagen kann, ist, dass er gut und flüssig ist und man sich locker durchlesen kann. Handwerklich also wirklich gut gemacht.

Ein erneuter Beweis dafür, dass deutsche Autoren keine Sachbücher über nicht-handfeste Themen schreiben können, ohne gleich alles lächerlich zu machen. Auch wenn ich Herrn Wolf dabei gar nicht mal böse Absicht unterstellen will. Er hat wahrscheinlich nur das geschrieben, was sein Verlag verlangt hat. Wenn man Elfen mal ernsthaft betrachten würde... wo sind wir denn hier? Geht ja gar nicht.

Anmerkung: Herr Wolf hat auch noch ein Buch "Alles über Hobbits" geschrieben. Ich glaube, das brauche ich nicht zu lesen.

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